Die Weihe #5 Maria, die eucharistische Frau

Die Stellung Mariens als Braut des Heiligen Geistes und Mutter der Kirche möchten wir betonen. Ebenso möchten wir auf ihre besondere Beziehung zur Eucharistie hinweisen, die sie als Mutter Jesu hat. Papst Johannes Paul II nannte sie die „eucharistische Frau“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 53), und hebt damit ihre innere Haltung hervor, die zutiefst eucharistisch war. 

Darstellung der Geburt Jesu, projiziert mit einer Lichtshow auf die Fassade des Kapitol in Rom, Piazza del Campidioglio (Bildquelle: https://unsplash.com)

Denn weil das Geheimnis der Eucharistie unseren menschlichen Verstand hoch übersteigt, benötigt es eine ganz reine Hingabe an das Wort Gottes, um dahingehend zu einem Verständnis und Glauben zu kommen. In einer solchen glaubenden Hingabe ist Maria diejenige, die uns in vollkommener Weise vorangeht. 

Ein weiterer Aspekt ihrer inneren eucharistischen Haltung war, dass sie sich den Opfercharakter der Eucharistie zu eigen machte, schon während ihres Lebens mit Jesus, aber vor allem unter dem Kreuz, in der bewussten Vereinigung mit ihrem Sohn im erlösenden Leiden. 

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Nicht nur durch ihre innere eucharistische Haltung, die auch zutiefst von Anbetung geprägt war, sondern ebenso bezüglich eines weiteren Aspekts steht Maria in besonderer Weise in Beziehung zum Allerheiligsten Sakrament. So kann als ein auf die Eucharistie hinweisendes Moment gesehen werden, dass Maria mit Jesus in ihrem Schoß

„in gewisser Weise zum … ersten ‚Tabernakel’ der Geschichte wurde.“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 55).

Ihre überaus bedeutende Rolle besteht darin, dass erst durch ihr ‚Ja‘, die Menschwerdung Gottes möglich wurde. Nicht in dem Sinne, dass Gott auf Maria angewiesen gewesen wäre. Vielmehr wollte er diese Mitwirkung eines Menschen, als er Maria erwählte und durch ihre Unbefleckte Empfängnis sie in einzigartiger Weise für ihre Gottesmutterschaft ausstattete.

Weil Maria

„ihren jungfräulichen Schoß für die Menschwerdung des Wortes Gottes dargeboten hat“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 55),

ist durch sie die Inkarnation Gottes erfolgt. Maria empfing den Sohn Gottes in ihrem unbefleckten Schoß, und aus ihr wurde der

„vernünftig beseelte heilige Leib des ewigen Sohnes Gottes geboren.“ (Katechismus 466)

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Gott ist wahrhaft Mensch geworden und doch wahrhaft Gott geblieben, er ist wahrer Gott und doch gleichzeitig wahrer Mensch (vgl. Katechismus 464-469). Durch ihr Mitwirken nahm Gott in Jesus Christus einen Leib an, wurde zu Fleisch und Blut. Ohne ihr Mittun, ohne ihr bedingungsloses Ja zum Willen Gottes, gäbe es letztlich einen solchen ‚Leib Christi‘ nicht.

Es ist nun genau dieser Jesus Christus, der 

„… im eucharistischen Mysterium unter den Zeichen von Brot und Wein mit seinem ganzen Gott-menschlichen Sein gegenwärtig wird.“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 55)

So stehen die Menschwerdung des Sohnes Gottes und die Eucharistie in einer Linie. Eucharistie ist die von Jesus selbst gewirkte, göttliche Weiterentwicklung seiner Menschwerdung, sie ist sein bleibendes, leibhaftiges, irdisches Hiersein und Unter-uns-wohnen. Johannes Paul II sagt:

„Die Eucharistie … steht zugleich in Kontinuität zur Menschwerdung.“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 55)

Oder wie der hl. Pierre-Julien Eymard, der in herausragender Weise eine Art Theologie über das Allerheiligste Sakrament hinterlassen hat, es sagt:

„Die Eucharistie ist die letzte Stufe der Inkarnation“ (zitiert in Racine: 81)

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Oder kurz und einfach: „Es ist der leibhaftige, lebendige Jesus!“

Es ist auch der heilige Pierre-Julien Eymard, der besonders auf Maria hinweist, die uns am besten zur Anbetung führen kann. Denn sie ist die erste und vollkommene Anbeterin. Insofern habe sie die besondere Mission, uns zu Jesus im Allerheiligsten Sakrament zu führen (vgl. Racine: 83). So ist gerade sie es, die uns hilft, Christus im Allerheiligsten Sakrament immer tiefer zu erkennen. Johannes Paul II sagt:

„Maria kann uns tatsächlich zu diesem heiligsten Sakrament hinführen, da sie zu ihm eine tiefe Beziehung hat.“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: 53)

Diese Betrachtungen über Maria in besonderer Beziehung zur Eucharistie mögen uns  anspornen und ermutigen, Maria in unser Gebets- und Anbetungsleben einzubeziehen, indem wir  sie als unser Vorbild nehmen und gemeinsam mit ihr ihren göttlichen Sohn anbeten.

Das Bekenntnis zu Maria gehört zu dem Zeugnis, das wir geben wollen; und wir glauben, dass Christus seine Kirche unter dem Zeichen der Eucharistie und Mariens wieder aufbauen und einen möchte.

Hier geht es weiter über die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament:

Einführendes
#1 Die Weihe: Ein Weg der Heilung
#2 Die Weihe: Ein Weg der Heiligung
#3 Die Weihe: Eine Gnade zur Aufrichtung der Kirche
#4 Die Weihe: Ein Zeugnis für die Eucharistie

#6 Die Weihe konkret

Literatur
hl. Papst Johannes Paul II: Enzyklika Ecclesia de Eucharistia. Rom, 17.4.2000
Racine, Florian: Adoration Eucharistique. Éditions de l’Emmanuel, Paris, 2009