Archiv der Kategorie: Gott und ich

Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche. Es könnte den Eindruck entstehen, dass der Hirsch als neuer Bestandteil von Weihnachten etabliert werden soll, um das Fest noch weiter von seinem christlichen Inhalt zu entkernen und von der eigentlichen Botschaft abzulenken, der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus.

Eine weitere Entkernung, so wie der rot-weiße Coca-Cola-Mann nicht nur den heiligen Bischof Nikolaus immer mehr verdrängen will, sondern auch das „Christkind“ an Weihnachten selbst. Doch um dieses „Christkind“ geht es ja: Weihnachten = die geweihte Nacht der Geburt Jesu Christi. Advent = vom lateinischen Wort advenire abgeleitet, das bedeutet „ankommen“; also  Adventszeit, die Erwartung der Ankunft Christi auf Erden, die Erwartung der Menschwerdung Gottes. Und nun mittendrin im unvermeidlichen Weihnachtsgeschäft Hirsche, Hirsche, Hirsche.

Eine geistliche Rückbindung

Vielleicht ist der Hirsch in der adventlichen und weihnachtlichen Zeit gar nicht so schlecht gewählt, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt. In der Bibel kommt der Hirsch an einigen Stellen vor. So heißt es zum Beispiel im Buch der Psalmen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen, und Gottes Antlitz schauen?“ (Ps 42, 2-3)

Hier wird der nach Wasser lechzende Hirsch ein Bild für den Menschen, der Sehnsucht nach Gott hat. Übrigens, der Antrieb für die Wanderungen eines Hirsches oder von Hirschherden ist zuallererst, die beste Nahrung und das reinste Wasser zu finden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Symbolik des Hirschen noch einmal eine besondere Note.

Im biblischen Hohelied der Liebe, diesem großartigen Liebesgesang zwischen Bräutigam und Braut, der als mystische Hochzeit zwischen Gott und der Seele gedeutet wird, begegnet uns ebenso der Hirsch. Dort spricht im Zwiegespräch der Liebe die Seele:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. (…) Der Geliebte spricht zu mir: ‚Steh auf, meine Schöne, so komm doch!'“ (Hld 2, 8-10)

Der Hirsch ist hier ein Bild für den Geliebten, ein Bild für Christus selbst. Es ist ebenso ein Bild der Sehnsucht, dieses Mal für die Sehnsucht Gottes nach uns, sein Verlangen nach den Menschen. Er kommt, läuft, ’springt‘ herbei, nichts kann ihn aufhalten, es eilt ihn, die Sehnsucht treibt ihn an, angetrieben von seiner unfassbaren Liebe für uns und gerufen von der Sehnsucht des Menschen. Gibt es ein schöneres Bild für den Advent, die heilige Zeit der Erwartung?

Hirsche – es scheint, als würde die sich immer säkularer gebärdende Gesellschaft doch unbewusst eine tiefe geistliche Symbolik aufgreifen. Vielleicht ist es tatsächlich kein Zufall, dass dieses zudem auch noch in der adventlichen Zeit geschieht.

Denn mit Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu Christi, erfüllt sich diese Sehnsucht, die in diesen starken mystischen Bildern ausgedrückt wird. Christus ist geboren, und mit der Ankunft des Erlösers in der Welt, nimmt die konkrete Erlösung des Menschen seinen Anfang.

Jesus Christus ist es, der die tiefste existentielle Sehnsucht des Menschen nach dem reinsten Wasser der Wahrheit in einer von Schmutz und Lüge durchsetzten Welt erfüllt.

Jesus Christus ist es, der die Sehnsucht der Seele nach ewigem Leben in der Vereinigung mit Gott erfüllt, diesem niemals endenden Fest der Liebe und Freude. Eine Vereinigung, die mit und durch Jesus Christus schon heute auf Erden beginnen kann.

Jesus Christus ist es, der dem Menschen durch sein Kreuz den Weg zurück in die Arme des Vaters geöffnet hat, die Gemeinschaft mit Gott. Und dieses ist bis zum Ende der Zeiten eine Einladung an alle, und es wird wahr für jeden, der es annimmt.

Und, für uns schwer zu fassen und doch wahr: Hier erfüllt sich Gott auch seine eigene Sehnsucht nach dem Menschen. Unaussprechliches Geheimnis Gottes! Unaussprechliches Geheimnis der Liebe. Voller Staunen und Verwunderung war Mutter Mechthilde de Bar, die Gründerin der Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, darüber, dass Gott sich sehnt. Er sehnt sich nach uns. Obwohl er doch als Gott nichts benötigt, mehr noch: obwohl er doch

“die unendliche Fülle selbst ist und er allein die Macht hat, alle Sehnsucht zu stillen.” (1)

Und doch ist es so. Gott braucht den Menschen nicht, er braucht nichts und niemanden, damit seine Sehnsucht gestillt wird, er braucht sich noch nicht einmal nach irgendetwas zu sehnen, denn in ihm ist kein Mangel. Aber er will den Menschen retten und erlösen, er will sich nach ihm sehnen, er will sich herabneigen und in diese Sehnsucht hinein begeben. Der Prophet Jeremia spricht von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt. Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.“ (Jer 31, 3-4)

Von der Sehnsucht Gottes hören wir ebenso beim Propheten Jesaja, dessen Texte in der adventlichen Zeit gelesen werden:

„Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, ‚Herr der Heere‘ ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, ‚Gott der ganzen Erde‘ wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott. Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ (Jes 54, 4-7)

Und immer wieder trägt die göttliche Sehnsucht das Bild der Hochzeit und des hochzeitlichen Mahles, der Sehnsucht des Bräutigams nach der Braut, der Vermählung der Seele mit Gott, die die intimste Vereinigung mit Gott in reiner Liebe ist.

Unübertroffen wieder im Hohelied spricht der Bräutigam, Gott, zur Braut, der Seele:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen, auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8, 6-7)

Hirsche, Hirsche, Hirsche — sind sie doch genau betrachtet eine tiefe, geistliche Symbolik in der heiligen Zeit der Erwartung des Erlösers, Advent, in der wir diese Sehnsucht feiern, dieses Handeln Gottes an uns, und unserer  Sehnsucht einen ganz persönlichen Ausdruck geben können.

Vielleicht ist der Advent in diesem Sinne eine Zeit, sich dieser Sehnsucht wieder bewusst zu werden. Und wenn wir die vielen Hirsche, Rentiere, Rehe, Kitzlein oder was auch immer als Dekorationsmaterialien sehen, diese mit einem inneren Lächeln als Erinnerung an diese wunderbaren Verheißungen zu nehmen, die uns gegeben sind.

Einen herzlichen Gruß euch allen!
Thomas und Ruth

PS: Vielleicht weiß einer von euch etwas mehr über die genauen Umstände, wie es dazu kam, dass der Hirsch so präsent im Weihnachtsschmuck geworden ist. Wir finden es durchaus wichtig, um den Prozess der fortlaufenden Entkernung des Weihnachtsfestes von seinem eigentlichen Sinn besser zu verstehen, damit wir darüber aufklären und die eigentliche Botschaft von Weihnachten immer wieder neu ins Zentrum rücken können. Gerne eure Infos in den Kommentaren oder per persönlicher Email!

(1) Rechercheheft 28: „Der wahre Geist der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares“. Hrsg.: Benediktinerinnen Köln, 2010, S. 3

 

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper, es dauerte an, bis er in eine tiefe Ruhe kam. Es war an einem Abend in Medjugorje, einem kleinen, damals noch unbedeutenden Dorf in Bosnien und Herzegowina. Ein Priester der Pilgergruppe trug im Haus der Gastgeber Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch die dort versammelte kleine Menschenmenge und segnete. Als Thomas-Maria fiel, stürzte eine Frau neben ihm auf die Knie und rief: „Ich glaube!“ Während er dort lag, sah er in seinem Inneren, wie sich die Hostie in ein riesiges, pulsierendes Herz verwandelte, so groß wie der Raum, in dem er sich befand. Ströme von Liebe und Frieden flossen auf ihn herab und erfüllten ihn.

Jesus in Medjugorje

Dieses Ereignis der Gnade hat Thomas-Marias Leben bis heute grundlegend verändert. Als junger, suchender Mann war er von Deutschland mit einer Pilgergruppe zu diesem gerade neu entstehenden Wallfahrtsort gekommen, als ein Suchender nach Sinn, Liebe und Antworten für sein zweifelndes und mitunter einsames und verzweifeltes Herz. Zwar katholisch getauft, war er doch aufgewachsen, ohne Gott tatsächlich kennengelernt zu haben, hatte Ausflüge in die Esoterik hinter sich und kannte so gut wie nichts vom christlichen Glauben. Wer Jesus Christus ist, war für ihn unbekanntes Land. Eucharistie? Völlig unverständlich. Er musste verrückt gewesen sein, sich auf diese Wallfahrt nach Bosnien und Herzegowina eingelassen zu haben, so hatte er gestern noch gedacht, und noch dazu jetzt an einem Ort zu sein, wo Maria, die Mutter Jesu, – so wie ihm erzählt worden war -, einer Gruppe von Jugendlichen erschien. Verrückter ging es nicht.

Medjugorje ist heute mit ungefähr einer Millionen Pilger jährlich einer der größten Gebetsstätten der katholischen Welt

Das viele Beten der Christen um ihn herum war ihm unverständlich, und noch unverständlicher, wie viele an diesem Abend im kleinen Aufenthaltsraum ihrer Unterkunft vor diesem goldenen und kostbar gearbeiteten Zeigegefäß mit einem weißen, runden „Ding“ in der Mitte anbetend auf die Knie gingen, sich verneigten oder in anderer Weise ihre Ehrfurcht ausdrückten, als der Priester segnete. Was war das?

Es zog ihn unwiderstehlich an. Er wollte es berühren, das „Ding“, und drängte nach vorn, zum Priester hin. Als seine Hand das Glas vor der Hostie traf, wurde er mit dieser Macht zu Boden geworfen. Es war eine überwältigende Liebe, die ihn fallen ließ. Thomas-Maria erlebte eine Liebe, eine Freude und einen Frieden, wie er sie noch nie erfahren hatte, und die man „als nicht von dieser Welt“ (vgl. Joh 14, 27) bezeichnen dürfte. Jesus offenbarte sich ihm mit seinem göttlichen, eucharistischen Herz so voll Liebe, dass Thomas-Maria, der Raum und alles darüber hinaus sie nicht zu fassen vermochten, sie war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Thomas-Maria wurde von einer übernatürlichen Wirklichkeit berührt. Radikal. Er wurde von einer Realität getroffen, die mit unseren Sinnen nicht fassbar und wahrnehmbar ist. Außer sie offenbart sich uns. Vielleicht ist es gerade für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht einfach, die übernatürliche Realität Gottes als Wirklichkeit zu erkennen. Denn wir sind eher geprägt von einem neuzeitlichen Atheismus, der alles Übernatürliche , jeglichen Glauben an unsichtbare Mächte und Kräfte verneint und schnell mit märchenhafter Legendenbildung abtut. In einer solchen Gedankenwelt, die sich allein auf Bedürfnisse und Anliegen des irdischen Hier und Jetzt bezieht, und in der der Mensch allein Gestalter und Schöpfer seiner Geschichte ist, hat „Gott“ keinen Platz. Wie alles außerhalb des sinnlich Wahrnehmbaren werden in atheistischen Denkschemata auch Jesus Christus, die heiligste Dreifaltigkeit, die Welt der Engel und Heiligen und die bösen Kräfte der Dämonen als Phantastereien gedeutet, die sich der Mensch aus welchen Gründen auch immer ausgedacht hat.

Wegen der Dinge, die dem Menschen inzwischen möglich sind, denken viele, dass es Gott nicht gibt.

Thomas-Maria gehörte nun nicht der vergleichsweise recht kleinen Gruppe von ausgesprochenen Atheisten an, die jegliches Übersinnliche ausdrücklich zurückweisen. Es war bei ihm eher die heute bei uns weit verbreitete agnostische Haltung, die irgendwo doch ein transzendentes Wesen vermutet, über das man aber aus menschlichem Unvermögen heraus keine Aussage machen kann und das sich auch nicht offenbart. Faktisch hatte ein solches Denken bei Thomas-Maria nun doch damit geendet, wie ein Atheist zu leben, also einfach ohne Gott oder irgendeine andere Religion zu sein und sich letztlich allein mit dem Irdischen zu begnügen. Doch eine diffuse Unzufriedenheit mit einer solchen entzauberten und kalten Welt hatte sich mehr und mehr Bahn gebrochen, und in ihm pochte das Verlangen nach einer Erfahrung, die über sein Dasein hinauswies. Die Esoterik versprach viel und hielt wenig. Und jetzt war er hier. Lag auf dem Boden, und die Liebe Gottes durchströmte ihn.

Ja, er hatte gerade noch die Hostie gesehen, das „weiße Ding“, und es hatte ihm nichts gesagt, nur neugierig gemacht. Bevor nicht Gott selbst ihn mit seinem Strahl der Gnade traf und Licht gab, das Licht des Heiligen Geistes, wurde er von seiner sinnlichen Wahrnehmung getäuscht. Das soll Jesus sein? „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“, schrieb schon Thomas von Aquin in seinem berühmten Hymnus über die Eucharistie (Gotteslob Nr. 497). Wenn schon im atheistisch, agnostisch und materialistisch geprägten Zeitgeist jegliches Übernatürliche, und damit auch Gott an sich verkannt wird, wie schwer anzunehmen sind dann höchste geistliche Wahrheiten, wie die eucharistische Gegenwart Jesu? Brot gleich Jesus? Oblate gleich Jesus? Das ist doch verrückt, Torheit, widersinnig, lächerlich – aus einer Perspektive ohne das Licht der Gnade.

In diesem unscheinbaren Aufenthaltsraum in Medjugorje ist etwas Großes geschehen. Jesus Christus hat sich einem Herzen offenbart und die Blindheit einer Seele geheilt, die ihn nicht zu sehen vermochte. Noch mit der Hostie vor sich, war sie blind. Doch Jesus Christus hat sich Thomas-Maria als Retter und Erlöser genähert und ihm angeboten, in die innigste und lebenskräftigste Beziehung einzutreten, die möglich ist, nämlich die mit ihm, Jesus. Und durch ihn mit dem himmlischen Vater. Jesus hat hier, als die letzten Sonnenstrahlen eines heißen Tages durch die Fenster des Aufenthaltsraumes schienen, seine vornehmste und erste Aufgabe als Messias erfüllt.

Als wir Thomas-Maria einige Jahre nach diesem Ereignis kennenlernten und er uns seine Geschichte erzählte, waren wir einmal mehr ermutigt. Es zeigte uns doch, dass Jesus alle Mittel in der Hand hat, alles mit radikaler Gnade überwinden zu können. Danke an Thomas-Maria, dass wir hier sein Zeugnis geben dürfen.

Drei Dinge, die deinen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden lassen

Nach unserer wöchentlichen Gebetsgruppe, bei der wir jeweils einen Teil der Zeit prophetischen Lobpreis spielen, kam jemand auf uns zu, der zum ersten Mal teilgenommen hatte. Er äußerte sein Erstaunen, dass fast die ganze Gebetszeit wie auf ihn zugeschnitten war. Angefangen  von der Bibelstelle, die Grundlage des prophetic worship war, über die freien Gebete bis hin zur Musik, die sein Herz berührte. Es war für ihn gerade in diesem Moment so passend gewesen, weil in seinem Leben ein Krise aufgebrochen war, in der er tatsächlich immensen geistlichen Zuspruch brauchte.

Auch unsere Dankbarkeit war groß, dass der Heilige Geist unsere Lobpreis- und Gebetszeit so sehr für ihn geöffnet hatte. Es war im Nachhinein für uns ebenso ein wunderbares Zeugnis dafür, wie prophetischer Lobpreis konkret wirken kann. Doch was eigentlich lässt unseren musikalischen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden?

1. Im prophetischen Lobpreis singen wir das „neue Lied“. Was ist das?

In der Bibel, im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, hören wir von diesem „neuen Lied“. In vieler Hinsicht können die Verse 8-9 grundlegend für den prophetischen Lobpreis angesehen werden. Es heißt dort:

„Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied: (Off 5, 8-9)

An mehreren Stellen im Buch der Offenbarung ist von diesem „neuen Lied“ die Rede. Auch im Alten Testament, vor allem in den Psalmen (vgl. Ps 33, 3; Ps 96, 1; Ps 98; 1, Ps 149,1).

Wenn wir von dem „neuen Lied“ als Grundlage des prophetischen Lobpreises sprechen, laufen verschiedene Ebenen zusammen, die aber allesamt die Form des prophetischen Spielens und Singens ausmachen.

Jesus ist das Zentrum des prophetischen Lobpreises

Die erste Ebene ist das Thema des neuen Liedes. Dies ist eine Ebene, die zuerst einmal für jeden musikalischen Lobpreis gilt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das „neue Lied“ ist das Lied der Erlösung. Es ist das Lied, dass das gesamte Heilshandeln Gottes an der Menschheit besingt.

Es ist vor allem das Lied über die Inkarnation, also die Menschwerdung Jesu Christi, und seine erlösende Heilstat. Das neue Lied handelt umfassend von den Großtaten Gottes, angefangen von der ersten Schöpfung bis zur Neuschöpfung, von der Erschaffung des Menschen, dem Sündenfall und der Erlösung des Menschen. Immer ist der Brennpunkt die Inkarnation, Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes. Er ist Zentrum des neuen Liedes.

Nichts anderes sagt uns das Buch der Offenbarung, wenn wir die darauf folgenden Verse lesen, in denen das zentrale Thema des neuen Liedes angegeben wird: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, um die Menschheit zu erlösen, Ehre, Lobpreis und Anbetung gelten ihm und dem, der auf dem Thron sitzt, von Ewigkeit zu Ewigkeit (vgl. Off 5, 10-13).

Indem wir hier auf Erden das „neue Lied“ singen, verbinden wir uns mit dem Lobpreis, der vor dem Thron Gottes im Himmel erklingt.

Doch wie singe ich das neue Lied?

Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt.

2. Im prophetischen Lobpreis singen und beten wir das Wort Gottes

Der zweite Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt, ist folgender: Wir gehen im prophetischen Lobpreis immer von Versen und Stellen der Heiligen Schrift aus. Die Bibel ist direkte Grundlage dieses Lobpreises. Wir singen und beten die Heilige Schrift. Auf diese Weise singen wir sehr konkret das „neue Lied“.

Denn nichts anderes finden wir in der Heiligen Schrift, nämlich das Heilshandeln Gottes an uns. Es beginnt mit der Vorbereitung auf die kommende Erlösung im Alten Testament und gipfelt im Kommen des Erlösers Jesus Christus, dem Messias, im Neuen Testament.

Zum anderen ist das Wort Gottes an sich schon in gewisser Hinsicht die größte Prophetie, die den Menschen gegeben ist. Sie ist Gottes Wort, das in die Welt gesprochen ist. Sie ist „Gottes Rede“ in die Welt. In ihr ist Jesus Christus gegenwärtig.

Es fehlt noch ein dritter Punkt, der deinen Lobpreis ins Prophetische führt.

3. Im prophetischen Lobpreis streben wir danach, unter der Leitung des Heiligen Geistes kreativ zu werden

Der dritte wesentliche Punkt, der deine Lobpreismusik ins Prophetische führt, ist dieses: Stelle dein Singen, Spielen und Beten des „neuen Liedes“ in der jeweiligen Situation direkt unter die Führung des Heiligen Geistes.

Dieses ist notwendig, um genau in diese geistgeleitete Kreativität zu kommen, wozu Paulus im Epheserbrief auffordert:

„Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5, 19)

So ist es unser Bestreben, in das konkrete Hören zu kommen, um genau das in die Situation zu hineinzugeben, was der Heilige Geist sagen und tun möchte. Dieses bezieht sich sowohl auf die Melodien, als auch auf die Worte.

Faszinierend war, dass wir dieses kreative, immer wieder Neue des Lobpreises in den Ausführungen der Hildegard von Bingen über die himmlischen Musik gefunden haben. Hildegard von Bingen, die schon zu ihren Lebzeiten Anfang des Mittelalters wegen ihrer großen Schauungen über Kirche und Welt als „Prophetin“ galt, sieht in einer großen Schau, dass selbst die höchsten Geschöpfe mit ihren Gesängen die Herrlichkeit Gottes nicht zu fassen vermögen, und sie deshalb immer wieder neu, in immer wieder neuer, vollkommener Melodik mit ihren Lobgesängen ansetzen. Doch lassen wir die Heilige und Kirchenlehrerin selbst zu Wort kommen:

„Mit den lebendig schwingenden Tönen ihrer herrlichen Stimmen, verkünden sie (die Engel) die Göttlichkeit Gottes, reicher als die Vielzahl aller Töne; die aus der Vielzahl aller Töne, die aus der Vielzahl aller Lebewesen zu ihm emporsteigen, und strahlender als aller Glanz, der durch Sonne, Mond und Sterne in Gewässern schimmert, erhaben über alle ätherische Musik (…). Und doch, mit all ihrem Stimmenjubel können die seligen Geister Gottes Gottheit nie endgültig fassen. Darum heben sie auch mit ihren Stimmen immer wieder von neuem an.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Wenn wir im prophetischen Lobpreis unter der Führung des Heiligen Geistes kreativ werden wollen, sehen wir auch hier eine Verbindung mit dem immer wieder neuen, kreativen Lobpreis im Himmel.

Anders als im Himmel, wo alles selbstverständlich fließt, brauchen wir hier auf Erden die Kraft des Heiligen Geistes, um in diesen kreativen, immer wieder neuen Lobpreis einzustimmen. Komm, Heiliger Geist!

Ein kleines Nachspiel: Derjenige, der die eingangs geschilderte berührende Erfahrung gemacht hatte, fragte nach den Noten der Lieder, die ihn so berührt hatten. Da mussten wir passen, es war freier Gesang gewesen! Es ist nun aber tatsächlich so: Aus den neuen Melodien und Gebeten im prophetischen Lobpreis entstehen durchaus neue Lobpreislieder, wenn jemand versiert genug ist, diese zu erinnern und in eine entsprechende Form zu bringen (Wir arbeiten dran :-)).

Neben diesen Basics gibt es noch weitere Aspekte, die im prophetischen Lobpreis tragend sind. Zum Beispiel, was ist das Prophetische genau, welche Ebenen berührt es?  Darum geht es im nächsten Blogbeitrag. Du findest ihn hier.  Möchtest du tiefer gehen? Dann schau rein!

Wir hoffen, du kannst mit unseren Ausführungen etwas anfangen. Probiere es einfach aus. Das ist auch unsere Schule. Und lass uns gern an deinen oder euren Erfahrungen teilhaben über die Kommentarfunktion oder per E-mail.

Es grüßen euch

Thomas und Ruth

Quellen:

Gronau, Eduard: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

 

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