Die Weihe #1 Ein Weg der Heilung

Bevor wir dazu kommen, direkt auf den Zusammenhang zwischen einer solchen Weihe an Christus in der Eucharistie und Heilung einzugehen, hier kurz einige Anmerkungen zu Heilungen durch Jesus an sich.

Schon während seiner Zeit auf Erden wandte Jesus sich besonders den Leidenden und Kranken zu. Sein Auftreten war geradezu charakterisiert davon, Heilungen zu wirken; dieses bezeugt uns die Heilige Schrift an vielen Stellen, zum Beispiel hier:

„Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.“ (Mt 9, 35)

„Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht.“ (Lk 7, 21)

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Ebenso die Lehre der Kirche spricht davon, dass es zum Wesen der Tätigkeit Jesu gehörte, Heilungen zu wirken. Sie sind geradezu ein Kennzeichen der Verkündigung seines Evangeliums und bezeugen ihn als den Messias, den Retter der Welt (vgl. Instruktion Über die Gebete um Heilung durch Gott: 7). 

Aus der Schrift lernen wir gleichermaßen:

„Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13, 8)

So ist unser Glaube, dass Jesus Christus auch heute noch seine heilende Kraft auf uns richten möchte.

Dabei hat er den ganzen Menschen im Blick, der von seiner Erschaffung an dafür bestimmt ist, zur Gemeinschaft mit Gott, seinem Schöpfer, erhoben zu werden. Gemeinschaft mit Gott heißt, eine innige, persönliche Beziehung mit Gott zu leben.

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Insofern geht es Jesus nicht allein darum, auf die immer vorhandene menschliche Sehnsucht nach Gesundheit und Befreiung von Leiden und jeglichem Übel zu antworten. Dafür, so wie Romano Guardini es in seinem Werk ‚Der Herr‘ beschreibt, 

„sieht er das Leid viel zu tief, viel zu weit drunten in den Wurzel des Daseins, eins mit Sünde und Gottesfremdheit.“ (Guardini: 57)

Es geht Jesus um die Heilung und Wiederherstellung des ganzen Menschen, hin zu dem Menschen als „Neuschöpfung in Christus“ (vgl. 2 Kor 5, 17). Das setzt unsere Umkehr voraus, das Erkennen und Bekennen unserer Sünden und die Vergebung in und durch Jesus Christus zu empfangen. Falls Du noch kein Christ bist, ist der erste Schritt die Taufe, durch die der entscheidende Anfang gesetzt wird.

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Als Neuschöpfung in Christus beginnt unsere Erhebung und Teilhabe an Gott, es beginnt die innige, persönliche Beziehung mit Gott. Aus dieser Beziehung heraus geschieht die Umgestaltung in den neuen Menschen, der immer mehr Liebe wird. 

Da dieser Weg immer wieder Rückschläge hat, und wir aus Schwäche immer wieder fallen, ist uns das große Sakrament der Versöhnung, die Beichte, geschenkt, um immer wieder neu gereinigt zu werden und stetig voranzuschreiten.

Alles Heilen Jesu ist auf der Linie zu sehen, diese Neuschöpfung in Christus zu werden, ob die Heilung nun den Leib, das Psychisch-Seelische oder die geistige Dimension des Menschen betrifft. Damit ist gemeint: Jesus Christus als Sohn Gottes, der selbst Gott ist, weiß genau, was wir an Heilung benötigen, um auf dem Weg zum neuen Menschen, der immer mehr Liebe wird, weiter zu kommen.

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Das kann die körperliche Heilung sein, mit der er sich in mächtiger Weise als Sohn Gottes und Messias bezeugt, um uns und andere auf seinen Weg zu holen. Das kann innere Heilung auf psychisch-seelischer Ebene sein, die uns immer mehr befähigen soll, zu lieben wie Jesus es uns vorgelebt und gelehrt hat. Das kann Heilung auf der geistigen Ebene sein, die unser christliches Denken und Glauben in eventuell notwendiger Weise korrigiert; oder in Form von mächtigen Bekehrungsgnaden, die uns aus atheistischen Denksystemen oder modernen, religiösen Götzendiensten herausreißen zum Glauben an Ihn, den Christus, führen.

Diese Beschreibungen sind natürlich in keiner Weise vollständig. Zu sehr ist im Menschen alles miteinander verwoben, und Gottes Handeln ist immer souverän. Die Beispiele sollen nur eine Idee geben, wie komplex und vielfältig Heilung ist.  Eines glauben wir sicher: Gott berührt und heilt so, wie es für uns am besten ist.

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Wenn wir uns nun  in der eucharistischen Gegenwart Jesu befinden, stehen wir unter den Strahlen seiner wirkkräftigen Liebe. Wir setzen uns sozusagen seiner Liebe direkt aus. Christus kann nicht in seiner mächtigen eucharistischen Gegenwart da sein, ohne auszustrahlen. Von seiner eucharistischen Gegenwart her schenkt er seine heilende, aufbauende und stärkende Liebe in mächtiger Weise, besonders dann, wenn wir mit Glauben und liebendem Vertrauen zu ihm kommen.

Vielleicht ist unser Glaube klein, wenn wir in seiner mächtigen, eucharistischen Gegenwart sind. Wir wollen mit dem verzweifeltem Vater, der zu Jesus kommt wegen der Heilung seines wahrscheinlich epileptischen Sohnes, beten: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 24). Erwarten wir viel vom Herrn!

Die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament nun ist ein mächtiger Weg, sich in die heilende Liebe Jesu zu stellen. Denn durch die regelmäßige persönliche Anbetung begeben wir uns in die mächtigste Gegenwart Jesu auf Erden, von der seine heilende Kraft und Liebe in höchstem Maße ausgeht.

Besonders hervorzuheben: Innere Heilung für tief verletzte Seelen

Die Weihe an das Allerheiligste Sakrament ist ein Angebot und eine Einladung, sich der heilenden Liebe Jesu in besonderer Weise zu öffnen, und sie kann auch als ein Weg der persönlichen inneren Heilung verstanden werden.

Es ist eine Einladung besonders an tief verletzte Seelen, die Gegenwart Jesu in der eucharistischen Anbetung zu suchen und bei ihm heilenden Trost, Frieden und innere Heilung zu finden. Insofern verstehen wir eine solche Weihe als eine Weise, wie Gott auf die vielen menschlichen Nöte unserer Zeit antwortet.

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Unter einem Weg der inneren Heilung verstehen wir, dass die Liebe Jesu diejenigen, deren Herzen vielleicht verhärtet, verbittert und zerbrochen sind, zu einer umfassenden Vergebung führen kann und sie wieder neu befähigt zu lieben; gewirkt durch die zärtliche Liebe Jesu, die vom Allerheiligsten Sakrament herabströmt. Durch Jesu Liebe können wir den Willen und die Kraft finden, dort zu vergeben und zu lieben, wo andere beginnen zu hassen, anzuklagen, zu resignieren, in Süchte zu fallen oder vieles mehr.

Gleich nun in welcher Weise Heilung geschieht: Wenn vom eucharistischen Christus Heilung ausgeht, ist es immer ein Zeugnis, das Jesus uns selbst gibt über seine reale, lebendige Gegenwart unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein.

Hier geht es weiter über die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament:
Einführendes
#2 Die Weihe: Ein Weg der Heiligung 

#3 Die Weihe: Eine Gnade zur Aufrichtung der Kirche
#4 Die Weihe: Ein Zeugnis über die Eucharistie
#5 Maria, die eucharistische Frau
#6 Die Weihe konkret

Literatur:

Kongregation für die Glaubenslehre: Instruktion über die Gebete um Heilung durch Gott. Rom, 14.9.2000 

Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957