Archiv der Kategorie: Über Anbetung

Die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament

Wir möchten hier etwas vorstellen, das vielleicht auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich ist, aber vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, die Kirche wieder aufzubauen. Wir sprechen von einer Weihe: von der Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament.

Es ist eine Weihe, ähnlich einer Weihe, wie wir sie z.B. von einer Marienweihe oder einer Weihe an das heiligste Herz Jesu kennen. Solche Weihen waren und sind im katholischen Raum Ausdruck einer persönlichen Spiritualität. Eine solche Weihe hat nichts mit dem dem Weihesakrament für das Priesteramt zu tun, und hat auch keinen Anteil daran. Insofern kann jeder Gläubige eine solche Weihe für sich selbst persönlich vollziehen.

Bildquelle: https://unsplash.com

Eine Weihe ist eine Möglichkeit, sich selbst eine gewisse Verbindlichkeit für einen gewählten geistlichen Weg zu geben und auf diese Weise seinem persönlichen Weg mit Christus Ausdruck zu verleihen.

Zum anderen – so ist unser Glaube – verbinden sich mit einer Weihe besondere Gnaden, die helfen, genau diesen geistlichen Weg zu gehen.

Von einer solchen Weihe sprechen wir, wenn es um die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament geht. Wir nennen sie auch: „Weihe an Christus in der heiligen Eucharistie“ oder „Weihe an den eucharistischen Christus“. Worum geht es?

Diejenigen, die sich in Form dieser Weihe Christus hingeben, lassen sich in besonderer Weise dazu rufen, ein Leben aus der Anbetung des eucharistischen Christus zu führen. Es ist eine Weihe an Jesus Christus selbst, der unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist.

Konkret heißt dies, die Nähe des eucharistischen Christus zu suchen,  nicht nur in der heiligen Messe, sondern ebenso in der regelmäßigen Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten oder vor einem Tabernakel.

In den folgenden Beiträgen gehen wir auf einige Aspekte ein, die wir mit einer Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament verbinden.

Hier geht es weiter über die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament:
#1 Die Weihe: Ein Weg der Heilung
#2 Die Weihe: Ein Weg der Heiligung 

#3 Die Weihe: Eine Gnade zur Aufrichtung der Kirche
#4 Die Weihe: Ein Zeugnis über die Eucharistie
#5 Maria, die eucharistische Frau
#6 Die Weihe konkret

 

Auge in Auge mit der Katastrophe – und Hoffnung

Noch während ich, Ruth, dieses schreibe, intensiviert sich von Tag zu Tag der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja auf der beliebten kanarischen Urlaubsinsel La Palma und hinterlässt eine nicht enden wollende Spur der Zerstörung. Seit Beginn des Ausbruchs am 21. September 2021 sind wir Zeugen einer immensen Naturkatastrophe. Bisher wurden über 1500 Häuser Opfer des glühenden Lavastroms, und ein Ende ist nicht abzusehen. Dank der sehr guten Arbeit der Behörden und Sicherheitskräfte dieser kanarischen Insel wurde und wird die Bevölkerung erfolgreich evakuiert, so dass bisher keine Todesopfer zu beklagen sind.

Lavaströme des Vulkans Kilauea auf Hawaii. Hier treffen die Ausbrüche zum Glück nicht auf besiedeltes Gebiet wie jetzt auf La Palma (wir können hier keine Originalbilder des Geschehens auf La Palma zeigen. Bild: @usgs, unsplash.com)

Nicht nur die immer neu gespeisten Lavaströme bereiten auf La Palma Sorgen, sondern auch die Asche und Gase, die inzwischen aus mehreren Schloten kilometerhoch in die Luft geschleudert werden. Es handelt sich bei dieser Asche nicht um die uns bekannte Holz- oder Papierasche, sondern um fragmentiertes und pulverisiertes Lavagestein, das als feiner Ascheregen herabfällt und sich wie ein grauer Schleier auf die Insel legt.  Dieser vulkanische Aschefall ist insofern gefährlich, weil er neben dem klein zerriebenen Gestein auch feinste Glasfragmente und für Menschen und Tiere giftige Substanzen enthält, die sich in der Lunge ansammeln und zu Luftnot, Husten und Lungenvernarbungen führen können.

„Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“

Gestern stieß ich auf ein Video eines Youtubers auf La Palma (1). Er hatte sich auf dem Vorplatz einer Kirche postiert, zusammen mit vielen anderen Schaulustigen, um aus einiger Entfernung das Geschehen des Cumbre Vieja zu beobachten und zu filmen. Der Aschefall nahm jedoch während seiner Aufnahme in einem Maße zu, dass er sich mit laufender Kamera in die Kirche begab und kommentierte: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche!“ Als wäre er sich plötzlich der Symbolik seiner Aussage bewusst, wiederholte er immer wieder: „Ich nehme Zuflucht vor dem Ascheregen in einer Kirche“, und ließ die Kamera umherschweifen, am Tabernakel vorbei, hin zum ewigen Licht, zurück zum Altar.

Asche und Gaswolke am Mount Bromo, Indonesien 2018 (Bild: @Marc Szeglat, unsplash.com)

Es war tatsächlich sehr berührend, als würde er, angesichts der durchaus greifbaren Gefahr des beeindruckenden, feuerspuckenden Vulkans an eine existentielle Wahrheit erinnert; eine Wahrheit, die wir in dem Bibelwort finden:

„Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!“ (Off 7, 10)

Wie stark stehen wir in dieser Hoffnung? Diese Kirche des kanarischen El Paso, auf dessen Vorplatz nicht nur der Youtuber, sondern viele weitere Menschen standen und gebannt auf den Cumbre Vieja schauten, war leer. Warum wurde dort nicht gebetet? Warum versammelte man sich dort nicht, um den Herrn, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde — so auch über aktive Vulkane –, um Hilfe zu bitten? Ist inzwischen so wenig Glauben zu finden? Wo wären wir selbst in einer solchen Situation?

Auf den Höhen des Cumbre Vieja vor dem Ausbruch (Bild: @flolu, unsplash.com)

Ein gänzlich anderes Geschehen zum Beispiel ereignete sich während eines Vulkanausbruchs 1902 auf der karibischen Insel Martinique. Tatsächlich geschah während des Ausbruchs des Mont Pelée ein eucharistisches Wunder (2).

Das eucharistische Wunder von Morne-Rouge 1902

Der Ausbruch des Mont Pelée auf Martinique kündigte sich 1902 mit leichten Erdbeben an. Am 8. Mai begann der Vulkan Lava und schwarze Aschewolken auszuspucken. In dem 800-Seelen-Dorf Morne-Rouge, das an den Hängen des Vulkans lag, versammelten sich angesichts der drohenden Gefahr die Menschen in der Pfarrkirche. Es wurde Messe gefeiert und das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Stunden verharrten die Dorfbewohner in der Kirche. Der Berg wurde immer unruhiger, und angesichts der Todesgefahr bekannten die Menschen ihre Sünden. Pfarrer Pére Mary sprach eine allgemeine Absolution für alle aus.

Plötzlich rief eine Frau aus: „Das Heiligste Herz Jesu ist in der Hostie!“ Nicht nur sie, sondern sehr viele der Gläubigen sahen dieses. Das Herz Jesu war mit einer Dornenkrone umgeben. Andere sagten, sie sähen Blut aus dem Heiligsten Herzen fließen. Dieses Phänomen dauerte mehrere Stunden an und endete erst mit der Einsetzung der Eucharistie in den Tabernakel (3).

Es war wie ein Wunder: An diesem 8. Mai 1902 wurde Morne-Rouge vom Ausbruch des Vulkans verschont. Die Kleinstadt St. Pierre, die nur wenige Kilometer entfernt an der Küste lag, wurde zur gleichen Zeit durch eine sogenannte pyroklastische Wolke, die plötzlich aus dem Vulkan ausbrach, innerhalb von kürzester Zeit dem Erdboden gleichgemacht.

Die pyroklastische Wolke auf der karibischen Insel Martinique 1902, fotografiert vom Kapitän eines Handelsschiffes, das in letzter Minute aus dem Hafen von St. Pierre fliehen konnte (Bild: https://www.researchgate.net/figure/Mont-Pelee-Martinique-the-black-cloud-of-16-December-1902-as-it-reached-the-sea_fig9_321460145)

Pyroklastische Ströme und Wolken entstehen bei Vulkanausbrüchen, wenn innerhalb des Vulkankegels große Lavagesteinaufbauten kollabieren oder der Kegel selbst kollabiert.  Explosionsartig werden Gase freigesetzt und das Lavagestein unter größter Hitze pulverisiert.  Mit 100-400 km/h und Temperaturen von 200-700 Grad Celsius stürzt eine solche Wolke die Abhänge hinunter und verwüstet alles, was ihr im Weg steht.

Beten wir, dass eine solche Entwicklung den Menschen auf La Palma am Cumbre Vieja erspart bleibt und die Naturkatastrophe ein schnelles Ende findet!

Vulkangebirge auf Martinique (Bild: @Weronika Valencyja, unsplash.com)

Die Geschichte Morne-Rouges ist damit noch nicht zu Ende. Drei Monate später, am 30. August des gleichen Jahres, wurde Morne-Rouge durch einen weiteren Ausbruch des Mont Pelée völlig zerstört, auch durch eine pyroklastische Wolke. Nur die, die sich nicht im Dorf aufhielten, überlebten.

Trotz dieses tragischen Schicksals bleibt der Trost, dass die Opfer der Katastrophe von Morne-Rouge mit Gott versöhnt und im Stand der Gnade in die ewige Freude eingehen konnten. Denn sie hatten angesichts der Todesgefahr ihre ganze Hoffnung auf Christus, den Erlöser, gesetzt.

Der heilige Cyprian, Bischof des antiken Karthago im dritten Jahrhundert nach Christus und bedeutender kirchlicher Schriftsteller, schreibt in seinem Traktat an Fortunatus:

„Wie groß ist die Würde und Sicherheit dessen, der froh von hier Abschied nimmt, der unter Not und Bedrängnis ruhmreich von dieser Welt scheidet, der jetzt die Augen schließt … und sie sofort wieder öffnet, um Gott und Christus zu schauen! … Unversehens wirst du der Erde entrissen, um Bürger des Himmelreiches zu werden.“ (5)

Von all diesen Dingen zu erfahren hat mich doch recht nachdenklich gemacht.  Worauf setze ich  wirklich meine Hoffnung? Was zählt letzten Endes tatsächlich, und trägt durch, selbst in Todesgefahr und über den Tod hinaus?

Jesus Christus, Licht in der Dunkelheit dieser Welt

Papst Benedikt XVI bringt es meines Erachtens auf den Punkt. Er schreibt über unsere christliche Hoffnung:

„Die Hoffnung ist personalisiert. Ihre Mitte liegt nicht in Raum und Zeit …, sondern in der Beziehung zur Person Jesu Christi und im Verlangen nach seiner Nähe.“ (4)

Denn Christus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Durch die Beziehung mit ihm sind wir Erben des ewigen Lebens, das er gibt. Denn:

„Er hat uns in seinem Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben.“ (1 Petr 1, 3)

Eucharistische Anbetung ist Zeichen einer solchen Hoffnung, und gleichzeitig ein Zeichen unseres Verlangens nach der Nähe Jesu.  Sie ist ein direkter Ausdruck davon, die Beziehung mit Jesus Christus zu suchen und vertiefen zu wollen. Denn wir begeben uns in seine lebendige, auferstandene Gegenwart.

Beginnen wir mit der Anbetung schon jetzt, zeigen wir jetzt schon dieses Verlangen, und nicht erst, wenn es brenzlig wird!

VERWEISE
(1) Link des Youtubekanals https://www.youtube.com/channel/UCR-W1hBvmDx4stuEvY3rP2A
(2) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(3) Vgl. Les Miracles Eucharistique dans le Monde. Éditions Francois-Xavier de Guibert, Paris, 2009, S. 108
(4) Benedikt XVI/Josef Ratzinger: Eschatologie – Tod und Ewiges Leben. Verlag Friederich Pustet, Regensburg, 2019, S. 22
(5) Cyprianus von Karthago: Aus einem Traktat an Fortunatus. In: Lektionar (zur Feier des Stundengebetes), Heft 7, 21.-27 Woche im Jahreskreis, Zweite Jahresreihe, Tag des Heiligen Kallistus I (14.10.)
(6) Titelbild: Ausbruch des Ätna im Februar 2021 @ Piermanuele Sberni, unsplash.com

Gott hat eine irdische Adresse!

Die Eucharistie ist mehr als alle anderen das Sakrament, das geglaubt werden muss. Kann Gott, in Jesus Christus, an unzähligen Orten gleichzeitig sein, mit seinem Leib gegenwärtig? Ja, das kann er. Warum sollte er es nicht können, Jesus Christus, der Sohn Gottes, Er, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde? 

„Da trat Jesus auf sie zu und sagte: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ (Mt 28, 18)

Wenn wir glauben, dass Jesus Christus tatsächlich der Sohn Gottes ist und selbst Gott ist als die zweite göttliche Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, ist weniger die Frage, ob Jesus es kann, sondern vielmehr ob er es getan hat.

Spricht also die Heilige Schrift davon, bezeugt es eine Wolke von Zeugen durch die 2000jährige Kirchengeschichte hindurch, zeugen davon eucharistische Wunder?

Ein Blick in die Bibel zeigt uns: Im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums lehrt Jesus über das, was er später beim Letzten Abendmahl tun wird, nämlich Brot und Wein in sich selbst verwandeln: 

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (…) Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. (…) Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6, 41. 55. 58)

Später, beim Letzten Abendmahl, vor seiner Passion, hören wir ihn:

„Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch mit Wein, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14, 22; vgl. auch Mt 26, 17-29; Lk 22, 14-20)

Die Bibel, besonders die überlieferten Jesus-Worte darin, ist der erste herausragende Zeuge für die tatsächliche Gegenwart des Herrn im Allerheiligsten Sakrament.

Kein geringerer nun als Josef Kardinal Ratzinger, später Papst Benedikt XVI, räumt das gewichtigste Argument dagegen aus, Jesus habe das vielleicht nur symbolisch als Erinnerungsmahl gemeint.

Als sich Widerspruch in der Menge erhob, denn was er sagte war ihnen unerträglich (vgl. Joh 6, 58), hätte Jesus den Widerspruch leicht besänftigen können: ‚Hey, nein, so war das nicht gemeint! Nehmt das nicht wörtlich, dies ist nur symbolisch gemeint, ich sage zwar ‚Fleisch‘ und ‚Blut‘, meine das aber nicht wirklich so!’ Nichts davon, nichts von einer solchen Relativierung kommt aus Jesu Mund (vgl. Ratzinger: 78ff). Stattdessen weist er auf seine göttliche Herkunft und Vollmacht hin:

„Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?“ (Joh 6, 62)

Jesus hat es also getan. Durch die zweitausendjährige Kirchengeschichte gibt es unzählige Zeugnisse, eine Wolke von Zeugen, die von Heilungen, Wundern und Ereignissen sprechen, bei denen sich Christus als eucharistischer Christus gegenwärtig und lebendig erweist. Und das sowohl während der Messfeier, als auch in Tabernakeln oder zur Anbetung ausgesetzt in einer Monstranz. Die Ordensschwester Sr. Briege McKenna durfte während ihres Dienstes so manche Heilungen erleben.

So berichtet sie von einem jungen Priester, der voller Angst und Verzweiflung war, weil er Krebs an den Stimmbändern hatte, und er vor einer Operation stand, bei der sein gesamter Stimmapparat wegoperiert werden sollte.

Beim Telefonat empfahl Sr. Briege ihm, wenn er die Messe feiere, doch Jesus zu bitten ihn zu heilen, und zwar direkt während des Kommunizierens, wenn Jesus beim Schlucken doch äußerst nah an den betroffenen Stellen ‚vorbeigehe‘. Er tat dies, und als er zum OP-Termin ging, wurde festgestellt, dass der Krebs komplett verschwunden war (vgl. McKenna: 66). Um es mit Père Daniel-Ange, einem französischen, charismatischen Priester, zu sagen: „Das hätte kein Toastbrot bewirken können!“

Erwähnenswert sind auch die sogenannten eucharistischen Wunder, bei denen sich die Worte Jesu ‚Das ist mein Fleisch‘, ‚Das ist mein Blut‘ sehr konkret als wahr bezeugen, indem konsekrierter Wein sich in Blut verwandelt und konsekrierte Hostien in reale Stückchen von Fleisch. Bei letzteren war mit heutigen wissenschaftlichen Methoden festgestellt worden, dass es sich um menschliches Gewebe handelt, das Anzeichen eines Todeskampfes aufweist.

Eucharistisches Wunder in Liegnitz/Legnica in Polen. Ein fleischähnliches Gebilde löste sich aus der konsekrierten Hostie (Bildquelle: Bistum Liegnitz, Polen)

Carlo Acutis, ein inzwischen selig gesprochener Jugendlicher, hatte es sich als Aufgabe gesetzt, solche eucharistische Wunder zu dokumentieren. Er trug bis zum Ende seines jungen Lebens (er starb 2006 mit 15 Jahren) um die 140 solcher Fälle zusammen, die er auch als Ausstellung konzipierte. Sie sind ein großes Zeugnis für die konkrete Wahrheit der Worte Jesu. Über ein solches Wunder in Polen, das noch gar nicht so lange her ist, gibt es einen Blogbeitrag (siehe hier). 

Jesus hat es also getan, und tut es heute noch. An unzähligen Orten weltweit vergegenwärtigt er sich täglich in den Eucharistiefeiern, an unzähligen Orten weltweit wird sein heiligster Leib unter der Gestalt der Hostie in Tabernakeln aufbewahrt und an unzähligen Orten weltweit wohnt er auf diese Weise mitten unter uns, mit seinem Leib gegenwärtig. 

Gott hat eine Adresse, eine irdische Adresse, wo er aufgesucht werden kann. 

Ohne Zweifel war es ein Höchstmaß an Gnade für das alte Israel, den menschgewordenen Sohn Gottes auf Erden mit seinem Mund predigen und wunderwirkend gesehen zu haben. Doch wie viel wert ist ist seine eucharistische Gegenwart heute, wie kostbar ist sie, wie wertvoll ist es, ihn an seinen heutigen Wohnorten aufzusuchen. 

„Meister, wo wohnst du?“, 

fragten damals seine Jünger. 

„Kommt und seht!“, 

war seine Einladung, und sie gilt noch immer. 

„Da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte, und blieben den ganzen Tag bei ihm.“ (Joh 1, 38-39)

Und wir? Jesus vergegenwärtigt sich nicht in der Eucharistiefeier, damit wir ihn ignorieren, gleichgültig der Kommunion fernbleiben und ihn den Tabernakeln vergessen. Er hat sich nicht in der Hostie unseren leiblichen Augen sichtbar gemacht, damit wir achtlos an ihm vorbeigehen und uns damit begnügen, ihn in den Tabernakeln wegzusperren. 

Nein, er hat sich auf diese Weise vergegenwärtigt, und tut es ständig weiter, damit wir ihn in der Kommunion empfangen, der innigsten Vereinigung, die uns mit Gott möglich ist. Und er vergegenwärtig sich auf diese Weise, damit wir auch heute ‚kommen und sehen‘ können, damit wirunseren Blick auf die Hostie fokussieren können und ihn betrachten und meditieren können.

Er ruft uns  in den Gnadenstrom hinein, der von seiner eucharistischen Gegenwart ausgeht. Wenn wir Jesus anbeten, wird er aktiv.

Er wartet auf unsere Regungen des Herzens, um auf sie zu antworten. Er ruft uns, ihn anzubeten und seine Liebe und Größe zu betrachten, und auch seine Barmherzigkeit, die er uns zukommen lässt, denn wir sind nichts vor seiner Gottheit. 

Kommt lasst uns ihn anbeten!

 

Literatur und Bildnachweise

Les Miracles Eucharistiques dans le Monde. De Guibert, Paris, 2009

Josef Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI: Gott ist uns nah. Eucharistie – Mitte des Lebens. St. Ulrich Verlag, Augsburg, 2001

Sr. Briege McKenna: Miracles do happen. Servant Publications, Ann Arbor/Michigan, 1987

Alle Bilder, bis auf das der Bluthostie, von unsplash.com
Das Bild der Bluthostie mit herzlichem Dank an das Bistum Liegnitz/Legnica, Polen

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