Ein Gott, der mich sieht – Heilung der Abtreibungswunde

„Wer hat Ihnen das gesagt?“ Erschrocken und irritiert starrte das Mädchen den Pater an. Pater Emiliano Tardif hatte gerade für diese Jugendliche gebetet, er hatte in Sprachen über sie gebetet (1), und plötzlich hatte dieses eine Wort seinen Geist bewegt: „Abtreibung“. Hatte sie jemals etwas damit zu tun gehabt, war seine Frage gewesen. Die Jugendliche brach in Tränen aus. Ihre Mutter hatte sie überredet, mit zu Pater Tardif zu kommen, damit er um Heilung bete, denn zu schlimm war es geworden mit diesem eigenartigen, ständigen Umfallen, das der Epilepsie ähnelte.

Ohne Ergebnis waren viele Ärzte konsultiert worden, keiner hatte helfen können und Epilepsie war es nicht.  Es war mit ihrem Verlobten gewesen, sie stammte aus einer sehr bekannten Familie und es wäre eine  große Schande gewesen, wenn ihre Schwangerschaft herausgekommen wäre. Allein wenn sie an die dann erfolgte Abtreibung dachte, wurde sie ohnmächtig und fiel um.

Pater Tardif betete nun konkret um innere Heilung für die Jugendliche, sie beichtete und empfing die Vergebung Gottes. Seit dem waren die Ohnmachtsanfälle verschwunden, das Mädchen war innerlich befreit und begann ein neues Leben (2).

Ein Priester hört die Beichte im Beichtstuhl (Foto: josh-applegate@unsplash.com)

Gott sieht, was andere nicht sehen. Er wusste, dass die ständigen Ohnmachtsanfälle mit der Abtreibung zu tun hatten, und Gott schenkte diese Erkenntnis, als Pater Tardif für das Mädchen betete.

Mittels Beichte,  der Vergebung und dem Gebet um innere Heilung heilte der Herr  die Jugendliche von diesem epilepsieartigen Phänomen.  Psychologisch gesprochen hatten sich bei diesem Umfallen, so kann vermutet werden, massive Schuldgefühle  Bahn gebrochen, die  für das Mädchen dann nicht mehr händelbar waren und sie überwältigten — die so großen Schuldgefühle darüber, das eigene Kind getötet zu haben.

Gott kannte dieses Verborgene, und die Begegnung mit Pater Tardif wurde für das Mädchen zur rettenden Gelegenheit, dies in der Beichte zu bekennen, zu bereuen und  die heilende Vergebung zu erlangen. 

Vergebung heilt das Innerste (Foto: sara-kurfess@unsplash.com)

Gott sieht, was andere nicht sehen. Gott sieht mich und kennt mich von Grund auf — und das nicht als ein distanzierter Beobachter oder als ein hartherziger Richter, der  verdammen will.

Er schaut nach mir wie ein liebender Vater, der sein Kind von Grund auf kennt mit all seinen Nöten, Kämpfen und Problemen. Er sieht meine Ängste und Sorgen, er sieht  die tiefsten und verborgensten Leiden und Wunden, selbst die, für die ich vielleicht selbst keine Worte haben oder die vielleicht noch nicht einmal ganz in meinem Bewusstsein sind. Jesus lehrt uns, dass der Vater auch das Verborgene sieht (vgl. Mt 6, 4; 6), Jesus ist eins mit dem Vater (vgl. Joh 1,1; Joh 10,38; Joh 14,8; Joh 17,21).

Wenn Jesus verborgene Sünde aufdeckt, tut er es, um uns zur Reue und zur Umkehr zu rufen — immer zu unserem Besten und zu unserem Heil.  Immer ist es sein Wunsch, uns in seine liebenden Arme nehmen und uns von allem zu reinigen, was uns von ihm trennt.

Die Sündenvergebung ist wie reinigendes und heilendes Wasser, in das unsere Seele getaucht wird (Foto: adam-hlasny@unsplah.com)

Sein Blick auf uns ist ein liebender Blick. Seine Liebe will uns in unseren Bedrängnissen beistehen und dabei seine heilende Kraft auch in unsere verborgensten Bereiche fließen lassen. Es ist, wie der Psalm sagt: 

„Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet die schmerzenden Wunden. Groß ist unser Herr und gewaltig seine Kraft, unermeßlich seine Weisheit. … Der Herr hilft den Gebeugten auf.“ (Ps 147, 2-3; 5)

Besonders die eucharistische Anbetung ist der Ort, an dem ich mich sehr konkret dem liebenden und wissenden Blick Jesu aussetzen kann. Hier ist Jesus  mit Leib und Blut gegenwärtig, hier kann ich vor ihm still werden und mich ihm hinhalten. Hier kann ich ihn in der heiligsten Hostie betrachten  und mich dabei von ihm anschauen lassen — mit seinem Blick, der bis in meine tiefsten Tiefen dringt. 

Eucharistische Anbetung (Foto: eric-mok@unsplash.com)

Hier ist der Ort, an dem Jesus  bitten kann, auch das Verborgene aufzudecken, wissend, dass er mich liebt und dass Er vergibt. Wissend, dass Er nicht nur vergibt, sondern auch Heilung für meine verborgenen Wunden bereit hält, die oft auch ein Quelle für unsere Irrwege und Sünden sind.

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VERWEISE

(1) Wenn beim Gebet um Heilung das Sprachengebet als Fürbitte eingesetzt wird, schenkt der Heilige Geist oft Worte der Erkenntnis, die dem Bedürftigen/Kranken nützen, so wie es P. Tardif erlebte. Das Sprachengebet ist eine Gabe Gottes und gilt als eine der charismatischen Gaben, wie sie von Paulus im 1. Korintherbrief geschildert wird. Sie wird auch ‚glossolalia‘ oder ‚Zungenrede‘ genannt, denn bei diesem Gebet wird mit Worten gesprochen, die der Beter selbst nicht kennt und versteht, es klingt dabei wie eine eine Aneinanderreihung von Silben. Kardinal Paul Josef Cordes schreibt dazu: „Eine der häufig erfahrenen Wirkungen der Handlung des Heiligen Geistes ist das Sprachengebet (‚glossolalia‘). Es erwächst aus der vertrauensvollen Hingabe an den Heiligen Geist, welche neue Formen des Gebetes mit sich bringt. Paulus lehrt, dass es ein ‚Gebet im Geist‘ geben kann, das nicht vom Verstand ausgeht (1 Kor 4, 14). Durch das Sprachengebet wird der Geist des Betenden aufgebaut (vgl. 1 Kor 14,4), selbst wenn der Verstand unfruchtbar bleibt (vgl. 1 Kor 14,14). Die Erfahrung zeigt, dass jene, die regelmäßig auf diese Weise beten, im geistlichen Leben wirklich gesättigt und gestärkt werden. … Das Sprachengebet ist eine sehr gute Weise, in der Kraft des Heiligen Geistes die menschliche Begrenztheit im Gebet zu überwinden.“ (In: Kardinal Paul Josef Cordes: Heiligung und Sendung. Zur Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche. Bonifatius Verlag, Paderborn, 1999, S. 38)

(2) Das Zeugnis findet sich in dem Buch von Pater Emiliano Tardif, : Jesus lebt. Münsterschwarzach, 1988, S. 45 

BILDNACHWEIS
Titelfoto: xan-griffin@unsplash.com

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