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An der Brust Jesu, gerade in Bedrängnissen

Viele Sorgen wühlen uns vielleicht auf, wir stehen unter Druck oder Probleme nehmen überhand. Oft ist es so: Je existentieller und größer die Probleme sind, desto schwerer fällt es, den inneren Frieden zu bewahren.

Gott verlässt uns nicht

Eines ist bedeutsam: Wenn Schwierigkeiten da sind, heisst das nicht, dass Gott uns verlassen hätte. Das ist sehr sehr wichtig! Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir, welch großen Schwierigkeiten Maria und Josef ausgesetzt waren, und Jesus selbst ging es nicht anders. Die Geschichte der Heiligen zeigt ebenso, dass alle ausnahmslos Schwierigkeiten erfuhren, und oft größere als die, mit denen wir konfrontiert sind.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht nicht darum, Bedrängnisse und Schwierigkeiten zu verharmlosen, kleinzureden oder nicht ernst zu nehmen. Aber es ist sehr wichtig zu sehen, dass Gott uns nicht verlässt, wenn sich Probleme im Leben auftürmen.

Im Gegenteil ruft Gott uns gerade dann zu sich:

„Kommt zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich will euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11, 28)

Der Nutzen von Schwierigkeiten aus geistlicher Perspektive

Aus geistlicher Perspektive können wir sogar davon sprechen, dass wir aus Bedrängnissen Nutzen ziehen können. Denn Probleme und Schwierigkeiten fordern uns in positiver Weise heraus, mit Gott tiefer zu gehen und noch näher zu Gott zu kommen.

Wenn ich tatsächlich verstanden haben, dass Gott mich auch in meiner desolaten Situation sieht, mich nicht verlässt und an meiner Seite ist, dann ruft mich diese Situation, viel und noch mehr von Gott zu erwarten. Vielleicht sogar Ungewöhnliches oder menschlich gesehen Unmögliches.

Die Umstände rufen mich, zu Gott zu laufen, sie rufen mich in starke Fürbitte, sie rufen mich vielleicht sogar zum ersten Mal zum intensiven Gebet. Und was passiert da?

Eines, und das ist immer ein Nebeneffekt — aber für Gott sicher gar nicht so nebensächlich: Die Beziehung zu Ihm, Jesus Christus, wird vertieft, vielleicht sogar zum ersten Mal in sehr persönlicher Weise etabliert. Seine Liebe ist so groß zu uns, dass gerade dann, wenn es  in unserem Leben brenzlig wird, er uns besonders nah sein will. Gerade dann.

An der Brust Jesu ruhen

Die Bibel berichtet uns von einer Situation einer solchen innigsten Nähe mit Jesus. Es ist der Apostel Johannes, der beim Letzten Abendmahl an der Brust Jesu ruhte.

„Einer von den Jüngern lag an der Brust Jesu, es war der, den Jesus liebte.“ (Mt 13, 23)

Es ist einer sehr innige, intime Geste. Wir erlauben uns solches eigentlich nur bei Menschen, die uns sehr vertraut sind und deren Liebe wir sehr sicher sind.

Wenn es um eines solche Vertrautheit mit Gott geht, ist manchmal tatsächlich eine Scheu da, die Beziehung mit Jesus tiefer werden zu lassen oder sogar so weit zu gehen, wie wir es mit Jesus und Johannes sehen. „Darf ich das überhaupt? Er ist der Sohn des allmächtigen Gottes. Darf ich so vertraut mit Gott sein?“ Oder wir wenden ein: „Es war doch der Apostel Johannes! Das gilt nicht für mich. Bei den anderen Aposteln war es auch nicht so!“

Der bevorzugte Jünger Johannes?

Tatsächlich gibt uns die Bibel keine Hinweise darauf, dass die anderen Apostel ein so inniges Verhältnis mit Jesus hatten wie Johannes. So könnte man tatsächlich glauben, dass Jesus diesen Jünger, „den er liebte“, wie oft geschrieben steht, bevorzugte. Unwillkürlich verbinden wir damit die Zurücksetzung der anderen, wie es unter uns Menschen (leider) üblich ist. Aber ist es hier so?

Es gibt Hinweise  bei den Mystikern, wie zum Beispiel bei Maria Valtorta (1), dass auch die anderen Apostel ein sehr inniges Verhältnis mit Jesus hatten. Doch gab es einen Unterschied: Johannes scheint der Apostel gewesen zu sein, der die Nähe Jesu am kühnsten und am meisten gesucht hat. 

„Kühn“ ist hier tatsächlich der richtige Ausdruck, weil alle Apostel durchaus wussten, wer vor ihnen stand. Jesus Christus offenbarte sich im Volk Israel als der seit Jahrhunderten erwartete Messias und dazu noch als Sohn des Allerhöchsten, der für die Rettung der ganzen Welt gekommen ist. Doch immer wieder ermutigt Jesus die Apostel, die Scheu ihm gegenüber zu überwinden, näher und näher zu kommen und inniger mit ihm zu werden. Denn es ist sein eigenes, göttliches Verlangen, uns so nah zu haben.

Damit wir die Liebe Gottes, die er in uns unablässig verströmen will, in aller Fülle aufnehmen können, und uns in geistiger Weise immer mehr von Jesus an seine Brust nehmen lassen können, sind lange Augenblicke des Gebets und der Kontemplation wichtig. Ohne Zweifel ist hier die eucharistische Anbetung einer der besten Orte dafür.

Wenn wir allerdings aktuell in Problemen stecken, die uns überrollen, nehmen wir uns genau dafür nicht die Zeit. Und doch ist es gerade jetzt angebracht: Zeit — viel Zeit — mit Gott zu verbringen. Die Bereitschaft dazu, und es dann real umzusetzen, benötigt immer unsere aktive Entscheidung, vor allem dann, wenn ich die eucharistische Gegenwart Jesu suche oder mich zu einem Tabernakel auf dem Weg mache.

Besonders in schwierigen Situationen und Bedrängnissen ist es eine der aufbauendsten und besten Entscheidungen, viel Zeit mit Jesus zu verbringen, an seiner Brust Ruhe zu finden und Kraft zu tanken — und alles in dem Vertrauen, dass er die nötigen Lösungen und Wege schenken wird.

 

 

 

 

 

 

 

VERWEISE
(1) Valtorta, Maria: Der Gottmensch. Bd. 1-12
(2) Therese von Lisieux, zit. in: Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. St. Ignatius Press, San Francisco/US, 2014, S. 27, eigene Übersetzung

BILDER
Ikone Letztes Abendmahl: https://discalcedcarmel.org/holy-thursday-with-saint-john-the-apostle/

Eine Innensicht von Anbetung

Anbetung von innen her betrachtet — was geschieht eigentlich dabei? Es ist natürlich schwer, solche geistlichen, inneren Prozesse in Worte zu fassen. Doch es ist lohnenswert, einen Versuch zu starten. Denn es ist etwas so Kostbares, was der Seele widerfährt, dass es gut ist, darüber zu sprechen. Besonders auch, um die Sehnsucht nach einem solchen kostbaren Schatz zu wecken, eine vielleicht schlafende Sehnsucht danach anzurühren und aufzustören.

1.   Die tiefste Sehnsucht nach liebender Vereinigung mit Gott wird berührt

Das, was in der menschlichen Seele bei der Anbetung Jesu geschieht, berührt die vielleicht tiefste, menschliche Sehnsucht: Die Sehnsucht nach liebender Vereinigung mit Gott. Es ist der ungestillte Durst des

Menschen nach dem lebendigen Wasser, das nur Gott geben kann, es ist der Durst nach den Quellen des lebendigen Wassers in uns, die nur Gott aufbrechen lassen kann, es ist der Durst nach der tiefen Vereinigung mit dem lebendigen Gott, aus dem alles Leben kommt.

Wir sind als menschliche Wesen per se zu dieser Liebesgemeinschaft mit Gott berufen: Es gehört untrennbar zu unserem Menschsein. Im Paradies, für das wir geschaffen wurden, waren wir in innigster Gemeinschaft mit Gott; und erst durch den Sündenfall verloren wir das Paradies und diese Vereinigung mit Gott (vgl. Gen 2, 7-25; 3, 1-24).

Und erst Jesus Christus war es, der uns am Kreuz dieses tiefe Vereintwerden wieder neu ermöglicht hat. Seit dem ergeht der Ruf zu dieser innigsten Gemeinschaft mit Gott an jeden Menschen, unabhängig davon, in welche Weltanschauung oder Religion er geboren oder wie er sozialisiert wurde. 

„Denn geschaffen hast Du uns auf Dich hin, und ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe hat in dir“(1), 

so sagte der Heilige Augustinus schon im vierten Jahrhundert nach Christus. Dieses Wort hat bis heute Gültigkeit, denn es meint genau diese alle Zeiten überschreitende, menschliche Sehnsucht, die nur durch den Dreifaltigen Gott gestillt und zur Ruhe gebracht werden kann.

2.  Ohne Jesus Christus stirbt die Seele ab

Ohne Jesus Christus, durch den allein diese Vereinigung mit Gott stattfinden kann, stirbt die Seele ab, sie erleidet im wahrsten Sinne den Tod. Obwohl sie in einem lebendigen Leib lebt. Da die Seele leben will, verzweifelt leben will, bleibt sie auf einer existenziellen Suche, so lange sie die ausgestreckte Hand Christi nicht ergriffen hat. 

Interessant ist hier der Sprachgebrauch Jesu in der Bibel. Er spricht von „Toten“ vor allem dann, wenn die Seele genau diesen Tod stirbt, nämlich fern vom Dreifaltigen Gott zu leben. Wenn der Leib gestorben, spricht er oft davon, dass jemand nur „schläft“. 

Einmal, als die Tochter des Jairus gestorben war, wird er deswegen ausgelacht. Man unterstellt ihm, er habe nicht begriffen, dass das kleine Mädchen doch tatsächlich gestorben sei. Doch seine Anhänger und Jünger verstehen nicht, dass er sich keineswegs geirrt hat. Und wie er zu dem Mädchen kommt, erweckt er es wieder zum Leben.

„Als Jesus … hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. … Er fasste das Mädchen an der Hand und sagte: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher.  … Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.“ (Mk 5, 38-42)

Auch vom gestorbenen Lazarus sagt er, dass er nicht „tot“ sei.

„ … Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. Jesus hatte aber von seinem (des Lazarus) Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben.“ (Joh 11, 11-14)

Denjenigen Pharisäern und Schriftgelehrten aber, die ihm nicht glaubten, ihn ablehnten oder sogar verfolgten, sagt er, dass sie „Gräber sind“, also tot:

„Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen, innen aber sind sei voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.“ (Mt 23, 27-28)

Schon im Alten Testament finden wir diesen Sprachgebrauch:

„Über einen Toten weine, denn das Lebenslicht erlosch in ihm; über einen Toren weine, denn die Einsicht erlosch ihm. Weniger weine über einen Toten, denn er ruht aus; das schlechte Leben des Toren ist schlimmer als der Tod.“ (Weish 22,11)

3.   Auch das Gefundenhaben bleibt eine Suchbewegung, aber es ist eine gänzlich andere

Wenn ich nun Christus als meinen Retter und Erlöser angenommen habe, wenn ich „gefunden habe“, bleibt es eine Suchbewegung, es bleibt ein Weitergehen und Voranschreiten. Denn die Liebe Christi so unendlich groß, weit und letztlich in keiner Weise auszuloten, dass wir in diese liebenden Vereinigung immer weiter und tiefer eintauchen können, ohne je ans Ende zum kommen.

Insofern sind wir gerufen, Christus immer wieder neu und vertieft zu finden. Zwar ist dieses ebenso eine suchende Bewegung der Seele. Doch sie ist anders. Sie ist gänzlich anders als die Bewegung einer Seele, die ohne eine Beziehung mit Christus lebt und die keinen Erlöser kennt oder kennen will.

Denn der glückliche Zustand des Gefundenhabens hat nicht diese Verlorenheit und grundsätzliche Verlassenheit, die wesenhaft zu diesem gehört. Romano Guardini spricht sogar von der Verlassenheit des Daseins an sich, der Mensch sei

„verlassen von den Gründen seines Daseins her“(2),

wenn die Seele Christus nicht angehört.

4.  Bei der Anbetung betreten wir den Raum der Sehnsucht 

In der Anbetung nun betreten wir diesen Raum der Sehnsucht. Wir betreten diesen großen, immensen geistigen Raum, in dem die liebende Gemeinschaft mit Gott stattfindet.

Wir finden das fehlende Puzzleteil, das für unser ganzes Menschsein fehlte, wir, die wir  für die liebende Gemeinschaft mit Gott geschaffen sind. Denn wir verweilen in seiner göttlichen Gegenwart, suchen seine Gesellschaft und setzen unsere Seele seiner göttlichen Liebe aus. Schon Papst Benedikt XVI sagte:

„Eine wesentliche Weise des Mitseins mit dem Herrn ist die eucharistische Anbetung.(3)

5.  Die Liebe will nie stehen bleiben, sie will immer weiter gehen

Es ist das Wesen der Liebe, dass sie nie stehen bleiben will, dass sie immer weiter gehen und sich vertiefen will. In der Anbetung nun — mit dem guten Willen, sich für Jesus Christus zu öffnen — vertieft sich dieses liebende Sein mit Jesus. Es vertieft sich im Schauen auf Jesus, im Schauen auf die heilige Hostie.

Übernatürliche Freude, Frieden und Hoffnung — diese tragen wir als Christen schon als kleine Flammen in unseren Herzen. Das Verweilen unter den wirkkräftigen Strahlen der Liebe Jesu bei der Anbetung nährt diese Flamme der Freude, des Friedens und der Hoffnung und sie kann wachsen.

So kommen wir zu innerem Frieden auch in bedrängenden Zeiten. In einer Welt des Hasses und der Gewalt werde wir befähigt zu lieben; lieben in der Hoffnung auf Jesus, den Retter und Erlöser; lieben in der Hoffnung auf das ewige Reich der Liebe, dem wir schon jetzt angehören.

6.  Das übernatürliche Glück steht in direktem Verhältnis zur Anbetung

In dem sehr bemerkenswerten und empfehlenswerten Buch „In Sinu Jesu“ (Im Schoße Jesu) lesen wir folgendes:

„Das Glück eines Priesters steht in direkten Verhältnis zu der Erfahrung der Freundschaft Jesu bei der eucharistischen Anbetung.“ (4)

Deutlicher ist es kaum zu sagen, wie entscheidend die eucharistische Anbetung für das geistliche Leben ist. Hier sei kurz angemerkt, dass es sich hier um übernatürliches, von Gott geschenktes Glück handelt, das unabhängig von irdischen Wohltaten ist.

Das nun, was für Priester gilt, ist in diesem Fall ebenso relevant für einfache Gläubige.  Jesus Christus wartet im Sakrament der Liebe, um seine Priester und Gläubigen zu empfangen und liebevoll an sein Herz zu drücken.

Ohne die Anbetung verflüchtigen sich das übernatürliche Glück, der Frieden und die Hoffnung, und die Gefahr besteht, dass das innere Feuer erlischt und stattdessen Melancholie, Verzweiflung und Überdruss Einzug halten. Das zeigt sich vor allem in solchen Zeiten, in denen es für Christen, die es ernst meinen, von allen Seiten her schwieriger wird, selbst von innerhalb der Kirche her.

Halten wir dagegen, gehen wir den eucharistischen Herrn anbeten und empfangen wir die Funken göttlicher Liebe und göttlichen Lebens, die uns wieder neu erfrischen und aufrichten werden.

 

VERWEISE

(1) Bernhart, Joseph (Hrsg.): Augustinus —Bekenntnisse (Lateinisch und Deutsch). Insel Verlag, Frankfurt/M, 1987, S. 13
(2) Guardini, Romano: Der Herr. Leipzig, 1957, S. 188
(3) Papst Benedikt XVI: Predigt bei der Marianischen Vesper mit den Ordensleuten und Seminaristen Bayerns in Altötting. https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/homilies/2006/documents/hf_ben-xvi_hom_20060911_vespers-altotting.html
(4) Vgl.: In Sinu Jesu. Wenn das Herz zum Herzen spricht. Aufzeichnungen eines Priesters im Gebet. Patrimonium Verlag, Aachen, 2019,  S. 282

Bilder: unsplash.com,
außer „daughter of Jairus“: https://salvationbiblecell.com/a-girl-restored-to-life-and-a-woman-healed/

Erneuerung der Kirche Ja — aber wie?

Erneuerung, Reformen, Umgestaltung oder wie auch immer man angestrebte Veränderungen in der Kirche nennen möchte – dieses geht am Besten über die eucharistische Anbetung; sie ist ein vorzüglicher Ort, um Gestaltung zu beginnen.

Warum ist das so? Um das zu verstehen, muss das Wesen von eucharistischer Anbetung verstanden werden, zumindest drei ihrer entscheidenden Aspekte.

1. Es ist der Herr Jesus Christus, der anwesend ist. Er ist in seinem Opfer gegenwärtig, und ebenso in der Frucht seines Opfers: im Sieg über den Tod. Deshalb ist unter den eucharistischen Gestalten der lebendige und auferstandene Jesus gegenwärtig.

Hier — mit Leib und Blut gegenwärtig — ist seine  dichteste und mächtigste Seinsweise auf Erden. Und er ist das göttliche Haupt der Kirche. Etwas profan gesprochen: Der Chef, der Gründer, der Eigentümer, der, ohne dessen Wort und Zustimmung nichts getan werden sollte.

2. Während einer eucharistischen Anbetung verweilen wir in dieser mächtigen Gegenwart. Im Schweigen und in der Stille arbeitet der Herr, oft unbemerkt, an unseren Herzen. Und er spricht zu uns. Nicht unbedingt durch direkte Worte — obwohl es das auch gibt, und es ist ein großes Gnadengeschenk.

Sondern auch auf andere Weisen: durch Impulse, Eingebungen oder Ideen, die plötzlich da sind, Fügungen, die plötzlich erkannt werden und Handlungsoptionen eröffnen, oder Wege, die sich unerwartet gedanklich auftun. Oder er zeigt sich auf andere, unerwartete Weise. 

3. Wenn wir motiviert sind, für die Kirche Neues zu wagen und alles in der eucharistischen Anbetung erwägen, ehren wir das, was nach den Kirchenvätern und unzähligen Heiligen schon von alters her erkannt wurde: Die eucharistische Gegenwart des Herrn ist das Herz der Kirche.

Johannes Paul II, der große, heiliggesprochen Papst des 20. Jahrhunderts, nannte die Eucharistie sogar den

„… Schatz der Kirche, das Herz der Welt, das Unterpfand des Ziels, nach dem sich jeder Mensch, und sei es auch unbewusst, sehnt“. (1)

Die Wirkung der Anbetung ist immens. Die Arbeit des Herrn an unseren Herzen dient unserer persönlichen, immer weiter gehenden Bekehrung.

Wenn wir beginnen wollen, etwas in der Kirche zu erneuern oder neue Wege in ihr zu suchen, dann ist genau das eine unabdingbare Voraussetzung: Ein persönlicher, geistlicher, intensiver Weg mit Jesus. Denn ein reines Herz, das eng mit dem Herrn verbunden ist, vermag das Wollen des Herrn besser zu verstehen.

Selbstverständlich müssen alle neuen Impulse und Eingebungen einer nachfolgenden, geistlichen Unterscheidung und Prüfung unterzogen werden.

Auch sei unwidersprochen, dass der Herr Ideen und Impulse jederzeit und an jedem Ort geben kann, vor allem dann, wenn um den Heiligen Geist gebetet wird, oder auch während der heiligen Messe. Aber die eucharistische Anbetung bleibt ein vorzüglicher Ort.

Diejenigen, die weitreichende Entscheidungen für die Kirche treffen oder mittragen müssen, sind Priester und Bischöfe. Für sie ist es einfach, denn sie haben jederzeit Zugang zu eucharistischer Anbetung, und sei es im privaten Oratorium ihres Pfarrhauses oder Bischofsitzes.

Wenn wir nicht so eng wie möglich mit dem Herrn gehen, besteht die Gefahr, dass unsere Ideen rein menschengemacht sind. Nicht selten sind solche menschengemachte Ideen nicht mehr als Zugeständnisse an den herrschenden Zeitgeist. Damit aber können sie schlussendlich nicht dem Aufbau und der Erneuerung der Kirche dienen. Schlimmer noch: Sie schaden, verwirren, führen in die Irre und provozieren Streit, Unmut und Spaltung. Dieses kann niemals der Geist des Herrn sein.

Wenn also unser Herz dafür brennt, die Kirche voranzubringen, halten wir es mit der großen Heiligen Edith Stein: 

„Lieben wir es, in der Gegenwart des Herrn zu verweilen.“ (2)

 

 

VERWEISE

(1) Johannes Paul II: Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 17.3.2003, Nr. 59
(2)  Edith Stein, zit. in: Benedikt XVI: Predigt bei der Marianischen Vesper mit Ordensleuten und Seminaristen in Altötting, 11.9.2011

Bilder: https://unsplash.com

Die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament

Wir möchten hier etwas vorstellen, das vielleicht auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich ist, aber vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, die Kirche wieder aufzubauen. Wir sprechen von einer Weihe: von der Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament.

Es ist eine Weihe, ähnlich einer Weihe, wie wir sie z.B. von einer Marienweihe oder einer Weihe an das heiligste Herz Jesu kennen. Solche Weihen waren und sind im katholischen Raum Ausdruck einer persönlichen Spiritualität. Eine solche Weihe hat nichts mit dem dem Weihesakrament für das Priesteramt zu tun, und hat auch keinen Anteil daran. Insofern kann jeder Gläubige eine solche Weihe für sich selbst persönlich vollziehen.

(Bild: https://unsplash.com)

Eine Weihe ist eine Möglichkeit, sich selbst eine gewisse Verbindlichkeit für einen gewählten geistlichen Weg zu geben und auf diese Weise seinem persönlichen Weg mit Christus Ausdruck zu verleihen.

Zum anderen – so ist unser Glaube – verbinden sich mit einer Weihe besondere Gnaden, die helfen, genau diesen geistlichen Weg zu gehen.

Von einer solchen Weihe sprechen wir, wenn es um die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament geht. Wir nennen sie auch: „Weihe an Christus in der heiligen Eucharistie“ oder „Weihe an den eucharistischen Christus“. Worum geht es?

Diejenigen, die sich in Form dieser Weihe Christus hingeben, lassen sich in besonderer Weise dazu rufen, ein Leben aus der Anbetung des eucharistischen Christus zu führen. Es ist eine Weihe an Jesus Christus selbst, der unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist.

Konkret heißt dies, die Nähe des eucharistischen Christus zu suchen,  nicht nur in der heiligen Messe, sondern ebenso in der regelmäßigen Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten oder vor einem Tabernakel.

In den folgenden Beiträgen gehen wir auf einige Aspekte ein, die wir mit einer Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament verbinden.

Hier geht es weiter über die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament:
#1 Die Weihe: Ein Weg der Heilung
#2 Die Weihe: Ein Weg der Heiligung 

#3 Die Weihe: Eine Gnade zur Aufrichtung der Kirche
#4 Die Weihe: Ein Zeugnis über die Eucharistie
#5 Maria, die eucharistische Frau
#6 Die Weihe konkret

 

Auge in Auge mit der Katastrophe – und Hoffnung

Gerade in diesen Tagen intensiviert sich der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja auf der beliebten kanarischen Urlaubsinsel La Palma und hinterlässt eine nicht enden wollende Spur der Zerstörung. Seit Beginn des Ausbruchs am 21. September 2021 sind wir Zeugen einer immensen Naturkatastrophe. Bisher wurden über 1500 Häuser Opfer des glühenden Lavastroms, und ein Ende ist nicht abzusehen. Dank der sehr guten Arbeit der Behörden und Sicherheitskräfte dieser kanarischen Insel wurde und wird die Bevölkerung erfolgreich evakuiert, so dass bisher keine Todesopfer zu beklagen sind.

Lavaströme des Vulkans Kilauea auf Hawaii. Hier treffen die Ausbrüche zum Glück nicht auf besiedeltes Gebiet wie jetzt auf La Palma (wir können hier keine Originalbilder des Geschehens auf La Palma zeigen. Bild: @usgs, unsplash.com)

Nicht nur die immer neu gespeisten Lavaströme bereiten auf La Palma Sorgen, sondern auch die Asche und Gase, die inzwischen aus mehreren Schloten kilometerhoch in die Luft geschleudert werden. Es handelt sich bei dieser Asche nicht um die uns bekannte Holz- oder Papierasche, sondern um fragmentiertes und pulverisiertes Lavagestein, das als feiner Ascheregen herabfällt und sich wie ein grauer Schleier auf die Insel legt.  Dieser vulkanische Aschefall ist insofern gefährlich, weil er neben dem klein zerriebenen Gestein auch feinste Glasfragmente und für Menschen und Tiere giftige Substanzen enthält, die sich in der Lunge ansammeln und zu Luftnot, Husten und Lungenvernarbungen führen können.

„Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“

Gestern stieß ich auf ein Video eines Youtubers auf La Palma (1). Er hatte sich auf dem Vorplatz einer Kirche postiert, zusammen mit vielen anderen Schaulustigen, um aus einiger Entfernung das Geschehen des Cumbre Vieja zu beobachten und zu filmen. Der Aschefall nahm jedoch während seiner Aufnahme in einem Maße zu, dass er sich mit laufender Kamera in die Kirche begab und kommentierte: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“ Als wäre er sich plötzlich der Symbolik seiner Aussage bewusst, wiederholte er immer wieder: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche“, und ließ die Kamera umherschweifen, am Tabernakel vorbei, hin zum ewigen Licht, zurück zum Altar.

Asche und Gaswolke am Mount Bromo, Indonesien 2018 (Bild: @Marc Szeglat, unsplash.com)

Es war tatsächlich sehr berührend, als würde er, angesichts der durchaus greifbaren Gefahr des beeindruckenden, feuerspuckenden Vulkans an eine existentielle Wahrheit erinnert; eine Wahrheit, die wir in dem Bibelwort finden:

„Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!“ (Off 7, 10)

Wie stark stehen wir in dieser Hoffnung? Diese Kirche des kanarischen El Paso, auf dessen Vorplatz nicht nur der Youtuber, sondern viele weitere Menschen standen und gebannt auf den Cumbre Vieja schauten, war leer. Warum wurde dort nicht gebetet? Warum versammelte man sich dort nicht, um den Herrn, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde — so auch über aktive Vulkane –, um Hilfe zu bitten? Ist inzwischen so wenig Glauben zu finden? Wo wären wir selbst in einer solchen Situation?

Auf den Höhen des Cumbre Vieja vor dem Ausbruch (Bild: @flolu, unsplash.com)

Ein gänzlich anderes Geschehen zum Beispiel ereignete sich während eines Vulkanausbruchs 1902 auf der karibischen Insel Martinique. Tatsächlich geschah während des Ausbruchs des Mont Pelée ein eucharistisches Wunder (2).

Das eucharistische Wunder von Morne-Rouge 1902

Der Ausbruch des Mont Pelée auf Martinique kündigte sich 1902 mit leichten Erdbeben an. Am 8. Mai begann der Vulkan Lava und schwarze Aschewolken auszuspucken. In dem 800-Seelen-Dorf Morne-Rouge, das an den Hängen des Vulkans lag, versammelten sich angesichts der drohenden Gefahr die Menschen in der Pfarrkirche. Es wurde Messe gefeiert und das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Stunden verharrten die Dorfbewohner in der Kirche. Der Berg wurde immer unruhiger, und angesichts der Todesgefahr bekannten die Menschen ihre Sünden. Pfarrer Pére Mary sprach eine allgemeine Absolution für alle aus.

Plötzlich rief eine Frau aus: „Das Heiligste Herz Jesu ist in der Hostie!“ Nicht nur sie, sondern sehr viele der Gläubigen sahen dieses. Das Herz Jesu war mit einer Dornenkrone umgeben. Andere sagten, sie sähen Blut aus dem Heiligsten Herzen fließen. Dieses Phänomen dauerte mehrere Stunden an und endete erst mit der Einsetzung der Eucharistie in den Tabernakel (3).

Es war wie ein Wunder: An diesem 8. Mai 1902 wurde Morne-Rouge vom Ausbruch des Vulkans verschont. Die Kleinstadt St. Pierre, die nur wenige Kilometer entfernt an der Küste lag, wurde zur gleichen Zeit durch eine sogenannte pyroklastische Wolke, die plötzlich aus dem Vulkan ausbrach, innerhalb von kürzester Zeit dem Erdboden gleichgemacht.

Die pyroklastische Wolke auf der karibischen Insel Martinique 1902, fotografiert vom Kapitän eines Handelsschiffes, das in letzter Minute aus dem Hafen von St. Pierre fliehen konnte (Bild: https://www.researchgate.net/figure/Mont-Pelee-Martinique-the-black-cloud-of-16-December-1902-as-it-reached-the-sea_fig9_321460145)

Pyroklastische Ströme und Wolken entstehen bei Vulkanausbrüchen, wenn innerhalb des Vulkankegels große Lavagesteinaufbauten kollabieren oder der Kegel selbst kollabiert.  Explosionsartig werden Gase freigesetzt und das Lavagestein unter größter Hitze pulverisiert.  Mit 100-400 km/h und Temperaturen von 200-700 Grad Celsius stürzt eine solche Wolke die Abhänge hinunter und verwüstet alles, was ihr im Weg steht.

Beten wir, dass eine solche Entwicklung den Menschen auf La Palma am Cumbre Vieja erspart bleibt und die Naturkatastrophe ein schnelles Ende findet!

Vulkangebirge auf Martinique (Bild: @Weronika Valencyja, unsplash.com)

Die Geschichte Morne-Rouges ist damit noch nicht zu Ende. Drei Monate später, am 30. August des gleichen Jahres, wurde Morne-Rouge durch einen weiteren Ausbruch des Mont Pelée völlig zerstört, auch durch eine pyroklastische Wolke. Nur die, die sich nicht im Dorf aufhielten, überlebten.

Trotz dieses tragischen Schicksals bleibt der Trost, dass die Opfer der Katastrophe von Morne-Rouge mit Gott versöhnt und im Stand der Gnade in die ewige Freude eingehen konnten. Denn sie hatten angesichts der Todesgefahr ihre ganze Hoffnung auf Christus, den Erlöser, gesetzt.

Der heilige Cyprian, Bischof des antiken Karthago im dritten Jahrhundert nach Christus und bedeutender kirchlicher Schriftsteller, schreibt in seinem Traktat an Fortunatus:

„Wie groß ist die Würde und Sicherheit dessen, der froh von hier Abschied nimmt, der unter Not und Bedrängnis ruhmreich von dieser Welt scheidet, der jetzt die Augen schließt … und sie sofort wieder öffnet, um Gott und Christus zu schauen! … Unversehens wirst du der Erde entrissen, um Bürger des Himmelreiches zu werden.“ (5)

Von all diesen Dingen zu erfahren hat mich doch recht nachdenklich gemacht.  Worauf setze ich  wirklich meine Hoffnung? Was zählt letzten Endes tatsächlich, und trägt durch, selbst in Todesgefahr und über den Tod hinaus?

Jesus Christus, Licht in der Dunkelheit dieser Welt

Papst Benedikt XVI bringt es meines Erachtens auf den Punkt. Er schreibt über unsere christliche Hoffnung:

„Die Hoffnung ist personalisiert. Ihre Mitte liegt nicht in Raum und Zeit …, sondern in der Beziehung zur Person Jesu Christi und im Verlangen nach seiner Nähe.“ (4)

Denn Christus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Durch die Beziehung mit ihm sind wir Erben des ewigen Lebens, das er gibt. Denn:

„Er hat uns in seinem Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben.“ (1 Petr 1, 3)

Eucharistische Anbetung ist Zeichen einer solchen Hoffnung, und gleichzeitig ein Zeichen unseres Verlangens nach der Nähe Jesu.  Sie ist ein direkter Ausdruck davon, die Beziehung mit Jesus Christus zu suchen und vertiefen zu wollen. Denn wir begeben uns in seine lebendige, auferstandene Gegenwart.

Beginnen wir mit der Anbetung schon jetzt, zeigen wir jetzt schon dieses Verlangen, und nicht erst, wenn es brenzlig wird.

VERWEISE
(1) Link des Youtubekanals https://www.youtube.com/channel/UCR-W1hBvmDx4stuEvY3rP2A
(2) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(3) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(4) Benedikt XVI/Josef Ratzinger: Eschatologie – Tod und Ewiges Leben. Verlag Friederich Pustet, Regensburg, 2019, S. 22
(5) Cyprianus von Karthago: Aus einem Traktat an Fortunatus. In: Lektionar (zur Feier des Stundengebetes), Heft 7, 21.-27 Woche im Jahreskreis, Zweite Jahresreihe, Tag des Heiligen Kallistus I (14.10.)
(6) Titelbild: Ausbruch des Ätna im Februar 2021 @ Piermanuele Sberni, unsplash.com

 

Gott hat eine irdische Adresse!

Die Eucharistie ist mehr als alle andere das Sakrament, das geglaubt werden muss. Kann Gott, in Jesus Christus, an unzähligen Orten gleichzeitig sein, mit seinem Leib gegenwärtig? Ja, das kann er. Warum sollte er es nicht können, Jesus Christus, der Sohn Gottes, Er, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde? 

„Da trat Jesus auf sie zu und sagte: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ (Mt 28, 18)

Wenn wir glauben, dass Jesus Christus tatsächlich der Sohn Gottes ist und selbst Gott ist als die zweite göttliche Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, ist weniger die Frage, ob Jesus es kann, sondern vielmehr ob er es getan hat.

Wenn wir der Frage nachgehen, ob Christus es tatsächlich getan hat, ob er tatsächlich sich selbst bis zum Ende der Zeiten in der Eucharistie vergegenwärtigt, dann befragen wir zuerst die Heilige Schrift. Spricht also die Bibel davon, und wie tut sie es? Hilfreich ist auch, auf die Geschichte der Kirche zu schauen. Wird es bestätigt durch eine Wolke von Zeugen durch die 2000jährige Kirchengeschichte hindurch, zeugen davon auch eucharistische Wunder?

Ein Blick in die Bibel zeigt uns: Im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums lehrt Jesus über das, was er später beim Letzten Abendmahl tun wird, nämlich Brot und Wein in sich selbst verwandeln: 

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (…) Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. (…) Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6, 41. 55. 58)

Später, beim Letzten Abendmahl, vor seiner Passion, hören wir ihn:

„Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch mit Wein, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14, 22; vgl. auch Mt 26, 17-29; Lk 22, 14-20)

Die Bibel, besonders die überlieferten Jesus-Worte darin, ist der erste herausragende Zeuge für die tatsächliche Gegenwart des Herrn im Allerheiligsten Sakrament.

Kein geringerer nun als Josef Kardinal Ratzinger, später Papst Benedikt XVI, räumt das gewichtigste Argument dagegen aus, Jesus habe das vielleicht nur symbolisch als Erinnerungsmahl gemeint.

Als sich Widerspruch in der Menge erhob, denn was er sagte war ihnen unerträglich (vgl. Joh 6, 58), hätte Jesus den Widerspruch leicht besänftigen können: ‚Hey, nein, so war das nicht gemeint! Nehmt das nicht wörtlich, dies ist nur symbolisch gemeint, ich sage zwar ‚Fleisch‘ und ‚Blut‘, meine das aber nicht wirklich so!’ Nichts davon, nichts von einer solchen Relativierung kommt aus Jesu Mund (vgl. Ratzinger: 78ff). Stattdessen weist er auf seine göttliche Herkunft und Vollmacht hin:

„Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?“ (Joh 6, 62)

Jesus hat es also getan. Durch die zweitausendjährige Kirchengeschichte gibt es unzählige Zeugnisse, eine Wolke von Zeugen, die von Heilungen, Wundern und Ereignissen sprechen, bei denen sich Christus als eucharistischer Christus gegenwärtig und lebendig erweist. Und das sowohl während der Messfeier, als auch in Tabernakeln oder zur Anbetung ausgesetzt in einer Monstranz. Die Ordensschwester Sr. Briege McKenna durfte während ihres Dienstes so manche Heilungen erleben.

So berichtet sie von einem jungen Priester, der voller Angst und Verzweiflung war, weil er Krebs an den Stimmbändern hatte, und er vor einer Operation stand, bei der sein gesamter Stimmapparat wegoperiert werden sollte.

Beim Telefonat empfahl Sr. Briege ihm, wenn er die Messe feiere, doch Jesus zu bitten ihn zu heilen, und zwar direkt während des Kommunizierens, wenn Jesus beim Schlucken doch äußerst nah an den betroffenen Stellen ‚vorbeigehe‘. Er tat dies, und als er zum OP-Termin ging, wurde festgestellt, dass der Krebs komplett verschwunden war (vgl. McKenna: 66). Um es mit Père Daniel-Ange, einem französischen, charismatischen Priester, zu sagen: „Das hätte kein Toastbrot bewirken können!“

Erwähnenswert sind auch die sogenannten eucharistischen Wunder, bei denen sich die Worte Jesu ‚Das ist mein Fleisch‘, ‚Das ist mein Blut‘ sehr konkret als wahr bezeugen, indem konsekrierter Wein sich in Blut verwandelt und konsekrierte Hostien in reale Stückchen von Fleisch. Bei letzteren war mit heutigen wissenschaftlichen Methoden festgestellt worden, dass es sich um menschliches Gewebe handelt, das Anzeichen eines Todeskampfes aufweist.

Eucharistisches Wunder in Liegnitz/Legnica in Polen. Ein fleischähnliches Gebilde löste sich aus der konsekrierten Hostie (Bildquelle: Bistum Liegnitz, Polen)

Carlo Acutis, ein inzwischen selig gesprochener Jugendlicher, hatte es sich als Aufgabe gesetzt, solche eucharistische Wunder zu dokumentieren. Er trug bis zum Ende seines jungen Lebens (er starb 2006 mit 15 Jahren) um die 140 solcher Fälle zusammen, die er auch als Ausstellung konzipierte. Sie sind ein großes Zeugnis für die konkrete Wahrheit der Worte Jesu. Über ein solches Wunder in Polen, das noch gar nicht so lange her ist, gibt es einen Blogbeitrag (siehe hier). 

Jesus hat es also getan, und tut es heute noch. An unzähligen Orten weltweit vergegenwärtigt er sich täglich in den Eucharistiefeiern, an unzähligen Orten weltweit wird sein heiligster Leib unter der Gestalt der Hostie in Tabernakeln aufbewahrt und an unzähligen Orten weltweit wohnt er auf diese Weise mitten unter uns, mit seinem Leib gegenwärtig. 

Gott hat eine Adresse, eine irdische Adresse, wo er aufgesucht werden kann. 

Ohne Zweifel war es ein Höchstmaß an Gnade für das alte Israel, den menschgewordenen Sohn Gottes auf Erden mit seinem Mund predigen und wunderwirkend gesehen zu haben. Doch wie viel wert ist ist seine eucharistische Gegenwart heute, wie kostbar ist sie, wie wertvoll ist es, ihn an seinen heutigen Wohnorten aufzusuchen. 

„Meister, wo wohnst du?“, 

fragten damals seine Jünger. 

„Kommt und seht!“, 

war seine Einladung, und sie gilt noch immer. 

„Da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte, und blieben den ganzen Tag bei ihm.“ (Joh 1, 38-39)

Und wir? Jesus vergegenwärtigt sich nicht in der Eucharistiefeier, damit wir ihn ignorieren, gleichgültig der Kommunion fernbleiben und ihn den Tabernakeln vergessen. Er hat sich nicht in der Hostie unseren leiblichen Augen sichtbar gemacht, damit wir achtlos an ihm vorbeigehen und uns damit begnügen, ihn in den Tabernakeln wegzusperren. 

Nein, er hat sich auf diese Weise vergegenwärtigt, und tut es ständig weiter, damit wir ihn in der Kommunion empfangen, der innigsten Vereinigung, die uns mit Gott möglich ist. Und er vergegenwärtig sich auf diese Weise, damit wir auch heute ‚kommen und sehen‘ können, damit wirunseren Blick auf die Hostie fokussieren können und ihn betrachten und meditieren können.

Er ruft uns  in den Gnadenstrom hinein, der von seiner eucharistischen Gegenwart ausgeht. Wenn wir Jesus anbeten, wird er aktiv.

Er wartet auf unsere Regungen des Herzens, um auf sie zu antworten. Er ruft uns, ihn anzubeten und seine Liebe und Größe zu betrachten, und auch seine Barmherzigkeit, die er uns zukommen lässt, denn wir sind nichts vor seiner Gottheit. 

Kommt lasst uns ihn anbeten!

 

Literatur und Bildnachweise

Les Miracles Eucharistiques dans le Monde. De Guibert, Paris, 2009

Josef Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI: Gott ist uns nah. Eucharistie – Mitte des Lebens. St. Ulrich Verlag, Augsburg, 2001

Sr. Briege McKenna: Miracles do happen. Servant Publications, Ann Arbor/Michigan, 1987

Alle Bilder, bis auf das der Bluthostie, von unsplash.com
Das Bild der Bluthostie mit herzlichem Dank an das Bistum Liegnitz/Legnica, Polen

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Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die eucharistische Anbetung, für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron.  Wir finden es im Buch der Offenbarung des Johannes:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied“ (Offb 5, 8-9)

Was umgibt diese Situation, die dort geschildert wird? Wir sehen anhand des biblischen Textes vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron. Er ist umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, er ist umgeben von unzähligen Engeln und anderen, unbekannten Lebewesen. Alle sind gemeinsam in Lobpreis und Anbetung des Lammes vereint.

Explizit wird hier die Anbetung des Lamm Gottes mit Musik und Gesang beschrieben. Dass Musik — die Harfe kann hier stellvertretend für jegliche Musikinstrumente stehen — und Gesang im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Das Buch der Offenbarung beschreibt hier eine Situation, in der wir sozusagen einen Blick „in den Himmel“ werfen dürfen, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird. Gleichzeitig beschreibt dieses prophetische Bild eine geistige Realität, die schon jetzt begonnen hat.

Die besondere Erwähnung der Anbetung des Lamm Gottes mit Musik und Gesang will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Dass wir schon hier auf Erden dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dass dieses schon jetzt in Gemeinschaft mit den Engeln und Heiligen geschieht?

Die Heilige und zur Kirchenlehrerin erhobene Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist dies in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

So wurde das selbstverständliche Mitschwingen des Menschen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Doch sie betont ausdrücklich, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, bestehen bleibt. Wir sind berufen, uns mit unserer Musik mit dem Lobpreis der Engel und Heiligen zu vereinen, die schon jetzt im himmlischen Thronsaal Gottes des ewigen Lobpreis anstimmen. Es entspricht dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk ist es, Christus in seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Kommt lasset uns anbeten mit Musik und Gesang!

 

 

VERWEISE
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos: unsplash.com