Befreiende Gegenwart

Sonntag morgen, 8.30 Uhr. In der Messe höre ich die Lesung des Tages aus dem Buch Josua. Plötzlich der Satz:

„In jenen Tagen sagte der Herr zu Josua: Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt.“ (Josua 5,9a)

Sicher, historisch geht es um den bevorstehenden Einzug Israels in das gelobte Land, um das endgültige Ende der Unterdrückung und Entwürdigung durch Ägypten zur Zeit des Alten Testaments, aber eins wurde mir wieder schlagartig bewusst: In Jesus Christus hat Gott auch meine Schande abgewälzt.

Der eine leidet unter einem sichtbaren oder vermeintlich sichtbaren Mangel, der andere erlebt sich minderwertig oder versagend, gar schuldig, die eine ausgestoßen oder missachtet, wiederum eine andere wurde durch Worte und Taten zutiefst beschämt. Viele Menschen leiden ihr Leben lang unter diesem tiefen Verletztsein, und nicht nur unter Scham, sondern auch unter Trauer, Einsamkeit, Verzweiflung und Wut. Wie davon frei werden? Wie Heilung finden?

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Als Psychologe weiß ich, dass es erfahrungsgemäß ein langer, oft lebenslanger Prozess ist. Ohne therapeutische Hilfe oder psychologische Beratung geht es manchmal nicht. Zur Heilung braucht es oft eine alles entscheidende Grunderfahrung, die positive Veränderungen erst wirklich möglich macht.

Es ist die Erfahrung, von einem Menschen durch und durch gewollt und geliebt zu sein, gleich, was geschieht, gleich, was mit mir ist, gleich, wie meine Situation gerade ist. Dieses gibt Kraft, die Verletzungen und ihre Folgen zu überwinden und die (oft schlechten und abwertenden) Überzeugungen hinsichtlich der eigenen Person zu erkennen und zu verändern. Glücklich ist, wer dies durch andere Menschen erfahren durfte.

Sehr häufig ist dies jedoch nicht der Fall oder wurzelt nicht tief genug. Es bleibt eine unerfüllte Sehnsucht nach einer vollständigen Heilung, die alle Ebenen des Menschen einbezieht, auch die geistige Dimension und Gottesbeziehung. Wo jedoch kann ich diese Erfahrung machen?mannchurch_wp

In der eucharistischen Gegenwart Gottes kann ich solche Erfahrungen machen. Bei der Anbetung. Durch Gottes Gegenwart kann mein Mangel und Defekt verändert und geheilt werden, wenn ich lerne, Gottes liebendem Blick auf meine Person zu vertrauen und zu verinnerlichen. Die eucharistische Liebe Jesu verändert alles. (Warum Anbetung an sich schon eine heilende Beziehung ist, erfährst du hier).

In der Eucharistie ist Jesus auf ganz besondere Weise präsent. Jesus ist in der Eucharistie auf eine so reale Weise da, dass eine Begegnung mit ihm nicht ohne Folgen bleibt – psychisch, körperlich, geistig. An allen Orten, wo Du die Möglichkeit hast, Jesus eucharistisch anzubeten, seit es am Tag oder in der Nacht – und du gehst hin – verändert er deine Realität.

Unsere Vision ist es, Menschen jederzeit diese Erfahrungen zu ermöglichen, sei es im Rahmen einer 24-7-Anbetung in der Gemeinde oder eines übergemeindlichen, eucharistischen Gebetshauses (mehr dazu hier).

Ich möchte Dich daher heute ermutigen, Jesus in der Eucharistie neu kennen zu lernen und in seiner Gegenwart die Liebe Gottes zu erfahren. Vielleicht hörst auch du das Wort Gottes „Heute habe ich die Schande von dir abgewälzt“ als persönliches Wort der Befreiung und Heilung.

4 Gedanken zu „Befreiende Gegenwart“

  1. Lieber Herr Hanses-Schall,
    auf dem Weg nach Emmaus waren zwei unterwegs, man könnte meinen, ein armer Mensch und der Psychotherapeut, der ihn begleitete… Sie sprachen über alles -…
    Da kam Jesus.
    Ihr Herz begann zu brennen.
    Heute gibt es so manche Menschen, die Grenzerfahrungen suchen – aber den Schritt in die Freiheit wagen sie nicht.
    Sie, Herr Hanses-Schall, sind gut unterwegs!
    Helfen Sie nur, beraten Sie, wen auch immer Sie beraten können!
    Ich wünsche mir, Ihnen, und allen die Sie beraten, und die an jene Grenze geführt werden, die wir alle nur an der Hand unseres Erlösers überschreiten können, dieses brennende Herz!
    Beten wir doch füreinander!
    Andreas Palocsay

    1. Lieber Herr Palocsay,
      das haben Sie schön in ein Bild gebracht!
      Ja beten wir füreinander und für alle Menschen, dass sie Jesus als Erlöser erfahren und erkennen dürfen!
      Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag!
      Thomas Schall

  2. Dieser Aufsatz eines Psychologen spricht von dem was der Mensch tut und erleidet. Es wird meines Erachtens nicht deutlich genug, dass die übernatürliche Einwirkung Gottes, die alles natürliche Empfinden, Wollen und Verstehen übersteigt, zu Erfahrungen führen kann, die der Mensch nicht aus sich selbst entwickeln, erwirken und ergründen kann oder gar sich selbst zuschreiben sollte.
    Es wird zu sehr der Eindruck erweckt, als ginge es nur um menschliches Selbstbewusstsein und nicht darum, dass Gott selbst sich der Seele bezeugt. Nicht unsere psychologisch definierbare Vorleistung bestimmt Gottes Handeln. Vielmehr ist das gnadenhafte Handeln Gottes für uns Menschen die Herausforderung der sich selbst bezeugenden göttlichen Liebe zu antworten. Niemand kann zu mir kommen…
    Es ist der Gott und Vater Jesu Christi, der uns führt und ‚zieht’…
    Diese Dimension fehlt der Psychologie. Darum sollte sie sich nicht als Mystik ausgeben, denn diesem Anspruch kann sie nie gerecht werden!
    Ich empfehle das Gebet um Taufgnade, Firmgnade, eventuell das Gebet um die Gnade des Ordo oder der Ehe, den Gebrauch der Sakramentalien wie des Weihwassers. Ich erinnere daran, dass der eucharistische Jesus, nicht nur in den Gestalten gegenwärtig und anbetungswürdig bleibt, sondern im Empfänger des Sakramentes bleibend gegenwärtig ist und angebetet werden kann und soll. Der Glaube an die Realität dieser göttlichen Gnadenwirkungen ist der geistliche ‚Raum‘ in dem die erfahrbare Ausgießung des Heiligen Geistes die Kraft von oben gewährt. Diese Gnade annehmen zu können ist Frucht des Gebetes, nicht Ergebnis eines psychotherapeutischen Selbstversuchs…
    ‚Die Kirche erwacht in den Seelen‘ – , hörten wir Romano Guardini sagen. Bleibt nur anzumerken: Nicht bloß in der Soziologie und schon gar nicht in der Psychologie – nicht diese Wissenschaften, sondern die Theologie sollte uns das Brot reichen, das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt…

    1. Lieber Herr Palocsay,

      vielen Dank für Ihre ergänzenden Gedanken. Sie schreiben, „es wird zu sehr der Eindruck erweckt, als ginge es nur um menschlisches Selbstbewusstsein (…)“. Erlauben Sie mir hierzu eine kurze Bemerkung: Das wäre in der Tat eine inhaltliche Verkürzung, die ich nicht anstrebe oder behaupte. Es braucht jedoch bisweilen der Hilfe einer (christlich orientierten) Beratung und Psychotherapie, um dem konkreten Gegenüber zu helfen, genau diesen Schritt oder diese Erkenntnis zu leisten, die Sie oben skizzieren. In meiner eigenen Beratungstätigkeit erfahre ich dies immer wieder. Haben Sie vielen Dank für die anregende Diskussion! Mit guten Wünschen Thomas Schall.

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