Archiv der Kategorie: Jüngerschaft

Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Liebe Freunde, willkommen zu unserem dritten Blogbeitrag, bei dem es um das Thema Jüngerschaft geht. Wir wollen mit diesen Beiträgen das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten am wichtigsten erschien, die wir im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE durchgeführt haben.

Vielleicht regt es dich an, weiter auf dem Weg der Jüngerschaft zu gehen, und am besten an einen Jüngerschaftskurs teilzunehmen! Doch nun zum Thema.

Wie im zweiten Blogbeitrag über Jüngerschaft dargestellt (Jesus Herz – Feuerherd der Liebe, hier der Link), hat Gott eine ausgesprochen leidenschaftliche, brennende Liebe für uns. Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 16b). Er

„…verliebte sich in die Schönheit seiner Geschöpfe … hingerissen vom Feuer seiner Liebe erschuf er uns.“[1]

In diesem Blogbeitrag über Jüngerschaft geht es darum, was es für unsere Identität als Mensch bedeutet, aus einer solchen göttlichen Liebesflamme hervorgegangen zu sein, und wie wir dieses besondere Identitätsmerkmal leben können.

Während eines Studienaufenthaltes auf den Philippinen kam ich (Ruth) in eine Situation, im unwegsamen Dschungel der Cordillera eine aus Bambus gefertigte Hängebrücke überqueren zu müssen. Ich gestehe, dass nicht nur mir, sondern auch meinen europäischen Mitreisenden etwas anders wurde; etwas, das unsere philippinischen Gastgeber eher amüsierte.

Dieses ist zwar nicht die Original-Hängebrücke in der philippinischen Cordillera, aber diese in der Nähe von Boracay auf den Philippinen kommt ihr recht nahe.

Ob dieses einfache Geflecht aus Seilen, Draht und Bambus tatsächlich halten und nicht plötzlich reißen oder sich aus der Befestigung lösen würde, die sich auf der anderen Seite des Flusstales befand? Die Gefahr, aus respektabler Höhe ohne weiteres in die Tiefe zu fallen, war für uns keine besonders beruhigende Aussicht.

Jüngerschaft zu leben ist immer auch ein Abenteuer, manchmal vielleicht sogar auch mit einer solchen ungewöhnlichen Brückenüberquerung. Doch darüber hinaus erschien uns das Bild einer Brücke und ihrer Überquerung sehr treffend für das, was  wesentlich für die Identität des Menschen an sich ist, der aus dem Liebesfeuer Gottes hervorging. Was ist dieses?

Es ist die Fähigkeit, mit Gott in Beziehung zu treten. Gott hat den Menschen aus seiner Liebesflamme heraus von Beginn an mit sich in Beziehung gesetzt. Er hat ihn befähigt, eine solche Brücke zu schlagen, eine Brücke zu ihm hin. Mit dem Menschen, der aus diesem göttlichen Liebesstrom hervorgegangen war, wollte Gott weiterhin in Vereinigung und Gemeinschaft leben, in aller Freiheit. Deshalb befähigte er ihn zu einem solchen Brückenbau. Die Kirche nennt es die

„Gottfähigkeit des Menschen“.[2]

Der bekannte katholische Theologe Romano Guardini spricht davon, dass der Mensch existiert,

„… in Form einer Beziehung: von Gott her, auf Gott hin (…). Das ‚Von-Gott-her‘ und ‚Auf-Gott-hin‘ bestimmt sein Wesen.“[3]

Diese Fähigkeit des Brückenbaus zu Gott hin ist nicht nur irgendein beliebiges Merkmal des Menschen, das ignoriert oder wegelassen werden könnte. Nein, es ist tatsächlich ein konstituierendes Merkmal. Es ist ein Merkmal des Menschen, das so sehr mit seiner Identität als Mensch verknüpft ist, dass er ohne dieses nicht „Mensch“ genannt werden kann. Es gehört in existentiellem Sinn zum Menschen dazu[4].

Wenn wir hier von ‚existentiell‘ sprechen, kann dieses nicht weit genug gefasst werden. Romano Guardini geht so weit zu sagen, dass der Mensch keine gültige Erkenntnis über sich erlangen kann, wenn er Gott ausschließt[5].

Wir wissen natürlich, dass dieses – wie alle Dinge dieser Art – nicht in wissenschaftlichem Sinn bewiesen werden kann. Vom Dreifaltigen Gott geschaffen und auf ihn hin geschaffen zu sein ist schon ein christliches Glaubensbekenntnis.

Adam und Eva verlassen das Paradies (vgl. Gen 3, 16-24)

Doch wir glauben an die Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem Wort in die Welt gebracht hat. Wie schon zu Jesu Zeiten auf der Erde kann sie geleugnet und nicht geglaubt werden, oder es kann auch sein, dass fundiertes Wissen darüber gar nicht vorhanden oder unvollständig ist. Aber Leugnung, Unglauben oder Unwissenheit verändern keineswegs solche grundlegende Wahrheit.

Wir freuen wir uns, dass diese erste Glaubensentscheidung bei den Teilnehmern am Jüngerschaftskurs schon gefallen ist. Und es ist auf dem Weg der Jüngerschaft sehr gut, wahrzunehmen und sich bewusst zu werden, wie eng unser Menschenbild damit zusammenhängt, was wir über Gott denken. Wie entscheidend es ist – und nicht nur in dieser Hinsicht – für welche Religion oder Weltanschauung wir uns entschieden und welche Vorstellung wir von Gott haben.

Ein Vergleich wäre hier interessant in Bezug auf andere Religionen und Überzeugungen, in dem Sinne, welche Menschenbilder daraus resultieren. Aber das würde hier zu weit führen, aber wäre auf jeden Fall spannend!

Zu Religionen und Weltanschauungen zählen wir hier auch  atheistische Denksysteme, weil es sich bei diesen ebenso um Glauben handelt. Jeder sogenannte naturwissenschaftliche Beweis oder jede noch so ausgefeilte, wissenschaftstheoretisch abgesicherte Überlegung, kann, wenn es zum Schwur kommt, nicht standhalten. Weder die Existenz noch die Nicht-Existenz des dreifaltigen Gottes kann hieb- und stichfest bewiesen werden. Von jedem Menschen ist letztlich die Entscheidung verlangt, wem oder was wir glauben.

Als solche nun, die wir Jüngerschaft leben wollen und eingeladen sind, unsere Gottfähigkeit als unsere ureigenste Identität als Mensch nicht nur anzunehmen, sondern aktiv zu gestalten, stellt sich die Frage: Welche Qualität hat denn dieser Teil unserer Identität bei uns? Wie steht es mit unserem Brückenbau auf Gott hin?

Als wir in der philippinischen Cordillera einer nach dem anderen die Hängebrücke überquerten und alle endlich am anderen Ende angekommen waren, war die Erleichterung groß. So fragil das Gebilde aussah, erwies es sich doch ungeachtet unserer Ängste als ernstzunehmende Brücke. Sie hatte gehalten. Sie hatte ihren Zweck erfüllt, das tief nach unten abfallende Tal mit dem Fluss zu überbrücken und die andere Seite zu erreichen.

Doch um genau zu sein: Ja, sie hatte ihren Zweck erfüllt, aber gerade mal eben so. Neben aller Dschungel-Romantik: Es war in der Tat ein Risiko angesichts der Bauweise und des Zustands dieser Hängebrücke. Sehr komplex sind die Gründe, warum es auf diesem Weg (noch) keine sichere Brücke gab. Eine solche hätte auf jeden Fall für die einfache Landbevölkerung, die oft diesen Weg gehen musste, eine Verbesserung und mehr Sicherheit bedeutet. Denn kollabierende Brücken gab und gibt es dort tatsächlich immer mal wieder. Auch die Gewöhnung an die Gefahr verbessert das eigentliche Problem nicht.

Eine Hängebrücke kollabiert während einer philippinischen Hochzeit (https://www.dailymail.co.uk/news/article-5111025/Suspension-bridge-collapses-Philippines-wedding.html)

Wie sieht es mit unserer Brücke aus, die auf Gott hin? Hält  unsere Brücke gerade mal eben, kommen wir gerade mal so hinüber? Haben wir den Bau lange brachliegen lassen und vernachlässigt, oder ist sie sogar schon einmal ganz zerstört gewesen?

Oder ist sie stark gebaut, und wir sind auf der Suche nach neuem Material, um sie zu verschönern und zu befestigen?

Der Viadukt bei Fillisur in Frankreich

Vielleicht fühlst du dich eingeladen, an diesen Punkten weiter in die Betrachtung zu gehen und über die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren. Es gibt so viele individuelle Möglichkeiten des Brückenbaus! Ob groß oder klein, ob mächtig oder filigran – ganz so wie Gott dazu ruft.

Die Oaklandbay Bridge in San Fransisco, USA

Die Freiheitsbrücke in Budapest, Ungarn

Die Brooklyn Bridge in New York, USA

Wie aber baue ich an dieser meiner Brücke? Wie verschönere und befestige ich sie, will sagen, meine Verbindung zu Gott, die Beziehung mit Jesus? Wie lebe ich aktiv dieses entscheidende Identitätsmerkmal, das mich als Menschen ausmacht?

Hier sind einige Vorschläge für dich:

  • Lesen und Studieren der Bibel – dieses erweitert dein Wissen über Gott und seine Sicht auf die Welt.
  • Gemeinschaft mit Christen auf deinem Glaubensweg suchen – hier könnt ihr euch gegenseitig stärken und bereichern.
  • Gott im persönlichen Gebet Zeit schenken – dieses festigt und stärkt deinen Glauben und die Beziehung mit ihm.
  • Zeit mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament verbringen, falls du die Gelegenheit dazu hast – dieses ist ein besonderer Ort der Gnade, an dem die Gegenwart Jesu in uns gestärkt wird.

Dieses ist natürlich nicht vollständig, denn das geistliche Leben ist sehr vielfältig, und letztlich muss jeder ausprobieren, was wie bei ihm angezeigt ist. Entscheidend ist, zu beginnen und hören zu lernen, wie Gott dich führen möchte.

Wenn du als Jünger Jesu diese Dinge regelmäßig tust, wird es deine Brücke auf jeden Fall festigen und verschönern!

Hier geht es zu anderen Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:

Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

 

Anmerkungen und Verweise

[1] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti, Nr. 28, zitiert in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[2] vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Kapitel 1: Der Mensch ist gottfähig. Kapitel 1, Absatz 27-49

[3] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008, S. 49

[4] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

[5] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Liebe Freunde, willkommen zu unserem zweiten Blogbeitrag, der sich mit dem Thema Jüngerschaft beschäftigt. Mit verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten, die wir im Rahmen unserer Gebetsgruppe durchführten, am wichtigsten war.

Wir freuen uns, wenn dieses für euch hilfreich ist, in der Jüngerschaft Jesu weiter zu gehen. Es ist ein so spannender Weg! Weiterhin viel Freude damit!

Du findest hier, warum ein starkes Fundament des Glaubens wichtig ist, und wie entscheidend es ist, die leidenschaftliche Liebe Gottes und sein brennendes Herz für uns immer mehr zu erkennen. Und schließlich geht es darum, dass dieser Feuerherd der Liebe tatsächlich noch heute unter uns ist: Jesus gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament.

Das Fundament ist wichtig

Vorab: Warum ist es wichtig, ein starkes Fundament des Glaubens zu legen? Denn darum geht es hier in dem Jüngerschaftskurs. Jesus selbst gibt uns die Antwort im Gleichnis vom Hausbau (vgl. Mt 7, 24-27). Er spricht davon, wie wichtig es ist, worauf – also auf welches Fundament – ich mein Haus baue. „Haus“ kann hier für vieles stehen.

Worauf baue ich mein Leben, worauf baue ich meine Zukunft? Und auch, worauf ist mein christlicher Glaube gebaut? Auf Sand? Oder auf Felsen, einem starken Fundament? Vom Fundament hängt es ab, ob das Haus, respektive mein Glaube, den Stürmen des Lebens standhält.

Ungewiss ist, welche Stürme kommen; gewiss ist, dass sie kommen. Stürme können sein: zerbrochene Beziehungen, Verlust der Arbeitsstelle, finanzielle Turbulenzen, problematische Diagnosen, geplatzte Träume, plötzliche Todesfälle oder, oder, oder. In den Stürmen wird ersichtlich, auf welchem Fundament ich stehe.

Beim Gleichnis über den Hausbau sprich Jesus davon, dass derjenige, der seine Worte hört, und ihnen folgt, sein Haus auf Fels gebaut habe (vgl. Mt 7, 24-27). Als Teilnehmer an einem Jüngerschaftskurs hast du dich schon für das grundlegende Fundament „Jesus“ entschieden, und das ist wunderbar!

Beim geistigen Hausbau nun ist es wichtig, diesen Grundstein „Jesus Christus“ immer besser kennenzulernen. Dann festigt und verstärkt sich diese Grundlage. Es ist wie ein geistliches Gesetz: Die immer größere Erkenntnis, wer und wie Jesus ist, stärkt und kräftigt unseren Glauben. Die Basis wird fester, dichter und stärker, und wir können immer besser in Stürmen standhalten und uns als Jünger Jesu bewähren.

Gottes Liebe brennt leidenschaftlich für uns

Eine wesentliche, grundlegende Erkenntnis über Jesus Christus ist: Seine Liebe für uns ist eine leidenschaftliche, brennende Liebe. Warum ist das wichtig, gerade in Bezug auf Jüngerschaft? Die Erkenntnis der Liebe Gottes, die immer tiefer werdende Erkenntnis dieses Feuerherdes der Liebe, die für uns brennt, entflammt uns und lässt in uns eine Leidenschaft für Jesus entbrennen, die unglaublich wertvoll und tragend für das Leben von Jüngerschaft ist. Der bekannte Theologe Hans-Urs von Balthasar bemerkt treffend:

„Das Feuer der Leidenschaft wird zumeist aus dem Holz der Erkenntnis geschlagen.“ [1]

In Jesus Christus verkörpert sich die göttliche Liebe des Vaters zu uns. Die Liebe Jesu zu uns und die Liebe des Vaters sind eins, sie sind nicht unterschieden voneinander. Jesus Christus, der Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit hat eine leidenschaftliche, und brennende Liebe für seine Geschöpfe.

Gott selbst ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4, 16b). So dürfte uns das nicht verwundern, und doch ist es für uns oft doch schwer fassbar. Vielleicht müssen deshalb unzählige Predigten und Vorträge gehalten und Unmengen von Büchern darüber verfasst werden, dass Gott uns liebt. Und er tut es mit brennendem Herzen, leidenschaftlich, mit Feuer.

Wir denken, es ist eines der wichtigsten Fundamente für das Leben von Jüngerschaft, aber auch für Glauben an sich, die leidenschaftlichen Liebe Gottes immer mehr zu erkennen und tief zu verinnerlichen. Die Heilige Katherina von Siena, Mystikerin und Kirchenlehrerin aus dem 14. Jahrhundert, – eine Mystikern dieses Liebesfeuers Gottes – schreibt in ihrem Brief an den Mailänder Fürst Bernabó Visconti:

„Bedenkt, dass Ihr geliebt wurdet, bevor Ihr lieben konntet! Denn als Gott in sich hineinblickte, verliebte er sich in die Schönheit seiner Geschöpfe und wurde so sehr hingerissen vom Feuer seiner unschätzbaren Liebe, dass er uns erschuf …“ [2]

Immer wieder spricht die heilige Katharina von Siena von diesem leidenschaftlichen Feuer der Liebe. Feuer, ein Ursymbol der Menschheit, war und ist bis heute ein starkes Bild für die Macht und Intensität der Liebe. Wir selbst sprechen manchmal von heißer und glühender Liebe, Verliebte sprechen davon, für jemanden ‚Feuer und Flamme‘ zu sein.

Im Hohelied der Liebe spricht der Bräutigam zur Braut über die Liebe, und wir dürfen dieses als Verhältnis von Christus zur einzelnen Seele und zur Braut, die die Kirche ist, auslegen:

„Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.“ (Hld 8, 6-7)

In einem anderen Brief legt die heilige Katharina dar, dass es dieses gleiche leidenschaftliche Feuer der Liebe war, das Gott bewog, in Jesus Christus Mensch zu werden und unsere Sünden am Kreuz zu verbrennen [3], nachdem seine geliebten Geschöpfe sich von ihm abgewandt hatten und in Sünde gefallen waren.

Doch als Geschöpf Gottes bleibt es, dass der Mensch aus Liebe für die Liebe geschaffen wurde; und so kann er auch durch nichts besser angezogen werden als durch die Liebe. Die heilige Katharina bezeichnet Jesus als „Angel Gottes“[4], die er ausgeworfen hat, um uns durch vollkommen gelebte Liebe an sich zu ziehen.

Das brennende Herz Gottes für uns

Mit Jesus Christus hat Gott ein gottmenschliches Herz. Das Herz war schon immer ein Ursymbol, fast schon ein Archetypus für die Liebe. Mit ‚Herz‘ verbinden wir unwillkürlich Liebe, Liebe verorten wir im Herzen des Menschen. Unter Herz als dem Ort der Liebe verstehen wir dabei mehr als das lebenswichtige Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt.

Mit dem Herzen verbinden wir das tiefste Geheimnis des Menschen, eine Leib und Seele verbindende Lebensmitte, sogar das Zentrum des Menschen. Wenn uns etwas nahe geht, dann sprechen wir davon, dass unser Herz berührt wurde. Damit wollen wir mehr sagen, als dass irgendetwas besondere Gefühle in uns ausgelöst hat. Wir sagen damit, dass uns etwas in der Tiefe unserer Person getroffen hat.

Nach alttestamentlichen Verständnis, und auch noch weit darüber hinaus, wurde das Herz so sehr als Mitte der Person angesehen, dass, mit ‚Herz‘ eine ganze Person bezeichnet werden konnte; zumindest ihr gesamter Charakter, inklusive des Gefühls, der Gedanken und Motivationen konnten mit dem Begriff ‚Herz‘ beschrieben werden.  [5]

Als Jesus Christus aus dem göttlichen Feuer der Liebe heraus unsere Menschnatur angenommen hat, um uns zu erlösen und den Weg zur Erlösung zu zeigen, bekam er ein ganz konkretes Herz, ein Herz aus Fleisch und Blut. Die unendliche und nicht fassbare Liebe Gottes pulsierte nun in einem leiblichen Herzen. In einem solchen gottmenschlichen, leiblichen Herz konzentrierte und verdichtete sich die unendliche Liebe Gottes.

Unaufhörlich strömte sie von ihm auf die Menschen, die ihm auf seinen Wanderungen begegneten, voller Erbarmen und Heilung. Und dieses gottmenschliche Herz war ein einziger Feuerherd der Liebe, voller Leidenschaft und brennend für uns.

Als die heilige Maria Alacoque, eine Dominikanerin in Paray-le-Monial im Frankreich des 17. Jahrhunderts, Christus in einer Vision schaute, zeigte er ihr sein Herz. Sie sah ein Herz, aus dem Flammen schlugen und das ganz von Feuerflammen umgeben war:

„Überall aus seiner heiligen Menschheit drangen Flammen hervor … Dann zeigte er mir sein Herz, das der Quell dieser Flammen war.“ [6]

Diese Vision ist vor allem ein starkes Symbol, ein starkes Zeichen für die göttliche Liebe für uns. Doch es ist noch viel mehr als das. Denn dieses Symbol ist von einer Realität gedeckt. Es ist von der Realität der göttlichen Liebe Jesu zu uns gedeckt, vor der ein solches Bild nur verblassen kann.

Die Vision der heiligen Maria Alacoque

Entscheidend ist für uns, zu begreifen oder tiefer zu erkennen, dass diese brennende Liebe Gottes, dieses brennende Herz Gottes heute noch unter uns ist. Als das Wort unser Fleisch annahm und Mensch wurde (vgl. Joh 1, 14), war dieses nicht nur für eine kurze Zeit bestimmt.

Sondern Gottes Menschwerdung bleibt für alle Ewigkeit. Dieser liebende Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde, am Kreuz für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand, bleibt in alle Ewigkeit der Menschensohn, der nun zur Rechten des Vaters sitzt. Ebenso ist er mit seinem ewig brennenden, leidenschaftlichen Herzen unter uns gegenwärtig. Das ist die beste Nachricht: Er ist noch ganz konkret unter uns.

Der Feuerherd der Liebe ist noch heute konkret unter uns

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dieses brennende, leidenschaftliche Herz Jesu die Eucharistie ist. Das sagt unser Glaube, Christus ist bis heute in mehrfacher Weise unter uns, aber

„vor allem unter den eucharistischen Gestalten“ [7].

Dort, wo der ganze Christus mit seinem Leib ist, da ist auch sein Herz; und wir kommen hier dem Verständnis nahe, dass nach alttestamentlicher Vorstellung das Herz die ganze Person darstellt.

Interessanterweise wurde bei einem eucharistischen Wunder in Polen vor gar nicht langer Zeit in einer konsekrierten Hostie, die sich zum Teil in ein Stück menschliches Fleisch verwandelt hatte, ein menschliches Herzmuskelgewebe nachgewiesen.

Ein Teil der Hostie verwandelte sich in ein Stück Herzmuskelgewebe (Fotonachweis: Bistum Liegnitz)

Dieses Wunder geschah 2013 im polnischen Legnica (Liegnitz) und wurde nach aufwändigen wissenschaftlichen Untersuchungen zuerst vom zuständigen Bischof von Legnica und 2016 ebenso von Rom anerkannt [8].

Durch Heilungen bezeugt sich Christus in der Eucharistie ebenso. Père Daniel Ange, ein französischer Priester und Gründer der Evangelisationsschule jeunesse-lumière (Jugend-Licht) berichtet aus seiner Seelsorge:

„Ein afrikanisches Mädchen, das in eine Universitätsklinik eingeliefert wird, fällt in ein irreversibles Koma. Seine Familie bittet ein Ehepaar …, etwas zu unternehmen. Wer kann das Mädchen (auf)erwecken, wenn nicht Jesus? Und wo ist Jesus zu diesem Zeitpunkt? Das Ehepaar bringt den Leib Christi auf die Intensivstation. Gerade als der Leib des Herrn die Lippen des Mädchens berührt, öffnet es Augen und Lippen. Die Krankenschwestern geraten in Panik, die Ärzte sind verblüfft. Nach mehreren Krankenkommunionen kann das Mädchen die Klinik verlassen.“ [9]

Weg der Jüngerschaft

Wir hoffen, dich mit diesem Beitrag auf deinem Weg der Jüngerschaft ermutigt zu haben und wünschen dir, dass du dich ganz von der Liebe Gottes entflammen und tragen lässt, so wie ein unbekannter Kartäuser-Mönch ausrief:

„Ach, wenn dein Herz nur ein wenig von der Liebe empfinge, von der das Herz Jesu zu uns brennt, dein Herz würde sie nicht in sich verschließen können. Wie ein Glutofen würde sie dich entflammen und verzehren!“ [10]

Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:
Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Wann und wo die Jüngerschaftseinheiten stattfinden, siehst du hier.

 

Weitere Verweise und Anmerkungen

[1] Hans-Urs von Balthasar, zitiert in: Hartl, Johannes: In meinem Herzen Feuer. Witten, 2016, S. 132

[2] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti (Brief 28), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[3] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 196), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[4] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 246), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[5] Biju-Duval, Denis: Le Psychique et le Spirituel. Paris, 2001

[6] Holböck, Ferdinand: Aufblick zum Durchbohrten. Salzburg, 1990, S. 224

[7] Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1373

[8] https://de.catholicnewsagency.com/story/neues-eucharistisches-wunder-in-polen-0701

[9] Daniel-Ange: Die Eucharistie – Leib der Liebe. Linz (Österreich), 2006, S.135

[10] Unbekannter Kartäuser in Trier, 14. Jahrhundert.  Aus: Altdeutsche Herz-Jesu-Gedanken in: Deutsche Herz-Jesu-Gebete des 14. und 15. Jahrhunderts, Karl Richstätter S.J., Verlag Kösel & Pustet, 1926. auch: https://hl-herz-jesu.blogspot.com/2012/06/brennende-liebe.html

 

 

 

 

 

Jüngerschaft #1: Vier grundlegende Aspekte

Liebe Freunde, in verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das dokumentieren, was uns bei den Einheiten unseres Jüngerschaftskurses am wichtigsten war. Wir freuen uns, wenn es auch euch anregt, sich vielleicht mit dem Thema Jüngerschaft näher zu beschäftigen. Am besten ist es natürlich, wenn ihr Gelegenheit habt, an einem Jüngerschaftskurs teilzunehmen.

Für unsere Jüngerschaftsabende im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE ließen wir uns vom Jüngerschaftskurs der österreichischen Loretto-Gemeinschaft[1] anregen. Wer ihn kennt, wird hier manches wiederfinden, aber auch so manches Neues.

Hier ist nun der erste der Blogbeiträge, bei denen es um das Thema Jüngerschaft geht.

Vier grundlegende Aspekte von Jüngerschaft

In diesem Blogbeitrag geht es um vier wesentliche Grundlagen von Jüngerschaft. (1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich, (2) sie folgen ihm nach, (3) er lebt er mit ihnen. (4) Dann sendet er sie aus. Und noch bevor es zu den einzelnen Punkten geht, ist die Frage:

Warum ist Jüngerschaft überhaupt wichtig?

Ein Jünger Jesu zu werden ist eigentlich ein Ruf an jeden Menschen. Dieses zeigt uns das Wort Gottes, die Bibel, in der Jesus spricht:

„Darum geht, macht alle Völker zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. (Mt 28, 18-19)

Jesus sagt diese Worte, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen, an herausragender Stelle. Dieses gibt seinen Worten noch einmal ein besonderes Gewicht. Kurz vor seiner Himmelfahrt sagt er sie, im Zusammenhang mit seinem Auftrag an die Jünger, bis an die Grenzen der Erde zu gehen und sein Wort zu verkünden.

Er spricht sie zu denen, die er selbst als Jünger herangebildet hat (vgl. zum Missionabefehl auch Mk 16, 15; Lk 24, 47; Apg 1, 8). Seine Worte zur Jüngerschaft sind eng mit diesem ureigensten Wesensmerkmal der Kirche verbunden: ihrem missionarischen Charakter.

Selbst ein Jünger Jesu zu sein und Menschen zu Jüngern zu machen gehört also fundamental dazu, das Reich Gottes zu verkünden, und um als Kirche in der Welt fruchtbar zu sein. Das Prinzip Jüngerschaft ist also keine neue „pastorale Erfindung“, sondern ist der Wille Jesu für seine Kirche.

Und zwar von Anfang an, als sie damals noch aus einem kleinen Häuflein von Menschen bestand. Aus diesem Häuflein ist inzwischen der weltumspannende Leib Christi geworden, und immer war die Kirche, dort wo sie fruchtbar war, mit jüngerschaftlichen Prinzipien unterwegs. Vielleicht sind sogar Kirche, Gemeinden und christliche Gemeinschaften nur in dem Maße fruchtbar, wie sie jüngerschaftliche Prinzipien umsetzen und leben?

Heute, zumindest hier in der Kirche Westeuropas, sehen wir uns in einer Situation, in der Jüngerschaft als Thema weitgehend vergessen ist. Es gibt wenig Wissen über die Grundlagen von Jüngerschaft, was Jüngerschaft eigentlich ist und warum sie so wesentlich ist.

Angesichts der derzeitigen Situation in der Kirche hier, wo es aufs Ganze gesehen eher abwärts geht, ist die Wiederentdeckung von jüngerschaftlichen Prinzipien mehr als angezeigt. Für eventuelle Skeptiker: Einen Versuch ist es allemal wert! Ermutigend sind die Aufbrüche, die es in der Kirche, und dem gesamten Leib Christi aller Denominationen, gibt; und es ist nicht verwunderlich, dass wir beim näheren Hinsehen tatsächlich die jüngerschaftlichen Prinzipien entdecken.

Im katholischen Bereich seien besonders die Gemeinden von James Mallon in Halifax/Kanada oder Michael White in Baltimore/USA genannt, die Jüngerschaft zum erfolgreichen Prinzip ihres Gemeindeaufbaus gemacht haben.

Fr. James Mallon spricht auf einer Konferenz

Internationale Vorreiter waren z.B. die bekannten amerikanischen Großkirchen ‚Willow Creek‘ und ‚Saddleback Church‘, und im deutschsprachigen Raum die ‚Jugend mit einer Mission‘. Immer mehr kleine und große Gemeinschaften und Gemeinden aller Konfessionen beginnen jüngerschaftliches Leben umzusetzen. Vor allem sei hier die katholische Loretto-Gemeinschaft aus Österreich erwähnt, die für uns immer wieder eine neue Inspiration ist.

Und nun zu den

vier grundlegenden Aspekten von Jüngerschaft

(1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich

Wenn wir das Evangelium betrachten, sehen wir, dass Jüngerschaft das typische Modell Jesu ist. Er ist es, der Menschen zusammenruft und um sich versammelt, damit sie seine Jünger werden. Im Markusevangelium heißt es:

„… er rief die zu sich, die er erwählt hatte. Und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte.“ (Mk 3, 13-14)

Neben diesen ersten 12 Aposteln, die alle namentlich erwähnt werden, hören wir in den Evangelien von weiteren Jüngern. Einmal sind 70 bis 72 erwähnt (vgl. Lk 10, 1), doch es dürften noch wesentlich mehr gewesen sein (vgl. Apg 6,7; Joh 6, 66). Darunter waren auch Frauen.

Zur Zeit Jesu war es durchaus ungewöhnlich, dass ein Rabbi Frauen unter seinen Anhängern hatte. Namentlich genannt sind Maria Magdalena und Marta, die Schwestern des Lazarus, Johanna des Chuza und Susanna (vgl. Lk 8, 2), Lydia und Tabita (vgl. Apg 16, 14; 9, 36) und seine Mutter, die Jungfrau Maria (vgl. Apg 1, 14).

Am Modell Jesu in der Bibel sehen wir, dass alle zu Jüngerschaft berufen sind, gleich welche Aufgabe oder Amt jemand in der Kirche innehat, gleich welches Geschlecht oder welcher Hintergrund sein eigen ist. Auf die heutige Zeit übertragen sprechen wir von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Laien, Männern, Frauen, Verheirateten, Singles und vollzeitlich oder ehrenamtlich Tätigen, die alle zur Jüngerschaft berufen sind. Deshalb lässt sich feststellen:

„Jüngerschaft – mit den wesentlichen Kernprozessen – ist keine Option.“[2]

Jesus Christus ruft jeden ganz persönlich beim Namen. Er ist derjenige, der ruft und beruft: so heißt es im Johannesevangelium:

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15, 16)

(2) Sie folgen ihm nach: Nachfolge Jesu

Ein entscheidendes Merkmal von Jüngerschaft ist die Nachfolge. Es gibt einen Meister, dem wir folgen. Für die ersten Apostel und Jünger bedeutete ’nachfolgen‘ zum einen ganz konkret, alles stehen und liegen zu lassen, ihrem Meister Jesus auf seinen Predigttouren durch Israel zu begleiten und an der Verkündigung seiner Heilsbotschaft mitzuwirken.

Es ist nun gleich, in welchem Lebensstand uns Jesus Christus nun konkret beruft. Ihm nachzufolgen hat immer einen gemeinsamen Nenner. Egal, wo wir hingestellt sind, bedeutet Nachfolge vor allem die Entschiedenheit, uns in unserer Lebensweise von Jesus Christus leiten zu lassen und uns an seinem Vorbild und seiner Lehre zu orientieren. Wir versuchen, in seine Fußstapfen zu treten. Als Jünger Jesu erkennen wir Jesus Christus als unseren Meister an, und wir erklären uns bereit, auf ihn zu hören.

Die Bereitschaft, auf Jesus zu hören, gehört wesentlich zu einem nachfolgenden Jünger dazu. Die Nachfolge Jesu ist geprägt davon, dass eine direkte Lehrer-Schüler-Beziehung existiert. Schon das Wort „Jünger“ weist darauf hin. Das griechische Wort ‚Jünger‘ (μαθητάι, mathētai) heißt wörtlich ‚Schüler‘. Das deutsche ‚Jünger‘ kommt aus dem althochdeutschen ‚jungiro‘ und bedeutet ‚der Lehrling‘ oder ‚der Lernende‘.

Als Jünger Jesu geht es aber nicht nur um das Erlernen von kognitivem Wissen. Sicher, aktiv die Bibel zu studieren, die Lehre der Kirche zu kennen und von den Heiligen zu lernen ist wichtig. Doch Jüngerschaft ist mehr, als Wissen darüber zu sammeln, was für das Leben eines Christen notwendig ist. Es bedeutet vor allem auch, sich davon formen lassen.

So braucht es die Bereitschaft, dass das Wort und Beispiel Jesu in uns ‚Fleisch wird‘. Es bedeutet, uns die Art und Weise Jesu zu eigen machen und sie als Maßstab unseres Lebens zu setzen, und zwar in allen Bereichen unseres Lebens. Paulus benutzt in diesem Zusammenhang das Bild des neuen Menschen in einem neuen Gewand:

„… lasst euch erneuern durch den Geist und euer Denken! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ (Eph 4, 23-24)

Insofern bedeutet Jüngerschaft ganz wesentlich, seine Lehre anzunehmen und sich von ihm formen zu lassen. Deshalb beginnt Jüngerschaft immer bei einem selbst und mit der Bereitschaft, sich auf einen solchen Prozess einzulassen.

Dabei ist es gleich, wo wir gerade stehen. Jesus sucht keine perfekten Menschen. Wir müssen keine Superhelden sein. Gott geht mit uns von da aus, wo wir sind.

Und doch er gibt uns eine wunderbare Verheißung, wenn wir uns mit ihm auf diesen Weg begeben. Sie mag uns fast zu groß erscheinen, aber sie will uns ermutigen und anspornen:

„Ein Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.“ (Lk 6, 40)

(3) Er lebte mit ihnen: Gemeinschaft mit Jesus und Gemeinschaft untereinander

Wesentlich für Jüngerschaft ist, sich bewusst zu werden, dass Jesus Christus heute noch mit uns lebt. Wie war das damals konkret für seine Jünger? Diejenigen, die er zu sich gerufen hatte, hatten eine persönliche Beziehung mit ihm, er nannte sie seine Freunde (vgl. Joh 15, 14) und sie lernten ihn mit der Zeit immer besser kennen.

Jüngerschaft bedeutet heute insofern genauso, eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus zu leben und ihn immer besser kennenzulernen. Es bedeutet, die Gemeinschaft mit ihm immer mehr zu vertiefen.

Wo finden wir Jesus Christus heute ganz konkret? Zuallererst finden wir ihn in der heiligen Eucharistie. Im Allerheiligsten Sakrament ist er heute mit Leib und Blut unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. In der heiligen Messe können wir ihn empfangen, doch längere Zeit mit ihm zu verbringen, um zu einer Vertiefung der Gemeinschaft und Beziehung mit ihm kommen, ist durch das anbetende und liebende Verweilen vor dem Allerheiligsten Sakrament möglich.

Nach Julien Eymard, einem heiliggesprochenen Priester und Apostel der Eucharistie des 19. Jahrhunderts (dessen bis heute unverwester Leib in Paris zu sehen ist), führt die Kontemplation der Eucharistie zu einer immer tieferen Vereinigung mit Jesus[3].

Der hl. Julien Eymard

Genau dieses möchte auch Jesus: Über die Sehnsucht Jesu nach uns, über sein brennendes Verlangen, mit uns in immer tiefere Gemeinschaft zu treten, schreibt die heilige Therese von Lisieux:

„… Jesus ist dort im Tabernakel ausdrücklich für dich, für dich allein. Er brennt vor Verlangen, in dein Herz einzutreten.“[4]

Oder die heilige Edith Stein:

„Der Herr ist im Tabernakel in seiner Gottheit und Menschheit gegenwärtig. Er ist nicht dort für sich selbst, sondern für uns: Es ist seine Freude, bei uns zu sein.“[5]

Ebenso sehen wir in der Bibel: Jüngerschaft braucht Gemeinschaft. Wir brauchen also nicht nur die persönliche Freundschaft und Beziehung mit Jesus, sondern auch die Gemeinschaft untereinander. Jesus wollte uns mit dem Modell Jüngerschaft ebenso zeigen, dass Glauben eine Sache von Gemeinschaft ist. Die Apostel und Jünger lebten mit Jesus zusammen, hörten seine Lehre, sahen sein Beispiel und hatten gleich die Gemeinschaft um sich herum, um das Gehörte und Beobachtete in die Tat umzusetzen und einzuüben.

Wir alle wissen vielleicht, dass es am anspruchsvollsten ist, das Evangelium im engsten und vertrautesten Kreis zu leben, im Klein-Klein des Gemeinde- oder Familienalltags oder wo auch immer wir hingestellt sind. Eine Kleingruppe zu haben, in der Jüngerschaftsthemen durchgesprochen und eingeübt werden ist ein sehr großer Segen! Jüngerschaft leben ist also auch ein Prozess in Gemeinschaft.

(4) Aussendung

Jüngerschaft ist immer missionarisch ausgerichtet. Da dieser einzelne Punkt sehr umfassend ist, soll es hier nur kurz angedeutet werden durch das unten folgende Bibelwort, das den missionarischen Aspekt deutlich hervorhebt. Da der missionarische Aspekt sehr viele Facetten hat, wird in einer der nächsten Jüngerschaftseinheiten noch näher  darauf eingegangen (und erscheint als dann hier als Blogbeitrag):

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.“ (Mk 16, 15-20)

Die 2. Jüngerschaftseinheit findest du hier:
Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Wann und wo der Jüngerschaftskurs stattfindet siehst du hier.

 

 Verweise und Anmerkungen

[1] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019

[2] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019, S. 27

[3] Vgl. P. Racine, Florian (Hrsg): Adorer en esprit et en vérité. Extraits des prédications de Saint Pierre-Julien Eymard. Paris, 2009, S. 105

[4] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 27

[5] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 51