Drei Gründe, warum stille Anbetung fasziniert

Was fasziniert eigentlich an stiller, eucharistischer Anbetung, die so unauffällig daherkommt? Drei Gründe sind es vor allem, warum es immer mehr Menschen dahin zieht, Jesus Christus in Stille anzubeten. 

Die Faszination der Stille

Zuerst ist es die Faszination der Stille, die anzieht. Stille Anbetung ragt heraus. Ob nun der Lobpreisleiter, der Rosenkranzbeter, der nüchterne Schriftleser, oder der, der beim prophetischen Lobpreis, beim harp&bowl in der Gebetshausbwegung einen neuen, kreativen Ausdruck des Anbetens sucht – dann und wann findet sich der ein oder andere doch in der Stille vor dem Allerheiligsten Sakrament wieder. Was ist daran, wenn ich Bibel und Gebetbuch weglege, den Rosenkranz beende, die Lobpreismusik ausschalte  und nur noch still meinen Blick auf die Hostie richte?

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https://www.flickr.com/photos/lorettogemeinschaft/8757133728/in/album-72157633525537385/

Still werden, loslassen, inne halten, aus dem Lärm des Alltag herauskommen, sie Seele zur Ruhe kommen lassen – alles das ist ein tiefes Bedürfnis von uns. Bei der Anbetung kommt noch etwas Unschätzbares und Faszinierendes hinzu: Ich bin nicht allein mit mir still. Es ist nicht einfach nur still sein und ins Schweigen kommen. Es ist vielmehr Stillwerden in einer einzigartigen Gegenwart. Ich werde still  in der mächtigsten Gegenwart Jesu. Es gibt keine stärkere Präsenz Jesu als die in diesem kleinen, weißen Stück Brot. Es wurde in einer heiligen Messe konsekriert und nun steht Jesus vor mir in einer  Monstranz. Jesus ist da.

Jesus ist in so außerordentlicher Weise da, dass selbst Menschen, die ohne Lehre über dieses Sakrament aufgewachsen, oft von dieser einzigartigen Gegenwart Jesu angezogen werden.

Roger Schutz, der Begründer der ökumenischen Bruderschaft von Taizé, berichtet uns zum Beispiel (http://www.ewige-anbetung.de/Worte/Zitate/zitate.html):

„Heute verweilte ich lange in unserer kleinen katholischen Dorfkirche vor dem Tabernakel im Gebet. Dies ist ein bewohnter Ort.“

TabernakelnahServatius©www.anbetung-heilung.de

Es ist, als habe Roger Schutz erahnt und gespürt, was wir im Katechismus nachlesen können: Im Allerheiligsten Sakrament ist

„wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus“

gegenwärtig (Katechismus, Absatz 1374).

Das Besondere der eucharistischen Gegenwart Jesu verlangt geradezu das Stillwerden. Es ist hier ein Innehalten und zur Ruhe kommen in seiner so mächtigen Gegenwart, die auf uns wirken will. In der Stille, wenn wir still werden vor Ihm, kann er uns in unserer tiefsten Tiefe anrühren.

Ich werde still in Gott und lasse mich in der Tiefe
meines Seins lieben

Ein zweites ist die Liebe Gottes, die mich in der Tiefe meines Seins lieben will. Es ist die Sehnsucht Jesu, uns mit seiner Liebe zu berühren, in allen Schichten unseres Seins. Wenn wir still werden vor ihm, kann   seine Gegenwart in besonderer Weise auf uns ausstrahlen, weil wir alles ausblenden, was diese Zweisamkeit mit Gott stören könnte.

Ein besondere Gegenwart wirkt immer auch in besonderer Weise auf uns; dieses kennen wir schon von einfachen, menschlichen Begegnungen her, wenn wir eine faszinierende Person treffen. Hier nun sind wir in der Gegenwart des Sohnes Gottes, in der Gegenwart von Jesus, der Gott ist. Das allein schon ist außerordentlich groß.

Vor allem aber: Sein Wesen ist die Liebe. Gott ist die Liebe, wie uns der 1. Johannesbrief lehrt (vgl. 1 Joh 4, 8). Insofern ist das Allerheiligste Sakrament eine einzigartige Gegenwart der Liebe. In einer still gewordenen Seele öffnen sich tiefe Bereiche, in die diese Liebe hineinwirken kann.

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Es ist eine Macht der Liebe, die mich immer ruhiger werden und staunen lässt. Es ist vielleicht eine besondere Nähe, die der Herr jetzt geschehen lässt. Es ist eine Gegenwart, die mich liebevoll und sanft ergreift. Ich komme immer mehr zur Ruhe, und in dieser stillen Zweisamkeit kann Jesus mich in intimster, geistiger Weise mit seiner Liebe berühren.

„Jesus kann nirgends sein, ohne auszustrahlen“,

schreibt Charles de Foucauld über das Allerheiligste Sakrament, über diese besondere Gegenwart Jesu und ihr Wirken . Charles de Foucauld lebte als Einsiedler in der Sahara und durfte in dieser Einsamkeit die Eucharistie bei sich haben. Er schöpfte mehr als alle anderen aus dieser Stille und Zweisamkeit mit Jesus (http://www.charlesdefoucauld.org/de/biographie.php).

Endlich einmal loslassen, endlich nur Da-Sein .

Zum dritten kommt Stillwerden unserem Bedürfnis entgegen, einfach einmal nur da zu sein, ohne etwas tun zu müssen. Wenn ich still werde in der Gegenwart Jesu, höre ich auf allen Ebenen auf, etwas zu tun. Selbst meine Gedanken sollen still werden und aufhören, mir ständig etwas zuzurufen. Das ist schwer, und gleichzeitig ist es eine Sehnsucht. Endlich loslassen. Endlich einmal Seindürfen, wie ich bin,  endlich einfach nur Dasein. Ich lasse los, auch das fromme Tun.

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Stille Anbetung ist ein Heilmittel gegen ein ständiges Tun-wollen oder Tun-müssen. Sie ist ein Gegenmittel gegen den Lärm der Welt, dem wir immer mehr ausgesetzt sind. Hier kann ich sein, ohne etwas machen zu müssen. Hier ist eine Oase der Ruhe angesichts der Hektik und den Anforderungen des Alltags. In einer immer schneller werdenden Welt und vor immer größeren Herausforderungen tut es gut, inne zu halten.

Wenn ich in der eucharistischen Gegenwart Jesu zur Ruhe komme, bin ich nicht allein und auf mich selbst zurückgeworfen. Ich bin gehalten in der Liebe Gottes, Jesus ist da, objektiv da.

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In dieser Welt voller Lärm und Verwirrungen empfiehlt auch em. Papst Benedikt XVI die stille Anbetung. Er war tief beeindruckt während des Weltjugendtags in Köln 2005, als er mit 1 Million Menschen gemeinsam stille Anbetung hielt. Er sagte am 25. Mai 2006 in Warschau:

„Ich möchte gern die im vergangenen Jahr in Köln gemachte Erfahrung in Erinnerung rufen. Ich war damals Zeuge eines tiefen, unvergesslichen Schweigens von einer Million junger Menschen im Augenblick der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments. Diese betende Stille vereinte uns, spendete uns viel Trost. In einer Welt, in der es so viel Lärm und so viel Verwirrung gibt, ist die stille Anbetung des in der Hostie verborgenen Jesus notwendig.“

Tut es nicht gerade dann gut, wenn der Lärm um mich herum besonders groß wird, wenn es hektisch ist oder wenn Spitzenzeiten anstehen, eine solche regelmäßige Oase der Stille mit Jesus vor dem Tabernakel oder bei eucharistischer Anbetung zu halten? Wie oft bin ich schon gestärkt, erfrischt und ermutigt in meinen Alltag und zu meinen Aufgaben zurückgekommen.

Wie anfangen? Gib Jesus drei Minuten.

Eine, die es ausprobiert hat, war Leah Darrow, ein ehemaliges US-amerikanisches Topmodell.  Während der ADORATIO 2015 berichtete sie darüber, wie sie mit der Anbetung begonnen hatte. Drei Minuten genügten, um anzufangen.

„Anbetung war schwierig für mich, weil ich so viel Lärm in meinem Kopf und in meinem Herz hatte. Es war schwer für mich, zur Ruhe zu kommen. Also begann ich mit drei Minuten Anbetung. Ich gab Gott nur diese drei Minuten, um anzufangen. In der ersten Minute fragte ich Gott um alles, was ich brauchte. In der zweiten Minute dankte ich Gott für alle Segnungen in meinem Leben. In der dritten Minute war ich still. Drei Minuten waren am Anfang sehr hart für mich. Ich stellte meine Uhr, und ging sofort, nachdem die Zeit vorbei war. Doch Gott arbeitete an meinem Herzen sogar in diesen drei Minuten. Aus den drei Minuten wurde mehr, und ich konnte immer länger dort sein. Jetzt gehe ich eine Stunde. Mir wurde bei der Anbetung bewusst, als ich so nah vor dem Herrn im Allerheiligsten Sakrament war, dass ich nichts anderes mehr brauchte als nur noch Ihn.

All dieses erscheint dir zu einfach? Du bist herzlich eingeladen, es auszuprobieren, und berichte uns gern von deinen Erfahrungen.

Einen herzlichen Gruß von Ruth

4 Gedanken zu „Drei Gründe, warum stille Anbetung fasziniert“

  1. Mich interessiert dieses Thema sehr.
    Ich habe jedoch schon das Problem, überhaupt zu beten.
    Ich finde nicht die nötige Ruhe dazu. Mein Kopf ist nicht in der Lage, sich darauf einzulassen. Immer sprudeln mir meine Sorgen dazwischen.. Ich setze mich oft in die Kirche, aber ich werde dabei nicht ruhig.. Im Gegenteil..

    1. Vielen Dank für Deine Gedanken… Spontan fällt mir ein, was mir geholfen hat, aber das musst du natürlich ausprobieren, ob du etwas damit anfangen kannst. Mir hilft, wenn Sorgen hochpoppen oder meine Gedanken davonlaufen wollen, dieses kurz registrieren und dann ganz ruhig einen Akt der Sammlung zu machen, z.B. „Jesus, du bist hier, und ich bin jetzt ganz bei Dir“ oder als Bitte „Jesus, du bist hier, hilf mir, ganz in Deiner Gegenwart zu sein“. Wenn Sorgen stark bedrücken, einfach, weil sie gerade groß sind, und sie mich stark ablenken, hilft es mir, sie zum Gebet zu machen. Statt den ‚Kreisel im Kopf‘ zuzulassen, bete ich z.B. „Hilf mir bei diesem und jenem, lass mich eine Lösung erkennen, gib mir Kraft für die notwendigen Schritte“ etc. Vielleicht kannst Du etwas damit anfangen, das würde mich freuen, ich weiß, dass das, was du schilderst, störend und belastend sein kann. Aber es gibt keine verlorene Zeit mit Gott, auch wenn man es vielleicht selbst so empfindet; und es ist toll, dass du in die Kirche gehst, ich möchte dich da gern ermutigen. Ich wünsche Dir noch alles Liebe! Ruth

      1. Vielen Dank für die lieben Worte.
        Ich weiß, es gibt keine verlorene Zeit mit Gott.
        Ich kann mich gerade nur in die Kirche setzen, für mehr reicht es nicht. Mein Kopf ist einfach zu voll und belastet mit großen Sorgen.
        Es ist nur unbefriedigend, weil ich dadurch auch nicht offen bin.. für Gott.

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