Archiv der Kategorie: Gott und ich

Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Liebe Freunde, willkommen zu unserem dritten Blogbeitrag, bei dem es um das Thema Jüngerschaft geht. Wir wollen mit diesen Beiträgen das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten am wichtigsten erschien, die wir im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE durchgeführt haben.

Vielleicht regt es dich an, weiter auf dem Weg der Jüngerschaft zu gehen, und am besten an einen Jüngerschaftskurs teilzunehmen! Doch nun zum Thema.

Wie im zweiten Blogbeitrag über Jüngerschaft dargestellt (Jesus Herz – Feuerherd der Liebe, hier der Link), hat Gott eine ausgesprochen leidenschaftliche, brennende Liebe für uns. Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 16b). Er

„…verliebte sich in die Schönheit seiner Geschöpfe … hingerissen vom Feuer seiner Liebe erschuf er uns.“[1]

In diesem Blogbeitrag über Jüngerschaft geht es darum, was es für unsere Identität als Mensch bedeutet, aus einer solchen göttlichen Liebesflamme hervorgegangen zu sein, und wie wir dieses besondere Identitätsmerkmal leben können.

Während eines Studienaufenthaltes auf den Philippinen kam ich (Ruth) in eine Situation, im unwegsamen Dschungel der Cordillera eine aus Bambus gefertigte Hängebrücke überqueren zu müssen. Ich gestehe, dass nicht nur mir, sondern auch meinen europäischen Mitreisenden etwas anders wurde; etwas, das unsere philippinischen Gastgeber eher amüsierte.

Dieses ist zwar nicht die Original-Hängebrücke in der philippinischen Cordillera, aber diese in der Nähe von Boracay auf den Philippinen kommt ihr recht nahe.

Ob dieses einfache Geflecht aus Seilen, Draht und Bambus tatsächlich halten und nicht plötzlich reißen oder sich aus der Befestigung lösen würde, die sich auf der anderen Seite des Flusstales befand? Die Gefahr, aus respektabler Höhe ohne weiteres in die Tiefe zu fallen, war für uns keine besonders beruhigende Aussicht.

Jüngerschaft zu leben ist immer auch ein Abenteuer, manchmal vielleicht sogar auch mit einer solchen ungewöhnlichen Brückenüberquerung. Doch darüber hinaus erschien uns das Bild einer Brücke und ihrer Überquerung sehr treffend für das, was  wesentlich für die Identität des Menschen an sich ist, der aus dem Liebesfeuer Gottes hervorging. Was ist dieses?

Es ist die Fähigkeit, mit Gott in Beziehung zu treten. Gott hat den Menschen aus seiner Liebesflamme heraus von Beginn an mit sich in Beziehung gesetzt. Er hat ihn befähigt, eine solche Brücke zu schlagen, eine Brücke zu ihm hin. Mit dem Menschen, der aus diesem göttlichen Liebesstrom hervorgegangen war, wollte Gott weiterhin in Vereinigung und Gemeinschaft leben, in aller Freiheit. Deshalb befähigte er ihn zu einem solchen Brückenbau. Die Kirche nennt es die

„Gottfähigkeit des Menschen“.[2]

Der bekannte katholische Theologe Romano Guardini spricht davon, dass der Mensch existiert,

„… in Form einer Beziehung: von Gott her, auf Gott hin (…). Das ‚Von-Gott-her‘ und ‚Auf-Gott-hin‘ bestimmt sein Wesen.“[3]

Diese Fähigkeit des Brückenbaus zu Gott hin ist nicht nur irgendein beliebiges Merkmal des Menschen, das ignoriert oder wegelassen werden könnte. Nein, es ist tatsächlich ein konstituierendes Merkmal. Es ist ein Merkmal des Menschen, das so sehr mit seiner Identität als Mensch verknüpft ist, dass er ohne dieses nicht „Mensch“ genannt werden kann. Es gehört in existentiellem Sinn zum Menschen dazu[4].

Wenn wir hier von ‚existentiell‘ sprechen, kann dieses nicht weit genug gefasst werden. Romano Guardini geht so weit zu sagen, dass der Mensch keine gültige Erkenntnis über sich erlangen kann, wenn er Gott ausschließt[5].

Wir wissen natürlich, dass dieses – wie alle Dinge dieser Art – nicht in wissenschaftlichem Sinn bewiesen werden kann. Vom Dreifaltigen Gott geschaffen und auf ihn hin geschaffen zu sein ist schon ein christliches Glaubensbekenntnis.

Adam und Eva verlassen das Paradies (vgl. Gen 3, 16-24)

Doch wir glauben an die Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem Wort in die Welt gebracht hat. Wie schon zu Jesu Zeiten auf der Erde kann sie geleugnet und nicht geglaubt werden, oder es kann auch sein, dass fundiertes Wissen darüber gar nicht vorhanden oder unvollständig ist. Aber Leugnung, Unglauben oder Unwissenheit verändern keineswegs solche grundlegende Wahrheit.

Wir freuen wir uns, dass diese erste Glaubensentscheidung bei den Teilnehmern am Jüngerschaftskurs schon gefallen ist. Und es ist auf dem Weg der Jüngerschaft sehr gut, wahrzunehmen und sich bewusst zu werden, wie eng unser Menschenbild damit zusammenhängt, was wir über Gott denken. Wie entscheidend es ist – und nicht nur in dieser Hinsicht – für welche Religion oder Weltanschauung wir uns entschieden und welche Vorstellung wir von Gott haben.

Ein Vergleich wäre hier interessant in Bezug auf andere Religionen und Überzeugungen, in dem Sinne, welche Menschenbilder daraus resultieren. Aber das würde hier zu weit führen, aber wäre auf jeden Fall spannend!

Zu Religionen und Weltanschauungen zählen wir hier auch  atheistische Denksysteme, weil es sich bei diesen ebenso um Glauben handelt. Jeder sogenannte naturwissenschaftliche Beweis oder jede noch so ausgefeilte, wissenschaftstheoretisch abgesicherte Überlegung, kann, wenn es zum Schwur kommt, nicht standhalten. Weder die Existenz noch die Nicht-Existenz des dreifaltigen Gottes kann hieb- und stichfest bewiesen werden. Von jedem Menschen ist letztlich die Entscheidung verlangt, wem oder was wir glauben.

Als solche nun, die wir Jüngerschaft leben wollen und eingeladen sind, unsere Gottfähigkeit als unsere ureigenste Identität als Mensch nicht nur anzunehmen, sondern aktiv zu gestalten, stellt sich die Frage: Welche Qualität hat denn dieser Teil unserer Identität bei uns? Wie steht es mit unserem Brückenbau auf Gott hin?

Als wir in der philippinischen Cordillera einer nach dem anderen die Hängebrücke überquerten und alle endlich am anderen Ende angekommen waren, war die Erleichterung groß. So fragil das Gebilde aussah, erwies es sich doch ungeachtet unserer Ängste als ernstzunehmende Brücke. Sie hatte gehalten. Sie hatte ihren Zweck erfüllt, das tief nach unten abfallende Tal mit dem Fluss zu überbrücken und die andere Seite zu erreichen.

Doch um genau zu sein: Ja, sie hatte ihren Zweck erfüllt, aber gerade mal eben so. Neben aller Dschungel-Romantik: Es war in der Tat ein Risiko angesichts der Bauweise und des Zustands dieser Hängebrücke. Sehr komplex sind die Gründe, warum es auf diesem Weg (noch) keine sichere Brücke gab. Eine solche hätte auf jeden Fall für die einfache Landbevölkerung, die oft diesen Weg gehen musste, eine Verbesserung und mehr Sicherheit bedeutet. Denn kollabierende Brücken gab und gibt es dort tatsächlich immer mal wieder. Auch die Gewöhnung an die Gefahr verbessert das eigentliche Problem nicht.

Eine Hängebrücke kollabiert während einer philippinischen Hochzeit (https://www.dailymail.co.uk/news/article-5111025/Suspension-bridge-collapses-Philippines-wedding.html)

Wie sieht es mit unserer Brücke aus, die auf Gott hin? Hält  unsere Brücke gerade mal eben, kommen wir gerade mal so hinüber? Haben wir den Bau lange brachliegen lassen und vernachlässigt, oder ist sie sogar schon einmal ganz zerstört gewesen?

Oder ist sie stark gebaut, und wir sind auf der Suche nach neuem Material, um sie zu verschönern und zu befestigen?

Der Viadukt bei Fillisur in Frankreich

Vielleicht fühlst du dich eingeladen, an diesen Punkten weiter in die Betrachtung zu gehen und über die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren. Es gibt so viele individuelle Möglichkeiten des Brückenbaus! Ob groß oder klein, ob mächtig oder filigran – ganz so wie Gott dazu ruft.

Die Oaklandbay Bridge in San Fransisco, USA

Die Freiheitsbrücke in Budapest, Ungarn

Die Brooklyn Bridge in New York, USA

Wie aber baue ich an dieser meiner Brücke? Wie verschönere und befestige ich sie, will sagen, meine Verbindung zu Gott, die Beziehung mit Jesus? Wie lebe ich aktiv dieses entscheidende Identitätsmerkmal, das mich als Menschen ausmacht?

Hier sind einige Vorschläge für dich:

  • Lesen und Studieren der Bibel – dieses erweitert dein Wissen über Gott und seine Sicht auf die Welt.
  • Gemeinschaft mit Christen auf deinem Glaubensweg suchen – hier könnt ihr euch gegenseitig stärken und bereichern.
  • Gott im persönlichen Gebet Zeit schenken – dieses festigt und stärkt deinen Glauben und die Beziehung mit ihm.
  • Zeit mit Jesus im Allerheiligsten Sakrament verbringen, falls du die Gelegenheit dazu hast – dieses ist ein besonderer Ort der Gnade, an dem die Gegenwart Jesu in uns gestärkt wird.

Dieses ist natürlich nicht vollständig, denn das geistliche Leben ist sehr vielfältig, und letztlich muss jeder ausprobieren, was wie bei ihm angezeigt ist. Entscheidend ist, zu beginnen und hören zu lernen, wie Gott dich führen möchte.

Wenn du als Jünger Jesu diese Dinge regelmäßig tust, wird es deine Brücke auf jeden Fall festigen und verschönern!

Hier geht es zu anderen Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:

Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

 

Anmerkungen und Verweise

[1] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti, Nr. 28, zitiert in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[2] vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Kapitel 1: Der Mensch ist gottfähig. Kapitel 1, Absatz 27-49

[3] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008, S. 49

[4] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

[5] Guardini, Romano: Die Annahme seiner Selbst. Den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß. München, 9. Aufl., 2008,  S. 48

Jüngerschaft #2 Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Liebe Freunde, willkommen zu unserem zweiten Blogbeitrag, der sich mit dem Thema Jüngerschaft beschäftigt. Mit verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das mit euch teilen, was uns bei unseren Jüngerschaftseinheiten, die wir im Rahmen unserer Gebetsgruppe durchführten, am wichtigsten war.

Wir freuen uns, wenn dieses für euch hilfreich ist, in der Jüngerschaft Jesu weiter zu gehen. Es ist ein so spannender Weg! Weiterhin viel Freude damit!

Du findest hier, warum ein starkes Fundament des Glaubens wichtig ist, und wie entscheidend es ist, die leidenschaftliche Liebe Gottes und sein brennendes Herz für uns immer mehr zu erkennen. Und schließlich geht es darum, dass dieser Feuerherd der Liebe tatsächlich noch heute unter uns ist: Jesus gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament.

Das Fundament ist wichtig

Vorab: Warum ist es wichtig, ein starkes Fundament des Glaubens zu legen? Denn darum geht es hier in dem Jüngerschaftskurs. Jesus selbst gibt uns die Antwort im Gleichnis vom Hausbau (vgl. Mt 7, 24-27). Er spricht davon, wie wichtig es ist, worauf – also auf welches Fundament – ich mein Haus baue. „Haus“ kann hier für vieles stehen.

Worauf baue ich mein Leben, worauf baue ich meine Zukunft? Und auch, worauf ist mein christlicher Glaube gebaut? Auf Sand? Oder auf Felsen, einem starken Fundament? Vom Fundament hängt es ab, ob das Haus, respektive mein Glaube, den Stürmen des Lebens standhält.

Ungewiss ist, welche Stürme kommen; gewiss ist, dass sie kommen. Stürme können sein: zerbrochene Beziehungen, Verlust der Arbeitsstelle, finanzielle Turbulenzen, problematische Diagnosen, geplatzte Träume, plötzliche Todesfälle oder, oder, oder. In den Stürmen wird ersichtlich, auf welchem Fundament ich stehe.

Beim Gleichnis über den Hausbau sprich Jesus davon, dass derjenige, der seine Worte hört, und ihnen folgt, sein Haus auf Fels gebaut habe (vgl. Mt 7, 24-27). Als Teilnehmer an einem Jüngerschaftskurs hast du dich schon für das grundlegende Fundament „Jesus“ entschieden, und das ist wunderbar!

Beim geistigen Hausbau nun ist es wichtig, diesen Grundstein „Jesus Christus“ immer besser kennenzulernen. Dann festigt und verstärkt sich diese Grundlage. Es ist wie ein geistliches Gesetz: Die immer größere Erkenntnis, wer und wie Jesus ist, stärkt und kräftigt unseren Glauben. Die Basis wird fester, dichter und stärker, und wir können immer besser in Stürmen standhalten und uns als Jünger Jesu bewähren.

Gottes Liebe brennt leidenschaftlich für uns

Eine wesentliche, grundlegende Erkenntnis über Jesus Christus ist: Seine Liebe für uns ist eine leidenschaftliche, brennende Liebe. Warum ist das wichtig, gerade in Bezug auf Jüngerschaft? Die Erkenntnis der Liebe Gottes, die immer tiefer werdende Erkenntnis dieses Feuerherdes der Liebe, die für uns brennt, entflammt uns und lässt in uns eine Leidenschaft für Jesus entbrennen, die unglaublich wertvoll und tragend für das Leben von Jüngerschaft ist. Der bekannte Theologe Hans-Urs von Balthasar bemerkt treffend:

„Das Feuer der Leidenschaft wird zumeist aus dem Holz der Erkenntnis geschlagen.“ [1]

In Jesus Christus verkörpert sich die göttliche Liebe des Vaters zu uns. Die Liebe Jesu zu uns und die Liebe des Vaters sind eins, sie sind nicht unterschieden voneinander. Jesus Christus, der Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit hat eine leidenschaftliche, und brennende Liebe für seine Geschöpfe.

Gott selbst ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4, 16b). So dürfte uns das nicht verwundern, und doch ist es für uns oft doch schwer fassbar. Vielleicht müssen deshalb unzählige Predigten und Vorträge gehalten und Unmengen von Büchern darüber verfasst werden, dass Gott uns liebt. Und er tut es mit brennendem Herzen, leidenschaftlich, mit Feuer.

Wir denken, es ist eines der wichtigsten Fundamente für das Leben von Jüngerschaft, aber auch für Glauben an sich, die leidenschaftlichen Liebe Gottes immer mehr zu erkennen und tief zu verinnerlichen. Die Heilige Katherina von Siena, Mystikerin und Kirchenlehrerin aus dem 14. Jahrhundert, – eine Mystikern dieses Liebesfeuers Gottes – schreibt in ihrem Brief an den Mailänder Fürst Bernabó Visconti:

„Bedenkt, dass Ihr geliebt wurdet, bevor Ihr lieben konntet! Denn als Gott in sich hineinblickte, verliebte er sich in die Schönheit seiner Geschöpfe und wurde so sehr hingerissen vom Feuer seiner unschätzbaren Liebe, dass er uns erschuf …“ [2]

Immer wieder spricht die heilige Katharina von Siena von diesem leidenschaftlichen Feuer der Liebe. Feuer, ein Ursymbol der Menschheit, war und ist bis heute ein starkes Bild für die Macht und Intensität der Liebe. Wir selbst sprechen manchmal von heißer und glühender Liebe, Verliebte sprechen davon, für jemanden ‚Feuer und Flamme‘ zu sein.

Im Hohelied der Liebe spricht der Bräutigam zur Braut über die Liebe, und wir dürfen dieses als Verhältnis von Christus zur einzelnen Seele und zur Braut, die die Kirche ist, auslegen:

„Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.“ (Hld 8, 6-7)

In einem anderen Brief legt die heilige Katharina dar, dass es dieses gleiche leidenschaftliche Feuer der Liebe war, das Gott bewog, in Jesus Christus Mensch zu werden und unsere Sünden am Kreuz zu verbrennen [3], nachdem seine geliebten Geschöpfe sich von ihm abgewandt hatten und in Sünde gefallen waren.

Doch als Geschöpf Gottes bleibt es, dass der Mensch aus Liebe für die Liebe geschaffen wurde; und so kann er auch durch nichts besser angezogen werden als durch die Liebe. Die heilige Katharina bezeichnet Jesus als „Angel Gottes“[4], die er ausgeworfen hat, um uns durch vollkommen gelebte Liebe an sich zu ziehen.

Das brennende Herz Gottes für uns

Mit Jesus Christus hat Gott ein gottmenschliches Herz. Das Herz war schon immer ein Ursymbol, fast schon ein Archetypus für die Liebe. Mit ‚Herz‘ verbinden wir unwillkürlich Liebe, Liebe verorten wir im Herzen des Menschen. Unter Herz als dem Ort der Liebe verstehen wir dabei mehr als das lebenswichtige Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt.

Mit dem Herzen verbinden wir das tiefste Geheimnis des Menschen, eine Leib und Seele verbindende Lebensmitte, sogar das Zentrum des Menschen. Wenn uns etwas nahe geht, dann sprechen wir davon, dass unser Herz berührt wurde. Damit wollen wir mehr sagen, als dass irgendetwas besondere Gefühle in uns ausgelöst hat. Wir sagen damit, dass uns etwas in der Tiefe unserer Person getroffen hat.

Nach alttestamentlichen Verständnis, und auch noch weit darüber hinaus, wurde das Herz so sehr als Mitte der Person angesehen, dass, mit ‚Herz‘ eine ganze Person bezeichnet werden konnte; zumindest ihr gesamter Charakter, inklusive des Gefühls, der Gedanken und Motivationen konnten mit dem Begriff ‚Herz‘ beschrieben werden.  [5]

Als Jesus Christus aus dem göttlichen Feuer der Liebe heraus unsere Menschnatur angenommen hat, um uns zu erlösen und den Weg zur Erlösung zu zeigen, bekam er ein ganz konkretes Herz, ein Herz aus Fleisch und Blut. Die unendliche und nicht fassbare Liebe Gottes pulsierte nun in einem leiblichen Herzen. In einem solchen gottmenschlichen, leiblichen Herz konzentrierte und verdichtete sich die unendliche Liebe Gottes.

Unaufhörlich strömte sie von ihm auf die Menschen, die ihm auf seinen Wanderungen begegneten, voller Erbarmen und Heilung. Und dieses gottmenschliche Herz war ein einziger Feuerherd der Liebe, voller Leidenschaft und brennend für uns.

Als die heilige Maria Alacoque, eine Dominikanerin in Paray-le-Monial im Frankreich des 17. Jahrhunderts, Christus in einer Vision schaute, zeigte er ihr sein Herz. Sie sah ein Herz, aus dem Flammen schlugen und das ganz von Feuerflammen umgeben war:

„Überall aus seiner heiligen Menschheit drangen Flammen hervor … Dann zeigte er mir sein Herz, das der Quell dieser Flammen war.“ [6]

Diese Vision ist vor allem ein starkes Symbol, ein starkes Zeichen für die göttliche Liebe für uns. Doch es ist noch viel mehr als das. Denn dieses Symbol ist von einer Realität gedeckt. Es ist von der Realität der göttlichen Liebe Jesu zu uns gedeckt, vor der ein solches Bild nur verblassen kann.

Die Vision der heiligen Maria Alacoque

Entscheidend ist für uns, zu begreifen oder tiefer zu erkennen, dass diese brennende Liebe Gottes, dieses brennende Herz Gottes heute noch unter uns ist. Als das Wort unser Fleisch annahm und Mensch wurde (vgl. Joh 1, 14), war dieses nicht nur für eine kurze Zeit bestimmt.

Sondern Gottes Menschwerdung bleibt für alle Ewigkeit. Dieser liebende Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde, am Kreuz für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand, bleibt in alle Ewigkeit der Menschensohn, der nun zur Rechten des Vaters sitzt. Ebenso ist er mit seinem ewig brennenden, leidenschaftlichen Herzen unter uns gegenwärtig. Das ist die beste Nachricht: Er ist noch ganz konkret unter uns.

Der Feuerherd der Liebe ist noch heute konkret unter uns

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dieses brennende, leidenschaftliche Herz Jesu die Eucharistie ist. Das sagt unser Glaube, Christus ist bis heute in mehrfacher Weise unter uns, aber

„vor allem unter den eucharistischen Gestalten“ [7].

Dort, wo der ganze Christus mit seinem Leib ist, da ist auch sein Herz; und wir kommen hier dem Verständnis nahe, dass nach alttestamentlicher Vorstellung das Herz die ganze Person darstellt.

Interessanterweise wurde bei einem eucharistischen Wunder in Polen vor gar nicht langer Zeit in einer konsekrierten Hostie, die sich zum Teil in ein Stück menschliches Fleisch verwandelt hatte, ein menschliches Herzmuskelgewebe nachgewiesen.

Ein Teil der Hostie verwandelte sich in ein Stück Herzmuskelgewebe (Fotonachweis: Bistum Liegnitz)

Dieses Wunder geschah 2013 im polnischen Legnica (Liegnitz) und wurde nach aufwändigen wissenschaftlichen Untersuchungen zuerst vom zuständigen Bischof von Legnica und 2016 ebenso von Rom anerkannt [8].

Durch Heilungen bezeugt sich Christus in der Eucharistie ebenso. Père Daniel Ange, ein französischer Priester und Gründer der Evangelisationsschule jeunesse-lumière (Jugend-Licht) berichtet aus seiner Seelsorge:

„Ein afrikanisches Mädchen, das in eine Universitätsklinik eingeliefert wird, fällt in ein irreversibles Koma. Seine Familie bittet ein Ehepaar …, etwas zu unternehmen. Wer kann das Mädchen (auf)erwecken, wenn nicht Jesus? Und wo ist Jesus zu diesem Zeitpunkt? Das Ehepaar bringt den Leib Christi auf die Intensivstation. Gerade als der Leib des Herrn die Lippen des Mädchens berührt, öffnet es Augen und Lippen. Die Krankenschwestern geraten in Panik, die Ärzte sind verblüfft. Nach mehreren Krankenkommunionen kann das Mädchen die Klinik verlassen.“ [9]

Weg der Jüngerschaft

Wir hoffen, dich mit diesem Beitrag auf deinem Weg der Jüngerschaft ermutigt zu haben und wünschen dir, dass du dich ganz von der Liebe Gottes entflammen und tragen lässt, so wie ein unbekannter Kartäuser-Mönch ausrief:

„Ach, wenn dein Herz nur ein wenig von der Liebe empfinge, von der das Herz Jesu zu uns brennt, dein Herz würde sie nicht in sich verschließen können. Wie ein Glutofen würde sie dich entflammen und verzehren!“ [10]

Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen zu Jüngerschaft:
Jüngerschaft #1 Vier grundlegende Aspekte Jüngerschaft #3 Das entscheidende Merkmal deiner Identität leben

Wann und wo die Jüngerschaftseinheiten stattfinden, siehst du hier.

 

Weitere Verweise und Anmerkungen

[1] Hans-Urs von Balthasar, zitiert in: Hartl, Johannes: In meinem Herzen Feuer. Witten, 2016, S. 132

[2] Katharina von Siena, Brief an Bernabó Visconti (Brief 28), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[3] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 196), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[4] Katharina von Siena, Brief an Papst Gregor XI (Brief 246), zit. in: Herz Jesu – Feuerherd der Liebe. https://de.readkong.com/page/herz-jesu-feuerherd-der-liebe-8915630

[5] Biju-Duval, Denis: Le Psychique et le Spirituel. Paris, 2001

[6] Holböck, Ferdinand: Aufblick zum Durchbohrten. Salzburg, 1990, S. 224

[7] Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1373

[8] https://de.catholicnewsagency.com/story/neues-eucharistisches-wunder-in-polen-0701

[9] Daniel-Ange: Die Eucharistie – Leib der Liebe. Linz (Österreich), 2006, S.135

[10] Unbekannter Kartäuser in Trier, 14. Jahrhundert.  Aus: Altdeutsche Herz-Jesu-Gedanken in: Deutsche Herz-Jesu-Gebete des 14. und 15. Jahrhunderts, Karl Richstätter S.J., Verlag Kösel & Pustet, 1926. auch: https://hl-herz-jesu.blogspot.com/2012/06/brennende-liebe.html

 

 

 

 

 

Jüngerschaft #1: Vier grundlegende Aspekte

Liebe Freunde, in verschiedenen Blogbeiträgen wollen wir das dokumentieren, was uns bei den Einheiten unseres Jüngerschaftskurses am wichtigsten war. Wir freuen uns, wenn es auch euch anregt, sich vielleicht mit dem Thema Jüngerschaft näher zu beschäftigen. Am besten ist es natürlich, wenn ihr Gelegenheit habt, an einem Jüngerschaftskurs teilzunehmen.

Für unsere Jüngerschaftsabende im Rahmen der Gebetsgruppe WeeklyHOPE ließen wir uns vom Jüngerschaftskurs der österreichischen Loretto-Gemeinschaft[1] anregen. Wer ihn kennt, wird hier manches wiederfinden, aber auch so manches Neues.

Hier ist nun der erste der Blogbeiträge, bei denen es um das Thema Jüngerschaft geht.

Vier grundlegende Aspekte von Jüngerschaft

In diesem Blogbeitrag geht es um vier wesentliche Grundlagen von Jüngerschaft. (1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich, (2) sie folgen ihm nach, (3) er lebt er mit ihnen. (4) Dann sendet er sie aus. Und noch bevor es zu den einzelnen Punkten geht, ist die Frage:

Warum ist Jüngerschaft überhaupt wichtig?

Ein Jünger Jesu zu werden ist eigentlich ein Ruf an jeden Menschen. Dieses zeigt uns das Wort Gottes, die Bibel, in der Jesus spricht:

„Darum geht, macht alle Völker zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. (Mt 28, 18-19)

Jesus sagt diese Worte, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen, an herausragender Stelle. Dieses gibt seinen Worten noch einmal ein besonderes Gewicht. Kurz vor seiner Himmelfahrt sagt er sie, im Zusammenhang mit seinem Auftrag an die Jünger, bis an die Grenzen der Erde zu gehen und sein Wort zu verkünden.

Er spricht sie zu denen, die er selbst als Jünger herangebildet hat (vgl. zum Missionabefehl auch Mk 16, 15; Lk 24, 47; Apg 1, 8). Seine Worte zur Jüngerschaft sind eng mit diesem ureigensten Wesensmerkmal der Kirche verbunden: ihrem missionarischen Charakter.

Selbst ein Jünger Jesu zu sein und Menschen zu Jüngern zu machen gehört also fundamental dazu, das Reich Gottes zu verkünden, und um als Kirche in der Welt fruchtbar zu sein. Das Prinzip Jüngerschaft ist also keine neue „pastorale Erfindung“, sondern ist der Wille Jesu für seine Kirche.

Und zwar von Anfang an, als sie damals noch aus einem kleinen Häuflein von Menschen bestand. Aus diesem Häuflein ist inzwischen der weltumspannende Leib Christi geworden, und immer war die Kirche, dort wo sie fruchtbar war, mit jüngerschaftlichen Prinzipien unterwegs. Vielleicht sind sogar Kirche, Gemeinden und christliche Gemeinschaften nur in dem Maße fruchtbar, wie sie jüngerschaftliche Prinzipien umsetzen und leben?

Heute, zumindest hier in der Kirche Westeuropas, sehen wir uns in einer Situation, in der Jüngerschaft als Thema weitgehend vergessen ist. Es gibt wenig Wissen über die Grundlagen von Jüngerschaft, was Jüngerschaft eigentlich ist und warum sie so wesentlich ist.

Angesichts der derzeitigen Situation in der Kirche hier, wo es aufs Ganze gesehen eher abwärts geht, ist die Wiederentdeckung von jüngerschaftlichen Prinzipien mehr als angezeigt. Für eventuelle Skeptiker: Einen Versuch ist es allemal wert! Ermutigend sind die Aufbrüche, die es in der Kirche, und dem gesamten Leib Christi aller Denominationen, gibt; und es ist nicht verwunderlich, dass wir beim näheren Hinsehen tatsächlich die jüngerschaftlichen Prinzipien entdecken.

Im katholischen Bereich seien besonders die Gemeinden von James Mallon in Halifax/Kanada oder Michael White in Baltimore/USA genannt, die Jüngerschaft zum erfolgreichen Prinzip ihres Gemeindeaufbaus gemacht haben.

Fr. James Mallon spricht auf einer Konferenz

Internationale Vorreiter waren z.B. die bekannten amerikanischen Großkirchen ‚Willow Creek‘ und ‚Saddleback Church‘, und im deutschsprachigen Raum die ‚Jugend mit einer Mission‘. Immer mehr kleine und große Gemeinschaften und Gemeinden aller Konfessionen beginnen jüngerschaftliches Leben umzusetzen. Vor allem sei hier die katholische Loretto-Gemeinschaft aus Österreich erwähnt, die für uns immer wieder eine neue Inspiration ist.

Und nun zu den

vier grundlegenden Aspekten von Jüngerschaft

(1) Jesus ruft eine Gruppe zu sich

Wenn wir das Evangelium betrachten, sehen wir, dass Jüngerschaft das typische Modell Jesu ist. Er ist es, der Menschen zusammenruft und um sich versammelt, damit sie seine Jünger werden. Im Markusevangelium heißt es:

„… er rief die zu sich, die er erwählt hatte. Und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte.“ (Mk 3, 13-14)

Neben diesen ersten 12 Aposteln, die alle namentlich erwähnt werden, hören wir in den Evangelien von weiteren Jüngern. Einmal sind 70 bis 72 erwähnt (vgl. Lk 10, 1), doch es dürften noch wesentlich mehr gewesen sein (vgl. Apg 6,7; Joh 6, 66). Darunter waren auch Frauen.

Zur Zeit Jesu war es durchaus ungewöhnlich, dass ein Rabbi Frauen unter seinen Anhängern hatte. Namentlich genannt sind Maria Magdalena und Marta, die Schwestern des Lazarus, Johanna des Chuza und Susanna (vgl. Lk 8, 2), Lydia und Tabita (vgl. Apg 16, 14; 9, 36) und seine Mutter, die Jungfrau Maria (vgl. Apg 1, 14).

Am Modell Jesu in der Bibel sehen wir, dass alle zu Jüngerschaft berufen sind, gleich welche Aufgabe oder Amt jemand in der Kirche innehat, gleich welches Geschlecht oder welcher Hintergrund sein eigen ist. Auf die heutige Zeit übertragen sprechen wir von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Laien, Männern, Frauen, Verheirateten, Singles und vollzeitlich oder ehrenamtlich Tätigen, die alle zur Jüngerschaft berufen sind. Deshalb lässt sich feststellen:

„Jüngerschaft – mit den wesentlichen Kernprozessen – ist keine Option.“[2]

Jesus Christus ruft jeden ganz persönlich beim Namen. Er ist derjenige, der ruft und beruft: so heißt es im Johannesevangelium:

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15, 16)

(2) Sie folgen ihm nach: Nachfolge Jesu

Ein entscheidendes Merkmal von Jüngerschaft ist die Nachfolge. Es gibt einen Meister, dem wir folgen. Für die ersten Apostel und Jünger bedeutete ’nachfolgen‘ zum einen ganz konkret, alles stehen und liegen zu lassen, ihrem Meister Jesus auf seinen Predigttouren durch Israel zu begleiten und an der Verkündigung seiner Heilsbotschaft mitzuwirken.

Es ist nun gleich, in welchem Lebensstand uns Jesus Christus nun konkret beruft. Ihm nachzufolgen hat immer einen gemeinsamen Nenner. Egal, wo wir hingestellt sind, bedeutet Nachfolge vor allem die Entschiedenheit, uns in unserer Lebensweise von Jesus Christus leiten zu lassen und uns an seinem Vorbild und seiner Lehre zu orientieren. Wir versuchen, in seine Fußstapfen zu treten. Als Jünger Jesu erkennen wir Jesus Christus als unseren Meister an, und wir erklären uns bereit, auf ihn zu hören.

Die Bereitschaft, auf Jesus zu hören, gehört wesentlich zu einem nachfolgenden Jünger dazu. Die Nachfolge Jesu ist geprägt davon, dass eine direkte Lehrer-Schüler-Beziehung existiert. Schon das Wort „Jünger“ weist darauf hin. Das griechische Wort ‚Jünger‘ (μαθητάι, mathētai) heißt wörtlich ‚Schüler‘. Das deutsche ‚Jünger‘ kommt aus dem althochdeutschen ‚jungiro‘ und bedeutet ‚der Lehrling‘ oder ‚der Lernende‘.

Als Jünger Jesu geht es aber nicht nur um das Erlernen von kognitivem Wissen. Sicher, aktiv die Bibel zu studieren, die Lehre der Kirche zu kennen und von den Heiligen zu lernen ist wichtig. Doch Jüngerschaft ist mehr, als Wissen darüber zu sammeln, was für das Leben eines Christen notwendig ist. Es bedeutet vor allem auch, sich davon formen lassen.

So braucht es die Bereitschaft, dass das Wort und Beispiel Jesu in uns ‚Fleisch wird‘. Es bedeutet, uns die Art und Weise Jesu zu eigen machen und sie als Maßstab unseres Lebens zu setzen, und zwar in allen Bereichen unseres Lebens. Paulus benutzt in diesem Zusammenhang das Bild des neuen Menschen in einem neuen Gewand:

„… lasst euch erneuern durch den Geist und euer Denken! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!“ (Eph 4, 23-24)

Insofern bedeutet Jüngerschaft ganz wesentlich, seine Lehre anzunehmen und sich von ihm formen zu lassen. Deshalb beginnt Jüngerschaft immer bei einem selbst und mit der Bereitschaft, sich auf einen solchen Prozess einzulassen.

Dabei ist es gleich, wo wir gerade stehen. Jesus sucht keine perfekten Menschen. Wir müssen keine Superhelden sein. Gott geht mit uns von da aus, wo wir sind.

Und doch er gibt uns eine wunderbare Verheißung, wenn wir uns mit ihm auf diesen Weg begeben. Sie mag uns fast zu groß erscheinen, aber sie will uns ermutigen und anspornen:

„Ein Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.“ (Lk 6, 40)

(3) Er lebte mit ihnen: Gemeinschaft mit Jesus und Gemeinschaft untereinander

Wesentlich für Jüngerschaft ist, sich bewusst zu werden, dass Jesus Christus heute noch mit uns lebt. Wie war das damals konkret für seine Jünger? Diejenigen, die er zu sich gerufen hatte, hatten eine persönliche Beziehung mit ihm, er nannte sie seine Freunde (vgl. Joh 15, 14) und sie lernten ihn mit der Zeit immer besser kennen.

Jüngerschaft bedeutet heute insofern genauso, eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus zu leben und ihn immer besser kennenzulernen. Es bedeutet, die Gemeinschaft mit ihm immer mehr zu vertiefen.

Wo finden wir Jesus Christus heute ganz konkret? Zuallererst finden wir ihn in der heiligen Eucharistie. Im Allerheiligsten Sakrament ist er heute mit Leib und Blut unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. In der heiligen Messe können wir ihn empfangen, doch längere Zeit mit ihm zu verbringen, um zu einer Vertiefung der Gemeinschaft und Beziehung mit ihm kommen, ist durch das anbetende und liebende Verweilen vor dem Allerheiligsten Sakrament möglich.

Nach Julien Eymard, einem heiliggesprochenen Priester und Apostel der Eucharistie des 19. Jahrhunderts (dessen bis heute unverwester Leib in Paris zu sehen ist), führt die Kontemplation der Eucharistie zu einer immer tieferen Vereinigung mit Jesus[3].

Der hl. Julien Eymard

Genau dieses möchte auch Jesus: Über die Sehnsucht Jesu nach uns, über sein brennendes Verlangen, mit uns in immer tiefere Gemeinschaft zu treten, schreibt die heilige Therese von Lisieux:

„… Jesus ist dort im Tabernakel ausdrücklich für dich, für dich allein. Er brennt vor Verlangen, in dein Herz einzutreten.“[4]

Oder die heilige Edith Stein:

„Der Herr ist im Tabernakel in seiner Gottheit und Menschheit gegenwärtig. Er ist nicht dort für sich selbst, sondern für uns: Es ist seine Freude, bei uns zu sein.“[5]

Ebenso sehen wir in der Bibel: Jüngerschaft braucht Gemeinschaft. Wir brauchen also nicht nur die persönliche Freundschaft und Beziehung mit Jesus, sondern auch die Gemeinschaft untereinander. Jesus wollte uns mit dem Modell Jüngerschaft ebenso zeigen, dass Glauben eine Sache von Gemeinschaft ist. Die Apostel und Jünger lebten mit Jesus zusammen, hörten seine Lehre, sahen sein Beispiel und hatten gleich die Gemeinschaft um sich herum, um das Gehörte und Beobachtete in die Tat umzusetzen und einzuüben.

Wir alle wissen vielleicht, dass es am anspruchsvollsten ist, das Evangelium im engsten und vertrautesten Kreis zu leben, im Klein-Klein des Gemeinde- oder Familienalltags oder wo auch immer wir hingestellt sind. Eine Kleingruppe zu haben, in der Jüngerschaftsthemen durchgesprochen und eingeübt werden ist ein sehr großer Segen! Jüngerschaft leben ist also auch ein Prozess in Gemeinschaft.

(4) Aussendung

Jüngerschaft ist immer missionarisch ausgerichtet. Da dieser einzelne Punkt sehr umfassend ist, soll es hier nur kurz angedeutet werden durch das unten folgende Bibelwort, das den missionarischen Aspekt deutlich hervorhebt. Da der missionarische Aspekt sehr viele Facetten hat, wird in einer der nächsten Jüngerschaftseinheiten noch näher  darauf eingegangen (und erscheint als dann hier als Blogbeitrag):

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.“ (Mk 16, 15-20)

Die 2. Jüngerschaftseinheit findest du hier:
Jesus Herz – Feuerherd der Liebe

Wann und wo der Jüngerschaftskurs stattfindet siehst du hier.

 

 Verweise und Anmerkungen

[1] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019

[2] Knittelfelder, Patrick; Lang, Bernadette: Lifestyle Jüngerschaft. Lege das Fundament deines Lebens. Holzgerlingen, 2019, S. 27

[3] Vgl. P. Racine, Florian (Hrsg): Adorer en esprit et en vérité. Extraits des prédications de Saint Pierre-Julien Eymard. Paris, 2009, S. 105

[4] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 27

[5] zitiert in P. Racine, Florian: Could you not watch with me one hour. How to cultivate a deeper relationship with the Lord through Eucharistic adoration. San Francisco, 2014; S. 51

Old school oder höchst aktuell? Maria – Mutter der Kirche

Mater ecclesiae, „Mutter der Kirche“ –  erst 2018 erhob Papst Franziskus diesen Titel Mariens zum Gedenktag. „Maria, Mutter der Kirche“ in den liturgischen Kalender einzufügen, löste Erstaunen – mitunter mit hochgezogener Braue – in der Kirche aus. Hatte die Kirche keine anderen Probleme?

Dieser Titel Mariens tauchte zwar schon im 4. Jahrhundert in den Schriften des Kirchenvater Ambrosius auf und war im Hochmittelalter weit verbreitet, aber er wurde bisher nicht kirchenweit gefeiert. Allen Kritikern zum Trotz sollte sich dieses jetzt durch die Entscheidung des Papstes ändern.

Maria als „mater ecclesiae“ – das Original dieses Mosaiks findet sich auf den Petersplatz in Rom. Papst Johannes Paul II ließ es dort anbringen als Dank für den Schutz Mariens bei dem Attentat, das am 13.5.1981 auf ihn verübt wurde.

Skeptisch war ich nicht, als ich per überraschendem Google-Ergebnis davon erfuhr, vor kurzem erst. Eher traf es mich und ich war berührt. Angerührt war ich, weil ich mich an eine persönliche Erfahrung im Gebet erinnerte, die zwar schon etwas länger her ist, aber recht intensiv war. Ich hatte es damals im Gebet so verstanden, dass der Herr genau das wünschte: Dass seine heiligste Mutter als „Mutter der Kirche“ geliebt und verehrt wird. Das kam nun bei mir zusammen: Meine Gebetserfahrung und diese recht aktuelle Intervention des Papstes.

Blick vom Petersplatz in Rom auf die Kuppel des Petersdoms.

Nun glaube ich, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, und dass Christus durch vieles in die Welt hinein spricht, eben auch durch die kirchliche Liturgie. Und auch zum Beispiel durch diese nun keineswegs so unwesentliche Aktion, einen neuen liturgischen Gedenktag in den kirchlichen Kalender einzuführen. Meine Neugier war erwacht, und ich wollte dem weiter nachgehen, denn erschlossen hatte sich mir der tiefere Sinn von mater ecclesiae noch nicht.

Das Originalmosaik „Mater ecclesiae“ am Petersplatz in Rom.

Auf eine Spur kam ich, als ich entdeckte, dass Papst Franziskus diesen neuen Gedenktag jeweils auf den Montag nach Pfingsten gelegt hatte[i]. Von je her wird Pfingsten als das Geburtsfest der Kirche gefeiert. „Mutter der Kirche“ so nah an Pfingsten – das war sicher kein Zufall.

Was war an Pfingsten eigentlich geschehen? Ja, die Apostel und Jünger empfingen den Heiligen Geist, sie gingen heraus aus dem Obergemach, sie fingen an zu predigen, zu taufen und die erste Gemeinden entstanden; sie hoben sozusagen die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes aus der Taufe. Deshalb: Geburtsfest der Kirche. Maria war als Mutter des Erlösers selbstverständlich bei dieser ersten Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem dabei (vgl. Apg 1, 14).

Von ihr als „Mutter der Kirche“ zu sprechen hat aber noch eine größere Bewandtnis als ihre bloße Anwesenheit. Ich kam darauf, als ich bei Romano Guardini, einem bedeutenden katholischen Theologen, vom inneren Vollzug von Kirche las. Was war an Pfingsten in den Aposteln und Jüngern geschehen? Romano Guardini weist genau auf diesen inneren Vollzug hin, wenn er über die Veränderung des Petrus nach der ersten Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag in Jerusalem schreibt:

„Er ist nicht nur mutig geworden oder hat Erkenntnis gewonnen, sondern er steht zu Jesus in einer neuen Weise: wie einer, der Macht erhalten hat und nun mit Autorität verkündet. Er redet nicht über Jesus, sondern aus der Verbindung mit Ihm heraus, von Ihm her.“   (R. Guardini in: Der Herr, 1957, S. 531)

Doch vorher war es so, als haben die Apostel und Jünger vor Pfingsten nur vor Jesus gestanden. Vor ihm. Sie haben mit ihm gelebt, sie sind mit ihm umher gezogen, sie haben sein Wort gehört, sie haben seine Taten gesehen und sie glaubten an ihn. Aber sie standen immer nur vor ihm.

Sie liefen mit ihm durchs Land und bekannten sich zu ihm, aber trotzdem war da noch diese Distanz. Sie sahen ihn und standen nur vor ihm, sie hörten ihn und standen nur vor ihm. Selbst nach seiner Auferstehung, als sie ihn sahen und hörten und mit ihm aßen, ist da noch diese Distanz.

Jesus war noch nicht in ihnen lebendig. Er lebte noch nicht in ihnen. Sie konnten noch nicht in Fülle auf seine Kraft und Inspiration zugreifen, denn er lebte noch nicht in ihnen. Dementsprechend verhielten sie sich: Sie waren furchtsam und ängstlich, sie zogen sich zurück, verschlossen die Türen.

Das war angesichts der angespannten Lage in Jerusalem für die Anhänger Jesu eine mehr als verständliche Reaktion, schließlich war ihr ‚Anführer Jesus‘ vor kurzer Zeit noch schändlich am Kreuz hingerichtet worden, und die Angst um ihr Leben war nicht unberechtigt. Doch dann kommt der Heilige Geist. Es ist Pfingsten.

Und der Heilige Geist wirkt genau das: Christus wird in den Apostel und Jüngern lebendig. Es ist die erste und vornehmste Aufgabe des Heiligen Geistes: Jesus in uns zu gebären.

Jesus lebt nun in den Jüngern und es verändert sie völlig: Sie gehen heraus aus der verschlossenen Kammer, sie sind voller Freude und Begeisterung, sie verkünden und taufen. In dieser angespannten Lage. Die Kirche ist geboren. Und zuerst ist es dieser innere Vollzug, der die Kirche zum lebendigen, kraftvollen Leib Christi macht: Jesus lebt in uns durch die Kraft des Heiligen Geistes.

An Pfingsten erfüllte sich das Wort Jesu, das er sprach, als er das letzte Mal im Tempel gelehrt hatte. Er betete hier zum Vater für seine Apostel und alle Glaubenden:

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“. (Joh 7, 22-23)

Und Maria? Maria war die Ausnahme. Bei ihr war es anders. Nicht alle standen nur vor Jesus bevor der Heilige Geiste zum ersten Mal herabkam. Sie nicht. Denn sie war diejenige gewesen, die ganz im Verborgenen zuallererst Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes in sich hinein empfing. Es war, als der Heilige Geist Jesus in ihr zeugte. Die Bibel sagt uns:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1, 35)

So war Maria das erste Geschöpf, in dem Jesus lebte. Und das in unerreichbarer, einzigartiger Weise, denn sie empfing ihn nicht nur geistig in sich hinein, sondern leiblich.

In ihr wuchs, von ihrem Fleisch, der Sohn Gottes heran. Wir können davon ausgehen, dass sie durch dieses Geschehen in einzigartiger Weise, auch geistig, mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Es wäre nun abwegig und unlogisch zu denken, nach der Geburt Jesu hätte der Heilige Geist sie wieder verlassen.

Während ihres ganzen Lebens lebte Christus schon unnachahmlich in geistiger Weise in ihr, noch ganz verborgen vor der Welt in Nazareth, wo sie ihn mit Joseph aufzog, und überall dort, wohin sie ihn mit den Jüngerinnen begleitete. Wie sie wohl das erste Pfingsten in Jerusalem erlebt haben mag?

Den inneren Vollzug von Kirche betrachtend kommt es uns vielleicht etwas näher, was mit Maria als „Mutter der Kirche“ in tieferer Bedeutung gemeint sein kann. In theologischer Sprache heißt es, der Titel mater ecclesiae weise auf Maria als dem ‚personifizierten Urbild der Kirche‘ hin.

Ihre unbefleckte Empfängnis vor Augen ist sie tatsächlich das erste menschliche Geschöpf, das nicht nur Vorbild ist, sondern tatsächlich Urbild des neuen Volkes Gottes, das Christus sich durch die Kirche und in seiner Kirche versammeln will.

Maria ist natürlich auch Mutter der Kirche in ganz einfachem Sinn: Ohne Maria gäbe es keinen Jesus. Sie hat ihn geboren. Ihr „Ja“ erst öffnete den Weg zur Menschwerdung Gottes.

Ich glaube, dass dieser neue Gedenktag mater ecclesia uns auf etwas sehr Notwendiges hinweisen will, in diesen Zeiten, in denen nicht nur die Kirche im Sturm steht: Wir brauchen es mehr denn je, dass Christus in uns stark und lebendig ist, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

So beten wir mit Maria, Mutter der Kirche: Komm, Heiliger Geist!

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VERWEISE und ANMERKUNGEN

Fotonachweise:
1) Mater ecclesiae in Rom: https://fatherjerabek.com/page/33/
2) Maria an Pfingsten: https://www.goodstreams.org/videogallery/pentecost-in-legos/
3)Heilige Familie: http://stdavidparish.org/008-pregnant-mary/
Alle anderen Fotos sind urheberrechtlich frei. Falls irgendwelche  Angaben nicht korrekt sind oder wir einen Fotonachweis übersehen haben, macht uns bitte per PN oder in den Kommentaren darauf aufmerksam, damit wir es korrigieren können. Danke!

[i] In Deutschland gibt es eine besondere Regel für diesen neuen Gedenktag, da der Pfingstmontag hier als zweiter, gebotener Feiertag begangen wird. Deshalb wird am Pfingstmontag keine hl. Messe von ‚Maria, Mutter der Kirche‘ gefeiert. Es liegt es in der Entscheidung der deutschen Bistümer, wann der Gedenktag ‚Maria, Mutter der Kirche‘ innerhalb der Woche nach Pfingsten gefeiert wird.

Hirsche, Hirsche, Hirsche

Es ist Advent, und schon ist man umgeben von Hirschen. Noch bevor die Adventszeit begonnen hatte, war die Überflutung mit Weihnachtsdekorationen schon da; und immer wieder Hirsche. Es könnte den Eindruck entstehen, dass der Hirsch als neuer Bestandteil von Weihnachten etabliert werden soll, um das Fest noch weiter von seinem christlichen Inhalt zu entkernen und von der eigentlichen Botschaft abzulenken, der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus.

Eine weitere Entkernung, so wie der rot-weiße Coca-Cola-Mann nicht nur den heiligen Bischof Nikolaus immer mehr verdrängen will, sondern auch das „Christkind“ an Weihnachten selbst. Doch um dieses „Christkind“ geht es ja: Weihnachten = die geweihte Nacht der Geburt Jesu Christi. Advent = vom lateinischen Wort advenire abgeleitet, das bedeutet „ankommen“; also  Adventszeit, die Erwartung der Ankunft Christi auf Erden, die Erwartung der Menschwerdung Gottes. Und nun mittendrin im unvermeidlichen Weihnachtsgeschäft Hirsche, Hirsche, Hirsche.

Eine geistliche Rückbindung

Vielleicht ist der Hirsch in der adventlichen und weihnachtlichen Zeit gar nicht so schlecht gewählt, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt. In der Bibel kommt der Hirsch an einigen Stellen vor. So heißt es zum Beispiel im Buch der Psalmen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen, und Gottes Antlitz schauen?“ (Ps 42, 2-3)

Hier wird der nach Wasser lechzende Hirsch ein Bild für den Menschen, der Sehnsucht nach Gott hat. Übrigens, der Antrieb für die Wanderungen eines Hirsches oder von Hirschherden ist zuallererst, die beste Nahrung und das reinste Wasser zu finden. Vor diesem Hintergrund bekommt die Symbolik des Hirschen noch einmal eine besondere Note.

Im biblischen Hohelied der Liebe, diesem großartigen Liebesgesang zwischen Bräutigam und Braut, der als mystische Hochzeit zwischen Gott und der Seele gedeutet wird, begegnet uns ebenso der Hirsch. Dort spricht im Zwiegespräch der Liebe die Seele:

„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. (…) Der Geliebte spricht zu mir: ‚Steh auf, meine Schöne, so komm doch!'“ (Hld 2, 8-10)

Der Hirsch ist hier ein Bild für den Geliebten, ein Bild für Christus selbst. Es ist ebenso ein Bild der Sehnsucht, dieses Mal für die Sehnsucht Gottes nach uns, sein Verlangen nach den Menschen. Er kommt, läuft, ’springt‘ herbei, nichts kann ihn aufhalten, es eilt ihn, die Sehnsucht treibt ihn an, angetrieben von seiner unfassbaren Liebe für uns und gerufen von der Sehnsucht des Menschen. Gibt es ein schöneres Bild für den Advent, die heilige Zeit der Erwartung?

Hirsche – es scheint, als würde die sich immer säkularer gebärdende Gesellschaft doch unbewusst eine tiefe geistliche Symbolik aufgreifen. Vielleicht ist es tatsächlich kein Zufall, dass dieses zudem auch noch in der adventlichen Zeit geschieht.

Denn mit Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu Christi, erfüllt sich diese Sehnsucht, die in diesen starken mystischen Bildern ausgedrückt wird. Christus ist geboren, und mit der Ankunft des Erlösers in der Welt, nimmt die konkrete Erlösung des Menschen seinen Anfang.

Jesus Christus ist es, der die tiefste existentielle Sehnsucht des Menschen nach dem reinsten Wasser der Wahrheit in einer von Schmutz und Lüge durchsetzten Welt erfüllt.

Jesus Christus ist es, der die Sehnsucht der Seele nach ewigem Leben in der Vereinigung mit Gott erfüllt, diesem niemals endenden Fest der Liebe und Freude. Eine Vereinigung, die mit und durch Jesus Christus schon heute auf Erden beginnen kann.

Jesus Christus ist es, der dem Menschen durch sein Kreuz den Weg zurück in die Arme des Vaters geöffnet hat, die Gemeinschaft mit Gott. Und dieses ist bis zum Ende der Zeiten eine Einladung an alle, und es wird wahr für jeden, der es annimmt.

Und, für uns schwer zu fassen und doch wahr: Hier erfüllt sich Gott auch seine eigene Sehnsucht nach dem Menschen. Unaussprechliches Geheimnis Gottes! Unaussprechliches Geheimnis der Liebe. Voller Staunen und Verwunderung war Mutter Mechthilde de Bar, die Gründerin der Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, darüber, dass Gott sich sehnt. Er sehnt sich nach uns. Obwohl er doch als Gott nichts benötigt, mehr noch: obwohl er doch

“die unendliche Fülle selbst ist und er allein die Macht hat, alle Sehnsucht zu stillen.” (1)

Und doch ist es so. Gott braucht den Menschen nicht, er braucht nichts und niemanden, damit seine Sehnsucht gestillt wird, er braucht sich noch nicht einmal nach irgendetwas zu sehnen, denn in ihm ist kein Mangel. Aber er will den Menschen retten und erlösen, er will sich nach ihm sehnen, er will sich herabneigen und in diese Sehnsucht hinein begeben. Der Prophet Jeremia spricht von dieser Sehnsucht Gottes nach dem Menschen:

„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt. Ich baue dich wieder auf, du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.“ (Jer 31, 3-4)

Von der Sehnsucht Gottes hören wir ebenso beim Propheten Jesaja, dessen Texte in der adventlichen Zeit gelesen werden:

„Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken. Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, ‚Herr der Heere‘ ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, ‚Gott der ganzen Erde‘ wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott. Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ (Jes 54, 4-7)

Und immer wieder trägt die göttliche Sehnsucht das Bild der Hochzeit und des hochzeitlichen Mahles, der Sehnsucht des Bräutigams nach der Braut, der Vermählung der Seele mit Gott, die die intimste Vereinigung mit Gott in reiner Liebe ist.

Unübertroffen wieder im Hohelied spricht der Bräutigam, Gott, zur Braut, der Seele:

„Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen, auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8, 6-7)

Hirsche, Hirsche, Hirsche — sind sie doch genau betrachtet eine tiefe, geistliche Symbolik in der heiligen Zeit der Erwartung des Erlösers, Advent, in der wir diese Sehnsucht feiern, dieses Handeln Gottes an uns, und unserer  Sehnsucht einen ganz persönlichen Ausdruck geben können.

Vielleicht ist der Advent in diesem Sinne eine Zeit, sich dieser Sehnsucht wieder bewusst zu werden. Und wenn wir die vielen Hirsche, Rentiere, Rehe, Kitzlein oder was auch immer als Dekorationsmaterialien sehen, diese mit einem inneren Lächeln als Erinnerung an diese wunderbaren Verheißungen zu nehmen, die uns gegeben sind.

Einen herzlichen Gruß euch allen!
Thomas und Ruth

PS: Vielleicht weiß einer von euch etwas mehr über die genauen Umstände, wie es dazu kam, dass der Hirsch so präsent im Weihnachtsschmuck geworden ist. Wir finden es durchaus wichtig, um den Prozess der fortlaufenden Entkernung des Weihnachtsfestes von seinem eigentlichen Sinn besser zu verstehen, damit wir darüber aufklären und die eigentliche Botschaft von Weihnachten immer wieder neu ins Zentrum rücken können. Gerne eure Infos in den Kommentaren oder per persönlicher Email!

(1) Rechercheheft 28: „Der wahre Geist der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares“. Hrsg.: Benediktinerinnen Köln, 2010, S. 3

 

Radikale Gnade – ein Zeugnis

Als Thomas-Maria herandrängte und mit seiner Hand auf die Mitte der Monstranz mit der Hostie klatschte, traf es ihn wie ein Blitz und er fiel zu Boden. Noch im Fallen zitterte er am ganzen Körper, es dauerte an, bis er in eine tiefe Ruhe kam. Es war an einem Abend in Medjugorje, einem kleinen, damals noch unbedeutenden Dorf in Bosnien und Herzegowina. Ein Priester der Pilgergruppe trug im Haus der Gastgeber Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch die dort versammelte kleine Menschenmenge und segnete. Als Thomas-Maria fiel, stürzte eine Frau neben ihm auf die Knie und rief: „Ich glaube!“ Während er dort lag, sah er in seinem Inneren, wie sich die Hostie in ein riesiges, pulsierendes Herz verwandelte, so groß wie der Raum, in dem er sich befand. Ströme von Liebe und Frieden flossen auf ihn herab und erfüllten ihn.

Jesus in Medjugorje

Dieses Ereignis der Gnade hat Thomas-Marias Leben bis heute grundlegend verändert. Als junger, suchender Mann war er von Deutschland mit einer Pilgergruppe zu diesem gerade neu entstehenden Wallfahrtsort gekommen, als ein Suchender nach Sinn, Liebe und Antworten für sein zweifelndes und mitunter einsames und verzweifeltes Herz. Zwar katholisch getauft, war er doch aufgewachsen, ohne Gott tatsächlich kennengelernt zu haben, hatte Ausflüge in die Esoterik hinter sich und kannte so gut wie nichts vom christlichen Glauben. Wer Jesus Christus ist, war für ihn unbekanntes Land. Eucharistie? Völlig unverständlich. Er musste verrückt gewesen sein, sich auf diese Wallfahrt nach Bosnien und Herzegowina eingelassen zu haben, so hatte er gestern noch gedacht, und noch dazu jetzt an einem Ort zu sein, wo Maria, die Mutter Jesu, – so wie ihm erzählt worden war -, einer Gruppe von Jugendlichen erschien. Verrückter ging es nicht.

Medjugorje ist heute mit ungefähr einer Millionen Pilger jährlich einer der größten Gebetsstätten der katholischen Welt

Das viele Beten der Christen um ihn herum war ihm unverständlich, und noch unverständlicher, wie viele an diesem Abend im kleinen Aufenthaltsraum ihrer Unterkunft vor diesem goldenen und kostbar gearbeiteten Zeigegefäß mit einem weißen, runden „Ding“ in der Mitte anbetend auf die Knie gingen, sich verneigten oder in anderer Weise ihre Ehrfurcht ausdrückten, als der Priester segnete. Was war das?

Es zog ihn unwiderstehlich an. Er wollte es berühren, das „Ding“, und drängte nach vorn, zum Priester hin. Als seine Hand das Glas vor der Hostie traf, wurde er mit dieser Macht zu Boden geworfen. Es war eine überwältigende Liebe, die ihn fallen ließ. Thomas-Maria erlebte eine Liebe, eine Freude und einen Frieden, wie er sie noch nie erfahren hatte, und die man „als nicht von dieser Welt“ (vgl. Joh 14, 27) bezeichnen dürfte. Jesus offenbarte sich ihm mit seinem göttlichen, eucharistischen Herz so voll Liebe, dass Thomas-Maria, der Raum und alles darüber hinaus sie nicht zu fassen vermochten, sie war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.

Thomas-Maria wurde von einer übernatürlichen Wirklichkeit berührt. Radikal. Er wurde von einer Realität getroffen, die mit unseren Sinnen nicht fassbar und wahrnehmbar ist. Außer sie offenbart sich uns. Vielleicht ist es gerade für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht einfach, die übernatürliche Realität Gottes als Wirklichkeit zu erkennen. Denn wir sind eher geprägt von einem neuzeitlichen Atheismus, der alles Übernatürliche , jeglichen Glauben an unsichtbare Mächte und Kräfte verneint und schnell mit märchenhafter Legendenbildung abtut. In einer solchen Gedankenwelt, die sich allein auf Bedürfnisse und Anliegen des irdischen Hier und Jetzt bezieht, und in der der Mensch allein Gestalter und Schöpfer seiner Geschichte ist, hat „Gott“ keinen Platz. Wie alles außerhalb des sinnlich Wahrnehmbaren werden in atheistischen Denkschemata auch Jesus Christus, die heiligste Dreifaltigkeit, die Welt der Engel und Heiligen und die bösen Kräfte der Dämonen als Phantastereien gedeutet, die sich der Mensch aus welchen Gründen auch immer ausgedacht hat.

Wegen der Dinge, die dem Menschen inzwischen möglich sind, denken viele, dass es Gott nicht gibt.

Thomas-Maria gehörte nun nicht der vergleichsweise recht kleinen Gruppe von ausgesprochenen Atheisten an, die jegliches Übersinnliche ausdrücklich zurückweisen. Es war bei ihm eher die heute bei uns weit verbreitete agnostische Haltung, die irgendwo doch ein transzendentes Wesen vermutet, über das man aber aus menschlichem Unvermögen heraus keine Aussage machen kann und das sich auch nicht offenbart. Faktisch hatte ein solches Denken bei Thomas-Maria nun doch damit geendet, wie ein Atheist zu leben, also einfach ohne Gott oder irgendeine andere Religion zu sein und sich letztlich allein mit dem Irdischen zu begnügen. Doch eine diffuse Unzufriedenheit mit einer solchen entzauberten und kalten Welt hatte sich mehr und mehr Bahn gebrochen, und in ihm pochte das Verlangen nach einer Erfahrung, die über sein Dasein hinauswies. Die Esoterik versprach viel und hielt wenig. Und jetzt war er hier. Lag auf dem Boden, und die Liebe Gottes durchströmte ihn.

Ja, er hatte gerade noch die Hostie gesehen, das „weiße Ding“, und es hatte ihm nichts gesagt, nur neugierig gemacht. Bevor nicht Gott selbst ihn mit seinem Strahl der Gnade traf und Licht gab, das Licht des Heiligen Geistes, wurde er von seiner sinnlichen Wahrnehmung getäuscht. Das soll Jesus sein? „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir“, schrieb schon Thomas von Aquin in seinem berühmten Hymnus über die Eucharistie (Gotteslob Nr. 497). Wenn schon im atheistisch, agnostisch und materialistisch geprägten Zeitgeist jegliches Übernatürliche, und damit auch Gott an sich verkannt wird, wie schwer anzunehmen sind dann höchste geistliche Wahrheiten, wie die eucharistische Gegenwart Jesu? Brot gleich Jesus? Oblate gleich Jesus? Das ist doch verrückt, Torheit, widersinnig, lächerlich – aus einer Perspektive ohne das Licht der Gnade.

In diesem unscheinbaren Aufenthaltsraum in Medjugorje ist etwas Großes geschehen. Jesus Christus hat sich einem Herzen offenbart und die Blindheit einer Seele geheilt, die ihn nicht zu sehen vermochte. Noch mit der Hostie vor sich, war sie blind. Doch Jesus Christus hat sich Thomas-Maria als Retter und Erlöser genähert und ihm angeboten, in die innigste und lebenskräftigste Beziehung einzutreten, die möglich ist, nämlich die mit ihm, Jesus. Und durch ihn mit dem himmlischen Vater. Jesus hat hier, als die letzten Sonnenstrahlen eines heißen Tages durch die Fenster des Aufenthaltsraumes schienen, seine vornehmste und erste Aufgabe als Messias erfüllt.

Als wir Thomas-Maria einige Jahre nach diesem Ereignis kennenlernten und er uns seine Geschichte erzählte, waren wir einmal mehr ermutigt. Es zeigte uns doch, dass Jesus alle Mittel in der Hand hat, alles mit radikaler Gnade überwinden zu können. Danke an Thomas-Maria, dass wir hier sein Zeugnis geben dürfen.

Drei Dinge, die deinen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden lassen

Nach unserer wöchentlichen Gebetsgruppe, bei der wir jeweils einen Teil der Zeit prophetischen Lobpreis spielen, kam jemand auf uns zu, der zum ersten Mal teilgenommen hatte. Er äußerte sein Erstaunen, dass fast die ganze Gebetszeit wie auf ihn zugeschnitten war. Angefangen  von der Bibelstelle, die Grundlage des prophetic worship war, über die freien Gebete bis hin zur Musik, die sein Herz berührte. Es war für ihn gerade in diesem Moment so passend gewesen, weil in seinem Leben ein Krise aufgebrochen war, in der er tatsächlich immensen geistlichen Zuspruch brauchte.

Auch unsere Dankbarkeit war groß, dass der Heilige Geist unsere Lobpreis- und Gebetszeit so sehr für ihn geöffnet hatte. Es war im Nachhinein für uns ebenso ein wunderbares Zeugnis dafür, wie prophetischer Lobpreis konkret wirken kann. Doch was eigentlich lässt unseren musikalischen Lobpreis zu prophetischem Lobpreis werden?

1. Im prophetischen Lobpreis singen wir das „neue Lied“. Was ist das?

In der Bibel, im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, hören wir von diesem „neuen Lied“. In vieler Hinsicht können die Verse 8-9 grundlegend für den prophetischen Lobpreis angesehen werden. Es heißt dort:

„Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie sangen ein neues Lied:“ (Off 5, 8-9)

An mehreren Stellen im Buch der Offenbarung ist von diesem „neuen Lied“ die Rede. Auch im Alten Testament, vor allem in den Psalmen (vgl. Ps 33, 3; Ps 96, 1; Ps 98; 1, Ps 149,1).

Wenn wir von dem „neuen Lied“ als Grundlage des prophetischen Lobpreises sprechen, laufen verschiedene Ebenen zusammen, die aber allesamt die Form des prophetischen Spielens und Singens ausmachen.

Jesus ist das Zentrum des prophetischen Lobpreises

Die erste Ebene ist das Thema des neuen Liedes. Dies ist eine Ebene, die zuerst einmal für jeden musikalischen Lobpreis gilt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das „neue Lied“ ist das Lied der Erlösung. Es ist das Lied, dass das gesamte Heilshandeln Gottes an der Menschheit besingt.

Es ist vor allem das Lied über die Inkarnation, also die Menschwerdung Jesu Christi, und seine erlösende Heilstat. Das neue Lied handelt umfassend von den Großtaten Gottes, angefangen von der ersten Schöpfung bis zur Neuschöpfung, von der Erschaffung des Menschen, dem Sündenfall und der Erlösung des Menschen. Immer ist der Brennpunkt die Inkarnation, Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes. Er ist Zentrum des neuen Liedes.

Nichts anderes sagt uns das Buch der Offenbarung, wenn wir die darauf folgenden Verse lesen, in denen das zentrale Thema des neuen Liedes angegeben wird:

„Alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen.  Und sie sangen ein neues Lied.  (…) Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, um die Menschheit zu erlösen, Ehre, Lobpreis und Anbetung gelten ihm und dem, der auf dem Thron sitzt, von Ewigkeit zu Ewigkeit .“ (Off 5,  8 -13).

Indem wir hier auf Erden das „neue Lied“ singen, verbinden wir uns mit dem Lobpreis, der vor dem Thron Gottes im Himmel erklingt.

Doch wie singe ich das neue Lied in prophetischer Weise?

Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt.

2. Im prophetischen Lobpreis singen und beten wir das Wort Gottes

Der zweite Punkt, der deinen Lobpreis zu einem prophetischen Lobpreis werden lässt, ist folgender: Wir gehen im prophetischen Lobpreis immer von Versen und Stellen der Heiligen Schrift aus. Die Bibel ist direkte Grundlage dieses Lobpreises. Wir singen und beten die Heilige Schrift. Auf diese Weise singen wir sehr konkret das „neue Lied“.

Denn nichts anderes finden wir in der Heiligen Schrift, nämlich das Heilshandeln Gottes an uns. Es beginnt mit der Vorbereitung auf die kommende Erlösung im Alten Testament und gipfelt im Kommen des Erlösers Jesus Christus, dem Messias, im Neuen Testament.

Zum anderen ist das Wort Gottes an sich schon in gewisser Hinsicht die größte Prophetie, die den Menschen gegeben ist. Sie ist Gottes Wort, das in die Welt gesprochen ist. Sie ist „Gottes Rede“ in die Welt. In ihr ist Jesus Christus gegenwärtig.

Es fehlt noch ein dritter Punkt, der deinen Lobpreis ins Prophetische führt.

3. Im prophetischen Lobpreis streben wir danach, unter der Leitung des Heiligen Geistes kreativ zu werden

Der dritte wesentliche Punkt, der deine Lobpreismusik ins Prophetische führt, ist dieses: Stelle dein Singen, Spielen und Beten des „neuen Liedes“ in der jeweiligen Situation direkt unter die Führung des Heiligen Geistes.

Dieses ist notwendig, um genau in diese geistgeleitete Kreativität zu kommen, wozu Paulus im Epheserbrief auffordert:

„Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5, 19)

So ist es unser Bestreben, in das konkrete Hören zu kommen, um genau das in die Situation zu hineinzugeben, was der Heilige Geist sagen und tun möchte. Dieses bezieht sich sowohl auf die Melodien, als auch auf die Worte.

Faszinierend war, dass wir dieses kreative, immer wieder Neue des Lobpreises in den Ausführungen der Hildegard von Bingen über die himmlischen Musik gefunden haben. Hildegard von Bingen, die schon zu ihren Lebzeiten Anfang des Mittelalters wegen ihrer großen Schauungen über Kirche und Welt als „Prophetin“ galt, sieht in einer großen Schau, dass selbst die höchsten Geschöpfe mit ihren Gesängen die Herrlichkeit Gottes nicht zu fassen vermögen, und sie deshalb immer wieder neu, in immer wieder neuer, vollkommener Melodik mit ihren Lobgesängen ansetzen. Doch lassen wir die Heilige und Kirchenlehrerin selbst zu Wort kommen:

„Mit den lebendig schwingenden Tönen ihrer herrlichen Stimmen, verkünden sie (die Engel) die Göttlichkeit Gottes, reicher als die Vielzahl aller Töne; die aus der Vielzahl aller Töne, die aus der Vielzahl aller Lebewesen zu ihm emporsteigen, und strahlender als aller Glanz, der durch Sonne, Mond und Sterne in Gewässern schimmert, erhaben über alle ätherische Musik (…). Und doch, mit all ihrem Stimmenjubel können die seligen Geister Gottes Gottheit nie endgültig fassen. Darum heben sie auch mit ihren Stimmen immer wieder von neuem an.“ (Hildegard von Bingen bei Gronau: 224)

Wenn wir im prophetischen Lobpreis unter der Führung des Heiligen Geistes kreativ werden wollen, sehen wir auch hier eine Verbindung mit dem immer wieder neuen, kreativen Lobpreis im Himmel.

Anders als im Himmel, wo alles selbstverständlich fließt, brauchen wir hier auf Erden die Kraft des Heiligen Geistes, um in diesen kreativen, immer wieder neuen Lobpreis einzustimmen. Komm, Heiliger Geist!

Ein kleines Nachspiel: Derjenige, der die eingangs geschilderte berührende Erfahrung gemacht hatte, fragte nach den Noten der Lieder, die ihn so berührt hatten. Da mussten wir passen, es war freier Gesang gewesen! Es ist nun aber tatsächlich so: Aus den neuen Melodien und Gebeten im prophetischen Lobpreis entstehen durchaus neue Lobpreislieder, wenn jemand versiert genug ist, diese zu erinnern und in eine entsprechende Form zu bringen (Wir arbeiten dran :-)).

Neben diesen Basics gibt es noch weitere Aspekte, die im prophetischen Lobpreis tragend sind. Zum Beispiel, was ist das Prophetische genau, welche Ebenen berührt es?  Darum geht es im nächsten Blogbeitrag. Du findest ihn hier.  Möchtest du tiefer gehen? Dann schau rein!

Wir hoffen, du kannst mit unseren Ausführungen etwas anfangen. Probiere es einfach aus. Das ist auch unsere Schule. Und lass uns gern an deinen oder euren Erfahrungen teilhaben über die Kommentarfunktion oder per E-mail.

Es grüßen euch

Thomas und Ruth

Quellen:

Gronau, Eduard: Hildegard von Bingen. Stein am Rhein, 1999

 

Was ist prophetischer Lobpreis?

Hallo, und herzlich willkommen zu meinem neuen Blogbeitrag. Thomas und ich waren auf außerordentlich starken, inspirierendem Lobpreiscamp. „Was für ein Erlebnis!“, um es mit Pater Paulus Maria Tautz, dem Initiator, zu sagen. Es ging um prophetischen Lobpreis. Weiterlesen

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Sonntag morgen, 8.30 Uhr. In der Messe höre ich die Lesung des Tages aus dem Buch Josua. Plötzlich der Satz: Weiterlesen

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Hallo, und herzlich willkommen! Hier findest Du zwei der
wichtigsten Gründe für uns, mit der Vision einer eucharistischen 24-7-Anbetung immer weiter zu gehen, bis sie realisiert ist: Weiterlesen