Immer für Dich da

Gründonnerstag. Jesus trifft sich mit seinen Jüngern zum letzten Abendmahl. Der Apostel Paulus gibt einen dichten Bericht über die Ereignisse: „Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1. Korintherbrief 11,23-25)

In den nächsten Stunden wird Jesus verraten, verhaftet und schließlich gekreuzigt. Alles scheint vorbei. Erst nach seiner Auferstehung verstehen die Jünger, was in diesen Stunden und Tagen geschehen ist. Sie erkennen, dass Jesus nicht nur auferstanden ist, sondern sich tatsächlich in Brot und Wein geschenkt hat und bleibend gegenwärtig ist. Seine Reden, sein Handeln, seine Wunder – sie erschließen sich ihnen auf eine neue, eucharistische Weise.

So etwa die Brotrede Jesu, auch ‚eucharistische Rede‘ genannt, in der Synagoge von Karphanaum (vgl. Johannesevangelium 6). Eine große Menge ist Jesus in Erwartung eines weiteren Wunders gefolgt, denn zuvor hatte er viele Kranke geheilt und es kam zur wunderbaren Vermehrung der Brote und Fische für die Tausenden. Jesus nahm bei diesem Wunder das Brot und segnete es, nahm die Fische und segnete sie, und teilte an die Menschen aus, soviel sie wollten. Jesus stillte den leiblichen Hunger der Menschen und stellte sich als das wahre Brot des Lebens vor, das er selbst ist.

Die wunderbare Vermehrung der Brote und Fische – dieses wird den Jüngern und Aposteln der Urkirche immer deutlicher – war bereits eine Vorwegnahme auf das spätere Geschehen des Gründonnerstags. Es sind jetzt nicht mehr Brote und Fische, Jesus gibt sich von nun an selbst mit seinem Fleisch und Blut jedem, der zu ihm kommt. Zu allen Zeiten und überall da, wo Eucharistie gefeiert wird. Immer ist er selbst gegenwärtig.

Und noch eines verstanden die ersten Christen, die nach der Auferstehung Jesu anfingen, das Brot zu brechen, was damals der Name für die heutige Eucharistiefeier war: Jesus ist wirklich mitten unter ihnen, in den geheimnisvoll verwandelten Gaben von Brot und Wein. Vor ihren Augen wurde die Prophezeiung des Propheten Ezechiel, dass Gott eines Tages mitten unter seinem Volk sein wird, um es bis an das Ende aller Zeiten zu führen, zu nähren und zu beschützen, Wirklichkeit (vgl. Ezechiel 34,14-16).

Die geheimnisvolle Nähe und Verbundenheit mit Jesus, die ihnen nicht nur Kraft und Mut, sondern auch einen tiefen Frieden schenkt, legt ihnen die Verheißung Jesu, die er in Karphanaum gab, „Jeder, der mich isst, wird durch mich leben“ (Johannesevangelium 6,57), auf radikal neue Weise aus. Er ist wirklich der Immanuel, der Gott-mit-uns. Er teilt sich immer wieder neu in Brot und Wein aus und ist dort gegenwärtig unter den Menschen als Retter der Seelen, als Heiler der Kranken und Bedürftigen.

Thomas von Aquin wird Jahrhunderte später in seinem Hymnus Tantum Ergo Sacramentum vom Sakrament der Liebe sprechen, das Geschenk der Selbsthingabe Jesu, der dadurch die unendliche und unterschiedslose Liebe Gottes zu jedem Menschen offenbart. Unser em. Papst Benedikt erläutert:

„Die Eucharistie ist in der Tat der ‚Schatz‘ der Kirche, das kostbare Erbe, das der Herr ihr hinterlassen hat. Und die Kirche bewahrt es mit größter Sorgfalt, indem sie die Eucharistie jeden Tag in der heiligen Messe feiert, in Kirchen und Kapellen anbetet, an die Kranken austeilt und denen als Wegzehrung spendet, die ihre letzte Reise antreten. Die Wirkung, die von diesem Schatz ausgeht, der für die Getauften bestimmt ist, beschränkt sich jedoch nicht auf den innerkirchlichen Bereich: Die Eucharistie ist der Herr Jesus, der sich hingibt ‚für das Leben der Welt‘ (Joh 6,51). Zu jeder Zeit und an jedem Ort möchte er dem Menschen begegnen und ihm das Leben Gottes bringen.“[1]

Die Kirchengeschichte ist voller Berichte von Menschen, die Jesus in der Eucharistie auf geheimnisvolle Weise begegnet sind. Beispielsweise Theresa von Avila im 16. Jahrhundert, die eine unserer Kirchenlehrerinnen ist. Sie war zutiefst davon überzeugt, dem menschgewordenen Sohn Gottes beim Empfang der heiligen Kommunion ganz real zu begegnen. Sie schreibt:

„Manchmal – fast immer, zumindest die meiste Zeit – kam ich nach der Kommunion zur Ruhe. Zuweilen fühlte ich mich, wenn ich mich nur dem Sakrament nahte, seelisch und körperlich gleich so wohl, dass ich mich nur wundere. Es sieht dann nicht anders aus, als würden sich im Nu alle Finsternisse der Seele auflösen, und sobald die Sonne aufgegangen ist, erkannte sie die Dummheiten, in denen sie gefangen war.[2]

Das Erleben der Gegenwart Jesu kann bei der Eucharistiefeier sogar von körperlichen Heilungen begleitet sein. Schwester Briege Mckenna, eine Ordensschwester der Klarissinnen, die seit den 80er Jahren im Heilungsdienst tätig ist, gibt folgendes Zeugnis:

„Unter Tausenden von wartenden Menschen, war eine junge protestantische Mutter, deren Kind im Sterben lag. Sie war durch einen katholischen Freund ermutigt worden, (…) mich zu fragen, ob ich für ihr Kind bete. Sie war nie in Irland gewesen und hatte noch nie an etwas Katholischem teilgenommen. Aber sie war verzweifelt wegen ihres Kindes, dessen Zustand so kritisch war, dass sie mit seinem Tod rechnen musste. (…) Als sie die vielen Leute (bei den Einkehrtagen) sah, wusste sie, es gab keine Möglichkeit für sie, mit mir persönlich zu beten. Während der Eucharistiefeier hörte sie mich über die wahre Gegenwart Jesu in der Eucharistie sprechen; dass ‚es Jesus in der Hostie ist‘ und dass ‚es Jesus ist, der heilt‘. Und während sie doch nicht ganz verstand, was ich meinte, hatte sie großen Glauben an Jesus; und sie tat das, was andere auch taten, sie streckte ihre Hände in Richtung Hostie aus und sagte: ‚Wenn dieses Du bist, Jesus, dann bitte heile meine kleine Tochter‘. Als sie nach Hause zurückkehrte, begrüßte sie zu ihrer Überraschung ihr Mann in heller Aufregung und sagte ihr, es sei eine unerwartete Wende eingetreten, ihrer Tochter gehe es sehr viel besser und die Ärzte würden sie nun bald nach Hause entlassen. Dieses erinnert uns daran, dass es der gleiche Jesus in der Hostie ist, der dem Hauptmann sagte, er solle nach Hause gehen, und sein Diener sei geheilt (vgl. Matthäusevangelium 8, 5-13).“[3]

Das Geheimnis Gegenwart Jesu ereignet sich immer wieder in jeder Eucharistiefeier, wo er erfahrbar und spürbar wird. Indem wir ihn empfangen und er eins mit uns wird, teilt er sich aus und berührt uns in inniger Nähe. Er wird erfahrbar als Arzt der Seele und des Leibes. Sein Versprechen hat sich hier in höchster Weise erfüllt: „Siehe, Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäusevangelium 28, 19).

Jesus ist immer für dich da.

 

[1]   em. Papst Benedikt XVI, Angelus, 18. Juni 2006

[2]   von Avila, Teresa: Buch meines Lebens. Freiburg i.Br., 2001, S. 440

[3]   Sr. McKenna, Briege: The Power of the Sacraments. 2009, Dublin, S. 33, eigene Übersetzung

7 Gedanken zu „Immer für Dich da“

  1. Lieber Thomas,
    wir danken Dir für Deine guten Worte und Gedanken, mit denen Du das Wesentliche unseres Glaubens immer wieder in den Mittelpunkt rückst und uns verdeutlichst, welch immens großes Gnadengeschenk der leibhaftige Jesus in der Eucharistie ist.
    Hab nochmals herzlichen Dank, grüß Deine liebe Ruth ebenso herzlich und freut euch auf ein gesegnetes und frohes Osterfest

    1. Liebe Anne, lieber Stephan,
      vielen Dank für die freundlichen Worte.
      Wir wünschen euch ebenfalls ein gesegnetes und frohes Osterfest.

  2. Lieber Thomas,

    danke für diese schönen Worte. Mich hat besonders das Zeugnis von Schwester Briege Mckenna berührt. Ich habe ihr Buch gelesen und so kommt mir diese wunderbare Begebenheit wieder in den Sinn. Ich durfte nach meiner Bekehrung 2001 unter anderem in Medjugorje auch so viele lebendige Dinge mit der Eucharistie erleben und es ist wahr: Jesus ist mit seiner ganzen Liebe und Kraft und Macht in diesem Brot! IHM sei die EHRE!

    Gott segne euch reich,
    Thomas

  3. Danke für dieses Mut machende Zeugnis. Das ist die Wahrheit.
    Jesus ist wahrhaftig in der Eucharistie!
    Liebe Ruth, sei mächtig gesegnet!

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