Old school oder höchst aktuell? Maria – Mutter der Kirche

Mater ecclesiae, „Mutter der Kirche“ –  erst 2018 erhob Papst Franziskus diesen Titel Mariens zum Gedenktag. „Maria, Mutter der Kirche“ in den liturgischen Kalender einzufügen, löste Erstaunen – mitunter mit hochgezogener Braue – in der Kirche aus. Hatte die Kirche keine anderen Probleme?

Dieser Titel Mariens tauchte zwar schon im 4. Jahrhundert in den Schriften des Kirchenvater Ambrosius auf und war im Hochmittelalter weit verbreitet, aber er wurde bisher nicht kirchenweit gefeiert. Allen Kritikern zum Trotz sollte sich dieses jetzt durch die Entscheidung des Papstes ändern.

Maria als „mater ecclesiae“ – das Original dieses Mosaiks findet sich auf den Petersplatz in Rom. Papst Johannes Paul II ließ es dort anbringen als Dank für den Schutz Mariens bei dem Attentat, das am 13.5.1981 auf ihn verübt wurde.

Skeptisch war ich nicht, als ich per überraschendem Google-Ergebnis davon erfuhr, vor kurzem erst. Eher traf es mich und ich war berührt. Angerührt war ich, weil ich mich an eine persönliche Erfahrung im Gebet erinnerte, die zwar schon etwas länger her ist, aber recht intensiv war. Ich hatte es damals im Gebet so verstanden, dass der Herr genau das wünschte: Dass seine heiligste Mutter als „Mutter der Kirche“ geliebt und verehrt wird. Das kam nun bei mir zusammen: Meine Gebetserfahrung und diese recht aktuelle Intervention des Papstes.

Blick vom Petersplatz in Rom auf die Kuppel des Petersdoms.

Nun glaube ich, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, und dass Christus durch vieles in die Welt hinein spricht, eben auch durch die kirchliche Liturgie. Und auch zum Beispiel durch diese nun keineswegs so unwesentliche Aktion, einen neuen liturgischen Gedenktag in den kirchlichen Kalender einzuführen. Meine Neugier war erwacht, und ich wollte dem weiter nachgehen, denn erschlossen hatte sich mir der tiefere Sinn von mater ecclesiae noch nicht.

Das Originalmosaik „Mater ecclesiae“ am Petersplatz in Rom.

Auf eine Spur kam ich, als ich entdeckte, dass Papst Franziskus diesen neuen Gedenktag jeweils auf den Montag nach Pfingsten gelegt hatte[i]. Von je her wird Pfingsten als das Geburtsfest der Kirche gefeiert. „Mutter der Kirche“ so nah an Pfingsten – das war sicher kein Zufall.

Was war an Pfingsten eigentlich geschehen? Ja, die Apostel und Jünger empfingen den Heiligen Geist, sie gingen heraus aus dem Obergemach, sie fingen an zu predigen, zu taufen und die erste Gemeinden entstanden; sie hoben sozusagen die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Taufe. Deshalb: Geburtsfest der Kirche. Maria war als Mutter des Erlösers selbstverständlich bei dieser ersten Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem dabei (vgl. Apg 1, 14).

Von ihr als „Mutter der Kirche“ zu sprechen hat aber noch eine größere Bewandtnis als ihre bloße Anwesenheit. Ich kam darauf, als ich bei Romano Guardini, einem bedeutenden katholischen Theologen, vom inneren Vollzug von Kirche las. Was war an Pfingsten in den Aposteln und Jüngern geschehen? Romano Guardini weist genau auf diesen inneren Vollzug hin, wenn er über die Veränderung des Petrus nach der ersten Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag in Jerusalem schreibt:

„Er ist nicht nur mutig geworden oder hat Erkenntnis gewonnen, sondern er steht zu Jesus in einer neuen Weise: wie einer, der Macht erhalten hat und nun mit Autorität verkündet. Er redet nicht über Jesus, sondern aus der Verbindung mit Ihm heraus, von Ihm her.“   (R. Guardini in: Der Herr, 1957, S. 531)

Doch vorher war es so, als haben die Apostel und Jünger vor Pfingsten nur vor Jesus gestanden. Vor ihm. Sie haben mit ihm gelebt, sie sind mit ihm umher gezogen, sie haben sein Wort gehört, sie haben seine Taten gesehen und sie glaubten an ihn. Aber sie standen immer nur vor ihm.

Sie liefen mit ihm durchs Land und bekannten sich zu ihm, aber trotzdem war da noch diese Distanz. Sie sahen ihn und standen nur vor ihm, sie hörten ihn und standen nur vor ihm. Selbst nach seiner Auferstehung, als sie ihn sahen und hörten und mit ihm aßen, ist da noch diese Distanz.

Jesus war noch nicht in ihnen lebendig. Er lebte noch nicht in ihnen. Sie konnten noch nicht in Fülle auf seine Kraft und Inspiration zugreifen, denn er lebte noch nicht in ihnen. Dementsprechend verhielten sie sich: Sie waren furchtsam und ängstlich, sie zogen sich zurück, verschlossen die Türen.

Das war angesichts der angespannten Lage in Jerusalem für die Anhänger Jesu eine mehr als verständliche Reaktion, schließlich war ihr ‚Anführer Jesus‘ vor kurzer Zeit noch schändlich am Kreuz hingerichtet worden, und die Angst um ihr Leben war nicht unberechtigt. Doch dann kommt der Heilige Geist. Es ist Pfingsten.

Und der Heilige Geist wirkt genau das: Christus wird in den Apostel und Jüngern lebendig. Es ist die erste und vornehmste Aufgabe des Heiligen Geistes: Jesus in uns zu gebären.

Jesus lebt nun in den Jüngern und es verändert sie völlig: Sie gehen heraus aus der verschlossenen Kammer, sie sind voller Freude und Begeisterung, sie verkünden und taufen. In dieser angespannten Lage. Die Kirche ist geboren. Und zuerst ist es dieser innere Vollzug, der die Kirche zum lebendigen, kraftvollen Leib Christi macht: Jesus lebt in uns durch die Kraft des Heiligen Geistes.

An Pfingsten erfüllte sich das Wort Jesu, das er sprach, als er das letzte Mal im Tempel gelehrt hatte. Er betete hier zum Vater für seine Apostel und alle Glaubenden:

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“. (Joh 7, 22-23)

Und Maria? Maria war die Ausnahme. Bei ihr war es anders. Nicht alle standen nur vor Jesus bevor der Heilige Geiste zum ersten Mal herabkam. Sie nicht. Denn sie war diejenige gewesen, die ganz im Verborgenen zuallererst Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes in sich hinein empfing. Es war, als der Heilige Geist Jesus in ihr zeugte. Die Bibel sagt uns:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1, 35)

So war Maria das erste Geschöpf, in dem Jesus lebte. Und das in unerreichbarer, einzigartiger Weise, denn sie empfing ihn nicht nur geistig in sich hinein, sondern leiblich.

In ihr wuchs, von ihrem Fleisch, der Sohn Gottes heran. Wir können davon ausgehen, dass sie durch dieses Geschehen in einzigartiger Weise, auch geistig, mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Es wäre nun abwegig und unlogisch zu denken, nach der Geburt Jesu hätte der Heilige Geist sie wieder verlassen.

Während ihres ganzen Lebens lebte Christus schon unnachahmlich in geistiger Weise in ihr, noch ganz verborgen vor der Welt in Nazareth, wo sie ihn mit Joseph aufzog, und überall dort, wohin sie ihn mit den Jüngerinnen begleitete. Wie sie wohl das erste Pfingsten in Jerusalem erlebt haben mag?

Den inneren Vollzug von Kirche betrachtend kommt es uns vielleicht etwas näher, was mit Maria als „Mutter der Kirche“ in tieferer Bedeutung gemeint sein kann. In theologischer Sprache heißt es, der Titel mater ecclesiae weise auf Maria als dem ‚personifizierten Urbild der Kirche‘ hin.

Ihre unbefleckte Empfängnis vor Augen ist sie tatsächlich das erste menschliche Geschöpf, das nicht nur Vorbild ist, sondern tatsächlich Urbild des neuen Volkes Gottes, das Christus sich durch die Kirche und in seiner Kirche versammeln will.

Maria ist natürlich auch Mutter der Kirche in ganz einfachem Sinn: Ohne Maria gäbe es keinen Jesus. Sie hat ihn geboren. Ihr „Ja“ erst öffnete den Weg zur Menschwerdung Gottes.

Ich glaube, dass dieser neue Gedenktag mater ecclesia uns auf etwas sehr Notwendiges hinweisen will, in diesen Zeiten, in denen nicht nur die Kirche im Sturm steht: Wir brauchen es mehr denn je, dass Christus in uns stark und lebendig ist, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

So beten wir mit Maria, Mutter der Kirche: Komm, Heiliger Geist!

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VERWEISE und ANMERKUNGEN

Fotonachweise:
1) Mater ecclesiae in Rom: https://fatherjerabek.com/page/33/
2) Maria an Pfingsten: https://www.goodstreams.org/videogallery/pentecost-in-legos/
3)Heilige Familie: http://stdavidparish.org/008-pregnant-mary/
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei. Falls irgendwelche  Angaben nicht korrekt sind oder wir einen Fotonachweis übersehen haben, macht uns bitte per PN oder in den Kommentaren darauf aufmerksam, damit wir es korrigieren können. Danke!

[i] In Deutschland gibt es eine besondere Regel für diesen neuen Gedenktag, da der Pfingstmontag hier als zweiter, gebotener Feiertag begangen wird. Deshalb wird am Pfingstmontag keine hl. Messe von ‚Maria, Mutter der Kirche‘ gefeiert. Es liegt es in der Entscheidung der deutschen Bistümer, wann der Gedenktag ‚Maria, Mutter der Kirche‘ innerhalb der Woche nach Pfingsten gefeiert wird.

4 Gedanken zu „Old school oder höchst aktuell? Maria – Mutter der Kirche“

  1. In der Diözese Freiburg steht im Direktorium, dass der Gedenktag bis zu einer Klärung am Samstag nach Pfingsten – also morgen 🙂 gefeiert wird!

    PS: Vielen Dank für den schönen Artikel!
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    Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“
    Mit Dekret vom 11. Februar 2018 hat die Kongregation
    für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung die
    liturgische Feier der seligen Jungfrau Maria als Mutter
    der Kirche im Rang eines Gedenktages in den
    Römischen Generalkalender eingeführt. Als Termin
    hierfür ist gesamtkirchlich der Pfingstmontag
    vorgesehen.
    In einer Notifikation vom 24. März 2018, in der die
    Kongregation auf ortskirchliche Gegebenheiten
    eingeht, ist klargestellt, dass für Deutschland die
    bisherige liturgische Ordnung durch den neuen
    Gedenktag nicht abgeschafft wird und die gewohnte
    liturgische Ordnung der Feier des Pfingstmontages
    hier bestehen bleibt.
    Eine Verlegung des neuen Gedenktages ist in der
    Notifikation nicht vorgesehen. Eine abschließende
    Klärung des Umgangs der deutschen Bischöfe mit dem
    neuen Gedenktag ist zum Redaktionsschluss noch
    nicht erfolgt.
    Bis dahin gilt im Erzbistum Freiburg folgende
    Ordnung: Das Gedächtnis „Maria, Mutter der Kirche“
    wird als nichtgebotener Gedenktag am Samstag nach
    Pfingsten begangen, sofern der Tag nicht bereits
    durch einen gebotenen Gedenktag oder ein Gedenken
    höheren Ranges belegt ist.

      1. Bei uns ist es gar nicht so klar…. Das Folgende habe ich im Internet gefunden, aus dem Amtsblatt des Erzbistums Köln vom 1. Mai 2018. Aber es wird nicht deutlich, wann der Gedenktag nun begangen wird, oder habe ich da etwas übersehen? Da steht nur, dass der Pfingsmontag bleibt, wie er ist. Und ansonsten steht da nur etwas über Tagzeitenliturgie, aber das ist doch das Breviergebet? Auf jeden Fall werde ich nicht schlau daraus. Weiß da jemand etwas für unser Erzbistum Köln?

        –„Nr. 59 Gedenktag der Seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche Köln, 18. April 2018. Mit Dekret vom 11.02.2018 hat die Kongregation für denGottesdienst und die Sakramentenordnung (Prot. N. 10/18 )mitgeteilt, dass Papst Franziskus entschieden hat, den Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, in den Römischen Kalender am Montag nach Pfingsten einzutragen und jedes Jahr zu feiern. Hinsichtlich der Messfeier bleibt die im Directorium am Pfingstmontag vorgesehene liturgische Ordnung bis zu einer eventuellen Neuregelung bestehen. Allerdings ist in der Feierder Tagzeitenliturgie dem Gedenktag der Seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, der Vorrang zu geben, auch gegenüber schon bestehenden gebotenen Gedenktagen. Daher wird in diesem Jahr der Gedenktag des Hl. Hermann Josef am21.05.2018 – anders als im Directorium angegeben – nicht inder Tagzeitenliturgie gefeiert. Für die Feier des Mariengedenktages kann in der Tagzeitenliturgie auf die entsprechenden Commune-Texte zurückgegriffen und als Oration das Tagesgebet der Votivmesse „Von Maria, der Mutter der Kirche“ (9b.) genommen werden. Rubriken und Texte in der von der Kongregation vorgelegten Form sind über das Deutsche Liturgische Institut (DLI) inTrier erhältlich.(www.dli.institute/wp/news/maria-mutter-der-kirche/“)

    1. Ja, tatsächlich, bei uns in der Gemeinde haben wir nichts von einem Gedenktag ‚Maria, Mutter der Kirche‘ gehört, und wir sind schon in der zweiten Woche nach Pfingsten…

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