Archiv der Kategorie: Über Anbetung

Ein eucharistisches Wunder zu Weihnachten in Liegnitz

Die Verwunderung war nicht schlecht, als Pfarrer Andrzej Ziombra am 4. Januar 2013 den Tabernakel in seiner Pfarrkirche St. Hyacintha im polnischen Liegnitz (oder auch Legnice, Legnica) öffnete. Während der Weihnachtsliturgie war bei der Kommunionausteilung eine Hostie zu Boden gefallen; jetzt, 10 Tage später, wollte er schauen, was mit der konsekrierten Hostie geschehen ist. Ordnungsgemäß hatte er sie in ein mit Wasser gefülltes liturgisches Gefäß gegeben und in den Tabernakel gestellt, um sie dort dem natürlichen Prozess der Auflösung zu überlassen, was in solchen Fällen üblich ist [1]. Doch was war das nun?

Er sah in dem Gefäß eine vom Wasser unbeschädigte Hostie, und auf ihrer Oberfläche befanden sich Flecken, die wie hellrotes Blut aussahen. In der Verborgenheit des Tabernakels hatte sich die Hostie im Wasser mitnichten aufgelöst. War das tatsächlich Blut? Oder waren es vielleicht bakterielle Ablagerungen des Wassers? Aber warum war die Hostie überhaupt noch da? Er schloss den Tabernakel und holte sich priesterliche Mitbrüder zur Beratung und weiteren Beobachtung hinzu.

Ein fleischähnliches Gebilde löste sich aus der konsekrierten Hostie (Bildquelle: Bistum Liegnitz, Polen)

Die Flecken verwandelten sich zu einem Gebilde aus einer rotbraunen, festen Substanz, das einem Stück Fleisch ähnelte. Mit der Zeit löste es sich von der restlichen Hostie, die sich nun im Wasser auflöste; nur diese kleine gewebeähnliche Substanz blieb übrig [2].

Dieses blieb von der konsekrierten Hostie übrig, und es stellte sich als menschliches Herzmuskelgewebe heraus (Bildquelle: Bistum Liegnitz, Polen)

Inzwischen war eine kirchliche Kommission unter der Leitung des zuständigen Bischofs eingerichtet worden. Klarheit musste her. Das Vorkommnis hatte sich herumgesprochen und die Gerüchte wurden immer abenteuerlicher, sogar ein Mordopfer wurde vermutet, von dem Leichenteile in den Tabernakel verbracht worden sein sollten.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen begannen unter der Leitung der bischöflichen Kommission. Gerichtsmedizinische, biologische und weitere naturwissenschaftliche Gutachten wurden eingeholt, und es stellte sich heraus: Bei der gewebeähnlichen Substanz handelte es sich um den Teil eines menschlichen Herzmuskels, und zwar im Zustand des Todeskampfes.

Papst Franziskus erkannte 2016 das Geschehen von Liegnitz, nachdem es die strengen Kriterien der Glaubenskongregation im Vatikan erfolgreich passiert hatte, als eucharistisches Wunder an. Die so veränderte Hostie wurde zur Verehrung in der Pfarrkirche ausgestellt.

Kein Wunder aber ist es, so denke ich, dass der Vorfall, der zu diesem eucharistischen Wunder führte, gerade an Weihnachten passierte.

Weihnachten ist das Fest, an dem wir die Menschwerdung Gottes, die „Fleischwerdung“ des Wortes feiern, so wie es der Johannesprolog sagt:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1, 14)

Geboren aus der Jungfrau Maria, so beten wir im Glaubensbekenntnis, ist der „Menschensohn“, wie Jesus Christus sich selbst demütig nannte, in unsere Welt gekommen. Weihnachten, das hochfestliches Feiern des Kommens des Gottessohnes auf diese Erde, nahm Gott nun selbst zum Anlass, machtvoll und auf übernatürliche Weise darauf hinzuweisen, dass er nie wirklich von uns gegangen ist, sondern immer noch unter uns wohnt (vgl. Mt 28, 20).

Und das eben nicht nur geistig, sondern mit Leib und Blut, unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Eucharistie setzt die Menschwerdung Gottes voraus, setzt diese Inkarnation voraus. Erst dadurch, dass „das Wort Fleisch wurde“ (vgl. Joh 1, 14 ), ist sein jetziges Wohnen unter uns im eucharistischen Leib und Blut möglich.

„Möglich“ nicht in dem Sinne, dass Gott irgendeine Voraussetzung benötigte, sondern in dem Sinne, dass es auf einer logischen Linie liegt. Jesus Christus ist immer noch mit Leib und Blut unter uns, er hat „nur“ seine Gestalt geändert. Der heilige Julien Eymard, einer der großen eucharistischen Heiligen, schreibt, dass Eucharistie die

„letzte Entwicklung der Inkarnation“

sei“ [3]. Denn unter den eucharistischen Gestalten ist Jesus gegenwärtig mit Leib und Blut als Gekreuzigter, aber auch als Auferstandener, lebendiger und verherrlichter Christus. Es ist die Weise, in der er in verklärter und verherrlichter Weise lebendig ist, und von uns in der heiligen Kommunion empfangen werden kann.

Er ist dort mit all den Mysterien und Tugenden seines irdischen Lebens gegenwärtig und führt sie dort weiter fort als der historische, der gegenwärtige und der jetzt schon im Leib verherrlichte Christus [4].

In Liegnitz wird eindrucksvoll das das Wort der Bibel belegt, in dem Jesus selbst beim letzten Abendmahl die Worte spricht:

„Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“, und
„Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“,

(vgl. Lk 22, 19-20; Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; 1 Kor 11, 23-25).

Es ist der Herr, mit Leib und Blut gegenwärtig.

Es ist Weihnachten – Jesus Christus wird geboren. In der eucharistischen Anbetung vereinen wir uns einmal mehr mit der Anbetung der Hirten, die den Engeln glaubten und zur Krippe eilten. Und dort das kleine Baby Jesus erkannten und anbeteten als den, der er ist: Der anbetungswürdige Sohn Gottes, der Messias Israels und der Retter der ganzen Welt.

Das eucharistische Wunder von Liegnitz ist nur eines von vielen solcher Art. Immer wieder bezeugte der Herr selbst auf wundersame Weise, dass seine Gegenwart unter den Gestalten von Brot und Wein tatsächlich das ist, was uns die Bibel lehrt, nämlich sein Leib und Blut. Über 130 solcher von der Kirche anerkannter eucharistischer Wunder sind bisher dokumentiert [5].

„Eucharistisches Wunder“ als Begriff meint hier immer ein Wunder bezüglich des Wesens der Eucharistie. Nicht gemeint damit sind Wunder und Heilungen, die durch die lebendige Gegenwart des Herrn geschehen, wie zum Beispiel Krankenheilungen oder ähnliches, die es auch zu Genüge gibt. Eucharistische Wunder dagegen beziehen sich immer auf das, was Eucharistie im Wesen ausmacht.

Die Vorfälle sind jeweils ähnlich: Eine in der Messe konsekrierte Hostie fällt zu Boden oder durch ein Missgeschick des Priesters wird konsekrierter Wein verschüttet, oder es ereignete sich bei versuchten Schändungen des Leibes Christi, wo die Hostie sich nicht zerstören ließ, so geschehen zum Beispiel in Paris 1290 [6].

Im Gegensatz zu früheren Zeiten stehen uns heute die vielen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung, wenn es zu einem solchen Zeichen kommt. Bei den eucharistischen Wundern in unserer modernen Zeit ist immer wieder festzustellen, dass die Wissenschaft mit dem Wort Gottes übereinstimmt. Hierfür ist das neuere eucharistische Wunder von Liegnitz ein Beispiel.

So vieles lässt sich an diesen eucharistischen Wundern sehen. Nutzen wir die Gnadengeschenke gut, und lassen wir uns in eine noch tiefere Anbetung Jesu Christi, unseres Herrn, führen.

Verweise und Quellen

[1] Basierend auf dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums (der „eucharistischen Rede) und der Worte Jesu beim letzten Abendmahl (vgl. Lk 22, 19-20; Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; 1 Kor 11, 23-25) sagt unser Glaube, dass unter den Gestalten von Brot und Wein der gekreuzigte und auferstandene, lebendige Jesus Christus gegenwärtig ist. Sobald die Gestalten nicht mehr existieren, ist auch diese leibliche Gegenwart Jesu nicht mehr gegeben.„Die eucharistische Gegenwart Christi beginnt im Zeitpunkt der Konsekration und dauert so lange, wie die eucharistischen Gestalten bestehen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1377). Sollte eine konsekrierte Hostie hinunterfallen und kann nicht mehr zur Kommunion gereicht werden, wird sie in ein liturgisches Gefäß mit Wasser gelegt und gewartet, bis sie sich aufgelöst hat. Das Wasser wird danach in eine Öffnung im Boden der Kirche geschüttet, in den „heiligen Ausguss“, das Sakrarium, das ebenso für jedes Restwasser aus liturgischen Handlungen benutzt wird. Das Sakrarium führt direkt in „heilige Erde“, ins Erdreich unter der Kirche.

[2] Der Autor Michael Hesemann hat selbst in Liegnitz recherchiert. Seine Ergebnisse sind nachzulesen in: Hesemann, Michael: Prophezeiungen, Visionen und blutende Hostien. Mysterium? Ungelöste Rätsel der Christenheit. Band 2. Paderborn, 2011. Ebenso eine kürzere Fassung auf http://www.kath.net/news/62160

[3] Saint Pierre-Julien Eymard: Adorer en esprit et en vérité. Méditations pour l’adoration du Très Saint-Sacrement. Paris, 2009, S. 25. Im Original: „…le dernier développement de l’Incarnation.“

[4] vgl. Saint Pierre-Julien Eymard: Adorer en esprit et en vérité. Méditations pour l’adoration du Très Saint-Sacrement. Paris, 2009, S. 25

[5] Eine Auflistung der eucharistischen Wunder: http://www.miracolieucaristici.org/de/Liste/list.html
oder als Buch (bis 1996): Meloni, Sergio: Les Miracles Eucharistiques dans le Monde. Paris, 2009

[6] siehe: http://www.miracolieucaristici.org/de/Liste/scheda_b.html?nat=francia&wh=parigi&ct=Paris,%201290

Weitere Quellen

Fr. Meyer’s preaching about the Eucharistic miracle in Legnica and in history https://www.youtube.com/watch?v=KTcBvds0soM

Das eucharistische Wunder von Liegnitz http://www.therealpresence.org/eucharst/mir/english_pdf/Legnica1.pdf

Eucharistic Miracles in Sokolka and Legnica, Poland (ab Minute 4): https://www.youtube.com/watch?v=FLxqzuVCDKE

 

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung? #1

Warum eigentlich eine Anbetung, die rund um die Uhr läuft, Tag und Nacht, 24 Stunden und 7 Tage in der Woche, 24/7? Warum setzen wir uns für eine solche Anbetung ein? Trotz unserer noch kleinen Anfänge bleiben wir daran. Eine 24/7-Anbetung soll das Herz von HOPE werden, dem House of Prayer and the Eucharist. Das ist unsere Vision. Doch was soll das eigentlich bringen?

Es gibt viele Gründe dafür, deshalb entsteht hier eine Reihe von
Blogartikeln, die genau diese Fragen aufgreifen. Hier ist der erste.

Bestehen im Sturm – Warum eine 24/7-Anbetung?  #1

Eine 24/7-Anbetung hilft der Kirche und jedem einzelnen, in den Stürmen dieser Zeit zu bestehen und die Kirche trotz allem aufzubauen. Eine Bibelstelle des Alten Testamentes stellt hervorragend dar, warum permanentes Gebet und Anbetung in diesem Sinn erstrebenswert sind. Im Buch Exodus heißt es:

„Und Amalek kam und suchte in Refidim den Kampf mit Israel.  Da sagte Mose zu Josua: Wähl uns Männer aus und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand auf den Gipfel des Hügels stellen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging.“ (Ex /2. Mose 17, 8-12)

Was geschieht hier? Mose sieht das Volk Israel in Gefahr. Er schickt Josua in den konkreten Kampf, weiß aber gleichzeitig, dass nichts gewonnen werden kann ohne die Hilfe Gottes. Während nun Josua die Schlacht kämpft, gehen Mose, Aaron und Hur auf dem Berg, um zu beten. Den vollen Einsatz, auch körperlich, sehen wir an den erhobenen Händen des Mose.

Alle drei wissen, sobald sie nachlassen im Gebet zu Gott, verliert Josua unten am Fuß des Berges im Kampf Terrain. Deshalb stützen Aaron und Hur die Hände von Mose, damit er die Hände zu Gott im Gebet erhoben halten kann, Stunde um Stunde, bis der Tag sich neigt und der Sieg in ihren Händen liegt.

Aaron und Hur stützen Mose beim Gebet (Fotonachweis: http://nicksenger.com/onecatholiclife/c-s-lewis-joy-and-persistent-prayer-homily-for-the-29th-sunday-in-ordinary-time-year-c)

Die zum Teil auch historisch nachgewiesenen Geschehnisse des Volkes Israel sind für uns heute starke Bilder für geistige Wahrheiten. Insofern ist das Alte Testament für uns sowohl zum einen religionsgeschichtliche Erbe und zum anderen ebenso unser geistiges Erbe. Es ist die gemeinsame Wurzel, die wir bis heute mit dem Volk Israel gemeinsam haben.

Wir sehen hier das Volk Israel im Kampf mit einem Gegner. Steht nicht auch heute unsere Kirche in einem Sturm, in einem geistigen Sturm voller Anfeindungen, Anklagen, Verdrehungen ihrer Wahrheit, bewusste oder unbewusst herbei geführte Missverständnisse über unseren Glauben?

Und damit haben wir noch gar nicht alles gesagt: Hinzu kommen die tatsächlichen Verfehlungen von Kirche, Laien wie Priestern, die die Wahrheit über Jesus Christus verdunkeln und sein reines Strahlen in die Welt hinein verhindern, zumindest aber einschränken und behindern.

Der Kampf Josuas gegen Amalek und das Gebet des Mose sind ein starkes Bild dafür, dass wir als Kirche, als Volk Gottes bestehen werden, wenn wir in leidenschaftliches Gebet gehen, und damit Christus tatsächlich in die Mitte stellen und den Sieg von ihm erwarten. Das gilt sowohl für das Bestehen gegen äußere Bedrängnisse als auch für das siegreiche Hervorgehen aus dem, was von innen her kommt: der Sünde und all der Verführungen, die dem Leben eines Christen widersprechen.

Mit dem Kampf gegen Amalek lehrt uns die Bibel hier durch das Beispiel des Mose, dass es die Hinwendung zu Gott in Gebet und Anbetung ist, die dazu verhilft. Wenn wir uns tatsächlich, echt und authentisch vor Gott stellen wie Mose, mit allem, was uns bedrängt und am Herzen liegt. Denn:

„Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; so oft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker.“ (Ex / 2. Mose 17, 11)

Wir wollen hier keiner Arbeitsteilung das Wort reden, die da wäre: hier die Beter, dort die Aktiven. Im besten Fall sind immer beide Aspekte (der betende Mose und der aktive Josua) in einer Person vereint. So kommen wird zu einer Aktivität, die in Gebet und Anbetung verwurzelt ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es ausgesprochene Berufungen zu Gebet und Anbetung gibt, wie z.B. die zu einem kontemplativen Ordensleben.

Mose lehrt uns hier zudem die Ausdauer im Gebet. Er war unnachgiebig und entschlossen, nicht nachzulassen. Er ließ sich stützen, um das Gebet weiterzuführen. Denn er wusste: Josua wird im Kampf geschwächt, wenn er nachlässt, und verliert sogar alles, wenn er das Gebet aufgibt.

Hat nicht die Kirche heute vor allem ihre Anbetungs- und Gebetskultur verloren? Eine Kultur, die all die Aktivitäten von Kirche und Gemeinde in Gott verwurzelt? Oder um im alttestamentlichen Bild zu bleiben: Haben wir nicht das Gebet weitgehend aufgegeben und sind in der Gefahr, gegen Amalek zu unterliegen?

Wir glauben, dass so viele Aktivitäten in Kirche und Gemeinde zu leerem Aktionismus werden, weil Gebet und Anbetung fehlen. In der Folge wird Kirche „selbst gemacht“. Das ist hier in dem Sinn gemeint, dass das Tun aus rein menschlichem Wollen und Wünschen heraus entwickelt wird, ohne im Gebet darauf zu hören, ob es tatsächlich in Gottes Willen liegt. Darin besteht langfristig die Gefahr, dass das eigentliche Ziel, die Kirche aufzubauen, nicht erreicht wird. Einfach weil die Aktivitäten nicht wirklich in Christus verwurzelt sind.

Anbetung im Gebetsraum von HOPE

Mit der Initiative, eine 24/7-Anbetung aufzubauen, wollen wir dazu beitragen, in der Kirche eine Anbetungs- und Gebetskultur wiederzubeleben und neu zu errichten, und ihr zu ihrem dauerhaften Sieg in den Stürmen dieser Zeit zu verhelfen. Nicht nur der einzelne, auch die Kirche als Kirche benötigt das ständige Gebet.

Wir wollen unseren kleinen Teil dazu tun, Gebet und Anbetung wieder neu in der Kirche zu verankern. Denn in Gebet und Anbetung liegt der Schlüssel, Jesus Christus wieder neu zu finden und alles in ihm zu verwurzeln.

Warum eine 24/7- Anbetung? Hier findest du einen zweiten Blogartikel dazu:
Jesus als Seenotretter – Warum eine 24/7-Anbetung? #2

 

 

Lobpreismusik vor dem Allerheiligsten: Eintreten in den Thronsaal

Die Bibel gibt uns ein starkes und sprechendes Bild für die Anbetung Jesu Christi, des Lammes auf dem Thron, und zwar im Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5:

„… fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Offb 5, 8-9)

Wenn wir aus der Bibel das hinzu nehmen, was diese geschilderte Situation umgibt, sehen wir vor unserem geistigen Auge Jesus Christus, das Lamm Gottes, verherrlicht und auferstanden im Thronsaal des Himmels, sitzend zur Rechten des Vaters auf dem Thron, umgeben von der erlösten Menschenschar, den Heiligen, und unzähligen Engeln und anderen, vielleicht unbekannten Lebewesen; alle sind gemeinsam im Lobpreis des Lammes vereint.

Vielschichtig ist dieses Bild für eine geistige Realität, die es aussagen will. Hier wollen wir jetzt den Fokus auf Folgendes richten: auf die Anbetung des Lammes mit Musik und Gesang.

Dass Musik (die Harfe stellvertretend für jegliche Musikinstrumente) und Gesang hier im Buch der Offenbarung ausdrücklich erwähnt werden, ist sicher nicht zufällig.

Auch dass wir dieses hier in einer Situation sehen, in der wir uns sozusagen „im Himmel“ befinden, dort, wo unsere endgültige Bestimmung ihre Vollendung finden wird, will uns vielleicht etwas sagen: Deutet es nicht auf eine grundlegende Berufung des Menschen hin? Konkreter: dass wir geradezu dazu berufen sind, unserer Anbetung mit Musik und Gesang Ausdruck zu geben? Und dieses in Gemeinschaft mit allen Geschöpfen, Engeln und Heiligen?

Die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen spricht dieses sehr deutlich aus. Sie sagt in diesem Zusammenhang, dass Gott uns mit einer „symphonischen Seele“ geschaffen hat. Unsere Seele ist für Musik geschaffen. Als diese musikalischen Wesen sind wir dazu bestimmt, in einem „harmonischem Gleichklang“ mit der himmlischen Musik zu sein. Sie schreibt:

„Denn Gott hat den Menschen ursprünglich als das Wesen mit ‚symphonischer Seele‘ erschaffen, ‚durchweht vom großen Zusammenklang alles geschöpflichen Seins‘, im Gleichklang mit den Chören der Engel und der Musik der überirdischen Welt.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Insofern sind wir tatsächlich zu einer musikalischen Harmonie mit den himmlischen Chören, der Musik und den Gesängen der übernatürlichen Welt geschaffen. Es ist in gewisser Weise eine ureigenste Berufung des Menschen.

Für den Menschen, der vor dem Sündenfall den Widerspruch zu Gott nicht kannte, war diese Einheit selbstverständlich. Es heißt bei Hildegard von Bingen:

„Adam kannte vor dem Sündenfall den Gesang der Engel und alle Art von Musik und hatte eine Stimme, klingend wie der Ton eines Monochords. Beim Sündenfall aber schlich sich durch die List der Schlange in sein Mark ein Wind ein, der auch heute noch in jedem Menschen steckt. … Es wandelt sich die Stimme der himmlischen Freude … in die entgegengesetzte Art … um.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Doch sie betont ebenso, dass trotz des Sündenfalls die Berufung des Menschen, sich mit den Lobpreisgesängen der übernatürlichen Welt zu verbinden, nicht aufgehoben ist.

Doch wurde das selbstverständliche Mitschwingen mit der Musik der himmlischen Bereiche massiv gestört. Aber auch nach dem Sündenfall entspricht es dem Schöpferwillen Gottes, so die Heilige,

„dass er (der Mensch) sich im Erkennen der wunderbaren Schöpferwerke Gottes an den preisenden Lobgesängen der Engel beteiligt.“ (Gronau: 107)

Um dieser Berufung folgen zu können, hat Gott dem Menschen die Gabe gelassen, Musik erschaffen zu können (vgl. Gronau: 224).

Diese Gabe kann der Mensch nun in aller Freiheit gebrauchen, zum Lobe Gottes, also seiner ursprünglichen Berufung entsprechend, oder aber auch in anderer Weise, sogar gegen Gott.

Wegen dieser ursprünglichen Berufung erfüllt schon allein das Hören von harmonischer Musik die Seele mit unbestimmter Wehmut und Sehnsucht. Kennen wir das nicht auch?

Wie viel mehr bringt dann eine Musik, die den Dreifaltigen Gott von Herzen lobt und preist, unsere tiefste Sehnsucht, das Verlangen nach Gott, zum Klingen? Gerade Lobpreismusik wirkt hier besonders stark, weil sie, wie schon Musik an sich, nicht über den Verstand wirkt, sondern tiefe Bereiche in uns berührt, die mit dem Denken nicht erreicht werden.

Wie aber kommen wir wieder in die Gemeinschaft mit den Klängen der himmlischen Bereiche? So unvollkommen, vielleicht unharmonisch und arm unser irdischer Lobpreis auch ist (und selbst die vollkommenste irdische Musik wird nicht an die himmlische heranreichen): Gott liebt es und hat große Freude, wenn wir in den musikalischen Lobpreis eintreten, so wie wir es können.

Die Outbreakband bei einem Lobpreis-Event

Um im Bild der Offenbarung des Johannes zu bleiben: Wenn wir auf Erden den Lobpreis anstimmen, treten wir in geistiger Weise in den Thronsaal Gottes ein und in die Bereiche des himmlischen Triumphes, und vereinen uns mit den Chören aller Geschöpfe vor dem Lamm Gottes, die ihm den ewigen Lobpreis singen.

Als wir begannen, mit Lobpreismusik vor das Allerheiligste zu gehen, mit der Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE, in dem neben der stillen Anbetung eben auch der musikalische Lobpreis in Form des harp&bowl/prophetic worship eine entscheidende Säule sein soll, waren uns diese Zusammenhänge nicht wirklich bewusst.

Heute sind wir einmal mehr dankbar dafür, dass wir in diese unsere Berufung konkret auf diese Weise eintreten können: Unserer Anbetung einen musikalischen Ausdruck zu geben.

Es bleibt etwas sehr Besonderes, dass wir dieses in der eucharistischen Gegenwart Jesu tun dürfen. Ist Christus in der Eucharistie nicht per se das Lamm Gottes, präsent in seiner mächtigsten Gegenwart auf Erden, objektiv, sichtbar als Hostie für unsere leiblichen Augen?

„Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt“,

spricht der Priester während der Wandlung in der Messe, und hebt die konsekrierte Hostie. Er zeigt uns Jesus, das Lamm Gottes, mit den Worten Johannes des Täufers (vgl. Joh 1, 36).

Es ist das Herzstück unseres Glaubens: Der Glaube an die echte, wahrhaftige Gegenwart Jesu in der Eucharistie, die Gegenwart seines einmaligen Opfers am Kreuz und die Gegenwart seiner Verherrlichung im Himmel. Der ganze Christus ist hier gegenwärtig, sein Leben, sein Opfer, seine Auferstehung und Verherrlichung.

Vor der Eucharistie befinden wir uns direkt vor dem „Lamm und dem, der auf dem Thron sitzt“, dem in alle Ewigkeit „Lob und Ehre und Herrlichkeit“ gebühren (vgl. Off 5, 13). Welch eine Freude und welch ein Geschenk! In seiner mächtigsten, allerheiligsten Gegenwart Christus anzubeten, und mit unserer Musik in geistiger Weise mit dem himmlischen Lobpreis verbunden zu sein.

Wir hoffen, dass euch dieser Beitrag ermutigt hat, mit Anbetung und Lobpreis weiterzugehen!

Es grüßen euch,

Thomas und Ruth

Quellen:
Eduard Gronau: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

Fotos:
Mit herzlichem Dank an @majorchange.org für die freundliche Überlassung des Fotos der Hostie, die der Priester erhebt.
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei.

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Die Kirche sagt sogar, dass die Beziehung mit Gott die erste und wichtigste Beziehung des Menschen ist. Weiterlesen