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Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche. Es könnte den Eindruck entstehen, dass der Hirsch als neuer Bestandteil von Weihnachten etabliert werden soll, um das Fest noch weiter von seinem christlichen Inhalt zu entkernen und von der eigentlichen Botschaft abzulenken, der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus.

Eine weitere Entkernung, so wie der rot-weiße Coca-Cola-Mann nicht nur den heiligen Bischof Nikolaus immer mehr verdrängen will, sondern auch das „Christkind“ an Weihnachten selbst. Doch um dieses „Christkind“ geht es ja: Weihnachten = die geweihte Nacht der Geburt Jesu Christi. Advent = vom lateinischen Wort advenire abgeleitet, das bedeutet „ankommen“; also  Adventszeit, die Erwartung der Ankunft Christi auf Erden, die Erwartung der Menschwerdung Gottes. Und nun mittendrin im unvermeidlichen Weihnachtsgeschäft Hirsche, Hirsche, Hirsche.

Eine geistliche Rückbindung

Vielleicht ist der Hirsch in der adventlichen und weihnachtlichen Zeit gar nicht so schlecht gewählt, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt. In der Bibel kommt der Hirsch an einigen Stellen vor. So heißt es zum Beispiel im Buch der Psalmen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen, und Gottes Antlitz schauen?“ (Ps 42, 2-3)

Hier wird der nach Wasser lechzende Hirsch ein Bild für den Menschen, der Sehnsucht nach Gott hat. Übrigens, der Antrieb für die Wanderungen eines Hirsches oder von Hirschherden ist zuallererst, die beste Nahrung und das reinste Wasser zu finden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Symbolik des Hirschen noch einmal eine besondere Note.

Im biblischen Hohelied der Liebe, diesem großartigen Liebesgesang zwischen Bräutigam und Braut, der als mystische Hochzeit zwischen Gott und der Seele gedeutet wird, begegnet uns ebenso der Hirsch. Dort spricht im Zwiegespräch der Liebe die Seele:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. (…) Der Geliebte spricht zu mir: ‚Steh auf, meine Schöne, so komm doch!'“ (Hld 2, 8-10)

Der Hirsch ist hier ein Bild für den Geliebten, ein Bild für Christus selbst. Es ist ebenso ein Bild der Sehnsucht, dieses Mal für die Sehnsucht Gottes nach uns, sein Verlangen nach den Menschen. Er kommt, läuft, ’springt‘ herbei, nichts kann ihn aufhalten, es eilt ihn, die Sehnsucht treibt ihn an, angetrieben von seiner unfassbaren Liebe für uns und gerufen von der Sehnsucht des Menschen. Gibt es ein schöneres Bild für den Advent, die heilige Zeit der Erwartung?

Hirsche – es scheint, als würde die sich immer säkularer gebärdende Gesellschaft doch unbewusst eine tiefe geistliche Symbolik aufgreifen. Vielleicht ist es tatsächlich kein Zufall, dass dieses zudem auch noch in der adventlichen Zeit geschieht.

Denn mit Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu Christi, erfüllt sich diese Sehnsucht, die in diesen starken mystischen Bildern ausgedrückt wird. Christus ist geboren, und mit der Ankunft des Erlösers in der Welt, nimmt die konkrete Erlösung des Menschen seinen Anfang.

Jesus Christus ist es, der die tiefste existentielle Sehnsucht des Menschen nach dem reinsten Wasser der Wahrheit in einer von Schmutz und Lüge durchsetzten Welt erfüllt.

Jesus Christus ist es, der die Sehnsucht der Seele nach ewigem Leben in der Vereinigung mit Gott erfüllt, diesem niemals endenden Fest der Liebe und Freude. Eine Vereinigung, die mit und durch Jesus Christus schon heute auf Erden beginnen kann.

Jesus Christus ist es, der dem Menschen durch sein Kreuz den Weg zurück in die Arme des Vaters geöffnet hat, die Gemeinschaft mit Gott. Und dieses ist bis zum Ende der Zeiten eine Einladung an alle, und es wird wahr für jeden, der es annimmt.

Und, für uns schwer zu fassen und doch wahr: Hier erfüllt sich Gott auch seine eigene Sehnsucht nach dem Menschen. Unaussprechliches Geheimnis Gottes! Unaussprechliches Geheimnis der Liebe. Voller Staunen und Verwunderung war Mutter Mechthilde de Bar, die Gründerin der Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, darüber, dass Gott sich sehnt. Er sehnt sich nach uns. Obwohl er doch als Gott nichts benötigt, mehr noch: obwohl er doch

“die unendliche Fülle selbst ist und er allein die Macht hat, alle Sehnsucht zu stillen.” (1)

Und doch ist es so. Gott braucht den Menschen nicht, er braucht nichts und niemanden, damit seine Sehnsucht gestillt wird, er braucht sich noch nicht einmal nach irgendetwas zu sehnen, denn in ihm ist kein Mangel. Aber er will den Menschen retten und erlösen, er will sich nach ihm sehnen, er will sich herabneigen und in diese Sehnsucht hinein begeben. Der Prophet Jeremia spricht von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt. Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.“ (Jer 31, 3-4)

Von der Sehnsucht Gottes hören wir ebenso beim Propheten Jesaja, dessen Texte in der adventlichen Zeit gelesen werden:

„Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, ‚Herr der Heere‘ ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, ‚Gott der ganzen Erde‘ wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott. Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ (Jes 54, 4-7)

Und immer wieder trägt die göttliche Sehnsucht das Bild der Hochzeit und des hochzeitlichen Mahles, der Sehnsucht des Bräutigams nach der Braut, der Vermählung der Seele mit Gott, die die intimste Vereinigung mit Gott in reiner Liebe ist.

Unübertroffen wieder im Hohelied spricht der Bräutigam, Gott, zur Braut, der Seele:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen, auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8, 6-7)

Hirsche, Hirsche, Hirsche — sind sie doch genau betrachtet eine tiefe, geistliche Symbolik in der heiligen Zeit der Erwartung des Erlösers, Advent, in der wir diese Sehnsucht feiern, dieses Handeln Gottes an uns, und unserer  Sehnsucht einen ganz persönlichen Ausdruck geben können.

Vielleicht ist der Advent in diesem Sinne eine Zeit, sich dieser Sehnsucht wieder bewusst zu werden. Und wenn wir die vielen Hirsche, Rentiere, Rehe, Kitzlein oder was auch immer als Dekorationsmaterialien sehen, diese mit einem inneren Lächeln als Erinnerung an diese wunderbaren Verheißungen zu nehmen, die uns gegeben sind.

Einen herzlichen Gruß euch allen!
Thomas und Ruth

PS: Vielleicht weiß einer von euch etwas mehr über die genauen Umstände, wie es dazu kam, dass der Hirsch so präsent im Weihnachtsschmuck geworden ist. Wir finden es durchaus wichtig, um den Prozess der fortlaufenden Entkernung des Weihnachtsfestes von seinem eigentlichen Sinn besser zu verstehen, damit wir darüber aufklären und die eigentliche Botschaft von Weihnachten immer wieder neu ins Zentrum rücken können. Gerne eure Infos in den Kommentaren oder per persönlicher Email!

(1) Rechercheheft 28: „Der wahre Geist der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares“. Hrsg.: Benediktinerinnen Köln, 2010, S. 3

 

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper, es dauerte an, bis er in eine tiefe Ruhe kam. Es war an einem Abend in Medjugorje, einem kleinen, damals noch unbedeutenden Dorf in Bosnien und Herzegowina. Ein Priester der Pilgergruppe trug im Haus der Gastgeber Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch die dort versammelte kleine Menschenmenge und segnete. Als Thomas-Maria fiel, stürzte eine Frau neben ihm auf die Knie und rief: „Ich glaube!“ Während er dort lag, sah er in seinem Inneren, wie sich die Hostie in ein riesiges, pulsierendes Herz verwandelte, so groß wie der Raum, in dem er sich befand. Ströme von Liebe und Frieden flossen auf ihn herab und erfüllten ihn.

Jesus in Medjugorje

Dieses Ereignis der Gnade hat Thomas-Marias Leben bis heute grundlegend verändert. Als junger, suchender Mann war er von Deutschland mit einer Pilgergruppe zu diesem gerade neu entstehenden Wallfahrtsort gekommen, als ein Suchender nach Sinn, Liebe und Antworten für sein zweifelndes und mitunter einsames und verzweifeltes Herz. Zwar katholisch getauft, war er doch aufgewachsen, ohne Gott tatsächlich kennengelernt zu haben, hatte Ausflüge in die Esoterik hinter sich und kannte so gut wie nichts vom christlichen Glauben. Wer Jesus Christus ist, war für ihn unbekanntes Land. Eucharistie? Völlig unverständlich. Er musste verrückt gewesen sein, sich auf diese Wallfahrt nach Bosnien und Herzegowina eingelassen zu haben, so hatte er gestern noch gedacht, und noch dazu jetzt an einem Ort zu sein, wo Maria, die Mutter Jesu, – so wie ihm erzählt worden war -, einer Gruppe von Jugendlichen erschien. Verrückter ging es nicht.

Medjugorje ist heute mit ungefähr einer Millionen Pilger jährlich einer der größten Gebetsstätten der katholischen Welt

Das viele Beten der Christen um ihn herum war ihm unverständlich, und noch unverständlicher, wie viele an diesem Abend im kleinen Aufenthaltsraum ihrer Unterkunft vor diesem goldenen und kostbar gearbeiteten Zeigegefäß mit einem weißen, runden „Ding“ in der Mitte anbetend auf die Knie gingen, sich verneigten oder in anderer Weise ihre Ehrfurcht ausdrückten, als der Priester segnete. Was war das?

Es zog ihn unwiderstehlich an. Er wollte es berühren, das „Ding“, und drängte nach vorn, zum Priester hin. Als seine Hand das Glas vor der Hostie traf, wurde er mit dieser Macht zu Boden geworfen. Es war eine überwältigende Liebe, die ihn fallen ließ. Thomas-Maria erlebte eine Liebe, eine Freude und einen Frieden, wie er sie noch nie erfahren hatte, und die man „als nicht von dieser Welt“ (vgl. Joh 14, 27) bezeichnen dürfte. Jesus offenbarte sich ihm mit seinem göttlichen, eucharistischen Herz so voll Liebe, dass Thomas-Maria, der Raum und alles darüber hinaus sie nicht zu fassen vermochten, sie war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Thomas-Maria wurde von einer übernatürlichen Wirklichkeit berührt. Radikal. Er wurde von einer Realität getroffen, die mit unseren Sinnen nicht fassbar und wahrnehmbar ist. Außer sie offenbart sich uns. Vielleicht ist es gerade für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht einfach, die übernatürliche Realität Gottes als Wirklichkeit zu erkennen. Denn wir sind eher geprägt von einem neuzeitlichen Atheismus, der alles Übernatürliche , jeglichen Glauben an unsichtbare Mächte und Kräfte verneint und schnell mit märchenhafter Legendenbildung abtut. In einer solchen Gedankenwelt, die sich allein auf Bedürfnisse und Anliegen des irdischen Hier und Jetzt bezieht, und in der der Mensch allein Gestalter und Schöpfer seiner Geschichte ist, hat „Gott“ keinen Platz. Wie alles außerhalb des sinnlich Wahrnehmbaren werden in atheistischen Denkschemata auch Jesus Christus, die heiligste Dreifaltigkeit, die Welt der Engel und Heiligen und die bösen Kräfte der Dämonen als Phantastereien gedeutet, die sich der Mensch aus welchen Gründen auch immer ausgedacht hat.

Wegen der Dinge, die dem Menschen inzwischen möglich sind, denken viele, dass es Gott nicht gibt.

Thomas-Maria gehörte nun nicht der vergleichsweise recht kleinen Gruppe von ausgesprochenen Atheisten an, die jegliches Übersinnliche ausdrücklich zurückweisen. Es war bei ihm eher die heute bei uns weit verbreitete agnostische Haltung, die irgendwo doch ein transzendentes Wesen vermutet, über das man aber aus menschlichem Unvermögen heraus keine Aussage machen kann und das sich auch nicht offenbart. Faktisch hatte ein solches Denken bei Thomas-Maria nun doch damit geendet, wie ein Atheist zu leben, also einfach ohne Gott oder irgendeine andere Religion zu sein und sich letztlich allein mit dem Irdischen zu begnügen. Doch eine diffuse Unzufriedenheit mit einer solchen entzauberten und kalten Welt hatte sich mehr und mehr Bahn gebrochen, und in ihm pochte das Verlangen nach einer Erfahrung, die über sein Dasein hinauswies. Die Esoterik versprach viel und hielt wenig. Und jetzt war er hier. Lag auf dem Boden, und die Liebe Gottes durchströmte ihn.

Ja, er hatte gerade noch die Hostie gesehen, das „weiße Ding“, und es hatte ihm nichts gesagt, nur neugierig gemacht. Bevor nicht Gott selbst ihn mit seinem Strahl der Gnade traf und Licht gab, das Licht des Heiligen Geistes, wurde er von seiner sinnlichen Wahrnehmung getäuscht. Das soll Jesus sein? „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“, schrieb schon Thomas von Aquin in seinem berühmten Hymnus über die Eucharistie (Gotteslob Nr. 497). Wenn schon im atheistisch, agnostisch und materialistisch geprägten Zeitgeist jegliches Übernatürliche, und damit auch Gott an sich verkannt wird, wie schwer anzunehmen sind dann höchste geistliche Wahrheiten, wie die eucharistische Gegenwart Jesu? Brot gleich Jesus? Oblate gleich Jesus? Das ist doch verrückt, Torheit, widersinnig, lächerlich – aus einer Perspektive ohne das Licht der Gnade.

In diesem unscheinbaren Aufenthaltsraum in Medjugorje ist etwas Großes geschehen. Jesus Christus hat sich einem Herzen offenbart und die Blindheit einer Seele geheilt, die ihn nicht zu sehen vermochte. Noch mit der Hostie vor sich, war sie blind. Doch Jesus Christus hat sich Thomas-Maria als Retter und Erlöser genähert und ihm angeboten, in die innigste und lebenskräftigste Beziehung einzutreten, die möglich ist, nämlich die mit ihm, Jesus. Und durch ihn mit dem himmlischen Vater. Jesus hat hier, als die letzten Sonnenstrahlen eines heißen Tages durch die Fenster des Aufenthaltsraumes schienen, seine vornehmste und erste Aufgabe als Messias erfüllt.

Als wir Thomas-Maria einige Jahre nach diesem Ereignis kennenlernten und er uns seine Geschichte erzählte, waren wir einmal mehr ermutigt. Es zeigte uns doch, dass Jesus alle Mittel in der Hand hat, alles mit radikaler Gnade überwinden zu können. Danke an Thomas-Maria, dass wir hier sein Zeugnis geben dürfen.

Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron, und zwar im Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Offb 5, 8-9)

Wenn wir aus der Bibel das hinzu nehmen, was diese geschilderte Situation umgibt, sehen wir vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron, umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, und unzähligen Engeln und anderen, vielleicht unbekannten Lebewesen; alle sind gemeinsam im Lobpreis des Lammes vereint.

Vielschichtig ist dieses Bild für eine geistige Realität, die es aussagen will. Hier wollen wir jetzt den Fokus auf Folgendes richten: auf die Anbetung des Lammes mit Musik und Gesang.

Dass Musik (die Harfe stellvertretend für jegliche Musikinstrumente) und Gesang hier im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Auch dass wir dieses hier in einer Situation sehen, in der wir uns sozusagen „im Himmel“ befinden, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird, will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Konkreter: dass wir geradezu dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dieses in Gemeinschaft mit allen Geschöpfen, Engeln und Heiligen?

Die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Doch sie betont ebenso, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, nicht aufgehoben ist.

Doch wurde das selbstverständliche Mitschwingen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Aber auch nach dem Sündenfall entspricht es dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk! In seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart Christus anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Wir hoffen, dass euch dieser Beitrag ermutigt hat, mit Anbetung und Lobpreis weiterzugehen!

Es grüßen euch,

Thomas und Ruth

Quellen:
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei.

10 Tipps für deine Praxis des prophetischen Lobpreises

„Es ist ein wunderschöner Tag, aber ich kann ihn nicht sehen.“ Diese Worte auf dem Pappkarton des blinden Bettlers in einer Fußgängerzone erregten Mitleid. Als ich dieses in einem Video sah, kam mir unwillkürlich der Gedanke: Schaut nicht Gott ebenso mit so viel Mitleid auf uns, weil wir oft die Schönheit seiner Wirklichkeit nicht sehen können, weil wir blind sind, in geistiger Weise? Blind für Gott, der unsere Augen öffnen möchte? Hier sind wir direkt bei dem, worum es uns im prophetischen Lobpreis eigentlich geht: Die Schönheit Gottes sichtbar zu machen, für die wir oft so blind sind. Bevor wir zu den 10 Tipps kommen, ist es notwendig, kurz auf diese Aufgabe des prophetischen Lobpreises hinzuweisen.

Wir streben an, denjenigen sichtbar zu machen, der uns liebt, rettet und heilt: Jesus Christus. Wir fühlen uns mit dieser lobpreisenden Musik gerufen, Gottes Herz in eine Situation zu geben. In die Präsenz und Schönheit Gottes zu führen, so wie Er es gerade in einem bestimmten Moment tun möchte.

Wenn wir Gottes Herz und Schönheit in eine Situation geben möchten, setzt das voraus, dass wir selbst im Austausch mit Gottes Herz stehen. Prophetischer Lobpreis beginnt innen und führt von da nach außen. Deshalb spricht Pater Christopher Metzger, einer der Franciscan Friars of the Renewal, davon, dass dieser Austausch der Herzen beim prophetischen Lobpreises wesentlich ist:

„Dieser intime Austausch der Herzen ist ein wesentlicher Aspekt des prophetischen Lobpreises. Wenn wir im Lobpreis sind, gibt es zwei Bewegungen. Eine ist die Enthüllung der Gedanken und Gefühle unserer Herzen hin zu Gott, die andere ist die Offenbarung der Gedanken und Gefühle Seines Herzens hin zu uns.“ (Metzger: 2)

Wenn der Heilige Geist uns für diesen intimen Austausch der Herzen öffnet, beginnt das hörende Singen, Spielen und Beten, das auf einer sehr tiefen Ebene des Herzens stattfindet. Pater Christopher benutzt hier ein sprechendes Bild, das auch den übernatürlichen Charakter des prophetischen Lobpreises hervorhebt, er spricht von „Honig, der aus einem Stein fließt“:

„Wenn der Geist dein Herz mit nur einem winzigen Bruchteil der Zärtlichkeit berührt, die der Vater für dich hat, dann fließt der prophetische Lobpreis in übernatürlicher Weise von deinem Herzen wie Honig aus einem Stein.“ (Metzger: 2)

Auf diese Weise zu loben und zu preisen, sei es als Leitung eines Teams oder als Mitspieler oder allein, erfordert eine darauf abgestimmte Herangehensweise, wenn es um die Praxis geht. Wir haben 10 Tipps zusammengestellt. Sie sind das Ergebnis von dem, was wir von anderen gelernt haben, und von unserer eigenen, kleinen Erfahrung, wo wir noch sehr am Beginn stehen. Wir sind weit davon entfernt, tatsächlich ‚erfahren‘ zu sein; wir experimentieren viel und unsere Anfänge sind arm und klein. Doch wir fühlen uns gerufen, dieses Arme und Kleine dem Heiligen Geist zur Verfügung zu stellen, damit Er es zum Segen für andere machen kann.

Hier nun die 10 Tipps.

1 Beginne schon die Vorbereitung mit Gebet. Bitte den Heiligen Geist, dich konkret dahin zu führen, was er bei deinem Einsatz tun möchte. Es geht um mehr, als nur Lieder und Akkordfolgen als Grundlage für das freie Spiel auszusuchen.

2 Stelle die richtigen Fragen. Welches Thema ist auf Gottes Herz für unseren oder meinen Einsatz? Welche Bibelstelle „ist dran“ ? Denn die Grundlage des prophetischen Lobpreises ist die Bibel (mehr dazu hier)? Was ist wichtig für die Gemeinde, die Gruppe oder jemand einzelnen? Was möchte der Herr ausgesprochen, gebetet, proklamiert haben? Danach richtet sich Liedauswahl und musikalische Vorbereitung.

3 Übe das spontane freie Spielen und Singen. Vielleicht hört es sich an wie ein Widerspruch, Spontaneität üben zu wollen. Doch es geht. Obwohl spontanes Singen und Spielen nicht mit Prophetischem (hier mehr zu dem Prophetischem) gleichzusetzen ist, ist es doch wichtig. Je mehr Übung du darin hast, um so mehr kann der Heilige Geist auf deine Fähigkeiten zurückgreifen, wenn Er sich in einer bestimmten Weise ausdrücken möchte. Übung und Erfahrung im spontanen, freien Singen und Spielen lassen in dem Charisma wachsen.

Man kann überall im Alltag versuchen, sich mit dem Heiligen Geist zu verbinden und versuchen, zu summen, zu singen und zu beten, wie Er es gerade aufs Herz legt. Deine persönliche Gebetszeit zuhause bietet sich dafür natürlich besonders an. Oder du nimmst einen Teil der Zeit, die du am Instrument verbringst, speziell dafür, zu hören, zu singen und zu beten, am besten mit dem Wort Gottes. Vielleicht fühlt es sich erst ‚komisch‘ an, aber je natürlicher es wird, desto eher ist es selbstverständlich beim Einsatz.

4 Überwinde so gut wie du kannst die Menschenfurcht. Denn es erfordert Mut, auf diese Weise zu loben und zu preisen. David Santistevan sagt dazu sehr treffend:

„Wir müssen uns unseren Ängsten stellen, ‚dumm‘ oder unvorbereitet auszusehen, damit wir tatsächlich in die Freiheit kommen, entspannt zu sein, zu hören und den Heiligen Geist am Werk zu sehen.“ (Santistevan: 2)

Vielleicht sind auch andere Blockaden da, die das freie Singen und Spielen hemmen. Gib alles in Gottes gütige Hände und vertraue darauf, dass Er dir hilft.

5 Bete und spiele schon im Vorfeld die ausgewählte Bibelstelle, nimm sie schon vor dem Einsatz mit ins Gebet und in die musikalische Vorbereitung. In dieser Zeit erspürst du die Richtung des Gebetes beim Einsatz, und vieles offenbart der Heilige Geist schon jetzt von dem, was Er tun will, und Er bereitet dich darauf vor.

Falls ihr im Team spielt, tauscht euch darüber aus, wie die Eindrücke waren. Es ist oft erstaunlich, wie der Heilige Geist führt und schon hier mit dem Team, der Lobpreisleitung und den Mitspielern, in Einheit geht.

6 Als Team ist es optimal, wenn ihr regelmäßig gemeinsam singt und spielt und zusammen in das freie, geistgeleitete Spielen und Singen geht. Mit der Zeit lernt das Team gegenseitig die jeweiligen Charismen, Nuancen, Stärken und Schwächen kennen. Der Heilige Geist bewegt oft das ganze Team, indem er jeden einzelnen wissen lässt, wo es im Gebet und musikalisch hingeht. Jeder hat – entsprechend seines Charisma und seiner Individualität – seinen Platz. So kommt das ganze Team dazu, in Einheit mit Heiligen Geist zu agieren. Je eingespielter das Team, umso besser kann der Heilige Geist das Team in Dienst nehmen. Dieses sollte das Ziel sein, zu größeren Ehre Gottes.

7 Lerne das Wort Gottes immer besser kennen. Die Bibel ist die Grundlage des prophetischen Lobpreises. Verse aus der Schrift zu singen und singend und betend zu interpretieren hat an sich schon eine prophetische Dimension (nochmals mehr dazu hier). Um den Schatz an Bibelworten immer weiter zu vergrößern, auf den der Heilige Geist dann zugreifen kann, ist es sinnvoll, mit der Heiligen Schrift immer vertrauter zu werden.

8 Lerne besonders die Autorität des Wortes Gottes kennen. Die Bibel ist mehr als eine Sammlung von alten Schriften. Sie ist das Wort des lebendigen Gottes, der bis zum Ende der Zeiten durch sie die Wahrheit in die Welt und zu jedem einzelnen spricht. Jesus Christus ist selbst das personifizierte Wort Gottes, und gleichzeitig ist die Bibel sein gesprochenes Wort. Das macht die Autorität aus. Jesus lebt. Er ist ein lebendiger Gott. Durch die Kraft des Heiligen Geistes bewirkt das Wort Gottes ungeahnte Dinge in den Herzen.

9 Werde auch vertraut mit dem Katechismus der Katholischen Kirche. Er dient zwar nicht als direkte Grundlage einer prophetischen Lobpreiszeit, aber er bietet dir ein solides Fundament des Glaubens. Da der prophetische Lobpreis sozusagen von deinem Inneren nach außen geht, ist ein solides Glaubensfundament sehr wichtig. Im Katechismus findest du eine umfassende Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre entsprechend der apostolischen Überlieferung und des Lehramtes der katholischen Kirche. Er eignet sich auch sehr gut zum Nachschlagen nach bestimmten Themen und Fragen.

10 Beim Einsatz: Geh in das volle Engagement. David Santistevan bringt es auf den Punkt:

„Vergiss, wie du aussiehst. Vergiss, wie du dich anhörst. … Wenn es Zeit ist zu spielen, gib dein ganzes Sein in den Lobpreis. … Wenn die Zeit des Lobpreises da ist, vergiss alles andere und lobpreise. Schütte dein Herz aus und engagiere dich ganz.“ (Santistevan: 2)

Und jetzt wünschen wir dir viel Spaß und sehr viel himmlische Freude beim Ausprobieren!

Thomas und Ruth

Quellen:

Santistevan, David: What does it mean to lead prophetic worship?
www.davidsantistevan.com/prophetic-worship/Equipping Local Church Worship Teams, (2012), abgerufen am 12.6.2018 (eigene Übersetzung)

Christopher Metzger, CFR: When does worship music become ‚prophetic worship‘? A message from Father Christopher.
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=950848731628198&, abgerufen am 12.6.2018 (eigene Übersetzung)

Drei Ebenen des Prophetischen bei deiner Lobpreismusik

Beim prophetischen Lobpreis fokussieren wir auf das Prophetische.  Hier war und ist es hilfreich für uns, drei Ebenen des Prophetischen zu unterscheiden. Doch bevor wir zu diesen drei kommen, wollen wir noch einmal besonders darauf hinweisen, dass jeder musikalische Lobpreis selbstverständlich Prophetisches einbeziehen kann. Aber es ist eben nicht selbstverständlich. Wenn wir einfach ein Lied nach dem anderen singen, ist dort schwerlich Platz für prophetische Anteile. Es ist aber jederzeit möglich, bewusst Lobpreislieder in besonderer Weise für den Heiligen Geist zu öffnen, um aus den Liedern heraus in das freie prophetische Singen und Spielen zu gelangen.

Auch wichtig ist der weitere Hinweis vorab, dass selbstverständlich der Heilige Geist schon am Werk ist, wenn wir einfach Lobpreislieder singen. Denn das Wort des Paulus ist wahr: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12, 3).

Und diesen wunderbaren Herrn besingen wir ja zuerst, wenn wir Lobpreislieder singen, sei es aus traditionellem oder aus modernen geistlichen Liedgut. So ist selbstverständlich der Heilige Geist schon gegenwärtig, wenn wir zum Beispiel in der Messe aus vollem Herzen Lieder aus dem Gotteslob singen, vorausgesetzt, es ist für uns mehr als ein leeres Singritual. Auch kann der Heilige Geist durch einfaches Singen von Lobpreisliedern Herzen stark berühren, denn er weht, wo er will und wie er will (vgl Joh 3, 8). Doch dieses meinen wir nicht, wenn wir von prophetischem Lobpreis sprechen.

Beim prophetischen Lobpreis ergeht von uns eine ausdrückliche Einladung an den Heiligen Geist, dass Er unser Beten, Singen und Spielen übernimmt. Wir bitten um die Gabe der Prophetie für den musikalischen Lobpreis. Wir stellen uns dem Heiligen Geist zur Verfügung, um uns in prophetischer Weise für den Dienst an der Gebetsgruppe, dem Hauskreis, der Versammlung oder wo auch immer wir im Einsatz sind, gebrauchen zu lassen.

Wir streben an, dem Heiligen Geist im musikalischen Lobpreis einen besonderen Raum geben, um sich zu schenken und zu wirken. Wir wollen ihm in unserem kleinen, bescheidenen Rahmen einen Landeplatz anbieten, damit Er sein Werk tun kann. Das ist das Wesen des prophetischen Lobpreises. Insofern steht tatsächlich das Prophetische im Zentrum dieses Lobpreises. Das Prophetische berührt dabei drei Ebenen.

1. Erste Ebene des Prophetischen: Das aktuelle Zeugnis über die großen, zeitlosen Heilswahrheiten mit Jesus Christus im Zentrum

Um diese grundlegende erste Ebene tiefer zu verstehen, war es für uns hilfreich zu erkennen, dass das Prophetische ganz selbstverständlich zu uns gehört. Es ist ein Teil von uns als Volk Gottes. Es gehört zu uns, die wir uns Christen nennen. Es ist eines der Zeichen für das ganze Volk des Neuen Bundes, der mit Jesus Christus begründet ist.

So spricht der Katechismus nicht nur vom Volk Gottes  als einem „priesterlichen“ und „königlichem Volk“, sondern auch von ihm als dem „prophetischem Volk“ (vgl. KKK 783, 785). Schon die Predigt des Petrus am Pfingsttag in Jerusalem erwähnt dieses. Petrus nimmt die Weissagung des Propheten Joel auf. Denn diese hat sich am Pfingsttag in Jerusalem, bei der allerersten Herabkunft des Heiligen Geistes erfüllt. Von da an ist sie durch die weiter wirkende Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche lebendig. Petrus rief der Menge zu:

„… jetzt geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: ‚Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.'“ (Apg 2, 16-18)

Das Prophetische als Merkmal des Volkes Gottes – was heißt das? Darin steckt ein Ruf. Es ist der Ruf, Zeugnis zu geben. Ein Zeugnis zu geben für Jesus Christus, und damit für das Heilshandeln Gottes an uns. Die Verbindung zum Prophetischen stellt sich dort her, wo wir erfahren und erkennen, dass wir dieses Zeugnis nicht aus uns selbst heraus geben können.

Dieses Zeugnis zu geben ist schon ein Wirken des Heiligen Geistes. Im Katechismus lesen wir es so:

„Das heilige Volk Gottes nimmt auch Teil am prophetischen Amt Christi, vor allem durch den übernatürlichen Glaubenssinn, … der ihm zu eigen ist. (… Das Volk Gottes) versteht ihn immer tiefer und wird mitten in der Welt zum Zeugen Christi.“ (KKK 785)

Im Buch der Offenbarung in der Bibel finden wir das grundlegende Wort dazu:

„Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“
(Offb 19, 10).

In diesem Wort aus der Offenbarung finden wir den entscheidenden Hinweis darauf, dass das echte und wahre Zeugnis über Jesus Christus untrennbar mit dem Prophetischen verbunden ist. In diesem Sinn nimmt auch Hans-Urs von Balthasar Bezug auf dieses Schriftwort:

„… die Zeugnisablage erfolgt durch den Heiligen Geist, der die rechten Worte über Gott eingibt. Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern der das geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß.“ (Hans-Urs von Balthasar: 99)

Gibt Petrus nicht in seiner Pfingstpredigt ein solches Zeugnis, erfüllt vom Heiligen Geist? Sein Wort trifft eine große Menge von Menschen, über 3000, mitten ins Herz und sie lassen sich taufen (vgl. Apg 2, 41).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet dies, dass wir dieses Zeugnis geben wollen, indem wir die großen, zeitlosen Wahrheiten über Gott singen und beten, mit Jesus Christus im Zentrum.

Die Bibel als Grundlage dieses Lobpreises spielt dabei ein sehr wichtige Rolle (mehr zur Bedeutung des Wortes Gottes im prophetischen Lobpreis siehe hier).

2. Die zweite Ebene des Prophetischen: Gott will durch das Prophetische in eine bestimmte Zeit oder Epoche eingreifen

Josef Kardinal Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI, spricht von einer weiteren wichtigen Funktion des Prophetischen in der Kirche. Er spricht davon, dass Gott durch das Prophetische direkt in einer Zeit oder Epoche handeln und eingreifen will. Wissend um all die Dinge, die Kirche tut, ist doch, so sagt er,

„das Prophetische viel stärker der Raum …, in dem Gott sich vorbehält, selbst immer wieder einzugreifen und die Initiative zu ergreifen.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Weiter führt er aus,

„dass Gott sich durch die Charismen das Recht vorbehält, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fördern und zu heiligen. Ich glaube, diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Er macht dieses Eingreifen vor allem an „großen prophetischen Gestalten“, wie er sie selbst nennt, in der Kirchengeschichte fest. Diese haben sich in Krisenzeiten und an Wendepunkten von Gott rufen lassen und standen an Anfängen von neuen Aufbrüchen und Erneuerungsbewegungen, so zum Beispiel der hl. Mönchsvater Antonius, der hl. Franziskus, die hl. Katharina von Siena oder die hl. Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden

Wir verstehen es auch so, dass Gott viele Menschen rufen und in Bewegung setzen kann, um auf Bedürfnisse einer ganzen Zeit oder Epoche zu antworten. Der kanadische Priester Ghislan Roy sagte einmal:

„Eine ewige Anbetung ist prophetisch“ (siehe hier).

Er meinte damit zuerst eine ewige eucharistische Anbetung, die nonstopp läuft, die aber aus ihren ursprünglichen Orten der Klöster herausgetreten ist und in der Welt mehrheitlich von Laien getragen wird. Wenn man nun die Gebetsaufbrüche um die ökumenisch ausgerichtete Gebetshausbewegung weltweit anschaut und die Initiativen des 24/7-Gebets, die allesamt das 24stündige Rund-um-die-Uhr-Gebet anstreben, egal in welchen Formen, denken wir, dass es nicht zu viel ist zu sagen, dass Gott hier in allen Konfessionen prophetische Zeichen aufrichtet, durch die er in die Welt sprechen will. Auch wir mit unserer Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE verstehen uns als Teil dieser Bewegungen. Was ist ihre Botschaft?

Sie alle rufen in die Welt: Hier ist der eine und einzige Gott, der es wert ist, Tag und Nacht angebetet zu werden. Hier ist der eine, wahre, liebende Gott, der sich Tag und Nacht für dich erreichbar macht. Hier ist der eine, wahre Gott, der dir einen konkreten Ort zeigt, wo er wohnt und wo du ihm begegnen kannst. „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!“ (Joh 1, 39).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet diese Ebene, sich im Lobpreis für die Worte Gottes zu öffnen, die er nicht nur uns persönlich, sondern für unsere Zeit und die Kirche sagen möchte.

3. Dritte Ebene des prophetischen Lobpreises: Gottes Rede in eine bestimmte Situation hinein, für eine bestimmte Gruppe, Versammlung oder Einzelperson

Prophetisches ist auch bekannt, wenn es um das geschenkte Wort in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Gruppe oder für eine bestimmte Person geht. Wir finden es bei Gebetsversammlungen zum Beispiel, oder auch beim Heilungsgebet oder in der Seelsorge. Gerade auch auf dieser Ebene gibt es das geschenkte, persönliche Wort, das helfen, heilen und trösten will.

Im prophetischen Lobpreis heißt diese Ebene für uns, dass wir danach streben, uns ganz dafür zu öffnen, wie Gott uns konkret für den Dienst an einer Gruppe nehmen will. Unsere Erfahrung ist, dass das Wort, so persönlich es auch sein mag, doch immer so diskret ist, dass es nur derjenige, den es betrifft, tatsächlich versteht. Das Singen von Worten hat den Effekt, dass es durch die musikalische Untermalung noch tiefer ins Herz gehen kann.

Die geistliche Unterscheidung ist sehr wichtig, nicht nur bei dieser dritten, sondern bei allen diesen Ebenen des Prophetischen.

Voraussetzung für das Prophetische: die innere Hörfähigkeit

Wenn wir das Prophetische vom inneren Prozess her betrachten, wird deutlich, dass es immer wieder um das Hören geht. Es gibt dieses sehr schöne Lobpreislied, in dem es heißt:

„Herr, bin ich. Sprich, dein Diener hört. Schenk mir die Gnade, deine Stimme zu hör’n, die Gnade, deinen Willen zu tun. Herr, hier bin ich.“

In diesem drückt sich genau dieses Hören aus: Die leise Stimme des Heiligen Geistes zu vernehmen, seine Stimme zu erkennen und immer besser kennenzulernen, seine Eingebungen wahrzunehmen und immer sensibler dafür zu werden, und diesem dann hörend zu folgen. Aus dieser inneren Perspektive des Hörens verstehen wir, dass Josef Kardinal Ratzinger hier den Fokus auf Maria lenkt, die in ihrer Reinheit ganz Hörende und ganz Gehorsame war. Er sagt, dass Maria der „Urtyp der christlichen Prophetie“ ist.

„An ihr definiert man, was Prophetie ist, nämlich diese innere Hörfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, die überhaupt den Zuspruch des Geistes wahrnimmt, ihn verinnerlicht und dadurch fruchtbar macht und in die Welt hineinträgt.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Keine Frage, es ist ein geistlicher Weg, immer weiter ins Hören und in den prophetischen Lobpreis hinein zu kommen. Wir empfinden uns da selbst noch sehr am Anfang, doch wir vertrauen darauf, dass Gott uns weiter helfen wird.

Wenn du dich zum prophetischen Lobpreis gerufen fühlst, hoffen wir, dass du etwas mit diesen Ausführungen anfangen kannst. In einem weiteren Blogbeitrag zum Thema prophetic worship geben wir 10 Tipps für die Praxis. Du findest ihn hier. Viel Freude beim lesen und lobpreisen!

Bis dahin,

es grüßen euch Thomas & Ruth

Quellen:

Hans-Urs von Balthasar: Das Buch des Lammes. Zur Offenbarung des Johannes. Freiburg, 2010

„Das Problem mit der christlichen Prophetie.“ Niels Christian Hvidt im Gespräch mit Kardinal Josef Ratzinger. In: Zeitschrift „Communio“, März/April 1999, S. 177-188

Drei Dinge, die deinen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden lassen

Nach unserer wöchentlichen Gebetsgruppe, bei der wir jeweils einen Teil der Zeit prophetischen Lobpreis spielen, kam jemand auf uns zu, der zum ersten Mal teilgenommen hatte. Er äußerte sein Erstaunen, dass fast die ganze Gebetszeit wie auf ihn zugeschnitten war. Angefangen  von der Bibelstelle, die Grundlage des prophetic worship war, über die freien Gebete bis hin zur Musik, die sein Herz berührte. Es war für ihn gerade in diesem Moment so passend gewesen, weil in seinem Leben ein Krise aufgebrochen war, in der er tatsächlich immensen geistlichen Zuspruch brauchte.

Auch unsere Dankbarkeit war groß, dass der Heilige Geist unsere Lobpreis- und Gebetszeit so sehr für ihn geöffnet hatte. Es war im Nachhinein für uns ebenso ein wunderbares Zeugnis dafür, wie prophetischer Lobpreis konkret wirken kann. Doch was eigentlich lässt unseren musikalischen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden?

1. Im prophetischen Lobpreis singen wir das „neue Lied“. Was ist das?

In der Bibel, im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, hören wir von diesem „neuen Lied“. In vieler Hinsicht können die Verse 8-9 grundlegend für den prophetischen Lobpreis angesehen werden. Es heißt dort:

„Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied: (Off 5, 8-9)

An mehreren Stellen im Buch der Offenbarung ist von diesem „neuen Lied“ die Rede. Auch im Alten Testament, vor allem in den Psalmen (vgl. Ps 33, 3; Ps 96, 1; Ps 98; 1, Ps 149,1).

Wenn wir von dem „neuen Lied“ als Grundlage des prophetischen Lobpreises sprechen, laufen verschiedene Ebenen zusammen, die aber allesamt die Form des prophetischen Spielens und Singens ausmachen.

Jesus ist das Zentrum des prophetischen Lobpreises

Die erste Ebene ist das Thema des neuen Liedes. Dies ist eine Ebene, die zuerst einmal für jeden musikalischen Lobpreis gilt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das „neue Lied“ ist das Lied der Erlösung. Es ist das Lied, dass das gesamte Heilshandeln Gottes an der Menschheit besingt.

Es ist vor allem das Lied über die Inkarnation, also die Menschwerdung Jesu Christi, und seine erlösende Heilstat. Das neue Lied handelt umfassend von den Großtaten Gottes, angefangen von der ersten Schöpfung bis zur Neuschöpfung, von der Erschaffung des Menschen, dem Sündenfall und der Erlösung des Menschen. Immer ist der Brennpunkt die Inkarnation, Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes. Er ist Zentrum des neuen Liedes.

Nichts anderes sagt uns das Buch der Offenbarung, wenn wir die darauf folgenden Verse lesen, in denen das zentrale Thema des neuen Liedes angegeben wird: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, um die Menschheit zu erlösen, Ehre, Lobpreis und Anbetung gelten ihm und dem, der auf dem Thron sitzt, von Ewigkeit zu Ewigkeit (vgl. Off 5, 10-13).

Indem wir hier auf Erden das „neue Lied“ singen, verbinden wir uns mit dem Lobpreis, der vor dem Thron Gottes im Himmel erklingt.

Doch wie singe ich das neue Lied?

Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt.

2. Im prophetischen Lobpreis singen und beten wir das Wort Gottes

Der zweite Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt, ist folgender: Wir gehen im prophetischen Lobpreis immer von Versen und Stellen der Heiligen Schrift aus. Die Bibel ist direkte Grundlage dieses Lobpreises. Wir singen und beten die Heilige Schrift. Auf diese Weise singen wir sehr konkret das „neue Lied“.

Denn nichts anderes finden wir in der Heiligen Schrift, nämlich das Heilshandeln Gottes an uns. Es beginnt mit der Vorbereitung auf die kommende Erlösung im Alten Testament und gipfelt im Kommen des Erlösers Jesus Christus, dem Messias, im Neuen Testament.

Zum anderen ist das Wort Gottes an sich schon in gewisser Hinsicht die größte Prophetie, die den Menschen gegeben ist. Sie ist Gottes Wort, das in die Welt gesprochen ist. Sie ist „Gottes Rede“ in die Welt. In ihr ist Jesus Christus gegenwärtig.

Es fehlt noch ein dritter Punkt, der deinen Lobpreis ins Prophetische führt.

3. Im prophetischen Lobpreis streben wir danach, unter der Leitung des Heiligen Geistes kreativ zu werden

Der dritte wesentliche Punkt, der deine Lobpreismusik ins Prophetische führt, ist dieses: Stelle dein Singen, Spielen und Beten des „neuen Liedes“ in der jeweiligen Situation direkt unter die Führung des Heiligen Geistes.

Dieses ist notwendig, um genau in diese geistgeleitete Kreativität zu kommen, wozu Paulus im Epheserbrief auffordert:

„Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5, 19)

So ist es unser Bestreben, in das konkrete Hören zu kommen, um genau das in die Situation zu hineinzugeben, was der Heilige Geist sagen und tun möchte. Dieses bezieht sich sowohl auf die Melodien, als auch auf die Worte.

Faszinierend war, dass wir dieses kreative, immer wieder Neue des Lobpreises in den Ausführungen der Hildegard von Bingen über die himmlischen Musik gefunden haben. Hildegard von Bingen, die schon zu ihren Lebzeiten Anfang des Mittelalters wegen ihrer großen Schauungen über Kirche und Welt als „Prophetin“ galt, sieht in einer großen Schau, dass selbst die höchsten Geschöpfe mit ihren Gesängen die Herrlichkeit Gottes nicht zu fassen vermögen, und sie deshalb immer wieder neu, in immer wieder neuer, vollkommener Melodik mit ihren Lobgesängen ansetzen. Doch lassen wir die Heilige und Kirchenlehrerin selbst zu Wort kommen:

„Mit den lebendig schwingenden Tönen ihrer herrlichen Stimmen, verkünden sie (die Engel) die Göttlichkeit Gottes, reicher als die Vielzahl aller Töne; die aus der Vielzahl aller Töne, die aus der Vielzahl aller Lebewesen zu ihm emporsteigen, und strahlender als aller Glanz, der durch Sonne, Mond und Sterne in Gewässern schimmert, erhaben über alle ätherische Musik (…). Und doch, mit all ihrem Stimmenjubel können die seligen Geister Gottes Gottheit nie endgültig fassen. Darum heben sie auch mit ihren Stimmen immer wieder von neuem an.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Wenn wir im prophetischen Lobpreis unter der Führung des Heiligen Geistes kreativ werden wollen, sehen wir auch hier eine Verbindung mit dem immer wieder neuen, kreativen Lobpreis im Himmel.

Anders als im Himmel, wo alles selbstverständlich fließt, brauchen wir hier auf Erden die Kraft des Heiligen Geistes, um in diesen kreativen, immer wieder neuen Lobpreis einzustimmen. Komm, Heiliger Geist!

Ein kleines Nachspiel: Derjenige, der die eingangs geschilderte berührende Erfahrung gemacht hatte, fragte nach den Noten der Lieder, die ihn so berührt hatten. Da mussten wir passen, es war freier Gesang gewesen! Es ist nun aber tatsächlich so: Aus den neuen Melodien und Gebeten im prophetischen Lobpreis entstehen durchaus neue Lobpreislieder, wenn jemand versiert genug ist, diese zu erinnern und in eine entsprechende Form zu bringen (Wir arbeiten dran :-)).

Neben diesen Basics gibt es noch weitere Aspekte, die im prophetischen Lobpreis tragend sind. Zum Beispiel, was ist das Prophetische genau, welche Ebenen berührt es?  Darum geht es im nächsten Blogbeitrag. Du findest ihn hier.  Möchtest du tiefer gehen? Dann schau rein!

Wir hoffen, du kannst mit unseren Ausführungen etwas anfangen. Probiere es einfach aus. Das ist auch unsere Schule. Und lass uns gern an deinen oder euren Erfahrungen teilhaben über die Kommentarfunktion oder per E-mail.

Es grüßen euch

Thomas und Ruth

Quellen:

Gronau, Eduard: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

 

HOPE – Der neue Gebetsraum

Voller Dankbarkeit blicken wir auf die letzten Monate zurück, in denen wir Schritt für Schritt einen Raum über der Sakristei unserer Kirche so renoviert haben, dass er als Gebetsraum für HOPE genutzt werden kann.

Ab dem März 2017 wurde uns zunehmend bewusst, dass unser bisheriger Ort, die Kapelle eines Altenheims, sich nur noch begrenzt nutzen lässt. Für HOPE weitere Gebetsblöcke anzufangen, oder auch nachts anzubeten, war nicht regelmäßig möglich. Das ist jedoch notwendig für eine 24/7 Anbetung.

Auf der Suche nach einer Lösung erinnerten wir uns an den bis dahin schon lange nicht mehr genutzten Raum über der Sakristei unserer Kirche in Bornheim. Diesen durften wir für die Zwecke eines Gebetsraumes für eine 24/7 Anbetung renovieren und umgestalten. Nun ist er ein neuer Gruppen- und Gebetsraum für HOPE, für die Gemeinde und darüber hinaus. Am 21. Septemer 2017 geht’s im neuen Gebetsraum los! Was dort stattfindet, findest du hier.

Hier ein paar Eindrücke:

Voher: Alles muss raus.

Auch während der Renovierung gab’s spontane Lobpreis-Sessions!

Und Jesus immer mitten drin.

Die erste Teppichfliese 🙂

Auf dieses Depositorium, auf dem die Bibel liegt, wird das Allerheiligste später ausgesetzt.

40 Stunden IN HIS PRESENCE

40 Stunden IN HIS PRESENCE, heute am 5. und morgen am
6. November 2016  in der Kapelle St. Josef und in der Pfarrkirche
St. Sebastian, Bornheim-Roisdorf.

Viele Stunden stiller ANBETUNG und fünf Stunden Lobpreis im
GEBETESHAUSSTIL mit PROPHETIC WORSHIP mit vier  Musikteams in der Gegenwart Gottes.

Lets PRAISE and ADORE HIM!!! Wir freuen uns, JESUS richtig zu feiern und die Ehre zu geben.

5 Tage mit Maria Magdalena …

… auf dem  Anbetungskongress ADORATIO im südfranzösischen Städtchen St-Maximin-la-St-Baume, 19.-24. Juli 2015, gemeinsam mit mehr als 700 Teilnehmern. In der Basilika St. Madeleine, dem Ort des Kongresses, findet sich das Grab der biblischen Maria Magdalena. Das Thema des ADORATIO-Kongresses lag nahe: Weiterlesen