Die Weihe #2 Ein Weg der Heiligung

Bei näherer Betrachtung sehen wir, dass sehr viele Heilige sich von der heiligsten Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament nähren und erleuchten ließen, und sie von dort her Kraft für ihren Weg schöpften (vgl. Holböck 1986).

Wenn wir uns Christus im Allerheiligsten Sakrament weihen, lassen wir uns rufen, ganz aus der Kraft der eucharistischen Anbetung zu leben und von dieser her unseren Alltag zu heiligen. Uns ist bewusst, dass dieses immer ein Unterfangen ist, das unvollkommen bleiben muss. Doch mit einer solchen Weihe verbinden wir das aufrichtige Bemühen darum.

Der hl. Ignatius von Loyola empfängt 1534 in der Märtyrerkirche auf dem Montmartre in Paris die Kommunion, nachdem er mit seinen Gefährten die Ordensgelübde für die von ihm gegründete ‚Gesellschaft Jesu‘, dem späteren Jesuitenorden, abgelegt hatte. (Bildquelle: Holböck, Ferdinand: Die Heiligen und das Allerheiligste. Stein am Rhein, 1986)

Es ist gerade die Anbetung, so glauben wir, durch die Gott die Kraft und Gnaden schenkt, den Versuchungen mitten in der Welt zu widerstehen und unabhängig von den äußeren Umständen nach den Geboten Gottes und der Kirche zu leben und mehr und mehr in der Liebe zu wachsen. Denn die Anbetung des eucharistischen Christus kräftigt das Herz, den Geist, den Glauben und vermehrt die Liebe Jesu in uns.

Wir glauben, dass besonders die regelmäßige eucharistische Anbetung ein mächtiger und wirkungsvoller Weg ist, um in der Heiligung des Alltags voranzuschreiten. Es geht uns darum, von der Anbetung her Liebe und Glauben in Familie, Freundeskreis, Beruf, Gemeinde – oder wo auch immer die Orte unseres alltäglichen Leben sind -, zu tragen, so dass wir zu einer Liebe gelangen, die für unsere Nächsten greif- und fühlbar wird und die sich in Worten und Taten zeigt.

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Diesen Weg begreifen wir als eine langsame, stetige, geistige Umwandlung unserer selbst, die ebenso – je nach dem, wie die persönliche Ausgangslage ist -, auch innere Heilungsprozesse einschließt. 

Letztlich ist es eine immer größere Vereinigung mit Christus, aus der eine solche Umwandlung geschieht, – wie schon erwähnt – zur Neuschöpfung in Christus hin (vgl. 2 Kor 5, 17), um die wir uns bemühen. 

In der sogenannten eucharistischen Rede in der Synagoge von Karfanaum, lehrt Jesus selbst:

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. (…) Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ (Joh 6, 51; 56-58)

Als solche, die der Eucharistie geweiht sind, steht die eucharistische Anbetung im Mittelpunkt unserer Spiritualität. Es ist uns einmal mehr bewusst, ausgehend von der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirche, dass das In-Christus-Sein und das Christus-in-uns in seiner Fülle gewirkt wird, indem wir die heilige Messe lebendig mitfeiern und gläubig die Kommunion empfangen; wir empfangen Christus selbst in uns hinein.

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Die eucharistische Anbetung nun vertieft und verlängert in gewisser Weise dieses höchste geistliche Geschehen außerhalb der Eucharistiefeier. Diese Vertiefung wiederum wirkt sich auf unser Mitfeiern der Messe aus und hilft uns, Christus noch inniger zu empfangen. So schreibt Papst Benedikt XVI:

„… die eucharistische Anbetung ist nichts anderes als die natürliche Entfaltung der Eucharistiefeier, die in sich selbst der größte Anbetungsakt der Kirche ist. Die Eucharistie empfangen heißt, den anbeten, den wir empfangen; gerade so, nur so werden wir eins mit ihm (…). Der Akt der Anbetung außerhalb der heiligen Messe verlängert und intensiviert, was in der liturgischen Feier selbst getan wurde. ‚Nur im Anbeten kann tiefes und wahres Empfangen reifen.‘“(Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis: 66)

Uns ist bewusst, dass ein solcher eucharistischer Weg bedeutet, sich Christus immer mehr hinzugeben, und gerade in einer solchen Ganzhingabe mehr und mehr zu wachsen.

Eine solche Ganzhingabe begreifen wir als zentral für einen Weg der Heiligung. Es bedeutet für uns, ‚Ja‘ zum Willen Gottes zu sagen, sei es, wenn das Leben sich von seinen sonnigen Seiten zeigt, aber ebenso, wenn es zu Widrigkeiten, Krisen und Leiden kommt.

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Für alles, was gut ist, heißt dieses, unserem Gott Dankbarkeit für all die Segnungen zu erweisen, die er auf unser Leben legt. In den kleinen und großen Mühsalen und Wechselfällen unseres Lebens wollen wir uns aufrichtig bemühen, sie in Frieden und Liebe anzunehmen, und vor allem unter allen gegebenen Umständen die eucharistische Gegenwart Jesu zu suchen, um Kraft aus ihm zu schöpfen, und Christus in uns immer größer werden zu lassen.

Gerade in Stürmen, konkreten Drangsalen, Leiden oder geistlichen Kämpfen brauchen wir die Nähe der heiligsten und mächtigsten Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament. Mit zunehmender geistlicher Kraft kann es dazu führen, dass wir sogar in schwierigsten Situationen Gott danken und im inneren Frieden bleiben können.

So kann alles dazu dienen, sich tiefer mit Christus zu vereinen und ihm immer ähnlicher zu werden, dahingehend wie Paulus es beschreibt:

„Ich bin mit Christus gekreuzigt worden, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2, 20)

Wir vertrauen auf die Kraft, die vom eucharistischen Christus fließt, so dass unter den Stürmen der immer säkularer und christusfeindlicher werdenden Welt unser Haus des Glaubens nicht zusammenbricht und wir stattdessen in geistlicher Freude und innerem Frieden voranschreiten, so wie der Psalmist es sagt:

„Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten. Ziehen sie durch das trostlose Tal, wird es für sie zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; dann schauen sie Gott auf dem Zion.“ (Ps 84, 6-7)

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Vom inneren Kampf her, gerade angesichts sehr großer Leiden und Herausforderungen, soll unser Bemühen sein, sich nicht in Hass, Verzweiflung und das Böse treiben lassen, sondern trotz allem in Jesus Christus diese innere Freude und den Frieden zu finden; fest gegründet auf ihn, in ihm und mit ihm in uns. 

So ist unser Wunsch, auch in starker Bedrängnis und großem Leiden immer mehr ein Zeugnis der Liebe Christi zu werden.

Dieses kann sogar so weit gehen, dass es ein Ruf wird, das Leiden „aufzuopfern“, also es mit der erlösenden Liebe Christi am Kreuz verbinden. Die Kirche spricht hier vom „schöpferischen Charakter des Leidens“ (vgl. Apostolisches Schreiben Salvifici Doloris: 24) Es bedeutet, immer mehr darin voranzuschreiten – mit Paulus gesprochen -,

„für den Leib Christi, die Kirche, in unseren irdischen Leben das zu ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ (vgl. Kol 1, 24)

Selbstverständlich könne wir dem Leiden Christi nichts hinzufügen. Er vollbrachte das eine, einzige und einzigartige Opfer am Kreuz für unsere Erlösung. Mit diesem Annehmen und Aufopfern des eigenen Leidens ist gemeint, wenn Christus zur Seele sagt:

„‚Komm, folge mir! Komm! Nimm mit deinem Leiden an meinem Leiden teil am Werk der Erlösung der Welt, die durch mein Leiden vollbracht wird!’ Während der Mensch sein Kreuz auf sich nimmt und sich dabei geistig mit dem Kreuz Christi vereint, enthüllt sich vor ihm mehr und mehr der heilbringende Sinn seines Leidens.“ (Apostolisches Schreiben Salvifici Doloris: 34)

So kann Christus die Seele dazu rufen, die Bedrängnisse, Mühsale und Leiden – gleich nun, wie groß oder klein -, durch die geistige Vereinigung mit ihm fruchtbar für das Reich Gottes und den Aufbau der Kirche werden zu lassen. Verbunden mit der erlösenden Liebe Christi wird so das Gute sogar aus dem Übel geschaffen (vgl. Apostolisches Schreiben Salvifici Doloris: 18). Viele Heilige haben einen solchen Weg vorgelebt.

Hier geht es weiter über die Weihe an Christus im Allerheiligsten Sakrament:
Einführendes
#1 Die Weihe: Ein Weg der Heilung

#3 Die Weihe: Eine Gnade zur Aufrichtung der Kirche

#4 Die Weihe: Ein Zeugnis über die Eucharistie
#5 Maria, die eucharistische Frau
#6 Die Weihe konkret

Literatur
hl. Papst Johannes Paul II: Apostolisches Schreiben Salvifici Doloris, Rom, 11.2.1984
Papst Benedikt XVI: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis, Rom,  22.7.2007
Holböck, Ferdinand: Das Allerheiligste und die Heiligen. Christiana Verlag, Stein am Rhein, 2. Aufl. 1986