Alle Beiträge von Thomas & Ruth

Anbetung & Heilung ADORATIO Altötting 2019

Mit Freude und Dankbarkeit blicken wir auf die ADORATIO Altötting 2019 zurück. Mit über 1600 Teilnehmern und spannenden Vorträgen, zahlreichen Workshops und intensiven Anbetungs- und Lobpreiszeiten war es ein tolles und gesegnetes Event, dass sicher noch lange nachwirken wird!

Auf vermehrte Anfrage hin, veröffentlichen wird an dieser Stelle die Folien unseres Workshops zum Thema Anbetung und Heilung.  Sollte der Workshop auch als Audio verfügbar werden, werden wir später den entsprechenden Link ergänzen.

Zusammenfassend: Es ging in dem Workshop um den direkten Zusammenhang zwischen Anbetung und Heilung. Was ist heilend an der eucharistischen Anbetung an sich? Wie verändert sich unsere Identität, wenn wir regelmäßig in der eucharistischen Anbetung sind? Wir kommen zu unserem wahren Selbst, zu unserer vollen, befreiten Identität in Christus, in der nicht mehr der Blick der anderen, sondern Gottes Blick der Maßstab für unser Leben, Denken und Fühlen wird. Von da aus können wir unser ganzes Potenzial entfalten und werden zu einem Menschen, der Feuer ist!

Hier der Vortrag des Workshops im pdf-Format
Vortrag-Adoratio2019

Falls ihr weitere Fragen habt, kontaktiert uns einfach über unsere bekannte Email-Adresse hier auf unserer Webseite.

Liebe Grüße und Segen!

Thomas & Ruth

Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Liebe Freunde, willkommen zu unserem dritten Blogbeitrag, bei dem es um das Thema Jüngerschaft geht. Wir wollen mit diesen Beiträgen das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten am wichtigsten erschien, die wir im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE durchgeführt haben.

Vielleicht regt es dich an, weiter auf dem Weg der Jüngerschaft zu gehen, und am besten an einen Jüngerschaftskurs teilzunehmen! Doch nun zum Thema.

Wie im zweiten Blogbeitrag über Jüngerschaft dargestellt (Jesus Herz – Feuerherd der Liebe, hier der Link), hat Gott eine ausgesprochen leidenschaftliche, brennende Liebe für uns. Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 16b). Er

„…verliebte sich in die Schönheit seiner Geschöpfe … hingerissen vom Feuer seiner Liebe erschuf er uns.“[1]

In diesem Blogbeitrag über Jüngerschaft geht es darum, was es für unsere Identität als Mensch bedeutet, aus einer solchen göttlichen Liebesflamme hervorgegangen zu sein, und wie wir dieses besondere Identitätsmerkmal leben können.

Während eines Studienaufenthaltes auf den Philippinen kam ich (Ruth) in eine Situation, im unwegsamen Dschungel der Cordillera eine aus Bambus gefertigte Hängebrücke überqueren zu müssen. Ich gestehe, dass nicht nur mir, sondern auch meinen europäischen Mitreisenden etwas anders wurde; etwas, das unsere philippinischen Gastgeber eher amüsierte.

Dieses ist zwar nicht die Original-Hängebrücke in der philippinischen Cordillera, aber diese in der Nähe von Boracay auf den Philippinen kommt ihr recht nahe.

Ob dieses einfache Geflecht aus Seilen, Draht und Bambus tatsächlich halten und nicht plötzlich reißen oder sich aus der Befestigung lösen würde, die sich auf der anderen Seite des Flusstales befand? Die Gefahr, aus respektabler Höhe ohne weiteres in die Tiefe zu fallen, war für uns keine besonders beruhigende Aussicht.

Jüngerschaft zu leben ist immer auch ein Abenteuer, manchmal vielleicht sogar auch mit einer solchen ungewöhnlichen Brückenüberquerung. Doch darüber hinaus erschien uns das Bild einer Brücke und ihrer Überquerung sehr treffend für das, was  wesentlich für die Identität des Menschen an sich ist, der aus dem Liebesfeuer Gottes hervorging. Was ist dieses?

Es ist die Fähigkeit, mit Gott in Beziehung zu treten. Gott hat den Menschen aus seiner Liebesflamme heraus von Beginn an mit sich in Beziehung gesetzt. Er hat ihn befähigt, eine solche Brücke zu schlagen, eine Brücke zu ihm hin. Mit dem Menschen, der aus diesem göttlichen Liebesstrom hervorgegangen war, wollte Gott weiterhin in Vereinigung und Gemeinschaft leben, in aller Freiheit. Deshalb befähigte er ihn zu einem solchen Brückenbau. Die Kirche nennt es die

„Gottfähigkeit des Menschen“.[2]

Der bekannte katholische Theologe Romano Guardini spricht davon, dass der Mensch existiert,

„… in Form einer Beziehung: von Gott her, auf Gott hin (…). Das ‚Von-Gott-her‘ und ‚Auf-Gott-hin‘ bestimmt sein Wesen.“[3]

Diese Fähigkeit des Brückenbaus zu Gott hin ist nicht nur irgendein beliebiges Merkmal des Menschen, das ignoriert oder wegelassen werden könnte. Nein, es ist tatsächlich ein konstituierendes Merkmal. Es ist ein Merkmal des Menschen, das so sehr mit seiner Identität als Mensch verknüpft ist, dass er ohne dieses nicht „Mensch“ genannt werden kann. Es gehört in existentiellem Sinn zum Menschen dazu[4].

Wenn wir hier von ‚existentiell‘ sprechen, kann dieses nicht weit genug gefasst werden. Romano Guardini geht so weit zu sagen, dass der Mensch keine gültige Erkenntnis über sich erlangen kann, wenn er Gott ausschließt[5].

Wir wissen natürlich, dass dieses – wie alle Dinge dieser Art – nicht in wissenschaftlichem Sinn bewiesen werden kann. Vom Dreifaltigen Gott geschaffen und auf ihn hin geschaffen zu sein ist schon ein christliches Glaubensbekenntnis.

Adam und Eva verlassen das Paradies (vgl. Gen 3, 16-24)

Doch wir glauben an die Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem Wort in die Welt gebracht hat. Wie schon zu Jesu Zeiten auf der Erde kann sie geleugnet und nicht geglaubt werden, oder es kann auch sein, dass fundiertes Wissen darüber gar nicht vorhanden oder unvollständig ist. Aber Leugnung, Unglauben oder Unwissenheit verändern keineswegs solche grundlegende Wahrheit.

Wir freuen wir uns, dass diese erste Glaubensentscheidung bei den Teilnehmern am Jüngerschaftskurs schon gefallen ist. Und es ist auf dem Weg der Jüngerschaft sehr gut, wahrzunehmen und sich bewusst zu werden, wie eng unser Menschenbild damit zusammenhängt, was wir über Gott denken. Wie entscheidend es ist – und nicht nur in dieser Hinsicht – für welche Religion oder Weltanschauung wir uns entschieden und welche Vorstellung wir von Gott haben.

Ein Vergleich wäre hier interessant in Bezug auf andere Religionen und Überzeugungen, in dem Sinne, welche Menschenbilder daraus resultieren. Aber das würde hier zu weit führen, aber wäre auf jeden Fall spannend!

Zu Religionen und Weltanschauungen zählen wir hier auch  atheistische Denksysteme, weil es sich bei diesen ebenso um Glauben handelt. Jeder sogenannte naturwissenschaftliche Beweis oder jede noch so ausgefeilte, wissenschaftstheoretisch abgesicherte Überlegung, kann, wenn es zum Schwur kommt, nicht standhalten. Weder die Existenz noch die Nicht-Existenz des dreifaltigen Gottes kann hieb- und stichfest bewiesen werden. Von jedem Menschen ist letztlich die Entscheidung verlangt, wem oder was wir glauben.

Als solche nun, die wir Jüngerschaft leben wollen und eingeladen sind, unsere Gottfähigkeit als unsere ureigenste Identität als Mensch nicht nur anzunehmen, sondern aktiv zu gestalten, stellt sich die Frage: Welche Qualität hat denn dieser Teil unserer Identität bei uns? Wie steht es mit unserem Brückenbau auf Gott hin?

Als wir in der philippinischen Cordillera einer nach dem anderen die Hängebrücke überquerten und alle endlich am anderen Ende angekommen waren, war die Erleichterung groß. So fragil das Gebilde aussah, erwies es sich doch ungeachtet unserer Ängste als ernstzunehmende Brücke. Sie hatte gehalten. Sie hatte ihren Zweck erfüllt, das tief nach unten abfallende Tal mit dem Fluss zu überbrücken und die andere Seite zu erreichen.

Doch um genau zu sein: Ja, sie hatte ihren Zweck erfüllt, aber gerade mal eben so. Neben aller Dschungel-Romantik: Es war in der Tat ein Risiko angesichts der Bauweise und des Zustands dieser Hängebrücke. Sehr komplex sind die Gründe, warum es auf diesem Weg (noch) keine sichere Brücke gab. Eine solche hätte auf jeden Fall für die einfache Landbevölkerung, die oft diesen Weg gehen musste, eine Verbesserung und mehr Sicherheit bedeutet. Denn kollabierende Brücken gab und gibt es dort tatsächlich immer mal wieder. Auch die Gewöhnung an die Gefahr verbessert das eigentliche Problem nicht.

Eine Hängebrücke kollabiert während einer philippinischen Hochzeit (https://www.dailymail.co.uk/news/article-5111025/Suspension-bridge-collapses-Philippines-wedding.html)

Wie sieht es mit unserer Brücke aus, die auf Gott hin? Hält  unsere Brücke gerade mal eben, kommen wir gerade mal so hinüber? Haben wir den Bau lange brachliegen lassen und vernachlässigt, oder ist sie sogar schon einmal ganz zerstört gewesen?

Oder ist sie stark gebaut, und wir sind auf der Suche nach neuem Material, um sie zu verschönern und zu befestigen?

Der Viadukt bei Fillisur in Frankreich

Vielleicht fühlst du dich eingeladen, an diesen Punkten weiter in die Betrachtung zu gehen und über die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren. Es gibt so viele individuelle Möglichkeiten des Brückenbaus! Ob groß oder klein, ob mächtig oder filigran – ganz so wie Gott dazu ruft.

Die Oaklandbay Bridge in San Fransisco, USA

Die Freiheitsbrücke in Budapest, Ungarn

Die Brooklyn Bridge in New York, USA

Wie aber baue ich an dieser meiner Brücke? Wie verschönere und befestige ich sie, will sagen, meine Verbindung zu Gott, die Beziehung mit Jesus? Wie lebe ich aktiv dieses entscheidende Identitätsmerkmal, das mich als Menschen ausmacht?

Hier sind einige Vorschläge für dich:

  • Lesen und Studieren der Bibel – dieses erweitert dein Wissen über Gott und seine Sicht auf die Welt.
  • Gemeinschaft mit Christen auf deinem Glaubensweg suchen – hier könnt ihr euch gegenseitig stärken und bereichern.
  • Gott im persönlichen Gebet Zeit schenken – dieses festigt und stärkt deinen Glauben und die Beziehung mit ihm.
  • Zeit mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament verbringen, falls du die Gelegenheit dazu hast – dieses ist ein besonderer Ort der Gnade, an dem die Gegenwart Jesu in uns gestärkt wird.

Dieses ist natürlich nicht vollständig, denn das geistliche Leben ist sehr vielfältig, und letztlich muss jeder ausprobieren, was wie bei ihm angezeigt ist. Entscheidend ist, zu beginnen und hören zu lernen, wie Gott dich führen möchte.

Wenn du als Jünger Jesu diese Dinge regelmäßig tust, wird es deine Brücke auf jeden Fall festigen und verschönern!

Hier geht es zu anderen Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:

Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

 

Anmerkungen und Verweise

[1] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti, Nr. 28, zitiert in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[2] vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Kapitel 1: Der Mensch ist gottfähig. Kapitel 1, Absatz 27-49

[3] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008, S. 49

[4] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

[5] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Liebe Freunde, willkommen zu unserem zweiten Blogbeitrag, der sich mit dem Thema Jüngerschaft beschäftigt. Mit verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten, die wir im Rahmen unserer Gebetsgruppe durchführten, am wichtigsten war.

Wir freuen uns, wenn dieses für euch hilfreich ist, in der Jüngerschaft Jesu weiter zu gehen. Es ist ein so spannender Weg! Weiterhin viel Freude damit!

Du findest hier, warum ein starkes Fundament des Glaubens wichtig ist, und wie entscheidend es ist, die leidenschaftliche Liebe Gottes und sein brennendes Herz für uns immer mehr zu erkennen. Und schließlich geht es darum, dass dieser Feuerherd der Liebe tatsächlich noch heute unter uns ist: Jesus gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament.

Das Fundament ist wichtig

Vorab: Warum ist es wichtig, ein starkes Fundament des Glaubens zu legen? Denn darum geht es hier in dem Jüngerschaftskurs. Jesus selbst gibt uns die Antwort im Gleichnis vom Hausbau (vgl. Mt 7, 24-27). Er spricht davon, wie wichtig es ist, worauf – also auf welches Fundament – ich mein Haus baue. „Haus“ kann hier für vieles stehen.

Worauf baue ich mein Leben, worauf baue ich meine Zukunft? Und auch, worauf ist mein christlicher Glaube gebaut? Auf Sand? Oder auf Felsen, einem starken Fundament? Vom Fundament hängt es ab, ob das Haus, respektive mein Glaube, den Stürmen des Lebens standhält.

Ungewiss ist, welche Stürme kommen; gewiss ist, dass sie kommen. Stürme können sein: zerbrochene Beziehungen, Verlust der Arbeitsstelle, finanzielle Turbulenzen, problematische Diagnosen, geplatzte Träume, plötzliche Todesfälle oder, oder, oder. In den Stürmen wird ersichtlich, auf welchem Fundament ich stehe.

Beim Gleichnis über den Hausbau sprich Jesus davon, dass derjenige, der seine Worte hört, und ihnen folgt, sein Haus auf Fels gebaut habe (vgl. Mt 7, 24-27). Als Teilnehmer an einem Jüngerschaftskurs hast du dich schon für das grundlegende Fundament „Jesus“ entschieden, und das ist wunderbar!

Beim geistigen Hausbau nun ist es wichtig, diesen Grundstein „Jesus Christus“ immer besser kennenzulernen. Dann festigt und verstärkt sich diese Grundlage. Es ist wie ein geistliches Gesetz: Die immer größere Erkenntnis, wer und wie Jesus ist, stärkt und kräftigt unseren Glauben. Die Basis wird fester, dichter und stärker, und wir können immer besser in Stürmen standhalten und uns als Jünger Jesu bewähren.

Gottes Liebe brennt leidenschaftlich für uns

Eine wesentliche, grundlegende Erkenntnis über Jesus Christus ist: Seine Liebe für uns ist eine leidenschaftliche, brennende Liebe. Warum ist das wichtig, gerade in Bezug auf Jüngerschaft? Die Erkenntnis der Liebe Gottes, die immer tiefer werdende Erkenntnis dieses Feuerherdes der Liebe, die für uns brennt, entflammt uns und lässt in uns eine Leidenschaft für Jesus entbrennen, die unglaublich wertvoll und tragend für das Leben von Jüngerschaft ist. Der bekannte Theologe Hans-Urs von Balthasar bemerkt treffend:

„Das Feuer der Leidenschaft wird zumeist aus dem Holz der Erkenntnis geschlagen.“ [1]

In Jesus Christus verkörpert sich die göttliche Liebe des Vaters zu uns. Die Liebe Jesu zu uns und die Liebe des Vaters sind eins, sie sind nicht unterschieden voneinander. Jesus Christus, der Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit hat eine leidenschaftliche, und brennende Liebe für seine Geschöpfe.

Gott selbst ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4, 16b). So dürfte uns das nicht verwundern, und doch ist es für uns oft doch schwer fassbar. Vielleicht müssen deshalb unzählige Predigten und Vorträge gehalten und Unmengen von Büchern darüber verfasst werden, dass Gott uns liebt. Und er tut es mit brennendem Herzen, leidenschaftlich, mit Feuer.

Wir denken, es ist eines der wichtigsten Fundamente für das Leben von Jüngerschaft, aber auch für Glauben an sich, die leidenschaftlichen Liebe Gottes immer mehr zu erkennen und tief zu verinnerlichen. Die Heilige Katherina von Siena, Mystikerin und Kirchenlehrerin aus dem 14. Jahrhundert, – eine Mystikern dieses Liebesfeuers Gottes – schreibt in ihrem Brief an den Mailänder Fürst Bernabó Visconti:

„Bedenkt, dass Ihr geliebt wurdet, bevor Ihr lieben konntet! Denn als Gott in sich hineinblickte, verliebte er sich in die Schönheit seiner Geschöpfe und wurde so sehr hingerissen vom Feuer seiner unschätzbaren Liebe, dass er uns erschuf …“ [2]

Immer wieder spricht die heilige Katharina von Siena von diesem leidenschaftlichen Feuer der Liebe. Feuer, ein Ursymbol der Menschheit, war und ist bis heute ein starkes Bild für die Macht und Intensität der Liebe. Wir selbst sprechen manchmal von heißer und glühender Liebe, Verliebte sprechen davon, für jemanden ‚Feuer und Flamme‘ zu sein.

Im Hohelied der Liebe spricht der Bräutigam zur Braut über die Liebe, und wir dürfen dieses als Verhältnis von Christus zur einzelnen Seele und zur Braut, die die Kirche ist, auslegen:

„Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.“ (Hld 8, 6-7)

In einem anderen Brief legt die heilige Katharina dar, dass es dieses gleiche leidenschaftliche Feuer der Liebe war, das Gott bewog, in Jesus Christus Mensch zu werden und unsere Sünden am Kreuz zu verbrennen [3], nachdem seine geliebten Geschöpfe sich von ihm abgewandt hatten und in Sünde gefallen waren.

Doch als Geschöpf Gottes bleibt es, dass der Mensch aus Liebe für die Liebe geschaffen wurde; und so kann er auch durch nichts besser angezogen werden als durch die Liebe. Die heilige Katharina bezeichnet Jesus als „Angel Gottes“[4], die er ausgeworfen hat, um uns durch vollkommen gelebte Liebe an sich zu ziehen.

Das brennende Herz Gottes für uns

Mit Jesus Christus hat Gott ein gottmenschliches Herz. Das Herz war schon immer ein Ursymbol, fast schon ein Archetypus für die Liebe. Mit ‚Herz‘ verbinden wir unwillkürlich Liebe, Liebe verorten wir im Herzen des Menschen. Unter Herz als dem Ort der Liebe verstehen wir dabei mehr als das lebenswichtige Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt.

Mit dem Herzen verbinden wir das tiefste Geheimnis des Menschen, eine Leib und Seele verbindende Lebensmitte, sogar das Zentrum des Menschen. Wenn uns etwas nahe geht, dann sprechen wir davon, dass unser Herz berührt wurde. Damit wollen wir mehr sagen, als dass irgendetwas besondere Gefühle in uns ausgelöst hat. Wir sagen damit, dass uns etwas in der Tiefe unserer Person getroffen hat.

Nach alttestamentlichen Verständnis, und auch noch weit darüber hinaus, wurde das Herz so sehr als Mitte der Person angesehen, dass, mit ‚Herz‘ eine ganze Person bezeichnet werden konnte; zumindest ihr gesamter Charakter, inklusive des Gefühls, der Gedanken und Motivationen konnten mit dem Begriff ‚Herz‘ beschrieben werden.  [5]

Als Jesus Christus aus dem göttlichen Feuer der Liebe heraus unsere Menschnatur angenommen hat, um uns zu erlösen und den Weg zur Erlösung zu zeigen, bekam er ein ganz konkretes Herz, ein Herz aus Fleisch und Blut. Die unendliche und nicht fassbare Liebe Gottes pulsierte nun in einem leiblichen Herzen. In einem solchen gottmenschlichen, leiblichen Herz konzentrierte und verdichtete sich die unendliche Liebe Gottes.

Unaufhörlich strömte sie von ihm auf die Menschen, die ihm auf seinen Wanderungen begegneten, voller Erbarmen und Heilung. Und dieses gottmenschliche Herz war ein einziger Feuerherd der Liebe, voller Leidenschaft und brennend für uns.

Als die heilige Maria Alacoque, eine Dominikanerin in Paray-le-Monial im Frankreich des 17. Jahrhunderts, Christus in einer Vision schaute, zeigte er ihr sein Herz. Sie sah ein Herz, aus dem Flammen schlugen und das ganz von Feuerflammen umgeben war:

„Überall aus seiner heiligen Menschheit drangen Flammen hervor … Dann zeigte er mir sein Herz, das der Quell dieser Flammen war.“ [6]

Diese Vision ist vor allem ein starkes Symbol, ein starkes Zeichen für die göttliche Liebe für uns. Doch es ist noch viel mehr als das. Denn dieses Symbol ist von einer Realität gedeckt. Es ist von der Realität der göttlichen Liebe Jesu zu uns gedeckt, vor der ein solches Bild nur verblassen kann.

Die Vision der heiligen Maria Alacoque

Entscheidend ist für uns, zu begreifen oder tiefer zu erkennen, dass diese brennende Liebe Gottes, dieses brennende Herz Gottes heute noch unter uns ist. Als das Wort unser Fleisch annahm und Mensch wurde (vgl. Joh 1, 14), war dieses nicht nur für eine kurze Zeit bestimmt.

Sondern Gottes Menschwerdung bleibt für alle Ewigkeit. Dieser liebende Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde, am Kreuz für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand, bleibt in alle Ewigkeit der Menschensohn, der nun zur Rechten des Vaters sitzt. Ebenso ist er mit seinem ewig brennenden, leidenschaftlichen Herzen unter uns gegenwärtig. Das ist die beste Nachricht: Er ist noch ganz konkret unter uns.

Der Feuerherd der Liebe ist noch heute konkret unter uns

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dieses brennende, leidenschaftliche Herz Jesu die Eucharistie ist. Das sagt unser Glaube, Christus ist bis heute in mehrfacher Weise unter uns, aber

„vor allem unter den eucharistischen Gestalten“ [7].

Dort, wo der ganze Christus mit seinem Leib ist, da ist auch sein Herz; und wir kommen hier dem Verständnis nahe, dass nach alttestamentlicher Vorstellung das Herz die ganze Person darstellt.

Interessanterweise wurde bei einem eucharistischen Wunder in Polen vor gar nicht langer Zeit in einer konsekrierten Hostie, die sich zum Teil in ein Stück menschliches Fleisch verwandelt hatte, ein menschliches Herzmuskelgewebe nachgewiesen.

Ein Teil der Hostie verwandelte sich in ein Stück Herzmuskelgewebe (Fotonachweis: Bistum Liegnitz)

Dieses Wunder geschah 2013 im polnischen Legnica (Liegnitz) und wurde nach aufwändigen wissenschaftlichen Untersuchungen zuerst vom zuständigen Bischof von Legnica und 2016 ebenso von Rom anerkannt [8].

Durch Heilungen bezeugt sich Christus in der Eucharistie ebenso. Père Daniel Ange, ein französischer Priester und Gründer der Evangelisationsschule jeunesse-lumière (Jugend-Licht) berichtet aus seiner Seelsorge:

„Ein afrikanisches Mädchen, das in eine Universitätsklinik eingeliefert wird, fällt in ein irreversibles Koma. Seine Familie bittet ein Ehepaar …, etwas zu unternehmen. Wer kann das Mädchen (auf)erwecken, wenn nicht Jesus? Und wo ist Jesus zu diesem Zeitpunkt? Das Ehepaar bringt den Leib Christi auf die Intensivstation. Gerade als der Leib des Herrn die Lippen des Mädchens berührt, öffnet es Augen und Lippen. Die Krankenschwestern geraten in Panik, die Ärzte sind verblüfft. Nach mehreren Krankenkommunionen kann das Mädchen die Klinik verlassen.“ [9]

Weg der Jüngerschaft

Wir hoffen, dich mit diesem Beitrag auf deinem Weg der Jüngerschaft ermutigt zu haben und wünschen dir, dass du dich ganz von der Liebe Gottes entflammen und tragen lässt, so wie ein unbekannter Kartäuser-Mönch ausrief:

„Ach, wenn dein Herz nur ein wenig von der Liebe empfinge, von der das Herz Jesu zu uns brennt, dein Herz würde sie nicht in sich verschließen können. Wie ein Glutofen würde sie dich entflammen und verzehren!“ [10]

Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:
Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Wann und wo die Jüngerschaftseinheiten stattfinden, siehst du hier.

 

Weitere Verweise und Anmerkungen

[1] Hans-Urs von Balthasar, zitiert in: Hartl, Johannes: In meinem Herzen Feuer. Witten, 2016, S. 132

[2] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti (Brief 28), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[3] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 196), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[4] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 246), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[5] Biju-Duval, Denis: Le Psychique et le Spirituel. Paris, 2001

[6] Holböck, Ferdinand: Aufblick zum Durchbohrten. Salzburg, 1990, S. 224

[7] Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1373

[8] https://de.catholicnewsagency.com/story/neues-eucharistisches-wunder-in-polen-0701

[9] Daniel-Ange: Die Eucharistie – Leib der Liebe. Linz (Österreich), 2006, S.135

[10] Unbekannter Kartäuser in Trier, 14. Jahrhundert.  Aus: Altdeutsche Herz-Jesu-Gedanken in: Deutsche Herz-Jesu-Gebete des 14. und 15. Jahrhunderts, Karl Richstätter S.J., Verlag Kösel & Pustet, 1926. auch: https://hl-herz-jesu.blogspot.com/2012/06/brennende-liebe.html

 

 

 

 

 

Jüngerschaft #1: Vier grundlegende Aspekte

Liebe Freunde, in verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das dokumentieren, was uns bei den Einheiten unseres Jüngerschaftskurses am wichtigsten war. Wir freuen uns, wenn es auch euch anregt, sich vielleicht mit dem Thema Jüngerschaft näher zu beschäftigen. Am besten ist es natürlich, wenn ihr Gelegenheit habt, an einem Jüngerschaftskurs teilzunehmen.

Für unsere Jüngerschaftsabende im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE ließen wir uns vom Jüngerschaftskurs der österreichischen Loretto-Gemeinschaft[1] anregen. Wer ihn kennt, wird hier manches wiederfinden, aber auch so manches Neues.

Hier ist nun der erste der Blogbeiträge, bei denen es um das Thema Jüngerschaft geht.

Vier grundlegende Aspekte von Jüngerschaft

In diesem Blogbeitrag geht es um vier wesentliche Grundlagen von Jüngerschaft. (1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich, (2) sie folgen ihm nach, (3) er lebt er mit ihnen. (4) Dann sendet er sie aus. Und noch bevor es zu den einzelnen Punkten geht, ist die Frage:

Warum ist Jüngerschaft überhaupt wichtig?

Ein Jünger Jesu zu werden ist eigentlich ein Ruf an jeden Menschen. Dieses zeigt uns das Wort Gottes, die Bibel, in der Jesus spricht:

„Darum geht, macht alle Völker zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. (Mt 28, 18-19)

Jesus sagt diese Worte, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen, an herausragender Stelle. Dieses gibt seinen Worten noch einmal ein besonderes Gewicht. Kurz vor seiner Himmelfahrt sagt er sie, im Zusammenhang mit seinem Auftrag an die Jünger, bis an die Grenzen der Erde zu gehen und sein Wort zu verkünden.

Er spricht sie zu denen, die er selbst als Jünger herangebildet hat (vgl. zum Missionabefehl auch Mk 16, 15; Lk 24, 47; Apg 1, 8). Seine Worte zur Jüngerschaft sind eng mit diesem ureigensten Wesensmerkmal der Kirche verbunden: ihrem missionarischen Charakter.

Selbst ein Jünger Jesu zu sein und Menschen zu Jüngern zu machen gehört also fundamental dazu, das Reich Gottes zu verkünden, und um als Kirche in der Welt fruchtbar zu sein. Das Prinzip Jüngerschaft ist also keine neue „pastorale Erfindung“, sondern ist der Wille Jesu für seine Kirche.

Und zwar von Anfang an, als sie damals noch aus einem kleinen Häuflein von Menschen bestand. Aus diesem Häuflein ist inzwischen der weltumspannende Leib Christi geworden, und immer war die Kirche, dort wo sie fruchtbar war, mit jüngerschaftlichen Prinzipien unterwegs. Vielleicht sind sogar Kirche, Gemeinden und christliche Gemeinschaften nur in dem Maße fruchtbar, wie sie jüngerschaftliche Prinzipien umsetzen und leben?

Heute, zumindest hier in der Kirche Westeuropas, sehen wir uns in einer Situation, in der Jüngerschaft als Thema weitgehend vergessen ist. Es gibt wenig Wissen über die Grundlagen von Jüngerschaft, was Jüngerschaft eigentlich ist und warum sie so wesentlich ist.

Angesichts der derzeitigen Situation in der Kirche hier, wo es aufs Ganze gesehen eher abwärts geht, ist die Wiederentdeckung von jüngerschaftlichen Prinzipien mehr als angezeigt. Für eventuelle Skeptiker: Einen Versuch ist es allemal wert! Ermutigend sind die Aufbrüche, die es in der Kirche, und dem gesamten Leib Christi aller Denominationen, gibt; und es ist nicht verwunderlich, dass wir beim näheren Hinsehen tatsächlich die jüngerschaftlichen Prinzipien entdecken.

Im katholischen Bereich seien besonders die Gemeinden von James Mallon in Halifax/Kanada oder Michael White in Baltimore/USA genannt, die Jüngerschaft zum erfolgreichen Prinzip ihres Gemeindeaufbaus gemacht haben.

Fr. James Mallon spricht auf einer Konferenz

Internationale Vorreiter waren z.B. die bekannten amerikanischen Großkirchen ‚Willow Creek‘ und ‚Saddleback Church‘, und im deutschsprachigen Raum die ‚Jugend mit einer Mission‘. Immer mehr kleine und große Gemeinschaften und Gemeinden aller Konfessionen beginnen jüngerschaftliches Leben umzusetzen. Vor allem sei hier die katholische Loretto-Gemeinschaft aus Österreich erwähnt, die für uns immer wieder eine neue Inspiration ist.

Und nun zu den

vier grundlegenden Aspekten von Jüngerschaft

(1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich

Wenn wir das Evangelium betrachten, sehen wir, dass Jüngerschaft das typische Modell Jesu ist. Er ist es, der Menschen zusammenruft und um sich versammelt, damit sie seine Jünger werden. Im Markusevangelium heißt es:

„… er rief die zu sich, die er erwählt hatte. Und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte.“ (Mk 3, 13-14)

Neben diesen ersten 12 Aposteln, die alle namentlich erwähnt werden, hören wir in den Evangelien von weiteren Jüngern. Einmal sind 70 bis 72 erwähnt (vgl. Lk 10, 1), doch es dürften noch wesentlich mehr gewesen sein (vgl. Apg 6,7; Joh 6, 66). Darunter waren auch Frauen.

Zur Zeit Jesu war es durchaus ungewöhnlich, dass ein Rabbi Frauen unter seinen Anhängern hatte. Namentlich genannt sind Maria Magdalena und Marta, die Schwestern des Lazarus, Johanna des Chuza und Susanna (vgl. Lk 8, 2), Lydia und Tabita (vgl. Apg 16, 14; 9, 36) und seine Mutter, die Jungfrau Maria (vgl. Apg 1, 14).

Am Modell Jesu in der Bibel sehen wir, dass alle zu Jüngerschaft berufen sind, gleich welche Aufgabe oder Amt jemand in der Kirche innehat, gleich welches Geschlecht oder welcher Hintergrund sein eigen ist. Auf die heutige Zeit übertragen sprechen wir von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Laien, Männern, Frauen, Verheirateten, Singles und vollzeitlich oder ehrenamtlich Tätigen, die alle zur Jüngerschaft berufen sind. Deshalb lässt sich feststellen:

„Jüngerschaft – mit den wesentlichen Kernprozessen – ist keine Option.“[2]

Jesus Christus ruft jeden ganz persönlich beim Namen. Er ist derjenige, der ruft und beruft: so heißt es im Johannesevangelium:

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15, 16)

(2) Sie folgen ihm nach: Nachfolge Jesu

Ein entscheidendes Merkmal von Jüngerschaft ist die Nachfolge. Es gibt einen Meister, dem wir folgen. Für die ersten Apostel und Jünger bedeutete ’nachfolgen‘ zum einen ganz konkret, alles stehen und liegen zu lassen, ihrem Meister Jesus auf seinen Predigttouren durch Israel zu begleiten und an der Verkündigung seiner Heilsbotschaft mitzuwirken.

Es ist nun gleich, in welchem Lebensstand uns Jesus Christus nun konkret beruft. Ihm nachzufolgen hat immer einen gemeinsamen Nenner. Egal, wo wir hingestellt sind, bedeutet Nachfolge vor allem die Entschiedenheit, uns in unserer Lebensweise von Jesus Christus leiten zu lassen und uns an seinem Vorbild und seiner Lehre zu orientieren. Wir versuchen, in seine Fußstapfen zu treten. Als Jünger Jesu erkennen wir Jesus Christus als unseren Meister an, und wir erklären uns bereit, auf ihn zu hören.

Die Bereitschaft, auf Jesus zu hören, gehört wesentlich zu einem nachfolgenden Jünger dazu. Die Nachfolge Jesu ist geprägt davon, dass eine direkte Lehrer-Schüler-Beziehung existiert. Schon das Wort „Jünger“ weist darauf hin. Das griechische Wort ‚Jünger‘ (μαθητάι, mathētai) heißt wörtlich ‚Schüler‘. Das deutsche ‚Jünger‘ kommt aus dem althochdeutschen ‚jungiro‘ und bedeutet ‚der Lehrling‘ oder ‚der Lernende‘.

Als Jünger Jesu geht es aber nicht nur um das Erlernen von kognitivem Wissen. Sicher, aktiv die Bibel zu studieren, die Lehre der Kirche zu kennen und von den Heiligen zu lernen ist wichtig. Doch Jüngerschaft ist mehr, als Wissen darüber zu sammeln, was für das Leben eines Christen notwendig ist. Es bedeutet vor allem auch, sich davon formen lassen.

So braucht es die Bereitschaft, dass das Wort und Beispiel Jesu in uns ‚Fleisch wird‘. Es bedeutet, uns die Art und Weise Jesu zu eigen machen und sie als Maßstab unseres Lebens zu setzen, und zwar in allen Bereichen unseres Lebens. Paulus benutzt in diesem Zusammenhang das Bild des neuen Menschen in einem neuen Gewand:

„… lasst euch erneuern durch den Geist und euer Denken! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ (Eph 4, 23-24)

Insofern bedeutet Jüngerschaft ganz wesentlich, seine Lehre anzunehmen und sich von ihm formen zu lassen. Deshalb beginnt Jüngerschaft immer bei einem selbst und mit der Bereitschaft, sich auf einen solchen Prozess einzulassen.

Dabei ist es gleich, wo wir gerade stehen. Jesus sucht keine perfekten Menschen. Wir müssen keine Superhelden sein. Gott geht mit uns von da aus, wo wir sind.

Und doch er gibt uns eine wunderbare Verheißung, wenn wir uns mit ihm auf diesen Weg begeben. Sie mag uns fast zu groß erscheinen, aber sie will uns ermutigen und anspornen:

„Ein Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.“ (Lk 6, 40)

(3) Er lebte mit ihnen: Gemeinschaft mit Jesus und Gemeinschaft untereinander

Wesentlich für Jüngerschaft ist, sich bewusst zu werden, dass Jesus Christus heute noch mit uns lebt. Wie war das damals konkret für seine Jünger? Diejenigen, die er zu sich gerufen hatte, hatten eine persönliche Beziehung mit ihm, er nannte sie seine Freunde (vgl. Joh 15, 14) und sie lernten ihn mit der Zeit immer besser kennen.

Jüngerschaft bedeutet heute insofern genauso, eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus zu leben und ihn immer besser kennenzulernen. Es bedeutet, die Gemeinschaft mit ihm immer mehr zu vertiefen.

Wo finden wir Jesus Christus heute ganz konkret? Zuallererst finden wir ihn in der heiligen Eucharistie. Im Allerheiligsten Sakrament ist er heute mit Leib und Blut unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. In der heiligen Messe können wir ihn empfangen, doch längere Zeit mit ihm zu verbringen, um zu einer Vertiefung der Gemeinschaft und Beziehung mit ihm kommen, ist durch das anbetende und liebende Verweilen vor dem Allerheiligsten Sakrament möglich.

Nach Julien Eymard, einem heiliggesprochenen Priester und Apostel der Eucharistie des 19. Jahrhunderts (dessen bis heute unverwester Leib in Paris zu sehen ist), führt die Kontemplation der Eucharistie zu einer immer tieferen Vereinigung mit Jesus[3].

Der hl. Julien Eymard

Genau dieses möchte auch Jesus: Über die Sehnsucht Jesu nach uns, über sein brennendes Verlangen, mit uns in immer tiefere Gemeinschaft zu treten, schreibt die heilige Therese von Lisieux:

„… Jesus ist dort im Tabernakel ausdrücklich für dich, für dich allein. Er brennt vor Verlangen, in dein Herz einzutreten.“[4]

Oder die heilige Edith Stein:

„Der Herr ist im Tabernakel in seiner Gottheit und Menschheit gegenwärtig. Er ist nicht dort für sich selbst, sondern für uns: Es ist seine Freude, bei uns zu sein.“[5]

Ebenso sehen wir in der Bibel: Jüngerschaft braucht Gemeinschaft. Wir brauchen also nicht nur die persönliche Freundschaft und Beziehung mit Jesus, sondern auch die Gemeinschaft untereinander. Jesus wollte uns mit dem Modell Jüngerschaft ebenso zeigen, dass Glauben eine Sache von Gemeinschaft ist. Die Apostel und Jünger lebten mit Jesus zusammen, hörten seine Lehre, sahen sein Beispiel und hatten gleich die Gemeinschaft um sich herum, um das Gehörte und Beobachtete in die Tat umzusetzen und einzuüben.

Wir alle wissen vielleicht, dass es am anspruchsvollsten ist, das Evangelium im engsten und vertrautesten Kreis zu leben, im Klein-Klein des Gemeinde- oder Familienalltags oder wo auch immer wir hingestellt sind. Eine Kleingruppe zu haben, in der Jüngerschaftsthemen durchgesprochen und eingeübt werden ist ein sehr großer Segen! Jüngerschaft leben ist also auch ein Prozess in Gemeinschaft.

(4) Aussendung

Jüngerschaft ist immer missionarisch ausgerichtet. Da dieser einzelne Punkt sehr umfassend ist, soll es hier nur kurz angedeutet werden durch das unten folgende Bibelwort, das den missionarischen Aspekt deutlich hervorhebt. Da der missionarische Aspekt sehr viele Facetten hat, wird in einer der nächsten Jüngerschaftseinheiten noch näher  darauf eingegangen (und erscheint als dann hier als Blogbeitrag):

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.“ (Mk 16, 15-20)

Die 2. Jüngerschaftseinheit findest du hier:
Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Wann und wo der Jüngerschaftskurs stattfindet siehst du hier.

 

 Verweise und Anmerkungen

[1] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019

[2] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019, S. 27

[3] Vgl. P. Racine, Florian (Hrsg): Adorer en esprit et en vérité. Extraits des prédications de Saint Pierre-Julien Eymard. Paris, 2009, S. 105

[4] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 27

[5] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 51

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung? #1

Warum eigentlich eine Anbetung, die rund um die Uhr läuft, Tag und Nacht, 24 Stunden und 7 Tage in der Woche, 24/7? Warum setzen wir uns für eine solche Anbetung ein? Trotz unserer noch kleinen Anfänge bleiben wir daran. Eine 24/7-Anbetung soll das Herz von HOPE werden, dem House of Prayer and the Eucharist. Das ist unsere Vision. Doch was soll das eigentlich bringen?

Es gibt viele Gründe dafür, deshalb entsteht hier eine Reihe von
Blogartikeln, die genau diese Fragen aufgreifen. Hier ist der erste.

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung?  #1

Eine 24/7-Anbetung hilft der Kirche und jedem einzelnen, in den Stürmen dieser Zeit zu bestehen und die Kirche trotz allem aufzubauen. Eine Bibelstelle des Alten Testamentes stellt hervorragend dar, warum permanentes Gebet und Anbetung in diesem Sinn erstrebenswert sind. Im Buch Exodus heißt es:

„Und Amalek kam und suchte in Refidim den Kampf mit Israel.  Da sagte Mose zu Josua: Wähl uns Männer aus und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand auf den Gipfel des Hügels stellen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging.“ (Ex /2. Mose 17, 8-12)

Was geschieht hier? Mose sieht das Volk Israel in Gefahr. Er schickt Josua in den konkreten Kampf, weiß aber gleichzeitig, dass nichts gewonnen werden kann ohne die Hilfe Gottes. Während nun Josua die Schlacht kämpft, gehen Mose, Aaron und Hur auf dem Berg, um zu beten. Den vollen Einsatz, auch körperlich, sehen wir an den erhobenen Händen des Mose.

Alle drei wissen, sobald sie nachlassen im Gebet zu Gott, verliert Josua unten am Fuß des Berges im Kampf Terrain. Deshalb stützen Aaron und Hur die Hände von Mose, damit er die Hände zu Gott im Gebet erhoben halten kann, Stunde um Stunde, bis der Tag sich neigt und der Sieg in ihren Händen liegt.

Aaron und Hur stützen Mose beim Gebet (Fotonachweis: http://nicksenger.com/onecatholiclife/c-s-lewis-joy-and-persistent-prayer-homily-for-the-29th-sunday-in-ordinary-time-year-c)

Die zum Teil auch historisch nachgewiesenen Geschehnisse des Volkes Israel sind für uns heute starke Bilder für geistige Wahrheiten. Insofern ist das Alte Testament für uns sowohl zum einen religionsgeschichtliche Erbe und zum anderen ebenso unser geistiges Erbe. Es ist die gemeinsame Wurzel, die wir bis heute mit dem Volk Israel gemeinsam haben.

Wir sehen hier das Volk Israel im Kampf mit einem Gegner. Steht nicht auch heute unsere Kirche in einem Sturm, in einem geistigen Sturm voller Anfeindungen, Anklagen, Verdrehungen ihrer Wahrheit, bewusste oder unbewusst herbei geführte Missverständnisse über unseren Glauben?

Und damit haben wir noch gar nicht alles gesagt: Hinzu kommen die tatsächlichen Verfehlungen von Kirche, Laien wie Priestern, die die Wahrheit über Jesus Christus verdunkeln und sein reines Strahlen in die Welt hinein verhindern, zumindest aber einschränken und behindern.

Der Kampf Josuas gegen Amalek und das Gebet des Mose sind ein starkes Bild dafür, dass wir als Kirche, als Volk Gottes bestehen werden, wenn wir in leidenschaftliches Gebet gehen, und damit Christus tatsächlich in die Mitte stellen und den Sieg von ihm erwarten. Das gilt sowohl für das Bestehen gegen äußere Bedrängnisse als auch für das siegreiche Hervorgehen aus dem, was von innen her kommt: der Sünde und all der Verführungen, die dem Leben eines Christen widersprechen.

Mit dem Kampf gegen Amalek lehrt uns die Bibel hier durch das Beispiel des Mose, dass es die Hinwendung zu Gott in Gebet und Anbetung ist, die dazu verhilft. Wenn wir uns tatsächlich, echt und authentisch vor Gott stellen wie Mose, mit allem, was uns bedrängt und am Herzen liegt. Denn:

„Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; so oft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker.“ (Ex / 2. Mose 17, 11)

Wir wollen hier keiner Arbeitsteilung das Wort reden, die da wäre: hier die Beter, dort die Aktiven. Im besten Fall sind immer beide Aspekte (der betende Mose und der aktive Josua) in einer Person vereint. So kommen wird zu einer Aktivität, die in Gebet und Anbetung verwurzelt ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es ausgesprochene Berufungen zu Gebet und Anbetung gibt, wie z.B. die zu einem kontemplativen Ordensleben.

Mose lehrt uns hier zudem die Ausdauer im Gebet. Er war unnachgiebig und entschlossen, nicht nachzulassen. Er ließ sich stützen, um das Gebet weiterzuführen. Denn er wusste: Josua wird im Kampf geschwächt, wenn er nachlässt, und verliert sogar alles, wenn er das Gebet aufgibt.

Hat nicht die Kirche heute vor allem ihre Anbetungs- und Gebetskultur verloren? Eine Kultur, die all die Aktivitäten von Kirche und Gemeinde in Gott verwurzelt? Oder um im alttestamentlichen Bild zu bleiben: Haben wir nicht das Gebet weitgehend aufgegeben und sind in der Gefahr, gegen Amalek zu unterliegen?

Wir glauben, dass so viele Aktivitäten in Kirche und Gemeinde zu leerem Aktionismus werden, weil Gebet und Anbetung fehlen. In der Folge wird Kirche „selbst gemacht“. Das ist hier in dem Sinn gemeint, dass das Tun aus rein menschlichem Wollen und Wünschen heraus entwickelt wird, ohne im Gebet darauf zu hören, ob es tatsächlich in Gottes Willen liegt. Darin besteht langfristig die Gefahr, dass das eigentliche Ziel, die Kirche aufzubauen, nicht erreicht wird. Einfach weil die Aktivitäten nicht wirklich in Christus verwurzelt sind.

Anbetung im Gebetsraum von HOPE

Mit der Initiative, eine 24/7-Anbetung aufzubauen, wollen wir dazu beitragen, in der Kirche eine Anbetungs- und Gebetskultur wiederzubeleben und neu zu errichten, und ihr zu ihrem dauerhaften Sieg in den Stürmen dieser Zeit zu verhelfen. Nicht nur der einzelne, auch die Kirche als Kirche benötigt das ständige Gebet.

Wir wollen unseren kleinen Teil dazu tun, Gebet und Anbetung wieder neu in der Kirche zu verankern. Denn in Gebet und Anbetung liegt der Schlüssel, Jesus Christus wieder neu zu finden und alles in ihm zu verwurzeln.

Warum eine 24/7- Anbetung? Hier findest du einen zweiten Blogartikel dazu:
Jesus als Seenotretter – Warum eine 24/7-Anbetung? #2

 

 

Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche. Es könnte den Eindruck entstehen, dass der Hirsch als neuer Bestandteil von Weihnachten etabliert werden soll, um das Fest noch weiter von seinem christlichen Inhalt zu entkernen und von der eigentlichen Botschaft abzulenken, der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus.

Eine weitere Entkernung, so wie der rot-weiße Coca-Cola-Mann nicht nur den heiligen Bischof Nikolaus immer mehr verdrängen will, sondern auch das „Christkind“ an Weihnachten selbst. Doch um dieses „Christkind“ geht es ja: Weihnachten = die geweihte Nacht der Geburt Jesu Christi. Advent = vom lateinischen Wort advenire abgeleitet, das bedeutet „ankommen“; also  Adventszeit, die Erwartung der Ankunft Christi auf Erden, die Erwartung der Menschwerdung Gottes. Und nun mittendrin im unvermeidlichen Weihnachtsgeschäft Hirsche, Hirsche, Hirsche.

Eine geistliche Rückbindung

Vielleicht ist der Hirsch in der adventlichen und weihnachtlichen Zeit gar nicht so schlecht gewählt, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt. In der Bibel kommt der Hirsch an einigen Stellen vor. So heißt es zum Beispiel im Buch der Psalmen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen, und Gottes Antlitz schauen?“ (Ps 42, 2-3)

Hier wird der nach Wasser lechzende Hirsch ein Bild für den Menschen, der Sehnsucht nach Gott hat. Übrigens, der Antrieb für die Wanderungen eines Hirsches oder von Hirschherden ist zuallererst, die beste Nahrung und das reinste Wasser zu finden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Symbolik des Hirschen noch einmal eine besondere Note.

Im biblischen Hohelied der Liebe, diesem großartigen Liebesgesang zwischen Bräutigam und Braut, der als mystische Hochzeit zwischen Gott und der Seele gedeutet wird, begegnet uns ebenso der Hirsch. Dort spricht im Zwiegespräch der Liebe die Seele:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. (…) Der Geliebte spricht zu mir: ‚Steh auf, meine Schöne, so komm doch!'“ (Hld 2, 8-10)

Der Hirsch ist hier ein Bild für den Geliebten, ein Bild für Christus selbst. Es ist ebenso ein Bild der Sehnsucht, dieses Mal für die Sehnsucht Gottes nach uns, sein Verlangen nach den Menschen. Er kommt, läuft, ’springt‘ herbei, nichts kann ihn aufhalten, es eilt ihn, die Sehnsucht treibt ihn an, angetrieben von seiner unfassbaren Liebe für uns und gerufen von der Sehnsucht des Menschen. Gibt es ein schöneres Bild für den Advent, die heilige Zeit der Erwartung?

Hirsche – es scheint, als würde die sich immer säkularer gebärdende Gesellschaft doch unbewusst eine tiefe geistliche Symbolik aufgreifen. Vielleicht ist es tatsächlich kein Zufall, dass dieses zudem auch noch in der adventlichen Zeit geschieht.

Denn mit Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu Christi, erfüllt sich diese Sehnsucht, die in diesen starken mystischen Bildern ausgedrückt wird. Christus ist geboren, und mit der Ankunft des Erlösers in der Welt, nimmt die konkrete Erlösung des Menschen seinen Anfang.

Jesus Christus ist es, der die tiefste existentielle Sehnsucht des Menschen nach dem reinsten Wasser der Wahrheit in einer von Schmutz und Lüge durchsetzten Welt erfüllt.

Jesus Christus ist es, der die Sehnsucht der Seele nach ewigem Leben in der Vereinigung mit Gott erfüllt, diesem niemals endenden Fest der Liebe und Freude. Eine Vereinigung, die mit und durch Jesus Christus schon heute auf Erden beginnen kann.

Jesus Christus ist es, der dem Menschen durch sein Kreuz den Weg zurück in die Arme des Vaters geöffnet hat, die Gemeinschaft mit Gott. Und dieses ist bis zum Ende der Zeiten eine Einladung an alle, und es wird wahr für jeden, der es annimmt.

Und, für uns schwer zu fassen und doch wahr: Hier erfüllt sich Gott auch seine eigene Sehnsucht nach dem Menschen. Unaussprechliches Geheimnis Gottes! Unaussprechliches Geheimnis der Liebe. Voller Staunen und Verwunderung war Mutter Mechthilde de Bar, die Gründerin der Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, darüber, dass Gott sich sehnt. Er sehnt sich nach uns. Obwohl er doch als Gott nichts benötigt, mehr noch: obwohl er doch

“die unendliche Fülle selbst ist und er allein die Macht hat, alle Sehnsucht zu stillen.” (1)

Und doch ist es so. Gott braucht den Menschen nicht, er braucht nichts und niemanden, damit seine Sehnsucht gestillt wird, er braucht sich noch nicht einmal nach irgendetwas zu sehnen, denn in ihm ist kein Mangel. Aber er will den Menschen retten und erlösen, er will sich nach ihm sehnen, er will sich herabneigen und in diese Sehnsucht hinein begeben. Der Prophet Jeremia spricht von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt. Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.“ (Jer 31, 3-4)

Von der Sehnsucht Gottes hören wir ebenso beim Propheten Jesaja, dessen Texte in der adventlichen Zeit gelesen werden:

„Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, ‚Herr der Heere‘ ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, ‚Gott der ganzen Erde‘ wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott. Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ (Jes 54, 4-7)

Und immer wieder trägt die göttliche Sehnsucht das Bild der Hochzeit und des hochzeitlichen Mahles, der Sehnsucht des Bräutigams nach der Braut, der Vermählung der Seele mit Gott, die die intimste Vereinigung mit Gott in reiner Liebe ist.

Unübertroffen wieder im Hohelied spricht der Bräutigam, Gott, zur Braut, der Seele:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen, auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8, 6-7)

Hirsche, Hirsche, Hirsche — sind sie doch genau betrachtet eine tiefe, geistliche Symbolik in der heiligen Zeit der Erwartung des Erlösers, Advent, in der wir diese Sehnsucht feiern, dieses Handeln Gottes an uns, und unserer  Sehnsucht einen ganz persönlichen Ausdruck geben können.

Vielleicht ist der Advent in diesem Sinne eine Zeit, sich dieser Sehnsucht wieder bewusst zu werden. Und wenn wir die vielen Hirsche, Rentiere, Rehe, Kitzlein oder was auch immer als Dekorationsmaterialien sehen, diese mit einem inneren Lächeln als Erinnerung an diese wunderbaren Verheißungen zu nehmen, die uns gegeben sind.

Einen herzlichen Gruß euch allen!
Thomas und Ruth

PS: Vielleicht weiß einer von euch etwas mehr über die genauen Umstände, wie es dazu kam, dass der Hirsch so präsent im Weihnachtsschmuck geworden ist. Wir finden es durchaus wichtig, um den Prozess der fortlaufenden Entkernung des Weihnachtsfestes von seinem eigentlichen Sinn besser zu verstehen, damit wir darüber aufklären und die eigentliche Botschaft von Weihnachten immer wieder neu ins Zentrum rücken können. Gerne eure Infos in den Kommentaren oder per persönlicher Email!

(1) Rechercheheft 28: „Der wahre Geist der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares“. Hrsg.: Benediktinerinnen Köln, 2010, S. 3

 

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper, es dauerte an, bis er in eine tiefe Ruhe kam. Es war an einem Abend in Medjugorje, einem kleinen, damals noch unbedeutenden Dorf in Bosnien und Herzegowina. Ein Priester der Pilgergruppe trug im Haus der Gastgeber Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch die dort versammelte kleine Menschenmenge und segnete. Als Thomas-Maria fiel, stürzte eine Frau neben ihm auf die Knie und rief: „Ich glaube!“ Während er dort lag, sah er in seinem Inneren, wie sich die Hostie in ein riesiges, pulsierendes Herz verwandelte, so groß wie der Raum, in dem er sich befand. Ströme von Liebe und Frieden flossen auf ihn herab und erfüllten ihn.

Jesus in Medjugorje

Dieses Ereignis der Gnade hat Thomas-Marias Leben bis heute grundlegend verändert. Als junger, suchender Mann war er von Deutschland mit einer Pilgergruppe zu diesem gerade neu entstehenden Wallfahrtsort gekommen, als ein Suchender nach Sinn, Liebe und Antworten für sein zweifelndes und mitunter einsames und verzweifeltes Herz. Zwar katholisch getauft, war er doch aufgewachsen, ohne Gott tatsächlich kennengelernt zu haben, hatte Ausflüge in die Esoterik hinter sich und kannte so gut wie nichts vom christlichen Glauben. Wer Jesus Christus ist, war für ihn unbekanntes Land. Eucharistie? Völlig unverständlich. Er musste verrückt gewesen sein, sich auf diese Wallfahrt nach Bosnien und Herzegowina eingelassen zu haben, so hatte er gestern noch gedacht, und noch dazu jetzt an einem Ort zu sein, wo Maria, die Mutter Jesu, – so wie ihm erzählt worden war -, einer Gruppe von Jugendlichen erschien. Verrückter ging es nicht.

Medjugorje ist heute mit ungefähr einer Millionen Pilger jährlich einer der größten Gebetsstätten der katholischen Welt

Das viele Beten der Christen um ihn herum war ihm unverständlich, und noch unverständlicher, wie viele an diesem Abend im kleinen Aufenthaltsraum ihrer Unterkunft vor diesem goldenen und kostbar gearbeiteten Zeigegefäß mit einem weißen, runden „Ding“ in der Mitte anbetend auf die Knie gingen, sich verneigten oder in anderer Weise ihre Ehrfurcht ausdrückten, als der Priester segnete. Was war das?

Es zog ihn unwiderstehlich an. Er wollte es berühren, das „Ding“, und drängte nach vorn, zum Priester hin. Als seine Hand das Glas vor der Hostie traf, wurde er mit dieser Macht zu Boden geworfen. Es war eine überwältigende Liebe, die ihn fallen ließ. Thomas-Maria erlebte eine Liebe, eine Freude und einen Frieden, wie er sie noch nie erfahren hatte, und die man „als nicht von dieser Welt“ (vgl. Joh 14, 27) bezeichnen dürfte. Jesus offenbarte sich ihm mit seinem göttlichen, eucharistischen Herz so voll Liebe, dass Thomas-Maria, der Raum und alles darüber hinaus sie nicht zu fassen vermochten, sie war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Thomas-Maria wurde von einer übernatürlichen Wirklichkeit berührt. Radikal. Er wurde von einer Realität getroffen, die mit unseren Sinnen nicht fassbar und wahrnehmbar ist. Außer sie offenbart sich uns. Vielleicht ist es gerade für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht einfach, die übernatürliche Realität Gottes als Wirklichkeit zu erkennen. Denn wir sind eher geprägt von einem neuzeitlichen Atheismus, der alles Übernatürliche , jeglichen Glauben an unsichtbare Mächte und Kräfte verneint und schnell mit märchenhafter Legendenbildung abtut. In einer solchen Gedankenwelt, die sich allein auf Bedürfnisse und Anliegen des irdischen Hier und Jetzt bezieht, und in der der Mensch allein Gestalter und Schöpfer seiner Geschichte ist, hat „Gott“ keinen Platz. Wie alles außerhalb des sinnlich Wahrnehmbaren werden in atheistischen Denkschemata auch Jesus Christus, die heiligste Dreifaltigkeit, die Welt der Engel und Heiligen und die bösen Kräfte der Dämonen als Phantastereien gedeutet, die sich der Mensch aus welchen Gründen auch immer ausgedacht hat.

Wegen der Dinge, die dem Menschen inzwischen möglich sind, denken viele, dass es Gott nicht gibt.

Thomas-Maria gehörte nun nicht der vergleichsweise recht kleinen Gruppe von ausgesprochenen Atheisten an, die jegliches Übersinnliche ausdrücklich zurückweisen. Es war bei ihm eher die heute bei uns weit verbreitete agnostische Haltung, die irgendwo doch ein transzendentes Wesen vermutet, über das man aber aus menschlichem Unvermögen heraus keine Aussage machen kann und das sich auch nicht offenbart. Faktisch hatte ein solches Denken bei Thomas-Maria nun doch damit geendet, wie ein Atheist zu leben, also einfach ohne Gott oder irgendeine andere Religion zu sein und sich letztlich allein mit dem Irdischen zu begnügen. Doch eine diffuse Unzufriedenheit mit einer solchen entzauberten und kalten Welt hatte sich mehr und mehr Bahn gebrochen, und in ihm pochte das Verlangen nach einer Erfahrung, die über sein Dasein hinauswies. Die Esoterik versprach viel und hielt wenig. Und jetzt war er hier. Lag auf dem Boden, und die Liebe Gottes durchströmte ihn.

Ja, er hatte gerade noch die Hostie gesehen, das „weiße Ding“, und es hatte ihm nichts gesagt, nur neugierig gemacht. Bevor nicht Gott selbst ihn mit seinem Strahl der Gnade traf und Licht gab, das Licht des Heiligen Geistes, wurde er von seiner sinnlichen Wahrnehmung getäuscht. Das soll Jesus sein? „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“, schrieb schon Thomas von Aquin in seinem berühmten Hymnus über die Eucharistie (Gotteslob Nr. 497). Wenn schon im atheistisch, agnostisch und materialistisch geprägten Zeitgeist jegliches Übernatürliche, und damit auch Gott an sich verkannt wird, wie schwer anzunehmen sind dann höchste geistliche Wahrheiten, wie die eucharistische Gegenwart Jesu? Brot gleich Jesus? Oblate gleich Jesus? Das ist doch verrückt, Torheit, widersinnig, lächerlich – aus einer Perspektive ohne das Licht der Gnade.

In diesem unscheinbaren Aufenthaltsraum in Medjugorje ist etwas Großes geschehen. Jesus Christus hat sich einem Herzen offenbart und die Blindheit einer Seele geheilt, die ihn nicht zu sehen vermochte. Noch mit der Hostie vor sich, war sie blind. Doch Jesus Christus hat sich Thomas-Maria als Retter und Erlöser genähert und ihm angeboten, in die innigste und lebenskräftigste Beziehung einzutreten, die möglich ist, nämlich die mit ihm, Jesus. Und durch ihn mit dem himmlischen Vater. Jesus hat hier, als die letzten Sonnenstrahlen eines heißen Tages durch die Fenster des Aufenthaltsraumes schienen, seine vornehmste und erste Aufgabe als Messias erfüllt.

Als wir Thomas-Maria einige Jahre nach diesem Ereignis kennenlernten und er uns seine Geschichte erzählte, waren wir einmal mehr ermutigt. Es zeigte uns doch, dass Jesus alle Mittel in der Hand hat, alles mit radikaler Gnade überwinden zu können. Danke an Thomas-Maria, dass wir hier sein Zeugnis geben dürfen.

Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron, und zwar im Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Offb 5, 8-9)

Wenn wir aus der Bibel das hinzu nehmen, was diese geschilderte Situation umgibt, sehen wir vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron, umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, und unzähligen Engeln und anderen, vielleicht unbekannten Lebewesen; alle sind gemeinsam im Lobpreis des Lammes vereint.

Vielschichtig ist dieses Bild für eine geistige Realität, die es aussagen will. Hier wollen wir jetzt den Fokus auf Folgendes richten: auf die Anbetung des Lammes mit Musik und Gesang.

Dass Musik (die Harfe stellvertretend für jegliche Musikinstrumente) und Gesang hier im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Auch dass wir dieses hier in einer Situation sehen, in der wir uns sozusagen „im Himmel“ befinden, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird, will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Konkreter: dass wir geradezu dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dieses in Gemeinschaft mit allen Geschöpfen, Engeln und Heiligen?

Die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Doch sie betont ebenso, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, nicht aufgehoben ist.

Doch wurde das selbstverständliche Mitschwingen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Aber auch nach dem Sündenfall entspricht es dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk! In seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart Christus anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Wir hoffen, dass euch dieser Beitrag ermutigt hat, mit Anbetung und Lobpreis weiterzugehen!

Es grüßen euch,

Thomas und Ruth

Quellen:
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei.

10 Tipps für deine Praxis des prophetischen Lobpreises

„Es ist ein wunderschöner Tag, aber ich kann ihn nicht sehen.“ Diese Worte auf dem Pappkarton des blinden Bettlers in einer Fußgängerzone erregten Mitleid. Als ich dieses in einem Video sah, kam mir unwillkürlich der Gedanke: Schaut nicht Gott ebenso mit so viel Mitleid auf uns, weil wir oft die Schönheit seiner Wirklichkeit nicht sehen können, weil wir blind sind, in geistiger Weise? Blind für Gott, der unsere Augen öffnen möchte? Hier sind wir direkt bei dem, worum es uns im prophetischen Lobpreis eigentlich geht: Die Schönheit Gottes sichtbar zu machen, für die wir oft so blind sind. Bevor wir zu den 10 Tipps kommen, ist es notwendig, kurz auf diese Aufgabe des prophetischen Lobpreises hinzuweisen.

Wir streben an, denjenigen sichtbar zu machen, der uns liebt, rettet und heilt: Jesus Christus. Wir fühlen uns mit dieser lobpreisenden Musik gerufen, Gottes Herz in eine Situation zu geben. In die Präsenz und Schönheit Gottes zu führen, so wie Er es gerade in einem bestimmten Moment tun möchte.

Wenn wir Gottes Herz und Schönheit in eine Situation geben möchten, setzt das voraus, dass wir selbst im Austausch mit Gottes Herz stehen. Prophetischer Lobpreis beginnt innen und führt von da nach außen. Deshalb spricht Pater Christopher Metzger, einer der Franciscan Friars of the Renewal, davon, dass dieser Austausch der Herzen beim prophetischen Lobpreises wesentlich ist:

„Dieser intime Austausch der Herzen ist ein wesentlicher Aspekt des prophetischen Lobpreises. Wenn wir im Lobpreis sind, gibt es zwei Bewegungen. Eine ist die Enthüllung der Gedanken und Gefühle unserer Herzen hin zu Gott, die andere ist die Offenbarung der Gedanken und Gefühle Seines Herzens hin zu uns.“ (Metzger: 2)

Wenn der Heilige Geist uns für diesen intimen Austausch der Herzen öffnet, beginnt das hörende Singen, Spielen und Beten, das auf einer sehr tiefen Ebene des Herzens stattfindet. Pater Christopher benutzt hier ein sprechendes Bild, das auch den übernatürlichen Charakter des prophetischen Lobpreises hervorhebt, er spricht von „Honig, der aus einem Stein fließt“:

„Wenn der Geist dein Herz mit nur einem winzigen Bruchteil der Zärtlichkeit berührt, die der Vater für dich hat, dann fließt der prophetische Lobpreis in übernatürlicher Weise von deinem Herzen wie Honig aus einem Stein.“ (Metzger: 2)

Auf diese Weise zu loben und zu preisen, sei es als Leitung eines Teams oder als Mitspieler oder allein, erfordert eine darauf abgestimmte Herangehensweise, wenn es um die Praxis geht. Wir haben 10 Tipps zusammengestellt. Sie sind das Ergebnis von dem, was wir von anderen gelernt haben, und von unserer eigenen, kleinen Erfahrung, wo wir noch sehr am Beginn stehen. Wir sind weit davon entfernt, tatsächlich ‚erfahren‘ zu sein; wir experimentieren viel und unsere Anfänge sind arm und klein. Doch wir fühlen uns gerufen, dieses Arme und Kleine dem Heiligen Geist zur Verfügung zu stellen, damit Er es zum Segen für andere machen kann.

Hier nun die 10 Tipps.

1 Beginne schon die Vorbereitung mit Gebet. Bitte den Heiligen Geist, dich konkret dahin zu führen, was er bei deinem Einsatz tun möchte. Es geht um mehr, als nur Lieder und Akkordfolgen als Grundlage für das freie Spiel auszusuchen.

2 Stelle die richtigen Fragen. Welches Thema ist auf Gottes Herz für unseren oder meinen Einsatz? Welche Bibelstelle „ist dran“ ? Denn die Grundlage des prophetischen Lobpreises ist die Bibel (mehr dazu hier)? Was ist wichtig für die Gemeinde, die Gruppe oder jemand einzelnen? Was möchte der Herr ausgesprochen, gebetet, proklamiert haben? Danach richtet sich Liedauswahl und musikalische Vorbereitung.

3 Übe das spontane freie Spielen und Singen. Vielleicht hört es sich an wie ein Widerspruch, Spontaneität üben zu wollen. Doch es geht. Obwohl spontanes Singen und Spielen nicht mit Prophetischem (hier mehr zu dem Prophetischem) gleichzusetzen ist, ist es doch wichtig. Je mehr Übung du darin hast, um so mehr kann der Heilige Geist auf deine Fähigkeiten zurückgreifen, wenn Er sich in einer bestimmten Weise ausdrücken möchte. Übung und Erfahrung im spontanen, freien Singen und Spielen lassen in dem Charisma wachsen.

Man kann überall im Alltag versuchen, sich mit dem Heiligen Geist zu verbinden und versuchen, zu summen, zu singen und zu beten, wie Er es gerade aufs Herz legt. Deine persönliche Gebetszeit zuhause bietet sich dafür natürlich besonders an. Oder du nimmst einen Teil der Zeit, die du am Instrument verbringst, speziell dafür, zu hören, zu singen und zu beten, am besten mit dem Wort Gottes. Vielleicht fühlt es sich erst ‚komisch‘ an, aber je natürlicher es wird, desto eher ist es selbstverständlich beim Einsatz.

4 Überwinde so gut wie du kannst die Menschenfurcht. Denn es erfordert Mut, auf diese Weise zu loben und zu preisen. David Santistevan sagt dazu sehr treffend:

„Wir müssen uns unseren Ängsten stellen, ‚dumm‘ oder unvorbereitet auszusehen, damit wir tatsächlich in die Freiheit kommen, entspannt zu sein, zu hören und den Heiligen Geist am Werk zu sehen.“ (Santistevan: 2)

Vielleicht sind auch andere Blockaden da, die das freie Singen und Spielen hemmen. Gib alles in Gottes gütige Hände und vertraue darauf, dass Er dir hilft.

5 Bete und spiele schon im Vorfeld die ausgewählte Bibelstelle, nimm sie schon vor dem Einsatz mit ins Gebet und in die musikalische Vorbereitung. In dieser Zeit erspürst du die Richtung des Gebetes beim Einsatz, und vieles offenbart der Heilige Geist schon jetzt von dem, was Er tun will, und Er bereitet dich darauf vor.

Falls ihr im Team spielt, tauscht euch darüber aus, wie die Eindrücke waren. Es ist oft erstaunlich, wie der Heilige Geist führt und schon hier mit dem Team, der Lobpreisleitung und den Mitspielern, in Einheit geht.

6 Als Team ist es optimal, wenn ihr regelmäßig gemeinsam singt und spielt und zusammen in das freie, geistgeleitete Spielen und Singen geht. Mit der Zeit lernt das Team gegenseitig die jeweiligen Charismen, Nuancen, Stärken und Schwächen kennen. Der Heilige Geist bewegt oft das ganze Team, indem er jeden einzelnen wissen lässt, wo es im Gebet und musikalisch hingeht. Jeder hat – entsprechend seines Charisma und seiner Individualität – seinen Platz. So kommt das ganze Team dazu, in Einheit mit Heiligen Geist zu agieren. Je eingespielter das Team, umso besser kann der Heilige Geist das Team in Dienst nehmen. Dieses sollte das Ziel sein, zu größeren Ehre Gottes.

7 Lerne das Wort Gottes immer besser kennen. Die Bibel ist die Grundlage des prophetischen Lobpreises. Verse aus der Schrift zu singen und singend und betend zu interpretieren hat an sich schon eine prophetische Dimension (nochmals mehr dazu hier). Um den Schatz an Bibelworten immer weiter zu vergrößern, auf den der Heilige Geist dann zugreifen kann, ist es sinnvoll, mit der Heiligen Schrift immer vertrauter zu werden.

8 Lerne besonders die Autorität des Wortes Gottes kennen. Die Bibel ist mehr als eine Sammlung von alten Schriften. Sie ist das Wort des lebendigen Gottes, der bis zum Ende der Zeiten durch sie die Wahrheit in die Welt und zu jedem einzelnen spricht. Jesus Christus ist selbst das personifizierte Wort Gottes, und gleichzeitig ist die Bibel sein gesprochenes Wort. Das macht die Autorität aus. Jesus lebt. Er ist ein lebendiger Gott. Durch die Kraft des Heiligen Geistes bewirkt das Wort Gottes ungeahnte Dinge in den Herzen.

9 Werde auch vertraut mit dem Katechismus der Katholischen Kirche. Er dient zwar nicht als direkte Grundlage einer prophetischen Lobpreiszeit, aber er bietet dir ein solides Fundament des Glaubens. Da der prophetische Lobpreis sozusagen von deinem Inneren nach außen geht, ist ein solides Glaubensfundament sehr wichtig. Im Katechismus findest du eine umfassende Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre entsprechend der apostolischen Überlieferung und des Lehramtes der katholischen Kirche. Er eignet sich auch sehr gut zum Nachschlagen nach bestimmten Themen und Fragen.

10 Beim Einsatz: Geh in das volle Engagement. David Santistevan bringt es auf den Punkt:

„Vergiss, wie du aussiehst. Vergiss, wie du dich anhörst. … Wenn es Zeit ist zu spielen, gib dein ganzes Sein in den Lobpreis. … Wenn die Zeit des Lobpreises da ist, vergiss alles andere und lobpreise. Schütte dein Herz aus und engagiere dich ganz.“ (Santistevan: 2)

Und jetzt wünschen wir dir viel Spaß und sehr viel himmlische Freude beim Ausprobieren!

Thomas und Ruth

Quellen:

Santistevan, David: What does it mean to lead prophetic worship?
www.davidsantistevan.com/prophetic-worship/Equipping Local Church Worship Teams, (2012), abgerufen am 12.6.2018 (eigene Übersetzung)

Christopher Metzger, CFR: When does worship music become ‚prophetic worship‘? A message from Father Christopher.
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=950848731628198&, abgerufen am 12.6.2018 (eigene Übersetzung)

Drei Ebenen des Prophetischen bei deiner Lobpreismusik

Beim prophetischen Lobpreis fokussieren wir auf das Prophetische.  Hier war und ist es hilfreich für uns, drei Ebenen des Prophetischen zu unterscheiden. Doch bevor wir zu diesen drei kommen, wollen wir noch einmal besonders darauf hinweisen, dass jeder musikalische Lobpreis selbstverständlich Prophetisches einbeziehen kann. Aber es ist eben nicht selbstverständlich. Wenn wir einfach ein Lied nach dem anderen singen, ist dort schwerlich Platz für prophetische Anteile. Es ist aber jederzeit möglich, bewusst Lobpreislieder in besonderer Weise für den Heiligen Geist zu öffnen, um aus den Liedern heraus in das freie prophetische Singen und Spielen zu gelangen.

Auch wichtig ist der weitere Hinweis vorab, dass selbstverständlich der Heilige Geist schon am Werk ist, wenn wir einfach Lobpreislieder singen. Denn das Wort des Paulus ist wahr: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12, 3).

Und diesen wunderbaren Herrn besingen wir ja zuerst, wenn wir Lobpreislieder singen, sei es aus traditionellem oder aus modernen geistlichen Liedgut. So ist selbstverständlich der Heilige Geist schon gegenwärtig, wenn wir zum Beispiel in der Messe aus vollem Herzen Lieder aus dem Gotteslob singen, vorausgesetzt, es ist für uns mehr als ein leeres Singritual. Auch kann der Heilige Geist durch einfaches Singen von Lobpreisliedern Herzen stark berühren, denn er weht, wo er will und wie er will (vgl Joh 3, 8). Doch dieses meinen wir nicht, wenn wir von prophetischem Lobpreis sprechen.

Beim prophetischen Lobpreis ergeht von uns eine ausdrückliche Einladung an den Heiligen Geist, dass Er unser Beten, Singen und Spielen übernimmt. Wir bitten um die Gabe der Prophetie für den musikalischen Lobpreis. Wir stellen uns dem Heiligen Geist zur Verfügung, um uns in prophetischer Weise für den Dienst an der Gebetsgruppe, dem Hauskreis, der Versammlung oder wo auch immer wir im Einsatz sind, gebrauchen zu lassen.

Wir streben an, dem Heiligen Geist im musikalischen Lobpreis einen besonderen Raum geben, um sich zu schenken und zu wirken. Wir wollen ihm in unserem kleinen, bescheidenen Rahmen einen Landeplatz anbieten, damit Er sein Werk tun kann. Das ist das Wesen des prophetischen Lobpreises. Insofern steht tatsächlich das Prophetische im Zentrum dieses Lobpreises. Das Prophetische berührt dabei drei Ebenen.

1. Erste Ebene des Prophetischen: Das aktuelle Zeugnis über die großen, zeitlosen Heilswahrheiten mit Jesus Christus im Zentrum

Um diese grundlegende erste Ebene tiefer zu verstehen, war es für uns hilfreich zu erkennen, dass das Prophetische ganz selbstverständlich zu uns gehört. Es ist ein Teil von uns als Volk Gottes. Es gehört zu uns, die wir uns Christen nennen. Es ist eines der Zeichen für das ganze Volk des Neuen Bundes, der mit Jesus Christus begründet ist.

So spricht der Katechismus nicht nur vom Volk Gottes  als einem „priesterlichen“ und „königlichem Volk“, sondern auch von ihm als dem „prophetischem Volk“ (vgl. KKK 783, 785). Schon die Predigt des Petrus am Pfingsttag in Jerusalem erwähnt dieses. Petrus nimmt die Weissagung des Propheten Joel auf. Denn diese hat sich am Pfingsttag in Jerusalem, bei der allerersten Herabkunft des Heiligen Geistes erfüllt. Von da an ist sie durch die weiter wirkende Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche lebendig. Petrus rief der Menge zu:

„… jetzt geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: ‚Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.'“ (Apg 2, 16-18)

Das Prophetische als Merkmal des Volkes Gottes – was heißt das? Darin steckt ein Ruf. Es ist der Ruf, Zeugnis zu geben. Ein Zeugnis zu geben für Jesus Christus, und damit für das Heilshandeln Gottes an uns. Die Verbindung zum Prophetischen stellt sich dort her, wo wir erfahren und erkennen, dass wir dieses Zeugnis nicht aus uns selbst heraus geben können.

Dieses Zeugnis zu geben ist schon ein Wirken des Heiligen Geistes. Im Katechismus lesen wir es so:

„Das heilige Volk Gottes nimmt auch Teil am prophetischen Amt Christi, vor allem durch den übernatürlichen Glaubenssinn, … der ihm zu eigen ist. (… Das Volk Gottes) versteht ihn immer tiefer und wird mitten in der Welt zum Zeugen Christi.“ (KKK 785)

Im Buch der Offenbarung in der Bibel finden wir das grundlegende Wort dazu:

„Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“
(Offb 19, 10).

In diesem Wort aus der Offenbarung finden wir den entscheidenden Hinweis darauf, dass das echte und wahre Zeugnis über Jesus Christus untrennbar mit dem Prophetischen verbunden ist. In diesem Sinn nimmt auch Hans-Urs von Balthasar Bezug auf dieses Schriftwort:

„… die Zeugnisablage erfolgt durch den Heiligen Geist, der die rechten Worte über Gott eingibt. Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern der das geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß.“ (Hans-Urs von Balthasar: 99)

Gibt Petrus nicht in seiner Pfingstpredigt ein solches Zeugnis, erfüllt vom Heiligen Geist? Sein Wort trifft eine große Menge von Menschen, über 3000, mitten ins Herz und sie lassen sich taufen (vgl. Apg 2, 41).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet dies, dass wir dieses Zeugnis geben wollen, indem wir die großen, zeitlosen Wahrheiten über Gott singen und beten, mit Jesus Christus im Zentrum.

Die Bibel als Grundlage dieses Lobpreises spielt dabei ein sehr wichtige Rolle (mehr zur Bedeutung des Wortes Gottes im prophetischen Lobpreis siehe hier).

2. Die zweite Ebene des Prophetischen: Gott will durch das Prophetische in eine bestimmte Zeit oder Epoche eingreifen

Josef Kardinal Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI, spricht von einer weiteren wichtigen Funktion des Prophetischen in der Kirche. Er spricht davon, dass Gott durch das Prophetische direkt in einer Zeit oder Epoche handeln und eingreifen will. Wissend um all die Dinge, die Kirche tut, ist doch, so sagt er,

„das Prophetische viel stärker der Raum …, in dem Gott sich vorbehält, selbst immer wieder einzugreifen und die Initiative zu ergreifen.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Weiter führt er aus,

„dass Gott sich durch die Charismen das Recht vorbehält, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fördern und zu heiligen. Ich glaube, diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Er macht dieses Eingreifen vor allem an „großen prophetischen Gestalten“, wie er sie selbst nennt, in der Kirchengeschichte fest. Diese haben sich in Krisenzeiten und an Wendepunkten von Gott rufen lassen und standen an Anfängen von neuen Aufbrüchen und Erneuerungsbewegungen, so zum Beispiel der hl. Mönchsvater Antonius, der hl. Franziskus, die hl. Katharina von Siena oder die hl. Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden

Wir verstehen es auch so, dass Gott viele Menschen rufen und in Bewegung setzen kann, um auf Bedürfnisse einer ganzen Zeit oder Epoche zu antworten. Der kanadische Priester Ghislan Roy sagte einmal:

„Eine ewige Anbetung ist prophetisch“ (siehe hier).

Er meinte damit zuerst eine ewige eucharistische Anbetung, die nonstopp läuft, die aber aus ihren ursprünglichen Orten der Klöster herausgetreten ist und in der Welt mehrheitlich von Laien getragen wird. Wenn man nun die Gebetsaufbrüche um die ökumenisch ausgerichtete Gebetshausbewegung weltweit anschaut und die Initiativen des 24/7-Gebets, die allesamt das 24stündige Rund-um-die-Uhr-Gebet anstreben, egal in welchen Formen, denken wir, dass es nicht zu viel ist zu sagen, dass Gott hier in allen Konfessionen prophetische Zeichen aufrichtet, durch die er in die Welt sprechen will. Auch wir mit unserer Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE verstehen uns als Teil dieser Bewegungen. Was ist ihre Botschaft?

Sie alle rufen in die Welt: Hier ist der eine und einzige Gott, der es wert ist, Tag und Nacht angebetet zu werden. Hier ist der eine, wahre, liebende Gott, der sich Tag und Nacht für dich erreichbar macht. Hier ist der eine, wahre Gott, der dir einen konkreten Ort zeigt, wo er wohnt und wo du ihm begegnen kannst. „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!“ (Joh 1, 39).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet diese Ebene, sich im Lobpreis für die Worte Gottes zu öffnen, die er nicht nur uns persönlich, sondern für unsere Zeit und die Kirche sagen möchte.

3. Dritte Ebene des prophetischen Lobpreises: Gottes Rede in eine bestimmte Situation hinein, für eine bestimmte Gruppe, Versammlung oder Einzelperson

Prophetisches ist auch bekannt, wenn es um das geschenkte Wort in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Gruppe oder für eine bestimmte Person geht. Wir finden es bei Gebetsversammlungen zum Beispiel, oder auch beim Heilungsgebet oder in der Seelsorge. Gerade auch auf dieser Ebene gibt es das geschenkte, persönliche Wort, das helfen, heilen und trösten will.

Im prophetischen Lobpreis heißt diese Ebene für uns, dass wir danach streben, uns ganz dafür zu öffnen, wie Gott uns konkret für den Dienst an einer Gruppe nehmen will. Unsere Erfahrung ist, dass das Wort, so persönlich es auch sein mag, doch immer so diskret ist, dass es nur derjenige, den es betrifft, tatsächlich versteht. Das Singen von Worten hat den Effekt, dass es durch die musikalische Untermalung noch tiefer ins Herz gehen kann.

Die geistliche Unterscheidung ist sehr wichtig, nicht nur bei dieser dritten, sondern bei allen diesen Ebenen des Prophetischen.

Voraussetzung für das Prophetische: die innere Hörfähigkeit

Wenn wir das Prophetische vom inneren Prozess her betrachten, wird deutlich, dass es immer wieder um das Hören geht. Es gibt dieses sehr schöne Lobpreislied, in dem es heißt:

„Herr, bin ich. Sprich, dein Diener hört. Schenk mir die Gnade, deine Stimme zu hör’n, die Gnade, deinen Willen zu tun. Herr, hier bin ich.“

In diesem drückt sich genau dieses Hören aus: Die leise Stimme des Heiligen Geistes zu vernehmen, seine Stimme zu erkennen und immer besser kennenzulernen, seine Eingebungen wahrzunehmen und immer sensibler dafür zu werden, und diesem dann hörend zu folgen. Aus dieser inneren Perspektive des Hörens verstehen wir, dass Josef Kardinal Ratzinger hier den Fokus auf Maria lenkt, die in ihrer Reinheit ganz Hörende und ganz Gehorsame war. Er sagt, dass Maria der „Urtyp der christlichen Prophetie“ ist.

„An ihr definiert man, was Prophetie ist, nämlich diese innere Hörfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, die überhaupt den Zuspruch des Geistes wahrnimmt, ihn verinnerlicht und dadurch fruchtbar macht und in die Welt hineinträgt.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Keine Frage, es ist ein geistlicher Weg, immer weiter ins Hören und in den prophetischen Lobpreis hinein zu kommen. Wir empfinden uns da selbst noch sehr am Anfang, doch wir vertrauen darauf, dass Gott uns weiter helfen wird.

Wenn du dich zum prophetischen Lobpreis gerufen fühlst, hoffen wir, dass du etwas mit diesen Ausführungen anfangen kannst. In einem weiteren Blogbeitrag zum Thema prophetic worship geben wir 10 Tipps für die Praxis. Du findest ihn hier. Viel Freude beim lesen und lobpreisen!

Bis dahin,

es grüßen euch Thomas & Ruth

Quellen:

Hans-Urs von Balthasar: Das Buch des Lammes. Zur Offenbarung des Johannes. Freiburg, 2010

„Das Problem mit der christlichen Prophetie.“ Niels Christian Hvidt im Gespräch mit Kardinal Josef Ratzinger. In: Zeitschrift „Communio“, März/April 1999, S. 177-188