Jesus als Seenotretter – Warum eine 24/7-Anbetung? #2

Was hat Strandwacht und Rettungsschwimmen mit Anbetung und Mission zu tun, und vor allem mit 24/7-Anbetung? Einige Gedanken vom kurzen sommerlichen Inselaufenthalt.

Weiterlesen

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung? #1

Warum eigentlich eine Anbetung, die rund um die Uhr läuft, Tag und Nacht, 24 Stunden und 7 Tage in der Woche, 24/7? Warum setzen wir uns für eine solche Anbetung ein? Trotz unserer noch kleinen Anfänge

Weiterlesen

Old school oder höchst aktuell? Maria – Mutter der Kirche

Mater ecclesiae, „Mutter der Kirche“ –  erst 2018 erhob Papst Franziskus diesen Titel Mariens zum Gedenktag. „Maria, Mutter der Kirche“ in den liturgischen Kalender einzufügen, löste Erstaunen – mitunter mit hochgezogener Braue – in der Kirche aus. Hatte die Kirche keine anderen Probleme?

Dieser Titel Mariens tauchte zwar schon im 4. Jahrhundert in den Schriften des Kirchenvater Ambrosius auf und war im Hochmittelalter weit verbreitet, aber er wurde bisher nicht kirchenweit gefeiert. Allen Kritikern zum Trotz sollte sich dieses jetzt durch die Entscheidung des Papstes ändern.

Maria als „mater ecclesiae“ – das Original dieses Mosaiks findet sich auf den Petersplatz in Rom. Papst Johannes Paul II ließ es dort anbringen als Dank für den Schutz Mariens bei dem Attentat, das am 13.5.1981 auf ihn verübt wurde.

Skeptisch war ich nicht, als ich per überraschendem Google-Ergebnis davon erfuhr, vor kurzem erst. Eher traf es mich und ich war berührt. Angerührt war ich, weil ich mich an eine persönliche Erfahrung im Gebet erinnerte, die zwar schon etwas länger her ist, aber recht intensiv war. Ich hatte es damals im Gebet so verstanden, dass der Herr genau das wünschte: Dass seine heiligste Mutter als „Mutter der Kirche“ geliebt und verehrt wird. Das kam nun bei mir zusammen: Meine Gebetserfahrung und diese recht aktuelle Intervention des Papstes.

Blick vom Petersplatz in Rom auf die Kuppel des Petersdoms.

Nun glaube ich, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, und dass Christus durch vieles in die Welt hinein spricht, eben auch durch die kirchliche Liturgie. Und auch zum Beispiel durch diese nun keineswegs so unwesentliche Aktion, einen neuen liturgischen Gedenktag in den kirchlichen Kalender einzuführen. Meine Neugier war erwacht, und ich wollte dem weiter nachgehen, denn erschlossen hatte sich mir der tiefere Sinn von mater ecclesiae noch nicht.

Das Originalmosaik „Mater ecclesiae“ am Petersplatz in Rom.

Auf eine Spur kam ich, als ich entdeckte, dass Papst Franziskus diesen neuen Gedenktag jeweils auf den Montag nach Pfingsten gelegt hatte[i]. Von je her wird Pfingsten als das Geburtsfest der Kirche gefeiert. „Mutter der Kirche“ so nah an Pfingsten – das war sicher kein Zufall.

Was war an Pfingsten eigentlich geschehen? Ja, die Apostel und Jünger empfingen den Heiligen Geist, sie gingen heraus aus dem Obergemach, sie fingen an zu predigen, zu taufen und die erste Gemeinden entstanden; sie hoben sozusagen die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Taufe. Deshalb: Geburtsfest der Kirche. Maria war als Mutter des Erlösers selbstverständlich bei dieser ersten Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem dabei (vgl. Apg 1, 14).

Von ihr als „Mutter der Kirche“ zu sprechen hat aber noch eine größere Bewandtnis als ihre bloße Anwesenheit. Ich kam darauf, als ich bei Romano Guardini, einem bedeutenden katholischen Theologen, vom inneren Vollzug von Kirche las. Was war an Pfingsten in den Aposteln und Jüngern geschehen? Romano Guardini weist genau auf diesen inneren Vollzug hin, wenn er über die Veränderung des Petrus nach der ersten Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag in Jerusalem schreibt:

„Er ist nicht nur mutig geworden oder hat Erkenntnis gewonnen, sondern er steht zu Jesus in einer neuen Weise: wie einer, der Macht erhalten hat und nun mit Autorität verkündet. Er redet nicht über Jesus, sondern aus der Verbindung mit Ihm heraus, von Ihm her.“   (R. Guardini in: Der Herr, 1957, S. 531)

Doch vorher war es so, als haben die Apostel und Jünger vor Pfingsten nur vor Jesus gestanden. Vor ihm. Sie haben mit ihm gelebt, sie sind mit ihm umher gezogen, sie haben sein Wort gehört, sie haben seine Taten gesehen und sie glaubten an ihn. Aber sie standen immer nur vor ihm.

Sie liefen mit ihm durchs Land und bekannten sich zu ihm, aber trotzdem war da noch diese Distanz. Sie sahen ihn und standen nur vor ihm, sie hörten ihn und standen nur vor ihm. Selbst nach seiner Auferstehung, als sie ihn sahen und hörten und mit ihm aßen, ist da noch diese Distanz.

Jesus war noch nicht in ihnen lebendig. Er lebte noch nicht in ihnen. Sie konnten noch nicht in Fülle auf seine Kraft und Inspiration zugreifen, denn er lebte noch nicht in ihnen. Dementsprechend verhielten sie sich: Sie waren furchtsam und ängstlich, sie zogen sich zurück, verschlossen die Türen.

Das war angesichts der angespannten Lage in Jerusalem für die Anhänger Jesu eine mehr als verständliche Reaktion, schließlich war ihr ‚Anführer Jesus‘ vor kurzer Zeit noch schändlich am Kreuz hingerichtet worden, und die Angst um ihr Leben war nicht unberechtigt. Doch dann kommt der Heilige Geist. Es ist Pfingsten.

Und der Heilige Geist wirkt genau das: Christus wird in den Apostel und Jüngern lebendig. Es ist die erste und vornehmste Aufgabe des Heiligen Geistes: Jesus in uns zu gebären.

Jesus lebt nun in den Jüngern und es verändert sie völlig: Sie gehen heraus aus der verschlossenen Kammer, sie sind voller Freude und Begeisterung, sie verkünden und taufen. In dieser angespannten Lage. Die Kirche ist geboren. Und zuerst ist es dieser innere Vollzug, der die Kirche zum lebendigen, kraftvollen Leib Christi macht: Jesus lebt in uns durch die Kraft des Heiligen Geistes.

An Pfingsten erfüllte sich das Wort Jesu, das er sprach, als er das letzte Mal im Tempel gelehrt hatte. Er betete hier zum Vater für seine Apostel und alle Glaubenden:

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“. (Joh 7, 22-23)

Und Maria? Maria war die Ausnahme. Bei ihr war es anders. Nicht alle standen nur vor Jesus bevor der Heilige Geiste zum ersten Mal herabkam. Sie nicht. Denn sie war diejenige gewesen, die ganz im Verborgenen zuallererst Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes in sich hinein empfing. Es war, als der Heilige Geist Jesus in ihr zeugte. Die Bibel sagt uns:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1, 35)

So war Maria das erste Geschöpf, in dem Jesus lebte. Und das in unerreichbarer, einzigartiger Weise, denn sie empfing ihn nicht nur geistig in sich hinein, sondern leiblich.

In ihr wuchs, von ihrem Fleisch, der Sohn Gottes heran. Wir können davon ausgehen, dass sie durch dieses Geschehen in einzigartiger Weise, auch geistig, mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Es wäre nun abwegig und unlogisch zu denken, nach der Geburt Jesu hätte der Heilige Geist sie wieder verlassen.

Während ihres ganzen Lebens lebte Christus schon unnachahmlich in geistiger Weise in ihr, noch ganz verborgen vor der Welt in Nazareth, wo sie ihn mit Joseph aufzog, und überall dort, wohin sie ihn mit den Jüngerinnen begleitete. Wie sie wohl das erste Pfingsten in Jerusalem erlebt haben mag?

Den inneren Vollzug von Kirche betrachtend kommt es uns vielleicht etwas näher, was mit Maria als „Mutter der Kirche“ in tieferer Bedeutung gemeint sein kann. In theologischer Sprache heißt es, der Titel mater ecclesiae weise auf Maria als dem ‚personifizierten Urbild der Kirche‘ hin.

Ihre unbefleckte Empfängnis vor Augen ist sie tatsächlich das erste menschliche Geschöpf, das nicht nur Vorbild ist, sondern tatsächlich Urbild des neuen Volkes Gottes, das Christus sich durch die Kirche und in seiner Kirche versammeln will.

Maria ist natürlich auch Mutter der Kirche in ganz einfachem Sinn: Ohne Maria gäbe es keinen Jesus. Sie hat ihn geboren. Ihr „Ja“ erst öffnete den Weg zur Menschwerdung Gottes.

Ich glaube, dass dieser neue Gedenktag mater ecclesia uns auf etwas sehr Notwendiges hinweisen will, in diesen Zeiten, in denen nicht nur die Kirche im Sturm steht: Wir brauchen es mehr denn je, dass Christus in uns stark und lebendig ist, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

So beten wir mit Maria, Mutter der Kirche: Komm, Heiliger Geist!

______________________________________________

VERWEISE und ANMERKUNGEN

Fotonachweise:
1) Mater ecclesiae in Rom: https://fatherjerabek.com/page/33/
2) Maria an Pfingsten: https://www.goodstreams.org/videogallery/pentecost-in-legos/
3)Heilige Familie: http://stdavidparish.org/008-pregnant-mary/
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei. Falls irgendwelche  Angaben nicht korrekt sind oder wir einen Fotonachweis übersehen haben, macht uns bitte per PN oder in den Kommentaren darauf aufmerksam, damit wir es korrigieren können. Danke!

[i] In Deutschland gibt es eine besondere Regel für diesen neuen Gedenktag, da der Pfingstmontag hier als zweiter, gebotener Feiertag begangen wird. Deshalb wird am Pfingstmontag keine hl. Messe von ‚Maria, Mutter der Kirche‘ gefeiert. Es liegt es in der Entscheidung der deutschen Bistümer, wann der Gedenktag ‚Maria, Mutter der Kirche‘ innerhalb der Woche nach Pfingsten gefeiert wird.

Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche.

Weiterlesen

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper,

Weiterlesen

10 Tipps für deine Praxis des prophetischen Lobpreises

„Es ist ein wunderschöner Tag, aber ich kann ihn nicht sehen.“ Diese Worte auf dem Pappkarton des blinden Bettlers in einer Fußgängerzone erregten Mitleid. Als ich dieses in einem Video sah,

Weiterlesen

Drei Ebenen des Prophetischen bei deiner Lobpreismusik

Beim prophetischen Lobpreis fokussieren wir auf das Prophetische.  Hier war und ist es hilfreich für uns, drei Ebenen des Prophetischen zu unterscheiden. Doch bevor wir zu diesen drei kommen, wollen wir noch einmal besonders darauf hinweisen, dass jeder musikalische Lobpreis selbstverständlich Prophetisches einbeziehen kann. Aber es ist eben nicht selbstverständlich. Wenn wir einfach ein Lied nach dem anderen singen, ist dort schwerlich Platz für prophetische Anteile. Es ist aber jederzeit möglich, bewusst Lobpreislieder in besonderer Weise für den Heiligen Geist zu öffnen, um aus den Liedern heraus in das freie prophetische Singen und Spielen zu gelangen.

Auch wichtig ist der weitere Hinweis vorab, dass selbstverständlich der Heilige Geist schon am Werk ist, wenn wir einfach Lobpreislieder singen. Denn das Wort des Paulus ist wahr: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12, 3).

Und diesen wunderbaren Herrn besingen wir ja zuerst, wenn wir Lobpreislieder singen, sei es aus traditionellem oder aus modernen geistlichen Liedgut. So ist selbstverständlich der Heilige Geist schon gegenwärtig, wenn wir zum Beispiel in der Messe aus vollem Herzen Lieder aus dem Gotteslob singen, vorausgesetzt, es ist für uns mehr als ein leeres Singritual. Auch kann der Heilige Geist durch einfaches Singen von Lobpreisliedern Herzen stark berühren, denn er weht, wo er will und wie er will (vgl Joh 3, 8). Doch dieses meinen wir nicht, wenn wir von prophetischem Lobpreis sprechen.

Beim prophetischen Lobpreis ergeht von uns eine ausdrückliche Einladung an den Heiligen Geist, dass Er unser Beten, Singen und Spielen übernimmt. Wir bitten um die Gabe der Prophetie für den musikalischen Lobpreis. Wir stellen uns dem Heiligen Geist zur Verfügung, um uns in prophetischer Weise für den Dienst an der Gebetsgruppe, dem Hauskreis, der Versammlung oder wo auch immer wir im Einsatz sind, gebrauchen zu lassen.

Wir streben an, dem Heiligen Geist im musikalischen Lobpreis einen besonderen Raum geben, um sich zu schenken und zu wirken. Wir wollen ihm in unserem kleinen, bescheidenen Rahmen einen Landeplatz anbieten, damit Er sein Werk tun kann. Das ist das Wesen des prophetischen Lobpreises. Insofern steht tatsächlich das Prophetische im Zentrum dieses Lobpreises. Das Prophetische berührt dabei drei Ebenen.

1. Erste Ebene des Prophetischen: Das aktuelle Zeugnis über die großen, zeitlosen Heilswahrheiten mit Jesus Christus im Zentrum

Um diese grundlegende erste Ebene tiefer zu verstehen, war es für uns hilfreich zu erkennen, dass das Prophetische ganz selbstverständlich zu uns gehört. Es ist ein Teil von uns als Volk Gottes. Es gehört zu uns, die wir uns Christen nennen. Es ist eines der Zeichen für das ganze Volk des Neuen Bundes, der mit Jesus Christus begründet ist.

So spricht der Katechismus nicht nur vom Volk Gottes  als einem „priesterlichen“ und „königlichem Volk“, sondern auch von ihm als dem „prophetischem Volk“ (vgl. KKK 783, 785). Schon die Predigt des Petrus am Pfingsttag in Jerusalem erwähnt dieses. Petrus nimmt die Weissagung des Propheten Joel auf. Denn diese hat sich am Pfingsttag in Jerusalem, bei der allerersten Herabkunft des Heiligen Geistes erfüllt. Von da an ist sie durch die weiter wirkende Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche lebendig. Petrus rief der Menge zu:

„… jetzt geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: ‚Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.'“ (Apg 2, 16-18)

Das Prophetische als Merkmal des Volkes Gottes – was heißt das? Darin steckt ein Ruf. Es ist der Ruf, Zeugnis zu geben. Ein Zeugnis zu geben für Jesus Christus, und damit für das Heilshandeln Gottes an uns. Die Verbindung zum Prophetischen stellt sich dort her, wo wir erfahren und erkennen, dass wir dieses Zeugnis nicht aus uns selbst heraus geben können.

Dieses Zeugnis zu geben ist schon ein Wirken des Heiligen Geistes. Im Katechismus lesen wir es so:

„Das heilige Volk Gottes nimmt auch Teil am prophetischen Amt Christi, vor allem durch den übernatürlichen Glaubenssinn, … der ihm zu eigen ist. (… Das Volk Gottes) versteht ihn immer tiefer und wird mitten in der Welt zum Zeugen Christi.“ (KKK 785)

Im Buch der Offenbarung in der Bibel finden wir das grundlegende Wort dazu:

„Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“
(Offb 19, 10).

In diesem Wort aus der Offenbarung finden wir den entscheidenden Hinweis darauf, dass das echte und wahre Zeugnis über Jesus Christus untrennbar mit dem Prophetischen verbunden ist. In diesem Sinn nimmt auch Hans-Urs von Balthasar Bezug auf dieses Schriftwort:

„… die Zeugnisablage erfolgt durch den Heiligen Geist, der die rechten Worte über Gott eingibt. Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern der das geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß.“ (Hans-Urs von Balthasar: 99)

Gibt Petrus nicht in seiner Pfingstpredigt ein solches Zeugnis, erfüllt vom Heiligen Geist? Sein Wort trifft eine große Menge von Menschen, über 3000, mitten ins Herz und sie lassen sich taufen (vgl. Apg 2, 41).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet dies, dass wir dieses Zeugnis geben wollen, indem wir die großen, zeitlosen Wahrheiten über Gott singen und beten, mit Jesus Christus im Zentrum.

Die Bibel als Grundlage dieses Lobpreises spielt dabei ein sehr wichtige Rolle (mehr zur Bedeutung des Wortes Gottes im prophetischen Lobpreis siehe hier).

2. Die zweite Ebene des Prophetischen: Gott will durch das Prophetische in eine bestimmte Zeit oder Epoche eingreifen

Josef Kardinal Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI, spricht von einer weiteren wichtigen Funktion des Prophetischen in der Kirche. Er spricht davon, dass Gott durch das Prophetische direkt in einer Zeit oder Epoche handeln und eingreifen will. Wissend um all die Dinge, die Kirche tut, ist doch, so sagt er,

„das Prophetische viel stärker der Raum …, in dem Gott sich vorbehält, selbst immer wieder einzugreifen und die Initiative zu ergreifen.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Weiter führt er aus,

„dass Gott sich durch die Charismen das Recht vorbehält, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fördern und zu heiligen. Ich glaube, diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Er macht dieses Eingreifen vor allem an „großen prophetischen Gestalten“, wie er sie selbst nennt, in der Kirchengeschichte fest. Diese haben sich in Krisenzeiten und an Wendepunkten von Gott rufen lassen und standen an Anfängen von neuen Aufbrüchen und Erneuerungsbewegungen, so zum Beispiel der hl. Mönchsvater Antonius, der hl. Franziskus, die hl. Katharina von Siena oder die hl. Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden

Wir verstehen es auch so, dass Gott viele Menschen rufen und in Bewegung setzen kann, um auf Bedürfnisse einer ganzen Zeit oder Epoche zu antworten. Der kanadische Priester Ghislan Roy sagte einmal:

„Eine ewige Anbetung ist prophetisch“ (siehe hier).

Er meinte damit zuerst eine ewige eucharistische Anbetung, die nonstopp läuft, die aber aus ihren ursprünglichen Orten der Klöster herausgetreten ist und in der Welt mehrheitlich von Laien getragen wird. Wenn man nun die Gebetsaufbrüche um die ökumenisch ausgerichtete Gebetshausbewegung weltweit anschaut und die Initiativen des 24/7-Gebets, die allesamt das 24stündige Rund-um-die-Uhr-Gebet anstreben, egal in welchen Formen, denken wir, dass es nicht zu viel ist zu sagen, dass Gott hier in allen Konfessionen prophetische Zeichen aufrichtet, durch die er in die Welt sprechen will. Auch wir mit unserer Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE verstehen uns als Teil dieser Bewegungen. Was ist ihre Botschaft?

Sie alle rufen in die Welt: Hier ist der eine und einzige Gott, der es wert ist, Tag und Nacht angebetet zu werden. Hier ist der eine, wahre, liebende Gott, der sich Tag und Nacht für dich erreichbar macht. Hier ist der eine, wahre Gott, der dir einen konkreten Ort zeigt, wo er wohnt und wo du ihm begegnen kannst. „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!“ (Joh 1, 39).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet diese Ebene, sich im Lobpreis für die Worte Gottes zu öffnen, die er nicht nur uns persönlich, sondern für unsere Zeit und die Kirche sagen möchte.

3. Dritte Ebene des prophetischen Lobpreises: Gottes Rede in eine bestimmte Situation hinein, für eine bestimmte Gruppe, Versammlung oder Einzelperson

Prophetisches ist auch bekannt, wenn es um das geschenkte Wort in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Gruppe oder für eine bestimmte Person geht. Wir finden es bei Gebetsversammlungen zum Beispiel, oder auch beim Heilungsgebet oder in der Seelsorge. Gerade auch auf dieser Ebene gibt es das geschenkte, persönliche Wort, das helfen, heilen und trösten will.

Im prophetischen Lobpreis heißt diese Ebene für uns, dass wir danach streben, uns ganz dafür zu öffnen, wie Gott uns konkret für den Dienst an einer Gruppe nehmen will. Unsere Erfahrung ist, dass das Wort, so persönlich es auch sein mag, doch immer so diskret ist, dass es nur derjenige, den es betrifft, tatsächlich versteht. Das Singen von Worten hat den Effekt, dass es durch die musikalische Untermalung noch tiefer ins Herz gehen kann.

Die geistliche Unterscheidung ist sehr wichtig, nicht nur bei dieser dritten, sondern bei allen diesen Ebenen des Prophetischen.

Voraussetzung für das Prophetische: die innere Hörfähigkeit

Wenn wir das Prophetische vom inneren Prozess her betrachten, wird deutlich, dass es immer wieder um das Hören geht. Es gibt dieses sehr schöne Lobpreislied, in dem es heißt:

„Herr, bin ich. Sprich, dein Diener hört. Schenk mir die Gnade, deine Stimme zu hör’n, die Gnade, deinen Willen zu tun. Herr, hier bin ich.“

In diesem drückt sich genau dieses Hören aus: Die leise Stimme des Heiligen Geistes zu vernehmen, seine Stimme zu erkennen und immer besser kennenzulernen, seine Eingebungen wahrzunehmen und immer sensibler dafür zu werden, und diesem dann hörend zu folgen. Aus dieser inneren Perspektive des Hörens verstehen wir, dass Josef Kardinal Ratzinger hier den Fokus auf Maria lenkt, die in ihrer Reinheit ganz Hörende und ganz Gehorsame war. Er sagt, dass Maria der „Urtyp der christlichen Prophetie“ ist.

„An ihr definiert man, was Prophetie ist, nämlich diese innere Hörfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, die überhaupt den Zuspruch des Geistes wahrnimmt, ihn verinnerlicht und dadurch fruchtbar macht und in die Welt hineinträgt.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Keine Frage, es ist ein geistlicher Weg, immer weiter ins Hören und in den prophetischen Lobpreis hinein zu kommen. Wir empfinden uns da selbst noch sehr am Anfang, doch wir vertrauen darauf, dass Gott uns weiter helfen wird.

Wenn du dich zum prophetischen Lobpreis gerufen fühlst, hoffen wir, dass du etwas mit diesen Ausführungen anfangen kannst. In einem weiteren Blogbeitrag zum Thema prophetic worship geben wir 10 Tipps für die Praxis. Du findest ihn hier. Viel Freude beim lesen und lobpreisen!

Bis dahin,

es grüßen euch Thomas & Ruth

Quellen:

Hans-Urs von Balthasar: Das Buch des Lammes. Zur Offenbarung des Johannes. Freiburg, 2010

„Das Problem mit der christlichen Prophetie.“ Niels Christian Hvidt im Gespräch mit Kardinal Josef Ratzinger. In: Zeitschrift „Communio“, März/April 1999, S. 177-188

Drei Dinge, die deinen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden lassen

Nach unserer wöchentlichen Gebetsgruppe, bei der wir jeweils einen Teil der Zeit prophetischen Lobpreis spielen, kam jemand auf uns zu, der zum ersten Mal teilgenommen hatte. Er äußerte sein Erstaunen,

Weiterlesen

„Die Sonne der Gerechtigkeit geht auf und ihre Flügel bringen Heilung“

Voller Dankbarkeit war ich im neuen Gebetsraum, ganz frisch, die ersten Anbetungsschichten hatten begonnen, und ich hielt meine

Weiterlesen

HOPE – Der Gebetsraum

September 2017 starteten wir die Anbetung in einem eigenen Gebetsraum. Mit der Erlaubnis unseres damaligen Pastors durften wir Schritt für Schritt einen Raum über der Sakristei unserer Kirche renovieren, um in für Gebet und Anbetung zu nutzen.

Als wir noch in der Kapelle des Altenheims die Anbetung hielten (mehr über unsere Anfänge findest du hier), wurde uns mehr und mehr bewusst,  dass diese Kapelle für die weitere Entwicklung von HOPE nicht mehr ausreichen würde. Auf der Suche nach einer Lösung erinnerten wir uns an den bis dahin kaum noch genutzten Raum über der Sakristei unserer Pfarrkirche.

Der Gebetsraum vom Kirchengarten aus. Der Gedanke an ein Obergemach liegt nicht fern: Der Gebetsraum befindet sich im Dachgeschoss über der Sakristei.

Wir durften diesen zur Rumpelkammer verkommenen Raum für Gebets- und Anbetungszeiten herrichten und umgestalten. Im wahrsten Sinn des Wortes: Vom Abstellraum zum heiligen Obergemach!

Anbetung im Gebetsraum

Falls es wegen aktueller Corona-Maßnahmen nicht möglich ist, im Gebetsraum zu sein, finden die Angebote von HOPE in der Pfarrkirche St. Servatius statt (mehr dazu hier).

 

 

_________________________

VERWEISE
Bilder: eigene Fotos