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Christus bewirkt in uns Liebe und inneres Heilwerden

„Eines Tages“, so berichtet Kardinal Nguyen van Thuan aus seiner Zeit im Gefängnis, in dem er 13 Jahre unter dem vietnamesischen, kommunistischen Regime inhaftiert war, „fragte mich der Gefängniswärter: ‚Lieben Sie uns?‘ – ‚Ja, ich liebe euch.‘ – ‚Aber wir haben Sie so viele Jahre im Gefängnis gehalten ohne Prozess, ohne Verurteilung, und Sie lieben uns? Das ist unmöglich, das kann doch nicht wahr sein!‘ – ‚Ich bin viele Jahre bei Ihnen gewesen, Sie haben es gesehen, es ist wahr.‘ – ‚Wenn Sie in Freiheit sein werden, schicken Sie dann nicht Ihre Anhänger, um unsere Häuser niederzubrennen und unsere Angehörigen umzubringen?‘ – ‚Nein, auch wenn ihr mich umbringen wollt, liebe ich euch.‘ – ‚Aber warum?‘ – ‚Weil Jesus mich gelehrt hat, alle zu lieben, auch die Feinde. Wenn ich es nicht tue, bin ich nicht mehr würdig, Christ genannt zu werden.‘ – ‚Das ist wirklich sehr schön, aber schwer zu verstehen.'“ [1]

Bischof Nguyen van Thuan im Gefängnis

Kardinal Ngyun van Thuan war damals noch Bischof von Saigon in Vietnam, heute Ho-Chi-Min-Stadt. Er gibt ein Zeugnis davon, wie weit die Lehre Jesu in seinem Leben lebendig wurde, wie sehr sie in seinem Leben „Fleisch geworden“ ist. Er lebte eine Liebe, die für uns aus eigener Kraft nicht möglich ist. Er lebte das, was er an anderer Stelle beschreibt:

„Jesus handelt immer aus Liebe. Aus dem feurigen Innern der Heiligsten Dreifaltigkeit hat er eine große, unendliche, göttliche Liebe zu uns gebracht, eine Liebe, die – wie die Väter sagen – bis zur Unvernunft reicht und unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt“ [2].

Doch wie kommen wir zu einer solchen Liebe, die unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt? Wie kommen wir dazu, so etwas überhaupt zu wollen? Etwas, das wir aus uns heraus, auch beim besten Willen, gar nicht können?

Der bekannte katholische Theologe Romano Guardini gibt darauf eine Antwort. Es ist der Christus-in-uns, der „innewohnende Christus“ [3], aus dem heraus wir so handeln. Aus ihm heraus können wir erst solches wollen und leben.

Denn aus diesem In-uns-sein heraus wirkt Christus. Von hierher kommt die Liebe. Von hierher kommt die Kraft, die Liebe zu leben. Von hierher kommt sogar das veränderte Wollen. Jetzt erst beginnt, so Guardini weiter,

„die Umwertung der Maßstäbe, die Umwandlung des Herzens, der Umbau des Denkens.“ [4] 

Kardinal Nguyen van Thuan gibt uns ein Zeugnis dafür, welche Liebe mit Christus möglich ist. Und gleichzeitig wissend, dass es nichts ist, wessen sich jemand rühmen könnte (vgl. 2 Kor 11,18), denn wenn solches da ist, ist es von Gott [5].

Christus in uns – das ist erstaunlich. Denn nach unserem Glauben ist Christus wirklich in uns. Nicht nur symbolisch. Nicht nur in unserer Vorstellungskraft. Er ist wirklich, als ganzer Christus, mit Leib und Blut in uns gegenwärtig. So empfangen wir ihn in der Kommunion.

Dass Christus wirklich in uns ist, ist tatsächlich schwer vorstellbar und übersteigt ebenso unsere menschlichen Maßstäbe. Nicht ohne Grund zeigt schon die Bibel, dass dieses Ungeheuerliche, als Jesus die Eucharistie ankündigt, den Großteil seiner Jünger in die Flucht schlägt (vgl. Joh 6,54-70). Doch eines konnten die Jünger noch nicht wissen, und Jesus in Karfanaum deutet es bei seiner Ankündigung der Eucharistie nur an [6].

Denn bezüglich seines Innewohnens sprach der Herr von seinem auferstandenen und verklärten Leib, gewirkt durch den Heiligen Geist. Romano Guardini schreibt dazu:

„Der Heilige Geist hat im Menschen eine Offenheit aufgetan, einen Innenraum geschaffen, in welchen der verwandelte Herr eintreten konnte. Nun ist Er in uns, und wir in Ihm – im Heiligen Geiste.“[7]

Und weiter: Der verwandelte Herr ist der

„verklärte, vergeistigte und gleichzeitig leibhaftige Jesus (…) sein ganzes Wesen (ist) verwandelt, offengemacht, aus den Schranken der irdischen Körperlichkeit herausgehoben, zu reiner Wirksamkeit frei geworden. Für diesen Christus gibt es keine Schranken, auch nicht die der Person. Er kann dem glaubenden Menschen innesein.“ [8]

Der auferstandene Christus ins Bild gebracht

Aus diesem In-uns-sein heraus wirkt Christus. Von hierher kommt die Liebe. Von hierher kommt die Kraft, die Liebe zu leben. Von hierher kommt sogar das veränderte Wollen. Jetzt beginnt es, dass wir, so Guardini,

„in das Denken Christi hinein umdenken, in seine Gesinnung umsinnen, unser Leben nach seinem Bilde ändern.“[9]

An diesem Punkt kommt ebenso Heilung ins Spiel. Denn Gott sieht, dass es nicht immer böser Wille ist, wenn wir beim inneren Umbau zu mehr Liebesfähigkeit so oft nicht daran heranreichen. Er sieht voller Barmherzigkeit und Liebe unsere Unwissenheit, unsere Schwäche, die inneren Hindernisse und Blockaden, und er kennt unser Unbewusstes, das auf unser Denken, Handeln und Wollen wirkt. Er will uns helfen und ist bereit, alles zu geben, damit Christus in uns immer größer wird.

Dazu vor allem will er uns heilen. Und bedeutet das Innewohnen Christi nicht zuallererst, aus ihm heraus immer mehr lieben zu können, echt und authentisch?

So hat das innere Heilwerden ein Ziel. Es geht immer in die Richtung, dessen, was Paulus den neuen Menschen, Neuschöpfung, nennt (vgl. 2 Kor 5,17). Dieser neue Mensch ist ein Mensch der Liebe. Mit Christus in uns ist genau dieser neue Anfang geschenkt. Es ist der Anfang des neuen Menschen in uns. Als Christen ist es unser Ruf, diesen Anfang zu vollziehen, immer mehr Neuschöpfung zu leben, sogar bis dahin, dass es unsere menschlichen Maßstäbe in Schwierigkeiten bringt. Vor allem in Bezug auf die Liebe.

Der Prozess des Neuwerdens, und damit verbundene, innere Heilungsprozesse, geschehen jeweils ganz individuell. Denn die Gestalt Christi in uns will sich immer individuell ausdrücken, und so ist auch der Weg dorthin. Christus im Menschen ist, noch einmal mit Guardini gesprochen,

„in jedem einzelnen anders, nach der Weise seines Wesens: Anders im Mann als in der Frau, anders im Kind als im Erwachsenen, anders in dieser Begabung als in jener. Verschieden nach den verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten; nach Freude oder Schmerz, Arbeit oder Menschenbegegnung. Immer aber Er.“[10]

Beim genaueren Hinsehen steht nicht nur die innere Heilung im Rahmen, den in uns gesetzten Anfang der Neuschöpfung zu vollziehen, sondern auch die körperliche Heilung. Oft wirkt Gott Heilungen, um genau diesen Anfang der Neuschöpfung in einem Menschen zu setzen.

Denn immer ist eine Heilung des Leibes in Jesu Namen mit einer Erfahrung der Liebe Gottes verbunden. Wie oft ist es für denjenigen eine Offenbarung, dass Christus der Herr ist; eine Offenbarung, die zu einer Entscheidung ruft. Oder aber durch ein solches besonderes Ereignis der Gnade wird schon vorhandener aber schwach gewordener Glaube neu entflammt und bringt neu auf den Weg.

Wir glauben, dass es in dieser Zeit eines besonderen Wirken des Heiligen Geistes und besonderer Zeugnisse bedarf, um den Leib Christi aufzubauen, sei es durch heroisch gelebte Liebe wie bei Kardinal Nguyen van Thuan, sei es durch Heilungen, geistig, psychisch und leiblich, oder andere Ereignisse der Gnade. Bitten wir den Herrn um das Allerwesentlichste, das all diesem vorausgeht: Dass Christus in uns groß werde.

 

VERWEISE

[1] Kardinal Nguyên Van Thuán, François-Xavier: Hoffnung, die uns trägt: die Exerzitien des Papstes. Freiburg i.Brsg., Basel, Wien, 2001, S. 76

[2] Kardinal Nguyên Van Thuán, François-Xavier: Hoffnung, die uns trägt: die Exerzitien des Papstes. Freiburg i.Brsg., Basel, Wien, 2001, S. 28

[3] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 558ff

[4] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 531

[5] vgl. auch Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 534

[6] Jesus Christus deutet es an mit seinem Wort bei der eucharistischen Rede in Karfanaum: „Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts.“ (Joh 6, 61-68)

[7] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 527

[8] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 550, 551

[9] Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 535

[10] vgl. Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 554

Alle Bilder von unsplash.com
Ausnahmen:
Bischof Nguyen van Thuan im Gefängnis, in Öl gemalt,
https://worldmissionmagazine.com/archives/march-2018/francis-van-thuan-hero-faith
Der auferstandene Christus, http://enterarena.blogspot.com/2011/07/art-stone-rolled-away-revealing-risen.html

 

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„…verliebte sich in die Schönheit seiner Geschöpfe … hingerissen vom Feuer seiner Liebe erschuf er uns.“[1]

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Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die eucharistische Anbetung, für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron.  Wir finden es im Buch der Offenbarung des Johannes:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied“ (Offb 5, 8-9)

Was umgibt diese Situation, die dort geschildert wird? Wir sehen anhand des biblischen Textes vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron. Er ist umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, er ist umgeben von unzähligen Engeln und anderen, unbekannten Lebewesen. Alle sind gemeinsam in Lobpreis und Anbetung des Lammes vereint.

Explizit wird hier die Anbetung des Lamm Gottes mit Musik und Gesang beschrieben. Dass Musik — die Harfe kann hier stellvertretend für jegliche Musikinstrumente stehen — und Gesang im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Das Buch der Offenbarung beschreibt hier eine Situation, in der wir sozusagen einen Blick „in den Himmel“ werfen dürfen, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird. Gleichzeitig beschreibt dieses prophetische Bild eine geistige Realität, die schon jetzt begonnen hat.

Die besondere Erwähnung der Anbetung des Lamm Gottes mit Musik und Gesang will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Dass wir schon hier auf Erden dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dass dieses schon jetzt in Gemeinschaft mit den Engeln und Heiligen geschieht?

Die Heilige und zur Kirchenlehrerin erhobene Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist dies in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

So wurde das selbstverständliche Mitschwingen des Menschen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Doch sie betont ausdrücklich, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, bestehen bleibt. Wir sind berufen, uns mit unserer Musik mit dem Lobpreis der Engel und Heiligen zu vereinen, die schon jetzt im himmlischen Thronsaal Gottes des ewigen Lobpreis anstimmen. Es entspricht dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk ist es, Christus in seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Kommt lasset uns anbeten mit Musik und Gesang!

 

 

VERWEISE
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos: unsplash.com

10 Tipps für deine Praxis des prophetischen Lobpreises

Worum geht es beim prophetischen Lobpreis? Zwei Dinge kommen hier zusammen: Der Lobpreis — damit meinen wir das musikalische Loben und Preisen Gottes —, und die Gabe der Prophetie. Prophetischer Lobpreis ist, wenn die Gabe der Prophetie im Lobpreis Gottes wirksam wird.

Wir fühlen uns mit dem prophetischen Lobpreis gerufen, in die Präsenz und Schönheit Gottes zu führen, so wie er es gerade in einem bestimmten Moment tun möchte.

Das bedeutet für uns zuerst, dass wir selbst im Austausch mit Gottes Herz stehen. Prophetischer Lobpreis beginnt innen und führt von da nach außen. Und hier beginnt die eigentliche Herausforderung. Es geht darum, innerlich zu hören, was der Geist Gottes durch unsere Musik sagen und aussprechen möchte, JETZT, in dieser ganz konkreten Situation.

Dieses ist nur möglich in der Kraft des Heiligen Geistes.

Wenn der Heilige Geist uns für diesen intimen Austausch der Herzen öffnet, beginnt das hörende Singen, Spielen und Beten, das auf einer sehr tiefen Ebene des Herzens stattfindet.

Auf diese Weise zu loben und zu preisen, sei es als Leitung, als Mitspieler oder allein, erfordert eine darauf abgestimmte Herangehensweise, wenn es um die Praxis geht.

Wir haben 10 Tipps zusammengestellt. Sie sind das Ergebnis von dem, was wir von anderen gelernt und selbst erfahren haben. Wir experimentieren viel und unsere Anfänge sind arm und klein. Doch fühlen wir uns gerufen, dieses Arme und Kleine dem Heiligen Geist zur Verfügung zu stellen, damit er es zum Segen für andere machen kann.

Hier nun die 10 Tipps.

1  Beginne schon die Vorbereitung mit Gebet. Bitte den Heiligen Geist, dich konkret dahin zu führen, was er bei deinem Einsatz tun möchte. Es geht um mehr, als nur Lieder und Akkordfolgen als Grundlage für das freie Spiel auszusuchen.

2  Stelle die richtigen Fragen. Welches Thema ist auf Gottes Herz für unseren oder meinen Einsatz? Welche Bibelstelle „ist dran“ ? Denn die Grundlage des prophetischen Lobpreises ist die Bibel (mehr dazu hier)? Was ist wichtig für die Gemeinde, die Gruppe oder jemand einzelnen? Was möchte der Herr ausgesprochen, gebetet, proklamiert haben? Danach richtet sich Liedauswahl und musikalische Vorbereitung.

3  Übe das spontane freie Spielen und Singen. Vielleicht hört es sich an wie ein Widerspruch, Spontaneität üben zu wollen. Doch es geht. Obwohl spontanes Singen und Spielen nicht mit Prophetischem (hier mehr zu dem Prophetischem) gleichzusetzen ist, ist es doch wichtig. Je mehr Übung du darin hast, um so mehr kann der Heilige Geist auf deine Fähigkeiten zurückgreifen, wenn er sich in einer bestimmten Weise ausdrücken möchte. Übung und Erfahrung im spontanen, freien Singen und Spielen lassen in dem Charisma wachsen.

Man kann überall im Alltag versuchen, sich mit dem Heiligen Geist zu verbinden und versuchen, zu summen, zu singen und zu beten, wie Er es gerade aufs Herz legt. Deine persönliche Gebetszeit zuhause bietet sich dafür natürlich besonders an. Oder du nimmst einen Teil der Zeit, die du am Instrument verbringst, speziell dafür, zu hören, zu singen und zu beten, am besten mit dem Wort Gottes. Vielleicht fühlt es sich erst ‚komisch‘ an, aber je natürlicher es wird, desto eher ist es selbstverständlich beim Einsatz.

4  Überwinde so gut wie du kannst die Menschenfurcht. Denn es erfordert Mut, auf diese Weise zu loben und zu preisen. David Santistevan sagt dazu sehr treffend:

„Wir müssen uns unseren Ängsten stellen, ‚dumm‘ oder unvorbereitet auszusehen, damit wir tatsächlich in die Freiheit kommen, entspannt zu sein, zu hören und den Heiligen Geist am Werk zu sehen.“ (Santistevan: 2)

Vielleicht sind auch andere Blockaden da, die das freie Singen und Spielen hemmen. Gib alles in Gottes gütige Hände und vertraue darauf, dass Er dir hilft.

5  Bete und spiele schon im Vorfeld die ausgewählte Bibelstelle, nimm sie schon vor dem Einsatz mit ins Gebet und in die musikalische Vorbereitung. In dieser Zeit erspürst du die Richtung des Gebetes beim Einsatz, und vieles offenbart der Heilige Geist schon jetzt von dem, was Er tun will, und Er bereitet dich darauf vor.

Falls ihr im Team spielt, tauscht euch darüber aus, wie die Eindrücke waren. Es ist oft erstaunlich, wie der Heilige Geist führt und schon hier mit dem Team, der Lobpreisleitung und den Mitspielern, in Einheit geht.

6  Als Team ist es optimal, wenn ihr regelmäßig gemeinsam singt und spielt und zusammen in das freie, geistgeleitete Spielen und Singen geht. Mit der Zeit lernt das Team gegenseitig die jeweiligen Charismen, Nuancen, Stärken und Schwächen kennen. Der Heilige Geist bewegt oft das ganze Team, indem er jeden einzelnen wissen lässt, wo es im Gebet und musikalisch hingeht. Jeder hat – entsprechend seines Charisma und seiner Individualität – seinen Platz. So kommt das ganze Team dazu, in Einheit mit Heiligen Geist zu agieren. Je eingespielter das Team, umso besser kann der Heilige Geist das Team in Dienst nehmen. Dieses sollte das Ziel sein, zu größeren Ehre Gottes.

7  Lerne das Wort Gottes immer besser kennen. Die Bibel ist die Grundlage des prophetischen Lobpreises. Verse aus der Schrift zu singen und singend und betend zu interpretieren hat an sich schon eine prophetische Dimension (nochmals mehr dazu hier). Um den Schatz an Bibelworten immer weiter zu vergrößern, auf den der Heilige Geist dann zugreifen kann, ist es sinnvoll, mit der Heiligen Schrift immer vertrauter zu werden.

8  Lerne besonders die Autorität des Wortes Gottes kennen. Die Bibel ist mehr als eine Sammlung von alten Schriften. Sie ist das Wort des lebendigen Gottes, der bis zum Ende der Zeiten durch sie die Wahrheit in die Welt und zu jedem einzelnen spricht. Jesus Christus ist selbst das personifizierte Wort Gottes, und gleichzeitig ist die Bibel sein gesprochenes Wort. Das macht die Autorität aus. Jesus lebt. Er ist ein lebendiger Gott. Durch die Kraft des Heiligen Geistes bewirkt das Wort Gottes ungeahnte Dinge in den Herzen.

9  Werde auch vertraut mit dem Katechismus der Katholischen Kirche. Er dient zwar nicht als direkte Grundlage einer prophetischen Lobpreiszeit, aber er bietet dir ein solides Fundament des Glaubens. Da der prophetische Lobpreis sozusagen von deinem Inneren nach außen geht, ist ein solides Glaubensfundament sehr wichtig. Im Katechismus findest du eine umfassende Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre entsprechend der apostolischen Überlieferung und des Lehramtes der katholischen Kirche. Er eignet sich auch sehr gut zum Nachschlagen für bestimmte Themen und Fragen.

10  Beim Einsatz: Geh in das volle Engagement. David Santistevan bringt es auf den Punkt:

„Vergiss, wie du aussiehst. Vergiss, wie du dich anhörst. … Wenn es Zeit ist zu spielen, gib dein ganzes Sein in den Lobpreis. … Wenn die Zeit des Lobpreises da ist, vergiss alles andere und lobpreise. Schütte dein Herz aus und engagiere dich ganz.“ (Santistevan: 2)

Und jetzt wünschen wir dir viel Spaß und sehr viel himmlische Freude beim Ausprobieren!

Thomas und Ruth

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VERWEISE

Santistevan, David: What does it mean to lead prophetic worship?
www.davidsantistevan.com/prophetic-worship/Equipping Local Church Worship Teams, (2012), abgerufen am 12.6.2018 (eigene Übersetzung)

BILDER: unsplash.com