Drei Ebenen des Prophetischen bei deiner Lobpreismusik

Beim prophetischen Lobpreis fokussieren wir auf das Prophetische.  Hier war und ist es hilfreich für uns, drei Ebenen des Prophetischen zu unterscheiden. Doch bevor wir zu diesen drei kommen, wollen wir noch einmal besonders darauf hinweisen, dass jeder musikalische Lobpreis selbstverständlich Prophetisches einbeziehen kann. Aber es ist eben nicht selbstverständlich. Wenn wir einfach ein Lied nach dem anderen singen, ist dort schwerlich Platz für prophetische Anteile. Es ist aber jederzeit möglich, bewusst Lobpreislieder in besonderer Weise für den Heiligen Geist zu öffnen, um aus den Liedern heraus in das freie prophetische Singen und Spielen zu gelangen.

Auch wichtig ist der weitere Hinweis vorab, dass selbstverständlich der Heilige Geist schon am Werk ist, wenn wir einfach Lobpreislieder singen. Denn das Wort des Paulus ist wahr: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1 Kor 12, 3).

Und diesen wunderbaren Herrn besingen wir ja zuerst, wenn wir Lobpreislieder singen, sei es aus traditionellem oder aus modernen geistlichen Liedgut. So ist selbstverständlich der Heilige Geist schon gegenwärtig, wenn wir zum Beispiel in der Messe aus vollem Herzen Lieder aus dem Gotteslob singen, vorausgesetzt, es ist für uns mehr als ein leeres Singritual. Auch kann der Heilige Geist durch einfaches Singen von Lobpreisliedern Herzen stark berühren, denn er weht, wo er will und wie er will (vgl Joh 3, 8). Doch dieses meinen wir nicht, wenn wir von prophetischem Lobpreis sprechen.

Beim prophetischen Lobpreis ergeht von uns eine ausdrückliche Einladung an den Heiligen Geist, dass Er unser Beten, Singen und Spielen übernimmt. Wir bitten um die Gabe der Prophetie für den musikalischen Lobpreis. Wir stellen uns dem Heiligen Geist zur Verfügung, um uns in prophetischer Weise für den Dienst an der Gebetsgruppe, dem Hauskreis, der Versammlung oder wo auch immer wir im Einsatz sind, gebrauchen zu lassen.

Wir streben an, dem Heiligen Geist im musikalischen Lobpreis einen besonderen Raum geben, um sich zu schenken und zu wirken. Wir wollen ihm in unserem kleinen, bescheidenen Rahmen einen Landeplatz anbieten, damit Er sein Werk tun kann. Das ist das Wesen des prophetischen Lobpreises. Insofern steht tatsächlich das Prophetische im Zentrum dieses Lobpreises. Das Prophetische berührt dabei drei Ebenen.

1. Erste Ebene des Prophetischen: Das aktuelle Zeugnis über die großen, zeitlosen Heilswahrheiten mit Jesus Christus im Zentrum

Um diese grundlegende erste Ebene tiefer zu verstehen, war es für uns hilfreich zu erkennen, dass das Prophetische ganz selbstverständlich zu uns gehört. Es ist ein Teil von uns als Volk Gottes. Es gehört zu uns, die wir uns Christen nennen. Es ist eines der Zeichen für das ganze Volk des Neuen Bundes, der mit Jesus Christus begründet ist.

So spricht der Katechismus nicht nur vom Volk Gottes  als einem „priesterlichen“ und „königlichem Volk“, sondern auch von ihm als dem „prophetischem Volk“ (vgl. KKK 783, 785). Schon die Predigt des Petrus am Pfingsttag in Jerusalem erwähnt dieses. Petrus nimmt die Weissagung des Propheten Joel auf. Denn diese hat sich am Pfingsttag in Jerusalem, bei der allerersten Herabkunft des Heiligen Geistes erfüllt. Von da an ist sie durch die weiter wirkende Kraft des Heiligen Geistes in der Kirche lebendig. Petrus rief der Menge zu:

„… jetzt geschieht, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: ‚Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.'“ (Apg 2, 16-18)

Das Prophetische als Merkmal des Volkes Gottes – was heißt das? Darin steckt ein Ruf. Es ist der Ruf, Zeugnis zu geben. Ein Zeugnis zu geben für Jesus Christus, und damit für das Heilshandeln Gottes an uns. Die Verbindung zum Prophetischen stellt sich dort her, wo wir erfahren und erkennen, dass wir dieses Zeugnis nicht aus uns selbst heraus geben können.

Dieses Zeugnis zu geben ist schon ein Wirken des Heiligen Geistes. Im Katechismus lesen wir es so:

„Das heilige Volk Gottes nimmt auch Teil am prophetischen Amt Christi, vor allem durch den übernatürlichen Glaubenssinn, … der ihm zu eigen ist. (… Das Volk Gottes) versteht ihn immer tiefer und wird mitten in der Welt zum Zeugen Christi.“ (KKK 785)

Im Buch der Offenbarung in der Bibel finden wir das grundlegende Wort dazu:

„Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie.“
(Offb 19, 10).

In diesem Wort aus der Offenbarung finden wir den entscheidenden Hinweis darauf, dass das echte und wahre Zeugnis über Jesus Christus untrennbar mit dem Prophetischen verbunden ist. In diesem Sinn nimmt auch Hans-Urs von Balthasar Bezug auf dieses Schriftwort:

„… die Zeugnisablage erfolgt durch den Heiligen Geist, der die rechten Worte über Gott eingibt. Prophet ist nicht der, welcher Zukünftiges anzusagen versteht, sondern der das geschenkte Wort über Gott zu sagen weiß.“ (Hans-Urs von Balthasar: 99)

Gibt Petrus nicht in seiner Pfingstpredigt ein solches Zeugnis, erfüllt vom Heiligen Geist? Sein Wort trifft eine große Menge von Menschen, über 3000, mitten ins Herz und sie lassen sich taufen (vgl. Apg 2, 41).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet dies, dass wir dieses Zeugnis geben wollen, indem wir die großen, zeitlosen Wahrheiten über Gott singen und beten, mit Jesus Christus im Zentrum.

Die Bibel als Grundlage dieses Lobpreises spielt dabei ein sehr wichtige Rolle (mehr zur Bedeutung des Wortes Gottes im prophetischen Lobpreis siehe hier).

2. Die zweite Ebene des Prophetischen: Gott will durch das Prophetische in eine bestimmte Zeit oder Epoche eingreifen

Josef Kardinal Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI, spricht von einer weiteren wichtigen Funktion des Prophetischen in der Kirche. Er spricht davon, dass Gott durch das Prophetische direkt in einer Zeit oder Epoche handeln und eingreifen will. Wissend um all die Dinge, die Kirche tut, ist doch, so sagt er,

„das Prophetische viel stärker der Raum …, in dem Gott sich vorbehält, selbst immer wieder einzugreifen und die Initiative zu ergreifen.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Weiter führt er aus,

„dass Gott sich durch die Charismen das Recht vorbehält, immer wieder unmittelbar in die Kirche hineinzureden, sie aufzuwecken, zu warnen, zu fördern und zu heiligen. Ich glaube, diese charismatisch-prophetische Geschichte durchzieht die Zeit der Kirche.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Er macht dieses Eingreifen vor allem an „großen prophetischen Gestalten“, wie er sie selbst nennt, in der Kirchengeschichte fest. Diese haben sich in Krisenzeiten und an Wendepunkten von Gott rufen lassen und standen an Anfängen von neuen Aufbrüchen und Erneuerungsbewegungen, so zum Beispiel der hl. Mönchsvater Antonius, der hl. Franziskus, die hl. Katharina von Siena oder die hl. Birgitta von Schweden.

Die heilige Birgitta von Schweden

Wir verstehen es auch so, dass Gott viele Menschen rufen und in Bewegung setzen kann, um auf Bedürfnisse einer ganzen Zeit oder Epoche zu antworten. Der kanadische Priester Ghislan Roy sagte einmal:

„Eine ewige Anbetung ist prophetisch“ (siehe hier).

Er meinte damit zuerst eine ewige eucharistische Anbetung, die nonstopp läuft, die aber aus ihren ursprünglichen Orten der Klöster herausgetreten ist und in der Welt mehrheitlich von Laien getragen wird. Wenn man nun die Gebetsaufbrüche um die ökumenisch ausgerichtete Gebetshausbewegung weltweit anschaut und die Initiativen des 24/7-Gebets, die allesamt das 24stündige Rund-um-die-Uhr-Gebet anstreben, egal in welchen Formen, denken wir, dass es nicht zu viel ist zu sagen, dass Gott hier in allen Konfessionen prophetische Zeichen aufrichtet, durch die er in die Welt sprechen will. Auch wir mit unserer Vision eines eucharistischen Gebetshauses HOPE verstehen uns als Teil dieser Bewegungen. Was ist ihre Botschaft?

Sie alle rufen in die Welt: Hier ist der eine und einzige Gott, der es wert ist, Tag und Nacht angebetet zu werden. Hier ist der eine, wahre, liebende Gott, der sich Tag und Nacht für dich erreichbar macht. Hier ist der eine, wahre Gott, der dir einen konkreten Ort zeigt, wo er wohnt und wo du ihm begegnen kannst. „Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!“ (Joh 1, 39).

Für den prophetischen Lobpreis bedeutet diese Ebene, sich im Lobpreis für die Worte Gottes zu öffnen, die er nicht nur uns persönlich, sondern für unsere Zeit und die Kirche sagen möchte.

3. Dritte Ebene des prophetischen Lobpreises: Gottes Rede in eine bestimmte Situation hinein, für eine bestimmte Gruppe, Versammlung oder Einzelperson

Prophetisches ist auch bekannt, wenn es um das geschenkte Wort in einer bestimmten Situation, für eine bestimmte Gruppe oder für eine bestimmte Person geht. Wir finden es bei Gebetsversammlungen zum Beispiel, oder auch beim Heilungsgebet oder in der Seelsorge. Gerade auch auf dieser Ebene gibt es das geschenkte, persönliche Wort, das helfen, heilen und trösten will.

Im prophetischen Lobpreis heißt diese Ebene für uns, dass wir danach streben, uns ganz dafür zu öffnen, wie Gott uns konkret für den Dienst an einer Gruppe nehmen will. Unsere Erfahrung ist, dass das Wort, so persönlich es auch sein mag, doch immer so diskret ist, dass es nur derjenige, den es betrifft, tatsächlich versteht. Das Singen von Worten hat den Effekt, dass es durch die musikalische Untermalung noch tiefer ins Herz gehen kann.

Die geistliche Unterscheidung ist sehr wichtig, nicht nur bei dieser dritten, sondern bei allen diesen Ebenen des Prophetischen.

Voraussetzung für das Prophetische: die innere Hörfähigkeit

Wenn wir das Prophetische vom inneren Prozess her betrachten, wird deutlich, dass es immer wieder um das Hören geht. Es gibt dieses sehr schöne Lobpreislied, in dem es heißt:

„Herr, bin ich. Sprich, dein Diener hört. Schenk mir die Gnade, deine Stimme zu hör’n, die Gnade, deinen Willen zu tun. Herr, hier bin ich.“

In diesem drückt sich genau dieses Hören aus: Die leise Stimme des Heiligen Geistes zu vernehmen, seine Stimme zu erkennen und immer besser kennenzulernen, seine Eingebungen wahrzunehmen und immer sensibler dafür zu werden, und diesem dann hörend zu folgen. Aus dieser inneren Perspektive des Hörens verstehen wir, dass Josef Kardinal Ratzinger hier den Fokus auf Maria lenkt, die in ihrer Reinheit ganz Hörende und ganz Gehorsame war. Er sagt, dass Maria der „Urtyp der christlichen Prophetie“ ist.

„An ihr definiert man, was Prophetie ist, nämlich diese innere Hörfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, die überhaupt den Zuspruch des Geistes wahrnimmt, ihn verinnerlicht und dadurch fruchtbar macht und in die Welt hineinträgt.“ (Josef Kardinal Ratzinger bei Hvidt: 180)

Keine Frage, es ist ein geistlicher Weg, immer weiter ins Hören und in den prophetischen Lobpreis hinein zu kommen. Wir empfinden uns da selbst noch sehr am Anfang, doch wir vertrauen darauf, dass Gott uns weiter helfen wird.

Wenn du dich zum prophetischen Lobpreis gerufen fühlst, hoffen wir, dass du etwas mit diesen Ausführungen anfangen kannst. In einem weiteren Blogbeitrag zum Thema prophetic worship geht es darum, was es für die Praxis bedeutet, beim musikalischen Lobpreis auf das Prophetische zu fokussieren. Du findest ihn hier.

Bis dahin!

Es grüßen euch Thomas & Ruth

Quellen:

Hans-Urs von Balthasar: Das Buch des Lammes. Zur Offenbarung des Johannes. Freiburg, 2010

„Das Problem mit der christlichen Prophetie.“ Niels Christian Hvidt im Gespräch mit Kardinal Josef Ratzinger. In: Zeitschrift „Communio“, März/April 1999, S. 177-188

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