Jesus als Seenotretter – Warum eine 24/7-Anbetung? #2

Was hat Strandwacht und Rettungsschwimmen mit Anbetung und Mission zu tun, und vor allem mit 24/7-Anbetung? Einige Gedanken vom kurzen sommerlichen Inselaufenthalt.

Hoher Seegang, weiße Wellenkräusel draußen auf dem Meer und starker Wind kündigten das Kommen einer Flut an, die stärker und gefährlicher werden würde als das gewöhnliche Auf und Ab der Gezeiten. Am Strand beobachteten Thomas und ich die Aktivitäten der Strandwacht.

Die DLRG-Rettungsschwimmer, unverkennbar an ihren gelben T-Shirts mit rotem Aufdruck, sprachen Menschen an, die in die Brandung wollten, machten sie auf Strömungen aufmerksam und sagten Eltern, ihre kleinen Kinder nicht allein, sondern nur an ihrer Hand ins Wasser zu lassen.

Die Rettungsschwimmer zogen Surfbretter und Jetski näher zum Wasserrand und blieben nicht auf ihrem üblichen Posten, sondern hielten sich direkt am Wasser auf, wachsam und die gesamte Szenerie aufmerksam beobachtend, bereit, jederzeit ins Wasser zu stürzen, falls jemand in Not geriet.

Unwillkürlich kamen mir Parallelen zur Anbetung in den Sinn, als wir das Geschehen beobachteten. Ist nicht auch Gott derjenige, der ständig wachsam ist, wie es beim Propheten Sacharja heißt:

„Ich selbst werde der Wachtposten sein, der mein Haus vor Feinden schützt.“ (Sach 9, 8)

Oder im Buch der Sprüche:

„Er behütet die Pfade des Rechts und bewacht den Weg seiner Frommen.“ (Spr 2, 8)

Aber nicht nur das. Gott ist nicht nur Wächter, sondern vor allem Retter. In seinem Sohn Jesus Christus hat er uns den Retter gesandt. Über 95 Verweise gibt es im Neuen Testament für Jesus Christus als den Retter. Ist er nicht im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebensretter, zuallererst in geistiger Weise, aber auch auf anderen Ebenen? Ist er nicht DER Retter schlechthin, der uns ins ewige Leben hineinrettet, hineinziehen will? Zuerst aus einem Leben ohne Gott und aus einem Leben voller Götzenverehrung und falscher Götter will er uns retten. So sagt uns die Heilige Schrift:

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19, 10)

Doch auch in unseren kleinen und großen Nöten des Alltags und in Krisen will er sich immer wieder als unser Retter erweisen; als derjenige, der über unser Leben wacht. Aus lauter Liebe zu uns steht er als unser Retter bereit, wenn wir drohen verloren zu gehen oder es einmal hart auf hart kommt.

Erstaunlicherweise deutet das Wort Anbetung gleich auf zwei Dinge hin, die genau damit zu tun haben: Zum einen auf eine tiefe Liebesbeziehung und auf Lebensrettung aus höchster Todesnot.

Denn Anbetung auf Latein heißt »adoratio«und setzt sich zusammen aus »ad« und «oratio; »ad« mit seiner Bedeutung »zu, zum« und »oratio« mit seiner Bedeutung »Rede, Sprache, Gebet«, kommend aus dem Wortstamm »os« der Mund. »Adoratio« kann man lesen als »zum Mund«.

Kein geringerer als Papst em. Benedikt XVI hebt diesen Wortstamm hervor und möchte damit betonen, dass die Anbetung Jesu Christi vor allem ein tiefes Liebesgeschehen ist:

„Das lateinische Wort für Anbetung heißt »ad-oratio« – Berührung von Mund zu Mund, Kuss, Umarmung und so im tiefsten Liebe.“[1]

Père Florian Racine, der Initiator einer neuen Bewegung der ewigen Anbetung in Frankreich, geht hier noch weiter und sieht in der Anbetung nicht nur ein Geschehen höchster, geistiger Liebe, sondern stellt sie direkt in den Zusammenhang mit der Lebensrettung von fast Ertrunkenen:

„Das ‚Mund-zu-Mund‘, von dem der Papst spricht, weist auf zwei verschieden Gesten hin: sowohl die zwischen zwei Sich-Liebenden als auch die Aktion eines Lebensretters, der einer nahezu ertrunkenen Person Atem in die Lunge bläst, so dass sich ihr eigener Atem wieder belebt.“[2]

Welch ein starkes und sprechendes Bild dafür, was bei der Anbetung des eucharistischen Christus geschieht!

So führt Père Florian Racine weiter aus:

„Bei der Anbetung lädt Christus uns nicht nur in eine reale Beziehung der Liebe mit ihm ein, sondern er haucht in unsere Herzen seinen Atem ein, seinen Geist, der unserem inneren Leben Vitalität und Stärke gibt.“[3]

Ja, es ist ein Ausdruck seiner Liebe, dass Jesus uns immer wieder durch die Anbetung stärkt, und uns durch seine eucharistische Gegenwart kräftigt und aufbaut. Und wie oft erweist er sich als Retter aus unseren Nöten!

Doch Jesus Christus bleibt nicht dabei stehen. Er lädt uns ein, an seinen Rettungsaktionen teilzuhaben. Er möchte, dass wir beginnen, missionarisch zu leben. Sagt er nicht selbst in seinem Wort:

„Darum geht, macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28, 18-19)

Missionarisch zu leben kann sehr viel bedeuten, nicht nur das Aussenden von Missionaren in fremde Länder, was landläufig immer noch in der Regel darunter verstanden wird. Es kann genauso bedeuten, im Kleinen, im Alltag, dort an dem Platz, wo wir hingestellt sind, durch unser Leben und dem „rechten Wort zur rechten Zeit“ zu bezeugen, dass Christus der Herr unseres Lebens ist, und so Interesse für diesen unseren Herrn zu wecken.

Regelmäßige Anbetung ist dabei äußerst hilfreich. Sie ist wie ein Training der geistlichen Muskeln, um im Fall der Fälle ins Wasser springen zu können und Leben zu retten.

Sind Menschen, die Christus nicht kennen oder sich von ihm abgewandt haben nicht in latenter geistlicher Seenot, durch die sehr schnell im stürmischen Auf und Ab des Lebens ihr Lebensschiff kentern kann? Vor allem, wenn zusätzlich auf anderen Ebenen eine besondere Not hereinbricht oder eine Krise kommt?

Natürlich müssen wir nicht wie Rettungsschwimmer der DLRG Prüfungen absolvieren, um eingesetzt zu werden. Aber doch setzt ein missionarisches Leben voraus, dass Jesus Christus das Zentrum unseres Herzens ist, und wir mit ihm und aus ihm heraus sprechen und handeln.

Ein so hohes Ideal ist kaum zu erreichen, und ich weiß selbst von mir zu gut, dass so oft der Herr nicht mein Zentrum ist, und meine Wünsche und Bedürfnisse nicht mit den seinen übereinstimmen, weil ich noch nicht ganz hingegeben bin. Und doch ruft er und wartet nicht darauf, bis ich perfekt bin; es genügt ihm, dass ich mich auf den Weg mache und dass ich bereit bin, ihn in mir wachsen zu lassen.

Dabei nun hilft die Anbetung enorm, vor allem die regelmäßige Anbetung. Wie beim Training für den DLRG-Rettungsschwimmer: Es zählt ausdauernd zu sein, Längen zu überwinden und weiter zu trainieren, trotz eventueller Unlust. Und immer wieder neu zu beginnen, wenn eine Phase der Schwäche da war.

Eine 24/7-Anbetung setzt genau auf eine solche Regelmäßigkeit. Bei einer 24/7-Anbetung übernehmen Beter bestenfalls pro Woche eine oder mehrere Stunden, in der sie Anbetung halten, in Stille, mit Lobpreismusik oder prophetic worship. So entsteht eine Anbetungskette, die non-stopp läuft, sofern sich so viele Beter gefunden haben.

Solche hingegebenen Beter sind die wichtigste Säule einer 24/7-Anbetung. Nicht nur wird auf diese Weise sehr viel Gnade auf die Kirche und die Welt herabgerufen, sondern hier findet für jeden ganz persönlich im Verborgenen ein Training der geistlichen Muskeln statt, um missionarisch in der Welt leben zu können. Bildet nicht der Herr auf diese Weise seine Kleinen heran, mit denen er seine Rettungsaktionen in der Welt starten will?

Training der geistlichen Muskeln will hier vor allem heißen:

  • Sich immer mehr umformen lassen zu mehr Liebe hin.
  • Aus der Gegenwart Jesu Kraft und Stärke schöpfen, um sich von schlechten Gewohnheiten zu befreien und sich zum Besseren überwinden zu lernen.
  • Inmitten von Nöten und Ängsten Ruhe und Frieden im eucharistischen Jesus zu finden.
  • Immer mehr ein hörendes Herz zu bekommen.
  • Und die Kraft und Gnade empfangen, den Impulsen des Herrn im Kleinen und Großen zu folgen.

Kommt, lasst uns ihn anbeten!

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an all unsere Beter und Musiker, die hier unseren kleinen Anfang einer 24/7-Anbetung unterstützen! Und auch Danke an all die Beter und Musiker, die woanders so verborgen und fruchtbar die Flamme des Gebets und der Anbetung aufrecht erhalten!

Warum eine 24/7-Anbetung? Hier findest du den ersten Blogartikel dieser Reihe:
Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung? #1

 

Weitere Anmerkungen und Verweise

[1] Papst em. Benedikt XVI: Predigt während der hl. Messe anlässlich des 20. Weltjugendtages in Köln auf dem Marienfeld, 21. August 2005. http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/homilies/2005/documents/hf_ben-xvi_hom_20050821_20th-world-youth-day.html

[2] P. Florian Racine: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. Ignatius Press, San Francisco, 2014, S. 47. Im Original: „The ‚mouth to mouth‘ of which the pope speaks expresses two different gestures: either the kiss between two lovers or the lifeguard’s action upon a drowned person, breathing into his lungs so that he might regain his own breath.“

[3] P. Florian Racine: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. Ignatius Press, San Francisco, 2014, S. 47. Im Original: „In adoration, Christ not only invites us into a real relationship of love with him; he also breathes into our hearts his own breath, his Spirit, which gives vigor and strength to our interiour life.“

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung? #1

Warum eigentlich eine Anbetung, die rund um die Uhr läuft, Tag und Nacht, 24 Stunden und 7 Tage in der Woche, 24/7? Warum setzen wir uns für eine solche Anbetung ein? Trotz unserer noch kleinen Anfänge bleiben wir daran. Eine 24/7-Anbetung soll das Herz von HOPE werden, dem House of Prayer and the Eucharist. Das ist unsere Vision. Doch was soll das eigentlich bringen?

Es gibt viele Gründe dafür, deshalb entsteht hier eine Reihe von
Blogartikeln, die genau diese Fragen aufgreifen. Hier ist der erste.

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung?  #1

Eine 24/7-Anbetung hilft der Kirche und jedem einzelnen, in den Stürmen dieser Zeit zu bestehen und die Kirche trotz allem aufzubauen. Eine Bibelstelle des Alten Testamentes stellt hervorragend dar, warum permanentes Gebet und Anbetung in diesem Sinn erstrebenswert sind. Im Buch Exodus heißt es:

„Und Amalek kam und suchte in Refidim den Kampf mit Israel.  Da sagte Mose zu Josua: Wähl uns Männer aus und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand auf den Gipfel des Hügels stellen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging.“ (Ex /2. Mose 17, 8-12)

Was geschieht hier? Mose sieht das Volk Israel in Gefahr. Er schickt Josua in den konkreten Kampf, weiß aber gleichzeitig, dass nichts gewonnen werden kann ohne die Hilfe Gottes. Während nun Josua die Schlacht kämpft, gehen Mose, Aaron und Hur auf dem Berg, um zu beten. Den vollen Einsatz, auch körperlich, sehen wir an den erhobenen Händen des Mose.

Alle drei wissen, sobald sie nachlassen im Gebet zu Gott, verliert Josua unten am Fuß des Berges im Kampf Terrain. Deshalb stützen Aaron und Hur die Hände von Mose, damit er die Hände zu Gott im Gebet erhoben halten kann, Stunde um Stunde, bis der Tag sich neigt und der Sieg in ihren Händen liegt.

Aaron und Hur stützen Mose beim Gebet (Fotonachweis: http://nicksenger.com/onecatholiclife/c-s-lewis-joy-and-persistent-prayer-homily-for-the-29th-sunday-in-ordinary-time-year-c)

Die zum Teil auch historisch nachgewiesenen Geschehnisse des Volkes Israel sind für uns heute starke Bilder für geistige Wahrheiten. Insofern ist das Alte Testament für uns sowohl zum einen religionsgeschichtliche Erbe und zum anderen ebenso unser geistiges Erbe. Es ist die gemeinsame Wurzel, die wir bis heute mit dem Volk Israel gemeinsam haben.

Wir sehen hier das Volk Israel im Kampf mit einem Gegner. Steht nicht auch heute unsere Kirche in einem Sturm, in einem geistigen Sturm voller Anfeindungen, Anklagen, Verdrehungen ihrer Wahrheit, bewusste oder unbewusst herbei geführte Missverständnisse über unseren Glauben?

Und damit haben wir noch gar nicht alles gesagt: Hinzu kommen die tatsächlichen Verfehlungen von Kirche, Laien wie Priestern, die die Wahrheit über Jesus Christus verdunkeln und sein reines Strahlen in die Welt hinein verhindern, zumindest aber einschränken und behindern.

Der Kampf Josuas gegen Amalek und das Gebet des Mose sind ein starkes Bild dafür, dass wir als Kirche, als Volk Gottes bestehen werden, wenn wir in leidenschaftliches Gebet gehen, und damit Christus tatsächlich in die Mitte stellen und den Sieg von ihm erwarten. Das gilt sowohl für das Bestehen gegen äußere Bedrängnisse als auch für das siegreiche Hervorgehen aus dem, was von innen her kommt: der Sünde und all der Verführungen, die dem Leben eines Christen widersprechen.

Mit dem Kampf gegen Amalek lehrt uns die Bibel hier durch das Beispiel des Mose, dass es die Hinwendung zu Gott in Gebet und Anbetung ist, die dazu verhilft. Wenn wir uns tatsächlich, echt und authentisch vor Gott stellen wie Mose, mit allem, was uns bedrängt und am Herzen liegt. Denn:

„Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; so oft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker.“ (Ex / 2. Mose 17, 11)

Wir wollen hier keiner Arbeitsteilung das Wort reden, die da wäre: hier die Beter, dort die Aktiven. Im besten Fall sind immer beide Aspekte (der betende Mose und der aktive Josua) in einer Person vereint. So kommen wird zu einer Aktivität, die in Gebet und Anbetung verwurzelt ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es ausgesprochene Berufungen zu Gebet und Anbetung gibt, wie z.B. die zu einem kontemplativen Ordensleben.

Mose lehrt uns hier zudem die Ausdauer im Gebet. Er war unnachgiebig und entschlossen, nicht nachzulassen. Er ließ sich stützen, um das Gebet weiterzuführen. Denn er wusste: Josua wird im Kampf geschwächt, wenn er nachlässt, und verliert sogar alles, wenn er das Gebet aufgibt.

Hat nicht die Kirche heute vor allem ihre Anbetungs- und Gebetskultur verloren? Eine Kultur, die all die Aktivitäten von Kirche und Gemeinde in Gott verwurzelt? Oder um im alttestamentlichen Bild zu bleiben: Haben wir nicht das Gebet weitgehend aufgegeben und sind in der Gefahr, gegen Amalek zu unterliegen?

Wir glauben, dass so viele Aktivitäten in Kirche und Gemeinde zu leerem Aktionismus werden, weil Gebet und Anbetung fehlen. In der Folge wird Kirche „selbst gemacht“. Das ist hier in dem Sinn gemeint, dass das Tun aus rein menschlichem Wollen und Wünschen heraus entwickelt wird, ohne im Gebet darauf zu hören, ob es tatsächlich in Gottes Willen liegt. Darin besteht langfristig die Gefahr, dass das eigentliche Ziel, die Kirche aufzubauen, nicht erreicht wird. Einfach weil die Aktivitäten nicht wirklich in Christus verwurzelt sind.

Anbetung im Gebetsraum von HOPE

Mit der Initiative, eine 24/7-Anbetung aufzubauen, wollen wir dazu beitragen, in der Kirche eine Anbetungs- und Gebetskultur wiederzubeleben und neu zu errichten, und ihr zu ihrem dauerhaften Sieg in den Stürmen dieser Zeit zu verhelfen. Nicht nur der einzelne, auch die Kirche als Kirche benötigt das ständige Gebet.

Wir wollen unseren kleinen Teil dazu tun, Gebet und Anbetung wieder neu in der Kirche zu verankern. Denn in Gebet und Anbetung liegt der Schlüssel, Jesus Christus wieder neu zu finden und alles in ihm zu verwurzeln.

Warum eine 24/7- Anbetung? Hier findest du einen zweiten Blogartikel dazu:
Jesus als Seenotretter – Warum eine 24/7-Anbetung? #2

 

 

Old school oder höchst aktuell? Maria – Mutter der Kirche

Mater ecclesiae, „Mutter der Kirche“ –  erst 2018 erhob Papst Franziskus diesen Titel Mariens zum Gedenktag. „Maria, Mutter der Kirche“ in den liturgischen Kalender einzufügen, löste Erstaunen – mitunter mit hochgezogener Braue – in der Kirche aus. Hatte die Kirche keine anderen Probleme?

Dieser Titel Mariens tauchte zwar schon im 4. Jahrhundert in den Schriften des Kirchenvater Ambrosius auf und war im Hochmittelalter weit verbreitet, aber er wurde bisher nicht kirchenweit gefeiert. Allen Kritikern zum Trotz sollte sich dieses jetzt durch die Entscheidung des Papstes ändern.

Maria als „mater ecclesiae“ – das Original dieses Mosaiks findet sich auf den Petersplatz in Rom. Papst Johannes Paul II ließ es dort anbringen als Dank für den Schutz Mariens bei dem Attentat, das am 13.5.1981 auf ihn verübt wurde.

Skeptisch war ich nicht, als ich per überraschendem Google-Ergebnis davon erfuhr, vor kurzem erst. Eher traf es mich und ich war berührt. Angerührt war ich, weil ich mich an eine persönliche Erfahrung im Gebet erinnerte, die zwar schon etwas länger her ist, aber recht intensiv war. Ich hatte es damals im Gebet so verstanden, dass der Herr genau das wünschte: Dass seine heiligste Mutter als „Mutter der Kirche“ geliebt und verehrt wird. Das kam nun bei mir zusammen: Meine Gebetserfahrung und diese recht aktuelle Intervention des Papstes.

Blick vom Petersplatz in Rom auf die Kuppel des Petersdoms.

Nun glaube ich, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, und dass Christus durch vieles in die Welt hinein spricht, eben auch durch die kirchliche Liturgie. Und auch zum Beispiel durch diese nun keineswegs so unwesentliche Aktion, einen neuen liturgischen Gedenktag in den kirchlichen Kalender einzuführen. Meine Neugier war erwacht, und ich wollte dem weiter nachgehen, denn erschlossen hatte sich mir der tiefere Sinn von mater ecclesiae noch nicht.

Das Originalmosaik „Mater ecclesiae“ am Petersplatz in Rom.

Auf eine Spur kam ich, als ich entdeckte, dass Papst Franziskus diesen neuen Gedenktag jeweils auf den Montag nach Pfingsten gelegt hatte[i]. Von je her wird Pfingsten als das Geburtsfest der Kirche gefeiert. „Mutter der Kirche“ so nah an Pfingsten – das war sicher kein Zufall.

Was war an Pfingsten eigentlich geschehen? Ja, die Apostel und Jünger empfingen den Heiligen Geist, sie gingen heraus aus dem Obergemach, sie fingen an zu predigen, zu taufen und die erste Gemeinden entstanden; sie hoben sozusagen die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Taufe. Deshalb: Geburtsfest der Kirche. Maria war als Mutter des Erlösers selbstverständlich bei dieser ersten Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem dabei (vgl. Apg 1, 14).

Von ihr als „Mutter der Kirche“ zu sprechen hat aber noch eine größere Bewandtnis als ihre bloße Anwesenheit. Ich kam darauf, als ich bei Romano Guardini, einem bedeutenden katholischen Theologen, vom inneren Vollzug von Kirche las. Was war an Pfingsten in den Aposteln und Jüngern geschehen? Romano Guardini weist genau auf diesen inneren Vollzug hin, wenn er über die Veränderung des Petrus nach der ersten Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag in Jerusalem schreibt:

„Er ist nicht nur mutig geworden oder hat Erkenntnis gewonnen, sondern er steht zu Jesus in einer neuen Weise: wie einer, der Macht erhalten hat und nun mit Autorität verkündet. Er redet nicht über Jesus, sondern aus der Verbindung mit Ihm heraus, von Ihm her.“   (R. Guardini in: Der Herr, 1957, S. 531)

Doch vorher war es so, als haben die Apostel und Jünger vor Pfingsten nur vor Jesus gestanden. Vor ihm. Sie haben mit ihm gelebt, sie sind mit ihm umher gezogen, sie haben sein Wort gehört, sie haben seine Taten gesehen und sie glaubten an ihn. Aber sie standen immer nur vor ihm.

Sie liefen mit ihm durchs Land und bekannten sich zu ihm, aber trotzdem war da noch diese Distanz. Sie sahen ihn und standen nur vor ihm, sie hörten ihn und standen nur vor ihm. Selbst nach seiner Auferstehung, als sie ihn sahen und hörten und mit ihm aßen, ist da noch diese Distanz.

Jesus war noch nicht in ihnen lebendig. Er lebte noch nicht in ihnen. Sie konnten noch nicht in Fülle auf seine Kraft und Inspiration zugreifen, denn er lebte noch nicht in ihnen. Dementsprechend verhielten sie sich: Sie waren furchtsam und ängstlich, sie zogen sich zurück, verschlossen die Türen.

Das war angesichts der angespannten Lage in Jerusalem für die Anhänger Jesu eine mehr als verständliche Reaktion, schließlich war ihr ‚Anführer Jesus‘ vor kurzer Zeit noch schändlich am Kreuz hingerichtet worden, und die Angst um ihr Leben war nicht unberechtigt. Doch dann kommt der Heilige Geist. Es ist Pfingsten.

Und der Heilige Geist wirkt genau das: Christus wird in den Apostel und Jüngern lebendig. Es ist die erste und vornehmste Aufgabe des Heiligen Geistes: Jesus in uns zu gebären.

Jesus lebt nun in den Jüngern und es verändert sie völlig: Sie gehen heraus aus der verschlossenen Kammer, sie sind voller Freude und Begeisterung, sie verkünden und taufen. In dieser angespannten Lage. Die Kirche ist geboren. Und zuerst ist es dieser innere Vollzug, der die Kirche zum lebendigen, kraftvollen Leib Christi macht: Jesus lebt in uns durch die Kraft des Heiligen Geistes.

An Pfingsten erfüllte sich das Wort Jesu, das er sprach, als er das letzte Mal im Tempel gelehrt hatte. Er betete hier zum Vater für seine Apostel und alle Glaubenden:

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“. (Joh 7, 22-23)

Und Maria? Maria war die Ausnahme. Bei ihr war es anders. Nicht alle standen nur vor Jesus bevor der Heilige Geiste zum ersten Mal herabkam. Sie nicht. Denn sie war diejenige gewesen, die ganz im Verborgenen zuallererst Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes in sich hinein empfing. Es war, als der Heilige Geist Jesus in ihr zeugte. Die Bibel sagt uns:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1, 35)

So war Maria das erste Geschöpf, in dem Jesus lebte. Und das in unerreichbarer, einzigartiger Weise, denn sie empfing ihn nicht nur geistig in sich hinein, sondern leiblich.

In ihr wuchs, von ihrem Fleisch, der Sohn Gottes heran. Wir können davon ausgehen, dass sie durch dieses Geschehen in einzigartiger Weise, auch geistig, mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Es wäre nun abwegig und unlogisch zu denken, nach der Geburt Jesu hätte der Heilige Geist sie wieder verlassen.

Während ihres ganzen Lebens lebte Christus schon unnachahmlich in geistiger Weise in ihr, noch ganz verborgen vor der Welt in Nazareth, wo sie ihn mit Joseph aufzog, und überall dort, wohin sie ihn mit den Jüngerinnen begleitete. Wie sie wohl das erste Pfingsten in Jerusalem erlebt haben mag?

Den inneren Vollzug von Kirche betrachtend kommt es uns vielleicht etwas näher, was mit Maria als „Mutter der Kirche“ in tieferer Bedeutung gemeint sein kann. In theologischer Sprache heißt es, der Titel mater ecclesiae weise auf Maria als dem ‚personifizierten Urbild der Kirche‘ hin.

Ihre unbefleckte Empfängnis vor Augen ist sie tatsächlich das erste menschliche Geschöpf, das nicht nur Vorbild ist, sondern tatsächlich Urbild des neuen Volkes Gottes, das Christus sich durch die Kirche und in seiner Kirche versammeln will.

Maria ist natürlich auch Mutter der Kirche in ganz einfachem Sinn: Ohne Maria gäbe es keinen Jesus. Sie hat ihn geboren. Ihr „Ja“ erst öffnete den Weg zur Menschwerdung Gottes.

Ich glaube, dass dieser neue Gedenktag mater ecclesia uns auf etwas sehr Notwendiges hinweisen will, in diesen Zeiten, in denen nicht nur die Kirche im Sturm steht: Wir brauchen es mehr denn je, dass Christus in uns stark und lebendig ist, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

So beten wir mit Maria, Mutter der Kirche: Komm, Heiliger Geist!

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VERWEISE und ANMERKUNGEN

Fotonachweise:
1) Mater ecclesiae in Rom: https://fatherjerabek.com/page/33/
2) Maria an Pfingsten: https://www.goodstreams.org/videogallery/pentecost-in-legos/
3)Heilige Familie: http://stdavidparish.org/008-pregnant-mary/
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei. Falls irgendwelche  Angaben nicht korrekt sind oder wir einen Fotonachweis übersehen haben, macht uns bitte per PN oder in den Kommentaren darauf aufmerksam, damit wir es korrigieren können. Danke!

[i] In Deutschland gibt es eine besondere Regel für diesen neuen Gedenktag, da der Pfingstmontag hier als zweiter, gebotener Feiertag begangen wird. Deshalb wird am Pfingstmontag keine hl. Messe von ‚Maria, Mutter der Kirche‘ gefeiert. Es liegt es in der Entscheidung der deutschen Bistümer, wann der Gedenktag ‚Maria, Mutter der Kirche‘ innerhalb der Woche nach Pfingsten gefeiert wird.

Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche. Es könnte den Eindruck entstehen, dass der Hirsch als neuer Bestandteil von Weihnachten etabliert werden soll, um das Fest noch weiter von seinem christlichen Inhalt zu entkernen und von der eigentlichen Botschaft abzulenken, der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus.

Eine weitere Entkernung, so wie der rot-weiße Coca-Cola-Mann nicht nur den heiligen Bischof Nikolaus immer mehr verdrängen will, sondern auch das „Christkind“ an Weihnachten selbst. Doch um dieses „Christkind“ geht es ja: Weihnachten = die geweihte Nacht der Geburt Jesu Christi. Advent = vom lateinischen Wort advenire abgeleitet, das bedeutet „ankommen“; also  Adventszeit, die Erwartung der Ankunft Christi auf Erden, die Erwartung der Menschwerdung Gottes. Und nun mittendrin im unvermeidlichen Weihnachtsgeschäft Hirsche, Hirsche, Hirsche.

Eine geistliche Rückbindung

Vielleicht ist der Hirsch in der adventlichen und weihnachtlichen Zeit gar nicht so schlecht gewählt, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt. In der Bibel kommt der Hirsch an einigen Stellen vor. So heißt es zum Beispiel im Buch der Psalmen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen, und Gottes Antlitz schauen?“ (Ps 42, 2-3)

Hier wird der nach Wasser lechzende Hirsch ein Bild für den Menschen, der Sehnsucht nach Gott hat. Übrigens, der Antrieb für die Wanderungen eines Hirsches oder von Hirschherden ist zuallererst, die beste Nahrung und das reinste Wasser zu finden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Symbolik des Hirschen noch einmal eine besondere Note.

Im biblischen Hohelied der Liebe, diesem großartigen Liebesgesang zwischen Bräutigam und Braut, der als mystische Hochzeit zwischen Gott und der Seele gedeutet wird, begegnet uns ebenso der Hirsch. Dort spricht im Zwiegespräch der Liebe die Seele:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. (…) Der Geliebte spricht zu mir: ‚Steh auf, meine Schöne, so komm doch!'“ (Hld 2, 8-10)

Der Hirsch ist hier ein Bild für den Geliebten, ein Bild für Christus selbst. Es ist ebenso ein Bild der Sehnsucht, dieses Mal für die Sehnsucht Gottes nach uns, sein Verlangen nach den Menschen. Er kommt, läuft, ’springt‘ herbei, nichts kann ihn aufhalten, es eilt ihn, die Sehnsucht treibt ihn an, angetrieben von seiner unfassbaren Liebe für uns und gerufen von der Sehnsucht des Menschen. Gibt es ein schöneres Bild für den Advent, die heilige Zeit der Erwartung?

Hirsche – es scheint, als würde die sich immer säkularer gebärdende Gesellschaft doch unbewusst eine tiefe geistliche Symbolik aufgreifen. Vielleicht ist es tatsächlich kein Zufall, dass dieses zudem auch noch in der adventlichen Zeit geschieht.

Denn mit Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu Christi, erfüllt sich diese Sehnsucht, die in diesen starken mystischen Bildern ausgedrückt wird. Christus ist geboren, und mit der Ankunft des Erlösers in der Welt, nimmt die konkrete Erlösung des Menschen seinen Anfang.

Jesus Christus ist es, der die tiefste existentielle Sehnsucht des Menschen nach dem reinsten Wasser der Wahrheit in einer von Schmutz und Lüge durchsetzten Welt erfüllt.

Jesus Christus ist es, der die Sehnsucht der Seele nach ewigem Leben in der Vereinigung mit Gott erfüllt, diesem niemals endenden Fest der Liebe und Freude. Eine Vereinigung, die mit und durch Jesus Christus schon heute auf Erden beginnen kann.

Jesus Christus ist es, der dem Menschen durch sein Kreuz den Weg zurück in die Arme des Vaters geöffnet hat, die Gemeinschaft mit Gott. Und dieses ist bis zum Ende der Zeiten eine Einladung an alle, und es wird wahr für jeden, der es annimmt.

Und, für uns schwer zu fassen und doch wahr: Hier erfüllt sich Gott auch seine eigene Sehnsucht nach dem Menschen. Unaussprechliches Geheimnis Gottes! Unaussprechliches Geheimnis der Liebe. Voller Staunen und Verwunderung war Mutter Mechthilde de Bar, die Gründerin der Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, darüber, dass Gott sich sehnt. Er sehnt sich nach uns. Obwohl er doch als Gott nichts benötigt, mehr noch: obwohl er doch

“die unendliche Fülle selbst ist und er allein die Macht hat, alle Sehnsucht zu stillen.” (1)

Und doch ist es so. Gott braucht den Menschen nicht, er braucht nichts und niemanden, damit seine Sehnsucht gestillt wird, er braucht sich noch nicht einmal nach irgendetwas zu sehnen, denn in ihm ist kein Mangel. Aber er will den Menschen retten und erlösen, er will sich nach ihm sehnen, er will sich herabneigen und in diese Sehnsucht hinein begeben. Der Prophet Jeremia spricht von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt. Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.“ (Jer 31, 3-4)

Von der Sehnsucht Gottes hören wir ebenso beim Propheten Jesaja, dessen Texte in der adventlichen Zeit gelesen werden:

„Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, ‚Herr der Heere‘ ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, ‚Gott der ganzen Erde‘ wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott. Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ (Jes 54, 4-7)

Und immer wieder trägt die göttliche Sehnsucht das Bild der Hochzeit und des hochzeitlichen Mahles, der Sehnsucht des Bräutigams nach der Braut, der Vermählung der Seele mit Gott, die die intimste Vereinigung mit Gott in reiner Liebe ist.

Unübertroffen wieder im Hohelied spricht der Bräutigam, Gott, zur Braut, der Seele:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen, auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8, 6-7)

Hirsche, Hirsche, Hirsche — sind sie doch genau betrachtet eine tiefe, geistliche Symbolik in der heiligen Zeit der Erwartung des Erlösers, Advent, in der wir diese Sehnsucht feiern, dieses Handeln Gottes an uns, und unserer  Sehnsucht einen ganz persönlichen Ausdruck geben können.

Vielleicht ist der Advent in diesem Sinne eine Zeit, sich dieser Sehnsucht wieder bewusst zu werden. Und wenn wir die vielen Hirsche, Rentiere, Rehe, Kitzlein oder was auch immer als Dekorationsmaterialien sehen, diese mit einem inneren Lächeln als Erinnerung an diese wunderbaren Verheißungen zu nehmen, die uns gegeben sind.

Einen herzlichen Gruß euch allen!
Thomas und Ruth

PS: Vielleicht weiß einer von euch etwas mehr über die genauen Umstände, wie es dazu kam, dass der Hirsch so präsent im Weihnachtsschmuck geworden ist. Wir finden es durchaus wichtig, um den Prozess der fortlaufenden Entkernung des Weihnachtsfestes von seinem eigentlichen Sinn besser zu verstehen, damit wir darüber aufklären und die eigentliche Botschaft von Weihnachten immer wieder neu ins Zentrum rücken können. Gerne eure Infos in den Kommentaren oder per persönlicher Email!

(1) Rechercheheft 28: „Der wahre Geist der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares“. Hrsg.: Benediktinerinnen Köln, 2010, S. 3

 

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper, es dauerte an, bis er in eine tiefe Ruhe kam. Es war an einem Abend in Medjugorje, einem kleinen, damals noch unbedeutenden Dorf in Bosnien und Herzegowina. Ein Priester der Pilgergruppe trug im Haus der Gastgeber Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch die dort versammelte kleine Menschenmenge und segnete. Als Thomas-Maria fiel, stürzte eine Frau neben ihm auf die Knie und rief: „Ich glaube!“ Während er dort lag, sah er in seinem Inneren, wie sich die Hostie in ein riesiges, pulsierendes Herz verwandelte, so groß wie der Raum, in dem er sich befand. Ströme von Liebe und Frieden flossen auf ihn herab und erfüllten ihn.

Jesus in Medjugorje

Dieses Ereignis der Gnade hat Thomas-Marias Leben bis heute grundlegend verändert. Als junger, suchender Mann war er von Deutschland mit einer Pilgergruppe zu diesem gerade neu entstehenden Wallfahrtsort gekommen, als ein Suchender nach Sinn, Liebe und Antworten für sein zweifelndes und mitunter einsames und verzweifeltes Herz. Zwar katholisch getauft, war er doch aufgewachsen, ohne Gott tatsächlich kennengelernt zu haben, hatte Ausflüge in die Esoterik hinter sich und kannte so gut wie nichts vom christlichen Glauben. Wer Jesus Christus ist, war für ihn unbekanntes Land. Eucharistie? Völlig unverständlich. Er musste verrückt gewesen sein, sich auf diese Wallfahrt nach Bosnien und Herzegowina eingelassen zu haben, so hatte er gestern noch gedacht, und noch dazu jetzt an einem Ort zu sein, wo Maria, die Mutter Jesu, – so wie ihm erzählt worden war -, einer Gruppe von Jugendlichen erschien. Verrückter ging es nicht.

Medjugorje ist heute mit ungefähr einer Millionen Pilger jährlich einer der größten Gebetsstätten der katholischen Welt

Das viele Beten der Christen um ihn herum war ihm unverständlich, und noch unverständlicher, wie viele an diesem Abend im kleinen Aufenthaltsraum ihrer Unterkunft vor diesem goldenen und kostbar gearbeiteten Zeigegefäß mit einem weißen, runden „Ding“ in der Mitte anbetend auf die Knie gingen, sich verneigten oder in anderer Weise ihre Ehrfurcht ausdrückten, als der Priester segnete. Was war das?

Es zog ihn unwiderstehlich an. Er wollte es berühren, das „Ding“, und drängte nach vorn, zum Priester hin. Als seine Hand das Glas vor der Hostie traf, wurde er mit dieser Macht zu Boden geworfen. Es war eine überwältigende Liebe, die ihn fallen ließ. Thomas-Maria erlebte eine Liebe, eine Freude und einen Frieden, wie er sie noch nie erfahren hatte, und die man „als nicht von dieser Welt“ (vgl. Joh 14, 27) bezeichnen dürfte. Jesus offenbarte sich ihm mit seinem göttlichen, eucharistischen Herz so voll Liebe, dass Thomas-Maria, der Raum und alles darüber hinaus sie nicht zu fassen vermochten, sie war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Thomas-Maria wurde von einer übernatürlichen Wirklichkeit berührt. Radikal. Er wurde von einer Realität getroffen, die mit unseren Sinnen nicht fassbar und wahrnehmbar ist. Außer sie offenbart sich uns. Vielleicht ist es gerade für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht einfach, die übernatürliche Realität Gottes als Wirklichkeit zu erkennen. Denn wir sind eher geprägt von einem neuzeitlichen Atheismus, der alles Übernatürliche , jeglichen Glauben an unsichtbare Mächte und Kräfte verneint und schnell mit märchenhafter Legendenbildung abtut. In einer solchen Gedankenwelt, die sich allein auf Bedürfnisse und Anliegen des irdischen Hier und Jetzt bezieht, und in der der Mensch allein Gestalter und Schöpfer seiner Geschichte ist, hat „Gott“ keinen Platz. Wie alles außerhalb des sinnlich Wahrnehmbaren werden in atheistischen Denkschemata auch Jesus Christus, die heiligste Dreifaltigkeit, die Welt der Engel und Heiligen und die bösen Kräfte der Dämonen als Phantastereien gedeutet, die sich der Mensch aus welchen Gründen auch immer ausgedacht hat.

Wegen der Dinge, die dem Menschen inzwischen möglich sind, denken viele, dass es Gott nicht gibt.

Thomas-Maria gehörte nun nicht der vergleichsweise recht kleinen Gruppe von ausgesprochenen Atheisten an, die jegliches Übersinnliche ausdrücklich zurückweisen. Es war bei ihm eher die heute bei uns weit verbreitete agnostische Haltung, die irgendwo doch ein transzendentes Wesen vermutet, über das man aber aus menschlichem Unvermögen heraus keine Aussage machen kann und das sich auch nicht offenbart. Faktisch hatte ein solches Denken bei Thomas-Maria nun doch damit geendet, wie ein Atheist zu leben, also einfach ohne Gott oder irgendeine andere Religion zu sein und sich letztlich allein mit dem Irdischen zu begnügen. Doch eine diffuse Unzufriedenheit mit einer solchen entzauberten und kalten Welt hatte sich mehr und mehr Bahn gebrochen, und in ihm pochte das Verlangen nach einer Erfahrung, die über sein Dasein hinauswies. Die Esoterik versprach viel und hielt wenig. Und jetzt war er hier. Lag auf dem Boden, und die Liebe Gottes durchströmte ihn.

Ja, er hatte gerade noch die Hostie gesehen, das „weiße Ding“, und es hatte ihm nichts gesagt, nur neugierig gemacht. Bevor nicht Gott selbst ihn mit seinem Strahl der Gnade traf und Licht gab, das Licht des Heiligen Geistes, wurde er von seiner sinnlichen Wahrnehmung getäuscht. Das soll Jesus sein? „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“, schrieb schon Thomas von Aquin in seinem berühmten Hymnus über die Eucharistie (Gotteslob Nr. 497). Wenn schon im atheistisch, agnostisch und materialistisch geprägten Zeitgeist jegliches Übernatürliche, und damit auch Gott an sich verkannt wird, wie schwer anzunehmen sind dann höchste geistliche Wahrheiten, wie die eucharistische Gegenwart Jesu? Brot gleich Jesus? Oblate gleich Jesus? Das ist doch verrückt, Torheit, widersinnig, lächerlich – aus einer Perspektive ohne das Licht der Gnade.

In diesem unscheinbaren Aufenthaltsraum in Medjugorje ist etwas Großes geschehen. Jesus Christus hat sich einem Herzen offenbart und die Blindheit einer Seele geheilt, die ihn nicht zu sehen vermochte. Noch mit der Hostie vor sich, war sie blind. Doch Jesus Christus hat sich Thomas-Maria als Retter und Erlöser genähert und ihm angeboten, in die innigste und lebenskräftigste Beziehung einzutreten, die möglich ist, nämlich die mit ihm, Jesus. Und durch ihn mit dem himmlischen Vater. Jesus hat hier, als die letzten Sonnenstrahlen eines heißen Tages durch die Fenster des Aufenthaltsraumes schienen, seine vornehmste und erste Aufgabe als Messias erfüllt.

Als wir Thomas-Maria einige Jahre nach diesem Ereignis kennenlernten und er uns seine Geschichte erzählte, waren wir einmal mehr ermutigt. Es zeigte uns doch, dass Jesus alle Mittel in der Hand hat, alles mit radikaler Gnade überwinden zu können. Danke an Thomas-Maria, dass wir hier sein Zeugnis geben dürfen.

Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron, und zwar im Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Offb 5, 8-9)

Wenn wir aus der Bibel das hinzu nehmen, was diese geschilderte Situation umgibt, sehen wir vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron, umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, und unzähligen Engeln und anderen, vielleicht unbekannten Lebewesen; alle sind gemeinsam im Lobpreis des Lammes vereint.

Vielschichtig ist dieses Bild für eine geistige Realität, die es aussagen will. Hier wollen wir jetzt den Fokus auf Folgendes richten: auf die Anbetung des Lammes mit Musik und Gesang.

Dass Musik (die Harfe stellvertretend für jegliche Musikinstrumente) und Gesang hier im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Auch dass wir dieses hier in einer Situation sehen, in der wir uns sozusagen „im Himmel“ befinden, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird, will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Konkreter: dass wir geradezu dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dieses in Gemeinschaft mit allen Geschöpfen, Engeln und Heiligen?

Die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Doch sie betont ebenso, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, nicht aufgehoben ist.

Doch wurde das selbstverständliche Mitschwingen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Aber auch nach dem Sündenfall entspricht es dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk! In seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart Christus anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Wir hoffen, dass euch dieser Beitrag ermutigt hat, mit Anbetung und Lobpreis weiterzugehen!

Es grüßen euch,

Thomas und Ruth

Quellen:
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei.

Drei Ebenen des Prophetischen bei deiner Lobpreismusik

Beim prophetischen Lobpreis fokussieren wir auf das Prophetische.  Hier war und ist es hilfreich für uns, drei Ebenen des Prophetischen zu unterscheiden. Doch bevor wir zu diesen drei kommen, wollen wir noch einmal besonders darauf hinweisen, dass jeder musikalische Lobpreis selbstverständlich Prophetisches einbeziehen kann. Aber es ist eben nicht selbstverständlich. Wenn wir einfach ein Lied nach dem anderen singen, ist dort schwerlich Platz für prophetische Anteile. Es ist aber jederzeit möglich, bewusst Lobpreislieder in besonderer Weise für den Heiligen Geist zu öffnen, um aus den Liedern heraus in das freie prophetische Singen und Spielen zu gelangen.

Auch wichtig ist der weitere Hinweis vorab, dass selbstverständlich der Heilige Geist schon am Werk ist, wenn wir einfach Lobpreislieder singen. Denn das Wort des Paulus ist wahr: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12, 3).

Und diesen wunderbaren Herrn besingen wir ja zuerst, wenn wir Lobpreislieder singen, sei es aus traditionellem oder aus modernen geistlichen Liedgut. So ist selbstverständlich der Heilige Geist schon gegenwärtig, wenn wir zum Beispiel in der Messe aus vollem Herzen Lieder aus dem Gotteslob singen, vorausgesetzt, es ist für uns mehr als ein leeres Singritual. Auch kann der Heilige Geist durch einfaches Singen von Lobpreisliedern Herzen stark berühren, denn er weht, wo er will und wie er will (vgl Joh 3, 8). Doch dieses meinen wir nicht, wenn wir von prophetischem Lobpreis sprechen.

Beim prophetischen Lobpreis ergeht von uns eine ausdrückliche Einladung an den Heiligen Geist, dass Er unser Beten, Singen und Spielen übernimmt. Wir bitten um die Gabe der Prophetie für den musikalischen Lobpreis. Wir stellen uns dem Heiligen Geist zur Verfügung, um uns in prophetischer Weise für den Dienst an der Gebetsgruppe, dem Hauskreis, der Versammlung oder wo auch immer wir im Einsatz sind, gebrauchen zu lassen.

Wir streben an, dem Heiligen Geist im musikalischen Lobpreis einen besonderen Raum geben, um sich zu schenken und zu wirken. Wir wollen ihm in unserem kleinen, bescheidenen Rahmen einen Landeplatz anbieten, damit Er sein Werk tun kann. Das ist das Wesen des prophetischen Lobpreises. Insofern steht tatsächlich das Prophetische im Zentrum dieses Lobpreises. Das Prophetische berührt dabei drei Ebenen.

1. Erste Ebene des Prophetischen: Das aktuelle Zeugnis über die großen, zeitlosen Heilswahrheiten mit Jesus Christus im Zentrum

Um diese grundlegende erste Ebene tiefer zu verstehen, war es für uns hilfreich zu erkennen, dass das Prophetische ganz selbstverständlich zu uns gehört. Es ist ein Teil von uns als Volk Gottes. Es gehört zu uns, die wir uns Christen nennen. Es ist eines der Zeichen für das ganze Volk des Neuen Bundes, der mit Jesus Christus begründet ist.

So spricht der Katechismus nicht nur vom Volk Gottes  als einem „priesterlichen“ und „königlichem Volk“, sondern auch von ihm als dem „prophetischem Volk“ (vgl. KKK 783, 785). Schon die Predigt des Petrus am Pfingsttag in Jerusalem erwähnt dieses. Petrus nimmt die Weissagung des Propheten Joel auf. Denn diese hat sich am Pfingsttag in Jerusalem, bei der allerersten Herabkunft des Heiligen Geistes erfüllt. Von da an ist sie durch die weiter wirkende Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche lebendig. Petrus rief der Menge zu:

„… jetzt geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: ‚Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.'“ (Apg 2, 16-18)

Das Prophetische als Merkmal des Volkes Gottes – was heißt das? Darin steckt ein Ruf. Es ist der Ruf, Zeugnis zu geben. Ein Zeugnis zu geben für Jesus Christus, und damit für das Heilshandeln Gottes an uns. Die Verbindung zum Prophetischen stellt sich dort her, wo wir erfahren und erkennen, dass wir dieses Zeugnis nicht aus uns selbst heraus geben können.

Dieses Zeugnis zu geben ist schon ein Wirken des Heiligen Geistes. Im Katechismus lesen wir es so:

„Das heilige Volk Gottes nimmt auch Teil am prophetischen Amt Christi, vor allem durch den übernatürlichen Glaubenssinn, … der ihm zu eigen ist. (… Das Volk Gottes) versteht ihn immer tiefer und wird mitten in der Welt zum Zeugen Christi.“ (KKK 785)

Im Buch der Offenbarung in der Bibel finden wir das grundlegende Wort dazu:

„Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“
(Offb 19, 10).

In diesem Wort aus der Offenbarung finden wir den entscheidenden Hinweis darauf, dass das echte und wahre Zeugnis über Jesus Christus untrennbar mit dem Prophetischen verbunden ist. In diesem Sinn nimmt auch Hans-Urs von Balthasar Bezug auf dieses Schriftwort:

„… die Zeugnisablage erfolgt durch den Heiligen Geist, der die rechten Worte über Gott eingibt. Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern der das geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß.“ (Hans-Urs von Balthasar: 99)

Gibt Petrus nicht in seiner Pfingstpredigt ein solches Zeugnis, erfüllt vom Heiligen Geist? Sein Wort trifft eine große Menge von Menschen, über 3000, mitten ins Herz und sie lassen sich taufen (vgl. Apg 2, 41).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet dies, dass wir dieses Zeugnis geben wollen, indem wir die großen, zeitlosen Wahrheiten über Gott singen und beten, mit Jesus Christus im Zentrum.

Die Bibel als Grundlage dieses Lobpreises spielt dabei ein sehr wichtige Rolle (mehr zur Bedeutung des Wortes Gottes im prophetischen Lobpreis siehe hier).

2. Die zweite Ebene des Prophetischen: Gott will durch das Prophetische in eine bestimmte Zeit oder Epoche eingreifen

Josef Kardinal Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI, spricht von einer weiteren wichtigen Funktion des Prophetischen in der Kirche. Er spricht davon, dass Gott durch das Prophetische direkt in einer Zeit oder Epoche handeln und eingreifen will. Wissend um all die Dinge, die Kirche tut, ist doch, so sagt er,

„das Prophetische viel stärker der Raum …, in dem Gott sich vorbehält, selbst immer wieder einzugreifen und die Initiative zu ergreifen.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Weiter führt er aus,

„dass Gott sich durch die Charismen das Recht vorbehält, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fördern und zu heiligen. Ich glaube, diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Er macht dieses Eingreifen vor allem an „großen prophetischen Gestalten“, wie er sie selbst nennt, in der Kirchengeschichte fest. Diese haben sich in Krisenzeiten und an Wendepunkten von Gott rufen lassen und standen an Anfängen von neuen Aufbrüchen und Erneuerungsbewegungen, so zum Beispiel der hl. Mönchsvater Antonius, der hl. Franziskus, die hl. Katharina von Siena oder die hl. Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden

Wir verstehen es auch so, dass Gott viele Menschen rufen und in Bewegung setzen kann, um auf Bedürfnisse einer ganzen Zeit oder Epoche zu antworten. Der kanadische Priester Ghislan Roy sagte einmal:

„Eine ewige Anbetung ist prophetisch“ (siehe hier).

Er meinte damit zuerst eine ewige eucharistische Anbetung, die nonstopp läuft, die aber aus ihren ursprünglichen Orten der Klöster herausgetreten ist und in der Welt mehrheitlich von Laien getragen wird. Wenn man nun die Gebetsaufbrüche um die ökumenisch ausgerichtete Gebetshausbewegung weltweit anschaut und die Initiativen des 24/7-Gebets, die allesamt das 24stündige Rund-um-die-Uhr-Gebet anstreben, egal in welchen Formen, denken wir, dass es nicht zu viel ist zu sagen, dass Gott hier in allen Konfessionen prophetische Zeichen aufrichtet, durch die er in die Welt sprechen will. Auch wir mit unserer Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE verstehen uns als Teil dieser Bewegungen. Was ist ihre Botschaft?

Sie alle rufen in die Welt: Hier ist der eine und einzige Gott, der es wert ist, Tag und Nacht angebetet zu werden. Hier ist der eine, wahre, liebende Gott, der sich Tag und Nacht für dich erreichbar macht. Hier ist der eine, wahre Gott, der dir einen konkreten Ort zeigt, wo er wohnt und wo du ihm begegnen kannst. „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!“ (Joh 1, 39).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet diese Ebene, sich im Lobpreis für die Worte Gottes zu öffnen, die er nicht nur uns persönlich, sondern für unsere Zeit und die Kirche sagen möchte.

3. Dritte Ebene des prophetischen Lobpreises: Gottes Rede in eine bestimmte Situation hinein, für eine bestimmte Gruppe, Versammlung oder Einzelperson

Prophetisches ist auch bekannt, wenn es um das geschenkte Wort in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Gruppe oder für eine bestimmte Person geht. Wir finden es bei Gebetsversammlungen zum Beispiel, oder auch beim Heilungsgebet oder in der Seelsorge. Gerade auch auf dieser Ebene gibt es das geschenkte, persönliche Wort, das helfen, heilen und trösten will.

Im prophetischen Lobpreis heißt diese Ebene für uns, dass wir danach streben, uns ganz dafür zu öffnen, wie Gott uns konkret für den Dienst an einer Gruppe nehmen will. Unsere Erfahrung ist, dass das Wort, so persönlich es auch sein mag, doch immer so diskret ist, dass es nur derjenige, den es betrifft, tatsächlich versteht. Das Singen von Worten hat den Effekt, dass es durch die musikalische Untermalung noch tiefer ins Herz gehen kann.

Die geistliche Unterscheidung ist sehr wichtig, nicht nur bei dieser dritten, sondern bei allen diesen Ebenen des Prophetischen.

Voraussetzung für das Prophetische: die innere Hörfähigkeit

Wenn wir das Prophetische vom inneren Prozess her betrachten, wird deutlich, dass es immer wieder um das Hören geht. Es gibt dieses sehr schöne Lobpreislied, in dem es heißt:

„Herr, bin ich. Sprich, dein Diener hört. Schenk mir die Gnade, deine Stimme zu hör’n, die Gnade, deinen Willen zu tun. Herr, hier bin ich.“

In diesem drückt sich genau dieses Hören aus: Die leise Stimme des Heiligen Geistes zu vernehmen, seine Stimme zu erkennen und immer besser kennenzulernen, seine Eingebungen wahrzunehmen und immer sensibler dafür zu werden, und diesem dann hörend zu folgen. Aus dieser inneren Perspektive des Hörens verstehen wir, dass Josef Kardinal Ratzinger hier den Fokus auf Maria lenkt, die in ihrer Reinheit ganz Hörende und ganz Gehorsame war. Er sagt, dass Maria der „Urtyp der christlichen Prophetie“ ist.

„An ihr definiert man, was Prophetie ist, nämlich diese innere Hörfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, die überhaupt den Zuspruch des Geistes wahrnimmt, ihn verinnerlicht und dadurch fruchtbar macht und in die Welt hineinträgt.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Keine Frage, es ist ein geistlicher Weg, immer weiter ins Hören und in den prophetischen Lobpreis hinein zu kommen. Wir empfinden uns da selbst noch sehr am Anfang, doch wir vertrauen darauf, dass Gott uns weiter helfen wird.

Wenn du dich zum prophetischen Lobpreis gerufen fühlst, hoffen wir, dass du etwas mit diesen Ausführungen anfangen kannst. In einem weiteren Blogbeitrag zum Thema prophetic worship geben wir 10 Tipps für die Praxis. Du findest ihn hier. Viel Freude beim lesen und lobpreisen!

Bis dahin,

es grüßen euch Thomas & Ruth

Quellen:

Hans-Urs von Balthasar: Das Buch des Lammes. Zur Offenbarung des Johannes. Freiburg, 2010

„Das Problem mit der christlichen Prophetie.“ Niels Christian Hvidt im Gespräch mit Kardinal Josef Ratzinger. In: Zeitschrift „Communio“, März/April 1999, S. 177-188

Drei Dinge, die deinen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden lassen

Nach unserer wöchentlichen Gebetsgruppe, bei der wir jeweils einen Teil der Zeit prophetischen Lobpreis spielen, kam jemand auf uns zu, der zum ersten Mal teilgenommen hatte. Er äußerte sein Erstaunen, dass fast die ganze Gebetszeit wie auf ihn zugeschnitten war. Angefangen  von der Bibelstelle, die Grundlage des prophetic worship war, über die freien Gebete bis hin zur Musik, die sein Herz berührte. Es war für ihn gerade in diesem Moment so passend gewesen, weil in seinem Leben ein Krise aufgebrochen war, in der er tatsächlich immensen geistlichen Zuspruch brauchte.

Auch unsere Dankbarkeit war groß, dass der Heilige Geist unsere Lobpreis- und Gebetszeit so sehr für ihn geöffnet hatte. Es war im Nachhinein für uns ebenso ein wunderbares Zeugnis dafür, wie prophetischer Lobpreis konkret wirken kann. Doch was eigentlich lässt unseren musikalischen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden?

1. Im prophetischen Lobpreis singen wir das „neue Lied“. Was ist das?

In der Bibel, im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, hören wir von diesem „neuen Lied“. In vieler Hinsicht können die Verse 8-9 grundlegend für den prophetischen Lobpreis angesehen werden. Es heißt dort:

„Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Off 5, 8-9)

An mehreren Stellen im Buch der Offenbarung ist von diesem „neuen Lied“ die Rede. Auch im Alten Testament, vor allem in den Psalmen (vgl. Ps 33, 3; Ps 96, 1; Ps 98; 1, Ps 149,1).

Wenn wir von dem „neuen Lied“ als Grundlage des prophetischen Lobpreises sprechen, laufen verschiedene Ebenen zusammen, die aber allesamt die Form des prophetischen Spielens und Singens ausmachen.

Jesus ist das Zentrum des prophetischen Lobpreises

Die erste Ebene ist das Thema des neuen Liedes. Dies ist eine Ebene, die zuerst einmal für jeden musikalischen Lobpreis gilt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das „neue Lied“ ist das Lied der Erlösung. Es ist das Lied, dass das gesamte Heilshandeln Gottes an der Menschheit besingt.

Es ist vor allem das Lied über die Inkarnation, also die Menschwerdung Jesu Christi, und seine erlösende Heilstat. Das neue Lied handelt umfassend von den Großtaten Gottes, angefangen von der ersten Schöpfung bis zur Neuschöpfung, von der Erschaffung des Menschen, dem Sündenfall und der Erlösung des Menschen. Immer ist der Brennpunkt die Inkarnation, Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes. Er ist Zentrum des neuen Liedes.

Nichts anderes sagt uns das Buch der Offenbarung, wenn wir die darauf folgenden Verse lesen, in denen das zentrale Thema des neuen Liedes angegeben wird:

„Alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen.  Und sie sangen ein neues Lied.  (…) Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, um die Menschheit zu erlösen, Ehre, Lobpreis und Anbetung gelten ihm und dem, der auf dem Thron sitzt, von Ewigkeit zu Ewigkeit .“ (Off 5,  8 -13).

Indem wir hier auf Erden das „neue Lied“ singen, verbinden wir uns mit dem Lobpreis, der vor dem Thron Gottes im Himmel erklingt.

Doch wie singe ich das neue Lied in prophetischer Weise?

Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt.

2. Im prophetischen Lobpreis singen und beten wir das Wort Gottes

Der zweite Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt, ist folgender: Wir gehen im prophetischen Lobpreis immer von Versen und Stellen der Heiligen Schrift aus. Die Bibel ist direkte Grundlage dieses Lobpreises. Wir singen und beten die Heilige Schrift. Auf diese Weise singen wir sehr konkret das „neue Lied“.

Denn nichts anderes finden wir in der Heiligen Schrift, nämlich das Heilshandeln Gottes an uns. Es beginnt mit der Vorbereitung auf die kommende Erlösung im Alten Testament und gipfelt im Kommen des Erlösers Jesus Christus, dem Messias, im Neuen Testament.

Zum anderen ist das Wort Gottes an sich schon in gewisser Hinsicht die größte Prophetie, die den Menschen gegeben ist. Sie ist Gottes Wort, das in die Welt gesprochen ist. Sie ist „Gottes Rede“ in die Welt. In ihr ist Jesus Christus gegenwärtig.

Es fehlt noch ein dritter Punkt, der deinen Lobpreis ins Prophetische führt.

3. Im prophetischen Lobpreis streben wir danach, unter der Leitung des Heiligen Geistes kreativ zu werden

Der dritte wesentliche Punkt, der deine Lobpreismusik ins Prophetische führt, ist dieses: Stelle dein Singen, Spielen und Beten des „neuen Liedes“ in der jeweiligen Situation direkt unter die Führung des Heiligen Geistes.

Dieses ist notwendig, um genau in diese geistgeleitete Kreativität zu kommen, wozu Paulus im Epheserbrief auffordert:

„Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5, 19)

So ist es unser Bestreben, in das konkrete Hören zu kommen, um genau das in die Situation zu hineinzugeben, was der Heilige Geist sagen und tun möchte. Dieses bezieht sich sowohl auf die Melodien, als auch auf die Worte.

Faszinierend war, dass wir dieses kreative, immer wieder Neue des Lobpreises in den Ausführungen der Hildegard von Bingen über die himmlischen Musik gefunden haben. Hildegard von Bingen, die schon zu ihren Lebzeiten Anfang des Mittelalters wegen ihrer großen Schauungen über Kirche und Welt als „Prophetin“ galt, sieht in einer großen Schau, dass selbst die höchsten Geschöpfe mit ihren Gesängen die Herrlichkeit Gottes nicht zu fassen vermögen, und sie deshalb immer wieder neu, in immer wieder neuer, vollkommener Melodik mit ihren Lobgesängen ansetzen. Doch lassen wir die Heilige und Kirchenlehrerin selbst zu Wort kommen:

„Mit den lebendig schwingenden Tönen ihrer herrlichen Stimmen, verkünden sie (die Engel) die Göttlichkeit Gottes, reicher als die Vielzahl aller Töne; die aus der Vielzahl aller Töne, die aus der Vielzahl aller Lebewesen zu ihm emporsteigen, und strahlender als aller Glanz, der durch Sonne, Mond und Sterne in Gewässern schimmert, erhaben über alle ätherische Musik (…). Und doch, mit all ihrem Stimmenjubel können die seligen Geister Gottes Gottheit nie endgültig fassen. Darum heben sie auch mit ihren Stimmen immer wieder von neuem an.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Wenn wir im prophetischen Lobpreis unter der Führung des Heiligen Geistes kreativ werden wollen, sehen wir auch hier eine Verbindung mit dem immer wieder neuen, kreativen Lobpreis im Himmel.

Anders als im Himmel, wo alles selbstverständlich fließt, brauchen wir hier auf Erden die Kraft des Heiligen Geistes, um in diesen kreativen, immer wieder neuen Lobpreis einzustimmen. Komm, Heiliger Geist!

Ein kleines Nachspiel: Derjenige, der die eingangs geschilderte berührende Erfahrung gemacht hatte, fragte nach den Noten der Lieder, die ihn so berührt hatten. Da mussten wir passen, es war freier Gesang gewesen! Es ist nun aber tatsächlich so: Aus den neuen Melodien und Gebeten im prophetischen Lobpreis entstehen durchaus neue Lobpreislieder, wenn jemand versiert genug ist, diese zu erinnern und in eine entsprechende Form zu bringen (Wir arbeiten dran :-)).

Neben diesen Basics gibt es noch weitere Aspekte, die im prophetischen Lobpreis tragend sind. Zum Beispiel, was ist das Prophetische genau, welche Ebenen berührt es?  Darum geht es im nächsten Blogbeitrag. Du findest ihn hier.  Möchtest du tiefer gehen? Dann schau rein!

Wir hoffen, du kannst mit unseren Ausführungen etwas anfangen. Probiere es einfach aus. Das ist auch unsere Schule. Und lass uns gern an deinen oder euren Erfahrungen teilhaben über die Kommentarfunktion oder per E-mail.

Es grüßen euch

Thomas und Ruth

Quellen:

Gronau, Eduard: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

 

„Die Sonne der Gerechtigkeit geht auf und ihre Flügel bringen Heilung“

Voller Dankbarkeit war ich im neuen Gebetsraum, ganz frisch, die ersten Anbetungsschichten hatten begonnen, und ich hielt meine persönliche Anbetungsstunde. Mir stand das Wort des Propheten Maleachi vor Augen:

„Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung“
(Mal 3, 20).

Auf einmal traf es mich tief – so wie es manchmal ist mit Bibelworten. Manches Bekannte und vielleicht schon oft Gehörte bekommt einen besonderen Geschmack, es ist wie ein Strahl des Heiligen Geistes der jetzt das Innerste berührt. Ohne zu wissen wie, versteht doch die Seele in größerem Zusammenhang, was dieses Wort jetzt sagen will, es passt auf wunderbare Weise sehr vielschichtig und das Verstehen ist mit freudigem Erstaunen begleitet. Genauso erging es mir jetzt.

Für mich war es kein Zufall, dass es diese Worte waren, immer wieder klangen diese Worte des Propheten Maleachi bei der Betrachtung in mir, als wolle Gott diese jetzt persönlich in diese Zeit, über diese Region und diesen Ort aussprechen:  Euch, die ihr den Herrn fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen euch allen die Heilung (vgl. Mal 3, 20). Hörte ich nicht tatsächlich darin einen besonderen Ruf für diesen neuen Raum des Gebetes und der Anbetung? Gerade jetzt brannten sich diese Worte ein, im Rahmen der vielen Schritte, diesen neuen Gebetsraum mit Leben zu füllen, auf dem Weg, das eucharistische Gebetshaus HOPE in die Welt zu bringen, mit der großen Vision einer 24/7 Anbetung.

So schien es mir der besondere Ruf von HOPE, ein mächtiger Ort der Anbetung und Heilung zu werden, gerade jetzt in dieser Zeit. Jesus sieht die Verletzungen und Verwirrungen von heute. Er ist die Sonne der Gerechtigkeit, und er sieht, wie verwundet jeder einzelne ist. Er sieht, wie unsere ganze Gesellschaft ins Straucheln gerät. Vor allem kann er die wachsende psychische und geistige Not in ihrer ganzen Tiefe sehen, im Großen wie im Kleinen, er allein ist es, der sie bis auf den Grund ausloten kann. Und seine Antwort ist Liebe und Erbarmen. Heil und Heilung will er bringen, auf allen Ebenen, angefangen bei jedem einzelnen.

Wo ist die Sonne der Gerechtigkeit bis heute sichtbar unter uns?

Wir finden Jesus Christus mit Leib und Blut gegenwärtig in der konsekrierten Hostie. Anbetend betrachten können wir seinen Leib, sichtbar und doch verborgen unter dieser Gestalt des Brotes. Gewandelt während der Eucharistiefeier und nun ausgesetzt auf so vielen Altären und auch hier in unserem Gebetsraum, lädt er ein, uns unter die Ströme seiner heilenden der Liebe zu stellen. Es ist, als wolle er sagen: Ihr könnt es nicht ohne mich schaffen. Nichts könnt ihr ohne mich. Fürchtet euch nicht, zu mir zu kommen, eurem Jesus. Ich bin mächtig genug, um euch, eure Familien, eure Gesellschaft, eure Nation, ja euren Kontinent wiederherzustellen.

So hoffen wir, dass wir mit HOPE ein kleiner Mosaikstein sind, damit Jesus seine heilende Liebe auf uns fließen lassen kann.

Die aktuellen Termine von HOPE findet ihr hier (Aktuelles).

 

 

Jesus ist da. Jesus heilt.

Dort, wo Christus in der Eucharistie gegenwärtig ist, ist die Kraft Jesu besonders groß. Nicht selten wirkt Jesus besondere Ereignisse der Gnade, um uns im Glauben an seine außerordentliche Gegenwart in der Eucharistie zu stärken. Vier Zeugnisse vom machtvollen Wirken Jesu möchte ich euch hier gern vorstellen.

1 Befreiung von Drogensucht während eucharistischer Anbetung     2 Heilung eines sterbenden Kindes
3 Durch den Leib Christi erwacht ein Mädchen aus dem Koma
4 Heilung von multipler Sklerose während eines eucharistischen Segens

1   Befreiung von Drogensucht während eucharistischer Anbetung
Es war ein Durchbruch zur Befreiung von Drogensucht. Es brauchte nur Jesus in der Eucharistie. Allein seine mächtige, reale Gegenwart im Allerheiligsten Sakrament. Als eine junge Frau, ich nenne sie hier Alicia, diesen befreienden Durchbruch erlebte, war sie kein Christ. Sie war seit mehreren Jahren drogensüchtig und völlig verzweifelt. Als sie sich das Leben nehmen wollte, schon das fünfte Mal, lief ihr Pater Nicholas Buttet über den Weg. Er hatte 2010 in Epinassey in der Schweiz die neue geistliche Gemeinschaft „Eucharistein“ gegründet, die sich besonders junger Menschen annimmt, die mit schweren Problemen zu kämpfen haben.

Bei der Gemeinschaft „Eucharistein“ in Epinassey, Schweiz (a)

Er rang ihr ab, es noch einmal mit dem eucharistischen Jesus zu versuchen, nur einmal. Sie verbrachte eine Stunde vor dem Allerheiligsten Sakrament, eine Stunde mit der Stoppuhr in der Hand, nachdem sie geschrien hatte: „Jesus, wenn du mir nicht zeigst, dass du es bist, werde ich gehen, ich bringe mich doch um, mein Leben ist sinnlos.“ Sie stand auf. Pater Buttet sah, wie sie sich an ihr Herz fasste, als habe sie Schmerzen. Er wollte sofort ins Krankenhaus fahren, aber sie erwiderte: „Nein…, es ist Liebe … Als ich zu Jesus sagte, ich gehe jetzt, weiß ich nicht wie es geschah, aber mein Herz wurde von der Zärtlichkeit Gottes durchbohrt. Jetzt weiß ich, er ist da, er liebt mich und mein Leben hat einen Sinn.“ Jesus ist da.

Eucharistische Anbetung in Epinassey bei der Gemeinschaft „Eucharistein“ (b)

Wie Pater Nicholas Buttet weiter berichtet, dauerte Alicias vollständige Heilung von ihrer Drogensucht noch lange, doch dieses Erlebnis vor dem eucharistischen Jesus war ein entscheidender Durchbruch. Seitdem fasste sie keine Drogen mehr an und begann, sich ein neues Leben aufzubauen. Mit Jesus. „Sehen Sie“, so Pater Nicholas Buttet mit Blick auf das Allerheiligste Sakrament, „Jesus ist wirklich da.“ (1)

2   Heilung eines sterbenden Kindes
Schwester Briege Mckenna, eine irischen Ordensfrau der Klarissinnen, die durch ihren Heilungsdienst seit den 80er Jahren weltweit bekannt geworden ist, berichtet von einer jungen protestantischen Mutter, deren Kind im Sterben lag. Die Mutter war durch einen Freund ermutigt worden, zu Einkehrtagen von Sr. Briege zu kommen, und hatte noch nie an etwas Katholischem teilgenommen. Sie war in heller Verzweiflung. Im Krankenhaus wachte ihr Mann bei ihrem Kind, dessen Tod kurz bevorstand. Während der Eucharistiefeier hörte die Mutter Sr. Briege über die wahre Gegenwart Jesu in der Eucharistie sprechen.  Sie hörte, dass es Jesus in der Hostie ist und dass es Jesus ist, der heilt.

Sr. Briege McKenna spricht bei dem Kongress Adoratio 2015 (c)

Obwohl sie nicht ganz verstand, was genau gemeint war, hatte sie großen Glauben an Jesus. Als während der Wandlung der Priester die Hostie erhob, streckte sie ihre Hände in Richtung Hostie aus und sagte:“Wenn Du es wirklich bist, Jesus, dann bitte heile meine kleine Tochter“. In diesem Moment musste eine unerwartete Wendung eingetreten sein, denn als sie später nach Hause kam, erfuhr sie von ihrem sehr aufgeregten Mann, dass es ihrer Tochter viel besser gehe und die Ärzte sie bald Hause entlassen wollten (2).

3    Durch den Leib Christi erwacht ein Mädchen aus dem Koma
Daniel-Ange, ein französischer Priester, der die internationale Evangelisationsschule „Jeunesse Lumière“ (Jugend Licht) gegründet hat, berichtet von der Heilung eines Mädchens, das durch den Leib Christ aus dem Koma erwachte.
„Ein afrikanisches Mädchen, das in die Universitätsklinik in Brüssel eingeliefert wird, fällt in ein irreversibles Koma. Seine Familie bittet ein Ehepaar, mit dem ich selbst gut befreudet bin, etwas zu unternehmen. Dieses öffnet die Bibel und der Blick fällt auf die Stelle ‚Sie ist nicht gestorben, sie schläft‘. Wer also kann das Mädchen wieder aufwecken, wenn nicht Jesus? Und wo ist Jesus zu diesem Zeitpunkt? Das Ehepaar bringt den Leib Christi in die Intensivstation. Gerade als der Leib des Herrn die Lippen des Mädchens berührt, öffnet es die Augen und die Lippen. Die Krankenschwestern geraten in Panik. Die Ärzteschaft ist verblüfft. Nach mehreren Krankenkommunionen kann das Mädchen das Krankenhaus wieder verlassen.“ (3)

Daniel-Ange feiert Eucharistie (d)

4   Heilung von multipler Sklerose während eines eucharistischen Segens
Bruder Leo Schwager, Mönch der Benediktinerabtei St. Otmarsberg in Uznach, Schweiz, durfte 1952 in außergewöhnlicher Weise die Kraft eucharistischen Jesus in Lourdes erleben. In einer Sekunde erfuhr er vollständige Heilung. Es war eine so ungewöhnliche Heilung, dass sie später nach vielen Prüfungen zu einem der vielen spontanen Wunder von Lourdes gerechnet und weltweit bekannt wurde. Es geschah während der eucharistischen Sakramentsprozession, die täglich an diesem zweitgrößten Marienwallfahrtsort der Welt stattfindet.

Sakramentsprozession in Lourdes (e)

Bruder Leo litt seit mehr als einem Jahrzehnt an Multipler Sklerose und befand sich im Endstadium. Die Ärzte hatten ihn aufgegeben. Er konnte sich kaum noch bewegen, nicht mehr sprechen, weder essen noch trinken, und man erwartete seinen baldigen Tod. Die Wallfahrt nach Lourdes war der letzte Versuch seiner Mitbrüder, Heilung für ihn zu erlangen. Als der Bischof mit Jesus in der Monstranz vor seiner Bahre stand und ihn segnete, „durchfuhr es ihn wie ein Blitzschlag“, wie er selbst berichtet. „Wie eine Feder habe es ihn von seinem Krankenwagen auf den Boden geworfen“, berichteten Augenzeugen, direkt vor das Allerheiligste. Der Arzt neben ihm erschrak und wollte ihn versorgen, doch Bruder Leo, der vorher nicht mehr sprechen konnte, sagte mühelos, es sei alles in Ordnung, er sei gesund. Da kniete sich der Arzt neben ihn hin, betete mit ihm an, und der Bischof beendete den Segen. Es war eine vollständige Heilung, keine einzige Beschwerde blieb zurück (4).

Bruder Leo trägt eine Kerze bei einer Prozession in Lourdes nach seiner Heilung (f)

Nach mehrjähriger Untersuchung kamen nicht nur eine, sondern sogar zwei ärztliche Kommissionen, zu dem Ergebnis, dass bei dieser vollständigen Heilung keinerlei natürliche Einwirkungen, weder körperliche noch psychische, im Spiel gewesen waren. Nicht nur, war er gerufen zu einer „besonderen Sendung als Zeuge von Gottes heilender Macht auf die Fürsprache Mariens“, wie Bischof Ivo von St. Gallen sagte. Er wurde gleichzeitig ein Zeugnis für die Macht Jesu im Allerheiligsten Sakrament. Bruder Leos Leben ist darüber hinaus bemerkenswert, weil es trotz der machtvollen Heilung von großen Leiden geprägt war und er schließlich an Knochenkrebs erkrankte und daran verstarb. Er gab nicht nur Zeugnis über die heilende Macht Jesu, sondern auch dafür, sich ganz in den Willen Gottes zu fügen. „Alles ertrug er mit Geduld“, schreiben seine Mitbrüder (5). Ist dieses nicht ein ebenso starkes Zeugnis? Wie jemand durch die Kraft Jesu in großem Leiden im inneren Frieden bleibt, und mit Ijob spricht: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gelobt sei der Name des Herrn.“ (Ijob 1, 21)

Immer wieder bezeugt Jesus seine unbeschränkte Macht zu heilen. Eine junge Drogensüchtige wird während eucharistischer Anbetung geheilt, Bruder Leo während des eucharistischen Segens, ein kleines Mädchen, das im Sterben lag, kommt zurück ins Leben, und ein weiteres Mädchen, das durch den Leib Christi aus dem Koma erwachte — vier Beispiele von unzähligen Segenstaten, die Jesus durch sein Allerheiligstes Sakrament bewirkt. Jesus ist da, gegenwärtig in der Eucharistie, und er bezeugt sich.

 

Quellen- und Fotonachweise:
(1)  vgl. Buttet, Nicholas: The Eucharist, Adoration and Healing. In: Reid, Alcuin (Ed.): From Eucharist Adoration to Evangelization. London, 2012, S. 111-126.
(2) Briege McKenna: The Power of the Sacraments. Dublin, 2009, S. 33.
(3) Daniel-Ange: Die Eucharistie – Leib der Liebe. Linz, 2006, S. 135
(4) http://de.lourdes-france.org/vertiefen/heilungen-und-wunder/heilung-von-bruder-leo
(5) http://abtei-uznach.ch/de/pages/br.leo.php
Fotos:
(a-b) http://eucharistein.org/nos-maisons/epinassey-suisse/
(c) eigenes Bild
(d) http://a142.idata.over-blog.com/366×550/0/19/79/02/2008—1/daniel-ange
(e) http://www.pelerinage-rosaire.org/wp-content/uploads/2016/03/DSC_4802-procession-eucharistique-dubois.jpg
(f) http://abtei-uznach.ch/de/pages/br.leo.php