Alle Beiträge von Thomas & Ruth

Auge in Auge mit der Katastrophe – und eine Hoffnung, die im Letzten trägt

Noch während ich, Ruth, dieses schreibe, intensiviert sich von Tag zu Tag der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja auf der beliebten Urlaubsinsel La Palma und hinterlässt eine nicht enden wollende Spur der Zerstörung. Seit Beginn des Ausbruchs am 21. September 2021 sind wir Zeugen einer immensen Naturkatastrophe. Bisher wurden über 1500 Häuser Opfer des glühenden Lavastroms, und ein Ende ist nicht abzusehen. Dank der sehr guten Arbeit der Behörden und Sicherheitskräfte dieser kanarischen Insel wurde und wird die Bevölkerung erfolgreich evakuiert, so dass bisher keine Todesopfer zu beklagen sind.

Lavaströme des Vulkans Kilauea auf Hawaii. Hier treffen die Ausbrüche zum Glück nicht auf besiedeltes Gebiet wie jetzt auf La Palma (verständlicherweise könne wir hier keine Originalbilder des Geschehens zeigen. Bild: @usgs, unsplash.com)

Nicht nur die immer neu gespeisten Lavaströme bereiten auf La Palma Sorgen, sondern auch die Asche und Gase, die inzwischen aus mehreren Schloten kilometerhoch in die Luft geschleudert werden. Es handelt sich bei dieser Asche nicht um die uns bekannte Holz- oder Papierasche, sondern um fragmentiertes und pulverisiertes Lavagestein, das als feiner Ascheregen herabfällt und sich wie ein grauer Schleier auf die Insel legt.  Dieser vulkanische Aschefall ist insofern gefährlich, weil er neben dem klein zerriebenen Gestein auch feinste Glasfragmente und für Menschen und Tiere giftige Substanzen enthält, die sich in der Lunge ansammeln und zu Luftnot, Husten und Lungenvernarbungen führen können.

„Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“

Gestern stieß ich auf ein Video eines Hobbyfilmers auf La Palma (1). Er hatte sich auf dem Vorplatz einer Kirche postiert, zusammen mit vielen anderen Schaulustigen, um aus einiger Entfernung das Geschehen des Cumbre Vieja zu beobachten und zu filmen. Der Aschefall nahm jedoch während seiner Aufnahme in einem Maße zu, dass er sich mit laufender Kamera in die Kirche begab und kommentierte: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“ Als wäre er sich plötzlich der Symbolik seiner Aussage bewusst, wiederholte er immer wieder: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche“, und ließ die Kamera umherschweifen, am Tabernakel vorbei, hin zum ewigen Licht, zurück zum Altar.

Asche und Gaswolke am Mount Bromo, Indonesien 2018 (Bild: @Marc Szeglat, unsplash.com)

Es war tatsächlich sehr berührend, als würde er, angesichts der durchaus greifbaren Gefahr des beeindruckenden, feuerspuckenden Vulkans an eine existentielle Wahrheit erinnert; eine Wahrheit, die wir in dem Bibelwort finden:

„Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!“ (Off 7, 10)

Wie stark stehen wir in dieser Hoffnung? Die Kirche in El Paso, auf dessen Vorplatz viele Menschen standen und gebannt auf den Cumbre Vieja schauten, war leer. Warum wurde dort nicht gebetet? Warum versammelte man sich dort nicht, um den Herrn, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde — so auch über aktive Vulkane –, um Hilfe zu bitten? Ist inzwischen so wenig Glauben zu finden? Wo wären wir selbst in einer solchen Situation?

Auf den Höhen des Cumbre Vieja vor dem Ausbruch (Bild: @flolu, unsplash.com)

Ein gänzlich anderes Geschehen zum Beispiel ereignete sich während eines Vulkanausbruchs 1902 auf der karibischen Insel Martinique. Tatsächlich geschah während des Ausbruchs des Mont Pelée ein eucharistisches Wunder (2).

Das eucharistische Wunder von Morne-Rouge 1902

Der Ausbruch des Mont Pelée auf Martinique kündigte sich 1902 mit leichten Erdbeben an. Am 8. Mai begann der Vulkan Lava und schwarze Aschewolken auszuspucken. In dem 800-Seelen-Dorf Morne-Rouge, das an den Hängen des Vulkans lag, versammelten sich angesichts der drohenden Gefahr die Menschen in der Pfarrkirche. Es wurde Messe gefeiert und das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Stunden verharrten die Dorfbewohner in der Kirche. Der Berg wurde immer unruhiger, und angesichts der Todesgefahr bekannten die Menschen ihre Sünden. Pfarrer Pére Mary sprach eine allgemeine Absolution für alle aus.

Plötzlich rief eine Frau aus: „Das Heiligste Herz Jesu ist in der Hostie!“ Nicht nur sie, sondern sehr viele der Gläubigen sahen dieses. Das Herz Jesu war mit einer Dornenkrone umgeben. Andere sagten, sie sähen Blut aus dem Heiligsten Herzen fließen. Dieses Phänomen dauerte mehrere Stunden an und endete erst mit der Einsetzung der Eucharistie in den Tabernakel (3).

Es war wie ein Wunder: An diesem 8. Mai 1902 wurde Morne-Rouge vom Ausbruch des Vulkans verschont. Die Kleinstadt St. Pierre, die nur wenige Kilometer entfernt an der Küste lag, wurde zur gleichen Zeit durch eine sogenannte pyroklastische Wolke, die plötzlich aus dem Vulkan ausbrach, innerhalb von kürzester Zeit dem Erdboden gleichgemacht.

Die pyroklastische Wolke auf der karibischen Insel Martinique 1902, fotografiert vom Kapitän eines Handelsschiffes, das in letzter Minute aus dem Hafen von St. Pierre fliehen konnte (Bild: https://www.researchgate.net/figure/Mont-Pelee-Martinique-the-black-cloud-of-16-December-1902-as-it-reached-the-sea_fig9_321460145)

Pyroklastische Ströme und Wolken entstehen bei Vulkanausbrüchen, wenn innerhalb des Vulkankegels große Lavagesteinaufbauten kollabieren oder der Kegel selbst kollabiert.  Explosionsartig werden Gase freigesetzt und das Lavagestein unter größter Hitze pulverisiert.  Mit 100-400 km/h und Temperaturen von 200-700 Grad Celsius stürzt eine solche Wolke die Abhänge hinunter und verwüstet alles, was ihr im Weg steht.

Beten wir, dass eine solche Entwicklung den Menschen auf La Palma am Cumbre Vieja erspart bleibt und die Naturkatastrophe ein schnelles Ende findet!

Vulkangebirge auf Martinique (Bild: @Weronika Valencyja, unsplash.com)

Die Geschichte Morne-Rouges ist damit noch nicht zu Ende. Drei Monate später, am 30. August des gleichen Jahres, wurde Morne-Rouge durch einen weiteren Ausbruch des Mont Pelée völlig zerstört, auch durch eine pyroklastische Wolke. Nur die, die sich nicht im Dorf aufhielten, überlebten.

Trotz dieses tragischen Schicksals bleibt der Trost, dass die Opfer der Katastrophe von Morne-Rouge mit Gott versöhnt und im Stand der Gnade in die ewige Freude eingehen konnten. Denn sie hatten angesichts der Todesgefahr ihre ganze Hoffnung auf Christus, den Erlöser, gesetzt.

Der heilige Cyprian, Bischof des antiken Karthago im dritten Jahrhundert nach Christus und bedeutender kirchlicher Schriftsteller, schreibt in seinem Traktat an Fortunatus:

„Wie groß ist die Würde und Sicherheit dessen, der froh von hier Abschied nimmt, der unter Not und Bedrängnis ruhmreich von dieser Welt scheidet, der jetzt die Augen schließt … und sie sofort wieder öffnet, um Gott und Christus zu schauen! … Unversehens wirst du der Erde entrissen, um Bürger des Himmelreiches zu werden.“ (5)

Von all diesen Dingen zu erfahren hat mich doch recht nachdenklich gemacht.  Worauf setze ich  wirklich meine Hoffnung? Was zählt letzten Endes tatsächlich, und trägt durch, selbst in Todesgefahr und über den Tod hinaus?

Jesus Christus, Licht in der Dunkelheit dieser Welt

Papst Benedikt XVI bringt es meines Erachtens auf den Punkt. Er schreibt über unsere christliche Hoffnung:

„Die Hoffnung ist personalisiert. Ihre Mitte liegt nicht in Raum und Zeit …, sondern in der Beziehung zur Person Jesu Christi und im Verlangen nach seiner Nähe.“ (4)

Denn Christus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Durch die Beziehung mit ihm sind wir Erben des ewigen Lebens, das er gibt. Denn:

„Er hat uns in seinem Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben.“ (1 Petr 1, 3)

Eucharistische Anbetung ist Zeichen einer solchen Hoffnung, und gleichzeitig ein Zeichen unseres Verlangens nach der Nähe Jesu.  Sie ist ein direkter Ausdruck davon, die Beziehung mit Jesus Christus zu suchen und vertiefen zu wollen. Denn wir begeben uns in seine lebendige, auferstandene Gegenwart.

Beginnen wir mit der Anbetung schon jetzt, zeigen wir jetzt schon dieses Verlangen, und nicht erst, wenn es brenzlig wird!

VERWEISE
(1) Link des Youtubekanals https://www.youtube.com/channel/UCR-W1hBvmDx4stuEvY3rP2A
(2) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(3) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(4) Benedikt XVI/Josef Ratzinger: Eschatologie – Tod und Ewiges Leben. Verlag Friederich Pustet, Regensburg, 2019, S. 22
(5) Cyprianus von Karthago: Aus einem Traktat an Fortunatus. In: Lektionar (zur Feier des Stundengebetes), Heft 7, 21.-27 Woche im Jahreskreis, Zweite Jahresreihe, Tag des Heiligen Kallistus I (14.10.)
(6) Titelbild: Ausbruch des Ätna im Februar 2021 @ Piermanuele Sberni, unsplash.com

Gott hat eine irdische Adresse!

Die Eucharistie ist mehr als alle anderen das Sakrament, das geglaubt werden muss. Kann Gott, in Jesus Christus, an unzähligen Orten gleichzeitig sein, mit seinem Leib gegenwärtig? Ja, das kann er. Warum sollte er es nicht können, Jesus Christus, der Sohn Gottes, Er, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde? 

„Da trat Jesus auf sie zu und sagte: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ (Mt 28, 18)

Wenn wir glauben, dass Jesus Christus tatsächlich der Sohn Gottes ist und selbst Gott ist als die zweite göttliche Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, ist weniger die Frage, ob Jesus es kann, sondern vielmehr ob er es getan hat.

Spricht also die Heilige Schrift davon, bezeugt es eine Wolke von Zeugen durch die 2000jährige Kirchengeschichte hindurch, zeugen davon eucharistische Wunder?

Ein Blick in die Bibel zeigt uns: Im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums lehrt Jesus über das, was er später beim Letzten Abendmahl tun wird, nämlich Brot und Wein in sich selbst verwandeln: 

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (…) Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. (…) Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6, 41. 55. 58)

Später, beim Letzten Abendmahl, vor seiner Passion, hören wir ihn:

„Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch mit Wein, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14, 22; vgl. auch Mt 26, 17-29; Lk 22, 14-20)

Die Bibel, besonders die überlieferten Jesus-Worte darin, ist der erste herausragende Zeuge für die tatsächliche Gegenwart des Herrn im Allerheiligsten Sakrament.

Kein geringerer nun als Josef Kardinal Ratzinger, später Papst Benedikt XVI, räumt das gewichtigste Argument dagegen aus, Jesus habe das vielleicht nur symbolisch als Erinnerungsmahl gemeint.

Als sich Widerspruch in der Menge erhob, denn was er sagte war ihnen unerträglich (vgl. Joh 6, 58), hätte Jesus den Widerspruch leicht besänftigen können: ‚Hey, nein, so war das nicht gemeint! Nehmt das nicht wörtlich, dies ist nur symbolisch gemeint, ich sage zwar ‚Fleisch‘ und ‚Blut‘, meine das aber nicht wirklich so!’ Nichts davon, nichts von einer solchen Relativierung kommt aus Jesu Mund (vgl. Ratzinger: 78ff). Stattdessen weist er auf seine göttliche Herkunft und Vollmacht hin:

„Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?“ (Joh 6, 62)

Jesus hat es also getan. Durch die zweitausendjährige Kirchengeschichte gibt es unzählige Zeugnisse, eine Wolke von Zeugen, die von Heilungen, Wundern und Ereignissen sprechen, bei denen sich Christus als eucharistischer Christus gegenwärtig und lebendig erweist. Und das sowohl während der Messfeier, als auch in Tabernakeln oder zur Anbetung ausgesetzt in einer Monstranz. Die Ordensschwester Sr. Briege McKenna durfte während ihres Dienstes so manche Heilungen erleben.

So berichtet sie von einem jungen Priester, der voller Angst und Verzweiflung war, weil er Krebs an den Stimmbändern hatte, und er vor einer Operation stand, bei der sein gesamter Stimmapparat wegoperiert werden sollte.

Beim Telefonat empfahl Sr. Briege ihm, wenn er die Messe feiere, doch Jesus zu bitten ihn zu heilen, und zwar direkt während des Kommunizierens, wenn Jesus beim Schlucken doch äußerst nah an den betroffenen Stellen ‚vorbeigehe‘. Er tat dies, und als er zum OP-Termin ging, wurde festgestellt, dass der Krebs komplett verschwunden war (vgl. McKenna: 66). Um es mit Père Daniel-Ange, einem französischen, charismatischen Priester, zu sagen: „Das hätte kein Toastbrot bewirken können!“

Erwähnenswert sind auch die sogenannten eucharistischen Wunder, bei denen sich die Worte Jesu ‚Das ist mein Fleisch‘, ‚Das ist mein Blut‘ sehr konkret als wahr bezeugen, indem konsekrierter Wein sich in Blut verwandelt und konsekrierte Hostien in reale Stückchen von Fleisch. Bei letzteren war mit heutigen wissenschaftlichen Methoden festgestellt worden, dass es sich um menschliches Gewebe handelt, das Anzeichen eines Todeskampfes aufweist.

Eucharistisches Wunder in Liegnitz/Legnica in Polen. Ein fleischähnliches Gebilde löste sich aus der konsekrierten Hostie (Bildquelle: Bistum Liegnitz, Polen)

Carlo Acutis, ein inzwischen selig gesprochener Jugendlicher, hatte es sich als Aufgabe gesetzt, solche eucharistische Wunder zu dokumentieren. Er trug bis zum Ende seines jungen Lebens (er starb 2006 mit 15 Jahren) um die 140 solcher Fälle zusammen, die er auch als Ausstellung konzipierte. Sie sind ein großes Zeugnis für die konkrete Wahrheit der Worte Jesu. Über ein solches Wunder in Polen, das noch gar nicht so lange her ist, gibt es einen Blogbeitrag (siehe hier). 

Jesus hat es also getan, und tut es heute noch. An unzähligen Orten weltweit vergegenwärtigt er sich täglich in den Eucharistiefeiern, an unzähligen Orten weltweit wird sein heiligster Leib unter der Gestalt der Hostie in Tabernakeln aufbewahrt und an unzähligen Orten weltweit wohnt er auf diese Weise mitten unter uns, mit seinem Leib gegenwärtig. 

Gott hat eine Adresse, eine irdische Adresse, wo er aufgesucht werden kann. 

Ohne Zweifel war es ein Höchstmaß an Gnade für das alte Israel, den menschgewordenen Sohn Gottes auf Erden mit seinem Mund predigen und wunderwirkend gesehen zu haben. Doch wie viel wert ist ist seine eucharistische Gegenwart heute, wie kostbar ist sie, wie wertvoll ist es, ihn an seinen heutigen Wohnorten aufzusuchen. 

„Meister, wo wohnst du?“, 

fragten damals seine Jünger. 

„Kommt und seht!“, 

war seine Einladung, und sie gilt noch immer. 

„Da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte, und blieben den ganzen Tag bei ihm.“ (Joh 1, 38-39)

Und wir? Jesus vergegenwärtigt sich nicht in der Eucharistiefeier, damit wir ihn ignorieren, gleichgültig der Kommunion fernbleiben und ihn den Tabernakeln vergessen. Er hat sich nicht in der Hostie unseren leiblichen Augen sichtbar gemacht, damit wir achtlos an ihm vorbeigehen und uns damit begnügen, ihn in den Tabernakeln wegzusperren. 

Nein, er hat sich auf diese Weise vergegenwärtigt, und tut es ständig weiter, damit wir ihn in der Kommunion empfangen, der innigsten Vereinigung, die uns mit Gott möglich ist. Und er vergegenwärtig sich auf diese Weise, damit wir auch heute ‚kommen und sehen‘ können, damit wirunseren Blick auf die Hostie fokussieren können und ihn betrachten und meditieren können.

Er ruft uns  in den Gnadenstrom hinein, der von seiner eucharistischen Gegenwart ausgeht. Wenn wir Jesus anbeten, wird er aktiv.

Er wartet auf unsere Regungen des Herzens, um auf sie zu antworten. Er ruft uns, ihn anzubeten und seine Liebe und Größe zu betrachten, und auch seine Barmherzigkeit, die er uns zukommen lässt, denn wir sind nichts vor seiner Gottheit. 

Kommt lasst uns ihn anbeten!

 

Literatur und Bildnachweise

Les Miracles Eucharistiques dans le Monde. De Guibert, Paris, 2009

Josef Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI: Gott ist uns nah. Eucharistie – Mitte des Lebens. St. Ulrich Verlag, Augsburg, 2001

Sr. Briege McKenna: Miracles do happen. Servant Publications, Ann Arbor/Michigan, 1987

Alle Bilder, bis auf das der Bluthostie, von unsplash.com
Das Bild der Bluthostie mit herzlichem Dank an das Bistum Liegnitz/Legnica, Polen

Wie komme ich gut durch die Krise?

Die Zeiten sind unsicher geworden. Wir erleben dieses besonders für uns als Christen herausfordernd. Wir sind umgeben von schlechten Nachrichten, die auf die eine oder andere Weise Angst hervorrufen können; diese reicht von der Angst vor einem vermeintlich massenhaft todbringenden Virus bis zu der Angst vor der Zukunft, in die unsere Gesellschaft in Gefahr ist zu gehen.

Was kann hier unsere Herausforderung und Aufgabe als Christen sein? Jesus sagt uns in der Bibel:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12)

Jesus sagte dieses nicht in aus seiner ganz persönlichen Komfortzone heraus. Das alte Volk Israel war zu seiner Zeit auf Erden von den Römern besetzt, und diese waren nicht zimperlich als Besatzungsmacht. Jesus selbst wurde von seinem eigenen Volk abgelehnt, und die Schlinge um ihn und seine Getreuen zog sich im Laufe seines Lehrens und Wirkens immer mehr zu. Nicht von allen kam zwar die Ablehnung, denn das einfache Volk folgte ihm; und eine kleine Schar von Aposteln und Jüngern gehörte zu seinen ganz Treuen. Und doch wurde die Bedrohung um ihn immer größer.

Aber Jesus zeigt nirgendwo Entmutigung. Er zeigt nirgendwo Resignation, im Gegenteil. Er sagt von sich selbst, dass er das Licht ist und verheißt seinen Jüngern und Nachfolgern,  dieses  Licht des Lebens zu haben, und in dieser Welt ein Licht in der Dunkelheit zu sein.

Wenn Jesus als Sohn Gottes, der selbst Gott ist, eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist (vgl. Joh 10, 30), dieses sagt, können wir davon ausgehen, dass er uns alle Hilfe dazu schenkt, um auch in schwieriger werdenden Umständen „Licht“ sein zu können.

Licht zu sein kann vielleicht heißen, diejenigen zu stärken, die von der aktuellen Situation schwer getroffen sind, oder konkrete Hilfe denen zu leisten, die jetzt am meisten leiden, oder Zuspruch und Hilfe denen geben, die am Rande der Verzweiflung sind. 

Dazu braucht es für einen selbst ein eigenes, festes Gerüst, sowohl in emotionaler als auch in geistiger und geistlicher Hinsicht. Wir glauben, dass in dem Maße, indem wir aus der Kraft Gottes leben, unser gesamtes Gerüst gefestigt wird. Um dann genau fähig zu sein, dieses Licht in der Welt immer mehr zu werden, unabhängig von den Umständen.

Vielleicht ist gerade nicht alles möglich, was früher gangbar war, um diese Kraft gemeinsam bei Gott zu tanken. Doch wie wichtig ist es heute, das zu nutzen, was möglich ist, um das eigene, innere Gerüst zu festigen. 

Insofern möchten wir hier dazu ermutigen, gerade jetzt das persönliche Gebetsleben zu verstärken.

Warum nicht jetzt mit einer persönlichen Gebetszeit starten? Oder sie zu intensivieren?

Warum nicht gerade jetzt die Gottesdienste besuchen, die möglich sind, auch wenn es komplizierter ist?

Warum nicht gerade jetzt mit persönlicher Bibellesung beginnen, um sich aus dem Wort zu nähren? Oder eine solche zu intensivieren?

Während einer Anbetungszeit vor dem Allerheiligsten durfte ich (Ruth), eine solche Stärkung erleben (wir tragen hier die Anbetung entsprechend der Corona-Bedingungen durch; falls dich das interessiert, melde dich gern direkt bei uns). 

„Ich war innerlich sehr unruhig und gestresst, und ich merkte, dass die nicht enden wollende Lockdown-Situation etwas mit mir macht, im negativen Sinn, dass sie mich immer mehr herunterzieht und ich meinen positiven Fokus verliere. Doch auf einmal spürte ich eine neue Kraft in mir, die mich immer mehr erfüllte. Nichts war verändert, nur auf einmal war diese neue, erfrischende Kraft in mir, verbunden mit einer großen Sicherheit, dass Jesus Christus, der hier vor mir im Allerheiligsten Sakrament war, tatsächlich alles in der Hand hält, und dass ich keine Angst zu haben brauche.“

Wir hoffen, dass wir dich, der du dieses liest, ermutigen konnten und dich auch anregen konnten, einmal mehr auf Jesus zu vertrauen, gerade jetzt in diesen unsicheren Zeiten.

Der Christus-in-uns bewirkt Liebe und Heilung

„Eines Tages“, so berichtet Kardinal Nguyen van Thuan aus seiner Zeit im Gefängnis, in dem er 13 Jahre unter dem vietnamesischen, kommunistischen Regime inhaftiert war, „fragte mich der Gefängniswärter: ‚Lieben Sie uns?‘ – ‚Ja, ich liebe euch.‘ – ‚Aber wir haben Sie so viele Jahre im Gefängnis gehalten ohne Prozess, ohne Verurteilung, und Sie lieben uns? Das ist unmöglich, das kann doch nicht wahr sein!‘ – ‚Ich bin viele Jahre bei Ihnen gewesen, Sie haben es gesehen, es ist wahr.‘ – ‚Wenn Sie in Freiheit sein werden, schicken Sie dann nicht Ihre Anhänger, um unsere Häuser niederzubrennen und unsere Angehörigen umzubringen?‘ – ‚Nein, auch wenn ihr mich umbringen wollt, liebe ich euch.‘ – ‚Aber warum?‘ – ‚Weil Jesus mich gelehrt hat, alle zu lieben, auch die Feinde. Wenn ich es nicht tue, bin ich nicht mehr würdig, Christ genannt zu werden.‘ – ‚Das ist wirklich sehr schön, aber schwer zu verstehen.'“ [1]

Bischof Nguyen van Thuan im Gefängnis (gemalt, Bildnachweis: https://worldmissionmagazine.com/archives/march-2018/francis-van-thuan-hero-faith)

Kardinal Ngyun van Thuan war damals noch Bischof von Saigon in Vietnam, heute Ho-Chi-Min-Stadt. Er gibt ein Zeugnis davon, wie weit die Lehre Jesu in seinem Leben lebendig wurde, wie sehr sie in seinem Leben „Fleisch geworden“ ist. Er lebte eine Liebe, die für uns aus eigener Kraft nicht möglich ist. Er lebte das, was er an anderer Stelle beschreibt:

„Jesus handelt immer aus Liebe. Aus dem feurigen Innern der Heiligsten Dreifaltigkeit hat er eine große, unendliche, göttliche Liebe zu uns gebracht, eine Liebe, die – wie die Väter sagen – bis zur Unvernunft reicht und unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt“ [2].

Doch wie kommen wir zu einer solchen Liebe, die unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt? Wie kommen wir dazu, so etwas überhaupt zu wollen? Etwas, das wir aus uns heraus, auch beim besten Willen, gar nicht können?

Der bekannte katholische Theologe Romano Guardini gibt darauf eine Antwort. Es ist der Christus-in-uns, der „innewohnende Christus“ [3], aus dem heraus wir so handeln. Aus ihm heraus können wir erst solches wollen und leben.

Denn aus diesem In-uns-sein heraus wirkt Christus. Von hierher kommt die Liebe. Von hierher kommt die Kraft, die Liebe zu leben. Von hierher kommt sogar das veränderte Wollen. Jetzt erst beginnt, so Guardini weiter,

„die Umwertung der Maßstäbe, die Umwandlung des Herzens, der Umbau des Denkens.“ [4] 

Kardinal Nguyen van Thuan gibt uns ein Zeugnis dafür, welche Liebe mit Christus möglich ist. Und gleichzeitig wissend, dass es nichts ist, wessen sich jemand rühmen könnte (vgl. 2 Kor 11,18), denn wenn solches da ist, ist es von Gott [5].

Christus in uns – das ist erstaunlich. Denn nach unserem Glauben ist Christus wirklich in uns. Nicht nur symbolisch. Nicht nur in unserer Vorstellungskraft. Er ist wirklich, als ganzer Christus, mit Leib und Blut in uns gegenwärtig. So empfangen wir ihn in der Kommunion.

Dass Christus wirklich in uns ist, ist tatsächlich schwer vorstellbar und übersteigt ebenso unsere menschlichen Maßstäbe. Nicht ohne Grund zeigt schon die Bibel, dass dieses Ungeheuerliche, als Jesus die Eucharistie ankündigt, den Großteil seiner Jünger in die Flucht schlägt (vgl. Joh 6,54-70). Doch eines konnten die Jünger noch nicht wissen, und Jesus in Karfanaum deutet es bei seiner Ankündigung der Eucharistie nur an [6].

Denn bezüglich seines Innewohnens sprach der Herr von seinem auferstandenen und verklärten Leib, gewirkt durch den Heiligen Geist. Romano Guardini schreibt dazu:

„Der Heilige Geist hat im Menschen eine Offenheit aufgetan, einen Innenraum geschaffen, in welchen der verwandelte Herr eintreten konnte. Nun ist Er in uns, und wir in Ihm – im Heiligen Geiste.“[7]

Und weiter: Der verwandelte Herr ist der

„verklärte, vergeistigte und gleichzeitig leibhaftige Jesus (…) sein ganzes Wesen (ist) verwandelt, offengemacht, aus den Schranken der irdischen Körperlichkeit herausgehoben, zu reiner Wirksamkeit frei geworden. Für diesen Christus gibt es keine Schranken, auch nicht die der Person. Er kann dem glaubenden Menschen innesein.“ [8]

Der auferstandene Christus ins Bild gebracht (Bildnachweis: http://enterarena.blogspot.com/2011/07/art-stone-rolled-away-revealing-risen.html)

Aus diesem In-uns-sein heraus wirkt Christus. Von hierher kommt die Liebe. Von hierher kommt die Kraft, die Liebe zu leben. Von hierher kommt sogar das veränderte Wollen. Jetzt beginnt es, dass wir, so Guardini,

„in das Denken Christi hinein umdenken, in seine Gesinnung umsinnen, unser Leben nach seinem Bilde ändern.“[9]

An diesem Punkt kommt ebenso Heilung ins Spiel. Denn Gott sieht, dass es nicht immer böser Wille ist, wenn wir beim inneren Umbau zu mehr Liebesfähigkeit so oft nicht daran heranreichen. Er sieht voller Barmherzigkeit und Liebe unsere Unwissenheit, unsere Schwäche, die inneren Hindernisse und Blockaden, und er kennt unser Unbewusstes, das auf unser Denken, Handeln und Wollen wirkt. Er will uns helfen und ist bereit, alles zu geben, damit Christus in uns immer größer wird.

Dazu vor allem will er uns heilen. Und bedeutet das Innewohnen Christi nicht zuallererst, aus ihm heraus immer mehr lieben zu können, echt und authentisch?

So hat das innere Heilwerden ein Ziel. Es geht immer in die Richtung, dessen, was Paulus den neuen Menschen, Neuschöpfung, nennt (vgl. 2 Kor 5,17). Dieser neue Mensch ist ein Mensch der Liebe. Mit Christus in uns ist genau dieser neue Anfang geschenkt. Es ist der Anfang des neuen Menschen in uns. Als Christen ist es unser Ruf, diesen Anfang zu vollziehen, immer mehr Neuschöpfung zu leben, sogar bis dahin, dass es unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt. Vor allem in Bezug auf die Liebe.

Der Prozess des Neuwerdens, und damit verbundene, innere Heilungsprozesse, geschehen jeweils ganz individuell. Denn die Gestalt Christi in uns will sich immer individuell ausdrücken, und so ist auch der Weg dorthin. Christus im Menschen ist, noch einmal mit Guardini gesprochen,

„in jedem einzelnen anders, nach der Weise seines Wesens: Anders im Mann als in der Frau, anders im Kind als im Erwachsenen, anders in dieser Begabung als in jener. Verschieden nach den verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten; nach Freude oder Schmerz, Arbeit oder Menschenbegegnung. Immer aber Er.“[10]

Beim genaueren Hinsehen steht nicht nur die innere Heilung im Rahmen, den in uns gesetzten Anfang der Neuschöpfung zu vollziehen, sondern auch die körperliche Heilung. Oft wirkt Gott Heilungen, um genau diesen Anfang der Neuschöpfung in einem Menschen zu setzen.

Denn immer ist eine Heilung des Leibes in Jesu Namen mit einer Erfahrung der Liebe Gottes verbunden. Wie oft ist es für denjenigen eine Offenbarung, dass Christus der Herr ist; eine Offenbarung, die zu einer Entscheidung ruft. Oder aber durch ein solches besonderes Ereignis der Gnade wird schon vorhandener aber schwach gewordener Glaube neu entflammt und bringt neu auf den Weg.

Wir glauben, dass es in dieser Zeit eines besonderen Wirken des Heiligen Geistes und besonderer Zeugnisse bedarf, um den Leib Christi aufzubauen, sei es durch heroisch gelebte Liebe wie bei Kardinal Nguyen van Thuan, sei es durch Heilungen, geistig, psychisch und leiblich, oder andere Ereignisse der Gnade. Bitten wir den Herrn um das Allerwesentlichste, das all diesem vorausgeht: Dass Christus in uns groß werde.

 

Verweise und Quellen

Alle Bilder, außer denen mit Bildnachweis, sind urheberrechtlich frei.

[1] Kardinal Nguyên Van Thuán, François-Xavier: Hoffnung, die uns trägt: die Exerzitien des Papstes. Freiburg i.Brsg., Basel, Wien, 2001, S. 76

[2] Kardinal Nguyên Van Thuán, François-Xavier: Hoffnung, die uns trägt: die Exerzitien des Papstes. Freiburg i.Brsg., Basel, Wien, 2001, S. 28

[3] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 558ff

[4] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 531

[5] vgl. auch Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 534

[6] Jesus Christus deutet es an mit seinem Wort bei der eucharistischen Rede in Karfanaum: „Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts.“ (Joh 6, 61-68)

[7] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 527

[8] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 550, 551

[9] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 535

[10] vgl. Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 554

 

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