Mitten ins Herz #1

Vor mehr als 30 Jahren: Ich bin noch ein Jugendlicher und mit einer schwierigen familiären Situation konfrontiert. Ob es einen Ausweg gibt, das war damals alles andere als sicher, alles endete scheinbar im ewigen Mantra des Geht-nicht.  Ich weiß noch, dass ich damals mit meiner Mutter in einem Cafe saß und nach draußen schaute auf die belebte Straße. Sah die Menschen vorbeieilen, sah in die Gesichter der anderen Gäste und betete verzweifelt, wie nie in meinem Leben zu einem Gott, den ich zwar irgendwie kannte, aber doch wieder nicht. Und ich weiß es noch wie heute. Die Welt schien plötzlich für einen Moment wie eingefroren und das Gefühl, da ist etwas im Raum, das ist größer als alles und dann war alles vorbei. Danach ging alles schnell, es fand sich eine Lösung für das Problem, ein Umzug folgte und eine deutliche Besserung der Schwierigkeiten. Knapp zwei Jahre begegnete ich in einem Glaubenskurs Jesus Christus und folge ihm seitdem. Inzwischen bin ich davon überzeugt, schon damals bin dem lebendigen Gott begegnet.

Vor zwei Jahren: Ich bin in Paray-le-Monial und es ist ein Uhr morgens, als ich in die kleine Erscheinungskapelle gehe. Und ich bin nicht allein, viele sind hier im Gebet versammelt; sie blicken wie ich erwartungsvoll und hoffend auf das ausgesetzte Allerheiligste. Die gesammelte Stille, das mit den Händen zu greifende sehnsuchtsvolle Gebet der Gläubigen, das leise Flackern der Kerzen, das alles führt dazu, dass die Zeit stehen und die Müdigkeit zurückbleibt, ich die Menschen um mich herum vergesse und mit Jesus allein bin. Es ist als ob Jesus mir sagt: „tauche alles in das Meer meiner Liebe, die stärker ist als aller Zorn“ und ich schließlich, innerlich durch einen Impuls bewegt, Römer 8 aufschlage. Es ist das großartige Kapitel des Römerbriefes, wo Paulus erklärt: „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Und wie schon zuvor und seitdem so oft erlebt, jetzt besonders, die Gegenwart Jesu trifft mich unvermittelt mitten ins Herz. Und ich gehe mit einem tiefen Frieden, der mich noch viele Tage begleitet und der die Sehnsucht nach mehr von der Gegenwart Jesu weckt.

Auch das kann Anbetung sein: Der Durst nach seiner Gegenwart, die Sehnsucht nach der Begegnung mit Ihm, die frei macht, auch wenn die Situation schwierig und verfahren scheint. Gewiss, es gibt Momente, in denen das Gebet zur Anstrengung gerät, Ablenkungen jegliches Gebet ersticken und stören, Phasen in denen „nichts“ ist außer dem nackten Glauben an seiner Zusage, bei mir zu sein. Und doch überwiegt die Sehnsucht nach seiner Gegenwart, die mich immer wieder ins Gebet und die Anbetung treibt.

MITTEN INS HERZ, so habe ich diese kleine Serie genannt, in der es in lockerer Folge um die Begegnung mit Jesus Christus geht.

2 Gedanken zu „Mitten ins Herz #1“

  1. Lieber Thomas,
    Das ist ein sehr authentischer Bericht, ich kann alles nachfühlen, sehne mich ja selber seid 32 Jahren nach Jesus und suche IHN seid dem mit eher steigender Itensität. Diese Sehnsucht ist vermutlich ein Geschenk Gottes.
    Du hast wirklich auferbauend geschrieben, mach weiter so…
    LG Georg

    1. Ja, es ist wirklich ein Geschenk Gottes, der uns immer tiefer in seine Gegenwart führen will! Danke für Deinen mutmachenden Kommentar Georg!

      LG Thomas

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